Medikamentensucht

Sie sind abhängig von einem bestimmten Medikament und haben Angst, im Alltag ohne das Mittel nicht zurechtzukommen? Durch die Einnahme fühlen Sie sich abgestumpft und emotionslos und möchten endlich wieder intensiver fühlen? Bei uns finden Sie alle erforderlichen Informationen, um die Tablettensucht endlich loszulassen.

Sie erfahren, an wen Sie sich im ersten Schritt wenden können, welche Entzugsvarianten möglich sind, was Sie bei der Wahl der passenden Klinik beachten müssen und wie es nach einem Rückfall weitergeht. Verschenken Sie keine Zeit – Durch eine adäquate Behandlung gewinnen Sie deutlich mehr Lebensqualität!

Medikamentensucht – Eine heimliche Sucht?

Viele Menschen lernen von klein auf, zu Medikamenten zu greifen: Sei es bei Schmerzen, Erkältungen oder Allergien. In zahlreichen Fällen wird der Konsum im Erwachsenenalter fortgesetzt und kann bei bestimmten Präparaten in eine Medikamentenabhängigkeit führen. So geht die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren davon aus, dass bis zu 5 Prozent aller rezeptpflichtigen Arzneimittel ein hohes Suchtrisiko beinhalten. Dies gilt ganz besonders für Benzodiazepine und Z-Substanzen.

Aber auch ohne ärztliche Verordnung ist die Entwicklung einer Medikamentensucht möglich. So besitzen rund 10 Prozent aller nicht verschreibungspflichtigen Präparate ein Suchtpotenzial. Entscheidend für die Entwicklung einer Medikamentensucht ist daher neben dem konsumierten Therapeutikum auch immer der eigene Umgang mit Arzneistoffen. Wir informieren Sie über alle relevanten Aspekte der geheimen Sucht…

FAQs zur Medikamentensucht

Medikamentensucht – was ist das eigentlich?

Die Frau, die nachts nicht schlafen kann und daher bereits seit Wochen das Schlafmittel Zolpidem einnimmt; der Geschäftsführer, der sich in kritischen Situationen mit dem Benzodiazepin Tavor® beruhigt und die Lehrerin, die ihre starken Kopfschmerzen mit dem Schmerzmittel Tilidin lindert: Eine Medikamentensucht mit einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit kann im Grunde jeder entwickeln, der über einen längeren Zeitraum ein Mittel mit hohem Suchtpotenzial einnimmt.

Die Grenzen zwischen Heilmittel und Suchtmittel verlaufen fließend, so dass die Betroffenen oft erst sehr spät merken, dass sie tablettenabhängig sind. Im Gegensatz zur Alkoholsucht sieht man ihnen von außen die Sucht lange nicht an. Schließlich stehen die Suchtkranken – besonders bei einer Niedrigdosisabhängigkeit – im Alltag nach wie vor ihren Mann oder ihre Frau. Die medizinische Notwendigkeit eines Medikamentenentzugs erschließt sich vielen Patienten daher erst dann, wenn die fortgeschrittene Sucht bereits einen großen Leidensdruck verursacht.

Welche Medikamente können eine Medikamentensucht hervorrufen?

Ungefähr fünf Prozent aller Medikamente auf dem Markt können durch regelmäßige Einnahme süchtig machen. Zu den Medikamenten mit hohem Suchtrisiko gehören vornehmlich Schlafmittel (Hypnotika), Beruhigungsmittel (Sedativa, Tranquilizer) und Schmerzmittel (Analgetika). Besondere Vorsicht ist bei den sogenannten Benzodiazepinen (Benzos) und den Z-Substanzen Zolpidem, Zolpiclon und Zaleplon geboten, da sie bei längerer Einnahme bereits in kleinen Dosierungen zur Abhängigkeit führen können. Bei einem Missbrauch bzw. Mischkonsum können sie auch Mehrfachabhängigkeiten hervorrufen.

Da diese Präparate in der Regel bei Lebensumständen verordnet werden, in denen die körperliche und psychische Belastung ohnehin sehr groß sind, ist die Situation besonders fatal. Froh, endlich ein Mittel gefunden zu haben, das die zum Teil qualvollen Symptome lindert, sind sich die Betroffenen des hohen Risikos meist nicht bewusst. Eine umfassende Aufklärung durch den verordnenden Arzt ist daher ein absolutes Muss.

Benzodiazepine (Benzos)

Die häufig bei Angsterkrankungen, Schlafstörungen oder hochgradigem Stress verschriebenen Benzodiazepine, zu denen u. a. Lorazepam (Tavor), Diazepam (Valium), Bromazepam (Lexotanil), Oxazepam (Adumbran) und Clonazepam (Rivotril) gehören, werden ausschließlich auf Rezept verordnet und wirken auf den Konsumenten beruhigend, entspannend und angstlösend. Da sie das Leben der Betroffenen deutlich erleichtern können, wurden sie im Jahr 1977 von der der WHO (Weltgesundheitsorganisation) in die Liste der unentbehrlichen Therapeutika aufgenommen. Abgesehen von ihrer überaus positiven Wirkung können sie aber leider nach relativ kurzer Zeit zur physischen und psychischen Abhängigkeit führen, weshalb sie nicht länger als vier Wochen eingenommen werden sollten.

Eine Abhängigkeit macht sich besonders dann bemerkbar, wenn die Benzodiazepinabhängigen versuchen, das Medikament abrupt abzusetzen und Entzugserscheinungen entwickeln. Besteht die Medikamentensucht über einen längeren Zeitraum, können sich folgende Symptome manifestieren:

  • Leistungsverlust & Interessensrückgang
  • Abgestumpftheit
  • Soziale Isolation & Stimmungsschwankungen
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Neurologische Ausfälle
  • Schwindel und Schwäche
  • Innere Unruhe und Zittern

  • Schlafprobleme und Angststörungen
  • Übelkeit und Kopfschmerzen
  • Reizbarkeit und Krampfanfälle
  • Wirkungsumkehr (paradoxe Reaktionen)
  • Toleranzentwicklung
  • Angst und Depressionssymptome
  • Entwicklung einer Demenz

Zolpidem, Zolpiclon und Zaleplon (Z-Substanzen)

Die sogenannten Z-Drugs haben eine sehr ähnliche Wirkung wie die Benzodiazepine, sind jedoch chemisch anders zusammengesetzt. Ursprünglich als Benzodiazepin-Alternative in den 1990er Jahren entwickelt, sollten sie ein deutlich niedrigeres Abhängigkeitspotenzial besitzen als Benzodiazepine. Mittlerweile ist allerdings bekannt, dass sie diesen in Sachen Suchtrisiko in nichts nachstehen.

Sie wirken auf den Konsumenten dämpfend und schlafanstoßend, und beeinflussen – anders als die Benzodiazepine – nicht die einzelnen Schlafphasen. Daher gehören sie zu den meist verordneten Präparaten für Ein- und Durchschlafstörungen. Bei einer Abhängigkeit treten aufgrund der Ähnlichkeit mit den Benzodiazepinen auch ähnliche Symptome auf:

  • Spannungs- & Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Tremor
  • Nervosität
  • Verwirrung

Barbiturate

Die früher häufig als Schlafmittel verordneten Barbiturate werden aufgrund der hohen toxischen Risiken nicht mehr zur Behandlung von Schlafstörungen verschrieben. Allenfalls werden sie als Antiepileptika oder als Injektionsnarkotika eingesetzt. Bei einer längerfristigen Einnahme können sich folgende Symptome manifestieren:

  • Schwindelanfälle
  • Erbrechen und Übelkeit
  • Allergische Reaktionen
  • Gedächtnisverlust
  • Hautirritationen
  • Leberfunktionsstörungen

Opiate und Opioide

Opiate (vom natürlichen Schlafmohn gewonnen) und Opioide (synthetisch hergestellt) werden vorwiegend bei starken und chronischen Schmerzen verordnet und von der WHO in ihrem Stufenschema zur Schmerztherapie in schwach wirksame (u. a. Tilidin, Tramadol und Codein) und stark wirksame Opioide (u. a. Morphin, Fentanyl, Oxycodon und Hydromorphon) unterschieden. Die stark wirksamen Opioide wirken in einer Überdosierung lebensgefährlich und dürfen daher nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Erhältlich sind sie ausschließlich auf ein Betäubungsmittelrezept (BtM).

Neben ihrer schmerzlindernden Wirkung haben Opiate und Opioide ebenfalls einen stimmungshebenden Effekt, verursachen Schwindelgefühle und Leichtigkeit im Kopf ähnlich wie bei einem Alkoholschwips. Tramal hat die Besonderheit, dass es zudem positiv den Serotonin-Haushalt beeinflusst, wirkt also auf ähnliche Weise stimmungsaufhellend wie ein Antidepressivum.

So erklärt es sich, dass neben einer unbeabsichtigten Medikamentensucht mit den Wirkstoffen häufig Missbrauch betrieben wird. Auch die illegale Droge Heroin gehört zu den Opiaten.

Eine Opiat-Abhängigkeit kann mit folgenden Symptomen verbunden sein:

  • Zittern
  • Übelkeit, Erbrechen und Obstipation
  • Schlafprobleme
  • Angststörungen und innere Unruhe
  • Bewusstseinsstörungen
  • Dauerkopfschmerz
  • Starke Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie)
  • Stimmungstiefs in Kombination mit Stimmungsschwankungen

Weshalb ist Vorsicht beim Mischkonsum psychotroper Wirkstoffe geboten?

Bei einigen der genannten Arzneimittel muss bei längerer Einnahme sukzessive die Dosierung erhöht werden, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Diese Entwicklung nennt man Toleranzentwicklung. Bei gleichzeitiger Einnahme von Substanzen mit ähnlichen Wirkmechanismen kommt es zu einer gegenseitigen Toleranzverstärkung (Kreuztoleranz) und dadurch bedingt unter Umständen zu Mehrfachabhängigkeiten. Kreuztoleranzen bestehen zwischen Alkohol, Benzodiazepinen und Barbituraten und zwischen den Opioiden Heroin, Codein und Morphin.

Welche Arten der Medikamentensucht gibt es?

Die Tablettensucht ist die einzige substanzgebundene Abhängigkeit, bei der zwischen zwei verschiedenen Formen unterschieden wird. Während Alkoholabhängigkeit gleich Alkoholabhängigkeit und Drogenabhängigkeit gleich Drogenabhängigkeit ist, richtet sich die Bezeichnung der Tablettensucht nach der konsumierten Dosismenge. Man spricht von einer Niedrigdosisabhängigkeit (low-dose-dependency) und eine Hochdosisabhängigkeit. (high-dose-dependency).

Eine Niedrigdosisabhängigkeit besteht immer dann, wenn der Kranke nach einem Medikament süchtig wird, obwohl die Dosierung gleichbleibend niedrig ist und er das Arzneimittel nach den Vorgaben des Arztes einnimmt. Warnzeichen für diese Art der Abhängigkeit sind ein Wirkungsverlust bei unveränderter Dosierung und die Entwicklung von Entzugssymptomen beim Weglassen der niedrigen Dosis.

Eine Hochdosisabhängigkeit ist meist die Folge eines Medikamentenmissbrauchs. Hier erhöht der Kranke aufgrund eines Gewöhnungseffekts (Toleranzentwicklung) oder der als angenehm empfundenen Nebenwirkungen eigenmächtig die Dosis, um noch dieselbe Wirkung zu verspüren oder den Kopf in einen für den Patienten erwünschten Rausch zu versetzen. Ebenso üblich ist ein Arztwechsel, um das Medikament länger einnehmen zu können oder der gleichzeitige Besuch mehrerer Ärzte, um so viele Rezepte wie möglich zu erhalten.

Wodurch unterscheiden sich Medikamentenmissbrauch und Medikamentenabhängigkeit?

Neben dem bereits erwähnten Missbrauch durch die Einnahme höherer Dosen bei der Hochdosisabhängigkeit, kann ein Medikamentenmissbrauch bewusst zu Rauschzwecken stattfinden, beispielsweise bei stimmungshebenden Opioiden. Erhalten sie das Mittel nicht über eine ärztliche Verordnung, versuchen die Betroffenen sich das Medikament illegal zu beschaffen.

Eine Medikamentenabhängigkeit oder Medikamentensucht hingegen zeichnet sich durch eine körperliche und psychische Abhängigkeit aus, die von den Patienten nicht beabsichtigt wurde und ihnen oft zunächst nicht einmal bewusst ist. Im Verlauf der Krankheit nimmt der Patient den Suchtstoff nur noch ein, um sich normal zu fühlen und keine Entzugserscheinungen zu bekommen.

Wie entwickelt sich eine Medikamentensucht?

Am Anfang einer Medikamentenabhängigkeit stehen z. B. eine psychische Störung, Schlaflosigkeit oder starke Schmerzen. Dauern diese Beschwerden über eine längere Zeit an, sind die meisten Betroffenen buchstäblich am Ende ihrer Kräfte und sehen oft keinen anderen Ausweg, als sich Medikamente verschreiben zu lassen. Damit beginnt ein Teufelskreis, denn in vielen Fällen werden lediglich die Symptome behandelt. Dennoch erfahren die Hilfesuchenden zunächst eine Linderung ihrer Probleme und möchten diese verständlicherweise nicht mehr missen. Es ist also naheliegend, nach einem weiteren Rezept zu fragen. Ignoriert der behandelnde Arzt die drohende Suchtgefahr und verschreibt die Präparate über einen längeren Zeitraum hinweg, ist eine Tablettensucht vorprogrammiert. Es handelt sich dann um eine iatrogene Medikamentensucht, d. h. um eine vom Arzt verursachte Abhängigkeit.

Was sind die Ursachen einer Medikamentensucht?

Wie bereits erwähnt, kann theoretisch jeder Mensch eine Tablettensucht entwickeln, wobei Frauen ein höheres Risiko besitzen als Männer, die eher zum Alkohol greifen. Es gibt also keine spezielle Suchtpersönlichkeit oder festgelegte Medikamentensucht-Ursachen. Dennoch haben Personen, die versuchen, selbst Lösungsstrategien für ihre Schlaflosigkeit zu entwickeln oder eine leichtere Depression durch Entspannung, Sport und Gespräche mit guten Freunden zu lindern, ein deutlich niedrigeres Risiko, eine körperliche Abhängigkeit von einer psychotropen Substanz zu entwickeln. Schließlich nehmen sie ihre Probleme selbst in die Hand, ohne gleich zu einem Medikament zu greifen. Die Grundlagen hierfür werden meist bereits in der Kindheit gelegt und durch die Eltern vorgelebt. So werden Kinder, die schon früh lernen, dass es für jedes Unwohlsein das passende Medikament gibt, sich mit hoher Wahrscheinlichkeit als Erwachsene eher auf Medikamente verlassen, als sich aktiv mit dem jeweiligen Problem auseinanderzusetzen.

Dennoch gibt es Situationen, in denen eine medikamentöse Therapie zwingend erforderlich ist, beispielsweise bei Suizidgefahr oder bei onkologischen Erkrankungen. Hier überwiegt der Nutzen das Risiko. Wichtig ist es allerdings, dass sowohl der Arzt als auch der Patient bedachtsam mit der Einnahme umgehen und diese so kurz wie möglich halten. Ebenso darf ein Patient mit einer Suchterkrankung niemals ein Medikament verschrieben bekommen, das potenziell süchtig machen kann.

Warum steigt die Tablettensucht mit zunehmendem Lebensalter?

Auch Menschen, die in jungen Jahren buchstäbliche in sich ruhen, können im Alter eine Tablettenabhängigkeit entwickeln. Schließlich verschlechtert sich die Qualität des Schlafs und es kommt vermehrt zu Schmerzen durch altersbedingte Verschleißerscheinungen. Lebenskrisen wie der Tod des Partners oder die Angst vor dem Alter führen zu psychischen Problemen, die durch Medikamente gelindert werden. Hinzu kommt, dass der Stoffwechsel im hohen Alter Tabletten deutlich langsamer abbaut, weshalb viele Senioren eine zu hohe Dosis einnehmen oder leider auch verordnet bekommen. Ebenso erhöht sich die Gefahr von Einnahmefehlern oder Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Medikamenten. Insgesamt ist das Risiko bei älteren Menschen durch gesundheitliche Probleme, persönliche Lebenskrisen und einen verlangsamten Stoffwechsel also deutlich höher als bei jüngeren Menschen.

Wie macht sich eine Medikamentensucht bemerkbar?

Die Symptome einer Medikamentenabhängigkeit machen sich oft erst dann bemerkbar, wenn die Betroffenen das Mittel abrupt absetzen oder in zu niedriger Dosierung einnehmen. Vorher bleibt die Sucht meist unentdeckt, da bei vielen Menschen kein spezifisches Bewusstsein über die Risiken einer Medikamentensucht besteht. Gefördert wird dieses Verhalten durch die medizinische Verordnung, die dem Konsumenten das Gefühl vermittelt, dass der Gebrauch des Mittels der Gesundheit diene. Dennoch gibt es konkrete Anhaltspunkte, die es einem Mediziner erleichtern, die Diagnose einer Medikamentenabhängigkeit zu stellen.

Wie wird eine Tablettensucht diagnostiziert?

Erste Anzeichen eines Medikamentenmissbrauchs oder einer Abhängigkeit zeigen sich bei einem Patienteninterview durch den behandelnden Arzt, der nach der täglichen Dosis, Nebenwirkungen, der Wirksamkeit und vielen weiteren Kriterien fragt.

Das wichtigste Hilfsmittel bei der Medikamentensucht-Diagnose ist das Diagnose-Manual der WHO, das sogenannte ICD-10. Eine Medikamentensucht liegt gemäß der ICD 10-Kriterien immer dann vor, wenn während des vergangenen Jahres mindestens drei dieser Kriterien erfüllt wurden:

  • Entzugssymptome bei Reduzierung oder Beendigung der Medikamenteneinnahme
  • Toleranzentwicklung (Dosierung muss nach und nach gesteigert werden, um weiterhin die gleiche Wirkung zu erzielen)
  • Zwanghaftes Verlangen, das Medikament zu konsumieren (Craving)
  • Vernachlässigung persönlicher Interessen aufgrund der Abhängigkeit
  • Hoher Zeitaufwand, den Wirkstoff zu beschaffen und einzunehmen
  • Verringerte Kontrolle über Beginn, Ende und Menge der Einnahme (Kontrollverlust)
  • Fortführung des Konsums trotz gesundheitlicher Probleme und Beeinträchtigungen

Was sind die Folgen einer Medikamentensucht?

Die von einer Tablettensucht ausgelösten körperlichen Schäden sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden und sind sehr oft viel gravierender als anfangs angenommen. Obwohl es im Falle einer Niedrigdosisabhängigkeit häufig scheint, dass das Mittel sehr gut vertragen wird, handelt es sich bei allen Medikamenten mit Suchtrisiko um psychotrope Substanzen, die den Neurotransmitter-Stoffwechsel des zentralen Nervensystems verändern und langfristig zu massiven Medikamentensucht-Folgen führen können:

  • Erhöhtes Unfall- und Sturzrisiko
  • Höhere Suizidgefahr
  • Abgestumpftheit und Emotionslosigkeit
  • Steigerung des Aggressionspotenzials
  • Verwahrlosung
  • Organische Schäden (hier sind klassische Kopfschmerzmittel als Auslöser zu nennen, die Leber, Magen, Darm oder Niere schädigen können)
  • Entwicklung einer Demenz
  • Arbeitslosigkeit
  • Beziehungsprobleme

Wie kann man eine Medikamentensucht bekämpfen?

Eine Tablettensucht ist in der Regel nur mit professioneller Hilfe in Form eines Medikamentenentzugs zu überwinden. Da sie laut ICD-10 als Krankheit gilt, werden die Kosten für den Entzug von öffentlichen Kostenträgern übernommen. Alternativ können Privatpatienten oder Selbstzahler die Behandlung ihrer Sucht auch in einer privaten Suchtklinik durchführen. Im Vergleich zu einer Alkoholsucht zieht sich der Entzug durch die Depotwirkung einiger Medikamente jedoch deutlich länger hin. So kann es teilweise erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen zu Entzugserscheinungen kommen, weil die Depots erst dann vollständig abgebaut sind. Grundsätzlich gilt, je früher das Problem angegangen wird, desto besser sind die Erfolgschancen eines Entzugs. Je länger eine Tablettenabhängigkeit besteht, desto schwerer sind die Entgiftung und die folgenden Entzugssymptome. Das Entzugssyndrom verläuft dabei immer individuell und richtet sich nach dem jeweiligen Patienten und dem konsumierten Wirkstoff. Es gilt folgende Faustregel: Die komplette Entwöhnung dauert ungefähr die Hälfte der Zeit, die man das Medikament eingenommen hat. Hat also Patient X ein Jahr lang Benzodiazepine eingenommen, dann wird er rund 6 Monate benötigen, um halbwegs symptomfrei zu sein.

Wie läuft der Entzug ab?

Der Medikamentenentzug verläuft in unterschiedlichen, aufeinander aufbauenden Phasen.

Entgiftung

Nachdem der Betroffene seine Abhängigkeit erkannt und eingestanden hat, wird der Körper zunächst entgiftet. Hierbei wird das Medikament fraktioniert entzogen, d. h. die Dosis wird schrittweise reduziert, um die körperlichen Folgen des Entzugs zu gering wie möglich zu halten. Eine Reduktion der Dosis kann entweder durch eine Umstellung auf Medikamente mit geringerer Halbwertszeit, d. h. schnellerer Verstoffwechselung, erzielt werden oder durch eine Medikamentengabe in flüssiger Form, mit der das Mittel kleinschrittig und tropfenweise ausgeschlichen werden kann. Während der gesamten Entgiftungsbehandlung werden die Vitalfunktionen engmaschig überwacht.

Entwöhnung und Behandlung von Begleiterkrankungen

Neben der körperlichen Abhängigkeit muss immer auch die psychische Abhängigkeit durchbrochen werden. Dies passiert während einer Entwöhnungsbehandlung, in der sich der Medikamentenabhängige aktiv mit den Ursachen seiner Sucht auseinandersetzt und diese psychotherapeutisch aufarbeitet. Parallel dazu werden konstruktive Alternativmöglichkeiten zum Medikamentenkonsum trainiert. Im Falle von Schlafproblemen kann dies eine bessere Schlafhygiene sein, bei starken Schmerzen das Erlernen mentaler Bewältigungsstrategien. Sind zusätzlich zur Sucht psychische Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) wie Depressionen, Angststörungen oder Burnout vorhanden, werden diese mitbehandelt. Schließlich bedingen sich Begleiterkrankung und Sucht oft gegenseitig, so dass ein hohes Rückfallrisiko besteht, wenn diese nicht entsprechend therapiert werden.

Da die meisten Patienten große Angst haben, den Alltag ohne das Suchtmittel zu bewältigen, findet in einigen Kliniken am Ende des Entzugs eine umfangreiche Rückfallprävention mit optionaler Belastungserprobung statt. Darüber hinaus lernt der Betroffene durch zahlreiche therapeutische Zusatzangebote, wieder sich selbst und den eigenen Körper zu spüren und Gefühle und Bedürfnisse anders wahrzunehmen. So wird beispielsweise seelischer Schmerz nicht mehr als körperlicher Schmerz wahrgenommen, sondern als Gefühl von Trauer und Wut. Die Einnahme eines starken Schmerzmittels wird dadurch in vielen Fällen obsolet.

Ambulante Nachsorge

Durch das entwickelte Suchtgedächtnis kann eine Medikamentensucht nie vollständig geheilt werden. Lediglich eine dauerhafte Abstinenz kann die Betroffenen vor Rückfällen bewahren. Um diese auch nach dem Entzug im Alltag zu stabilisieren, ist eine ambulante Nachsorge unabdingbar. Diese erfolgt üblicherweise durch den regelmäßigen Besuch eines Nachsorgetherapeuten und die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.

Wie findet man die richtige Klinik für einen Medikamentenentzug?

Die besten Erfolgsaussichten hat ein stationärer Entzug in einer Medikamentenabhängigkeit-Klinik. Dabei muss zwischen öffentlichen Einrichtungen und Privatkliniken unterschieden werden.

So verläuft ein Entzug in öffentlichen Kliniken in zwei separaten und zeitlich verzögerten Behandlungsschritten. Die Entgiftung erfolgt in einem öffentlichen Krankenhaus oder einer Psychiatrie und wird von der Krankenkasse übernommen. Die Entwöhnung oder auch Suchtrehabilitation findet in einer Rehaklinik statt und fällt in den Zuständigkeitsbereich der Rentenversicherung. Zwischen beiden Schritten besteht ein größerer zeitlicher Abstand, da die Sucht-Reha bei der Rentenkasse erst beantragt werden muss und zum Teil eine lange Warteliste besteht. In dieser Zwischenzeit (ungefähr 3 bis 6 Wochen) ist die Rückfallgefahr besonders groß, denn die psychische Abhängigkeit und der Suchtdruck bestehen nach wie vor.

In einer Privatklinik wird dagegen ganzheitlich behandelt, d. h. Entgiftung und Entwöhnung erfolgen bei denselben Ärzten und Therapeuten, in einer Einrichtung und in einer einzigen Behandlung. Dadurch wird ein größeres Vertrauen zum Behandlungsteam aufgebaut und Rückfallrisiken verringert. Ebenso ist die psychotherapeutische Betreuung durch Einzelgespräche meist deutlich intensiver als in öffentlichen Einrichtungen, die überwiegend Gruppentherapien anbieten. Die Suchttherapie kann in vielen privaten Kliniken durch Sofortaufnahmen sehr zeitnah begonnen werden.

Die Entscheidung, welche Klinik die richtige ist, hängt neben den Kosten und der Behandlungsform von vielen weiteren individuellen Kriterien ab, so dass Pauschalempfehlungen für die Klinikwahl nicht gegeben werden können. Die Erfolgsaussichten für ein abstinentes Leben sind in einer guten Privatklinik allerdings am höchsten.

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos: Datenschutz | Impressum