Drogensucht-Ursachen: Diese Ursachen führen häufig in eine Drogenabhängigkeit

Laut Drogen- und Suchtbericht 2019 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung starben im Jahr 2018 deutschlandweit 1.276 Menschen an den Folgen eines Drogenkonsums. Trotzdem geben in Umfragen mehr als 52 % der unter 25-Jährigen an, schon einmal Cannabis, Crystal Meth oder Kokain konsumiert zu haben. Doch was verleitet Menschen dazu illegale Drogen zu konsumieren? Schließlich ist allgemein bekannt, dass Substanzen wie Heroin oder Kokain schon nach kurzer Zeit eine Suchterkrankung auslösen und schlimmstenfalls zum Tod führen können. Bei einer differenzierten Betrachtung der Drogensucht-Ursachen zeigt sich, dass die Gründe für einen Drogenkonsum meist vielschichtig sind.

Drogenkonsum versus Drogensucht

Während Alkohol und Tabak hierzulande als legale Rauschmittel (fast) überall erhältlich sind, ist der Konsum von Rauschgiften wie Cannabis oder Ecstasy verboten. Trotzdem zeigen neue Statistiken, dass der Konsum vor allem bei den sogenannten “weichen Drogen” regelmäßig zunimmt. Doch genauso wie bei Alkohol, wird nicht jeder, der hin und wieder Cannabis konsumiert, direkt abhängig. Der Konsum von Suchtmitteln bzw. ein Drogenmissbrauch ist demnach nicht automatisch mit einer Drogenabhängigkeit gleichzusetzen. Außerdem muss zwischen verschiedenen Arten von Drogen differenziert werden. Schließlich bringen diese ein unterschiedliches Suchtpotenzial mit sich, was bedeutet, dass einige Substanzen schneller zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit führen als andere.

Was sind die Gründe für Drogenkonsum?

Eine einzelne Ursache für eine Drogenabhängigkeit lässt sich nur in den seltensten Fällen klar bestimmen. Stattdessen hat eine Abhängigkeit meist mehrere eng miteinander verflochtene Gründe bzw. Ursachen als Auslöser. So ist es zum Beispiel wahrscheinlicher, dass jemand, der unter psychischen Problemen leidet und sozial schlecht integriert ist, zu Suchtmitteln greift, als jemand, der unter einer psychischen Erkrankung leidet, aber von einem starken Familien- und Freundeskreis gestützt wird. Daneben gibt es aber auch Drogensüchtige, die auf den ersten Blick ein perfektes Familienleben pflegen und im Job glänzen, aber durch leistungssteigernde Drogen wie Amphetamine oder Kokain scheinbar alles erreichen, was sie sich vornehmen. Dementsprechend individuell sind die Suchtbiografien der Betroffenen.

Psychische Faktoren

Drogen wirken als psychoaktive Substanzen direkt auf den Transmitter-Stoffwechsel im Gehirn des Menschen ein und verändern je nach Substanz die Weiterleitung von Reizen und Signalen. Dabei wird in erster Linie das Belohnungszentrum angesprochen. Schließlich aktiviert der Konsum der jeweiligen Droge positive Gefühle, während negative Emotionen in den Hintergrund geraten. Insbesondere Menschen, die unter psychischen Problemen leiden und beispielsweise an Depressionen oder einer Angst- und Panikstörung erkrankt sind, erweisen sich als empfänglich für die Wirkung der Drogen. Sie haben das Gefühl, endlich einmal abschalten und Kummer und Sorgen vergessen zu können. Auch ein geringes Selbstwertgefühl oder seelische Verletzungen können als Drogensucht-Ursache identifiziert werden. Manchmal zeichnen sich die Betroffenen durch eine von der Norm abweichende Impulskontrolle und eine übersteigerte Neugier aus.

Genetische Veranlagung

Untersuchungen im Zusammenhang mit Alkohol und Sucht haben herausgefunden, dass Abhängigkeitserkrankungen in Familien bisweilen gehäuft auftreten. Entsprechend wird gemutmaßt, dass bestimmte genetische Konstellationen die Ausbildung einer Suchterkrankung begünstigen können. Inwiefern die individuelle genetische Disposition für eine Drogenabhängigkeit als Ursache eingestuft werden muss, ist jedoch unklar. Fest steht allerdings, dass das Vorhandensein bestimmter suchtbegünstigender genetischer Anlagen nicht zwangsläufig zu einer Abhängigkeit führen muss.

Biologische Faktoren

Im Unterschied zur Genetik, die von Geburt an besteht, entstehen die biologischen Faktoren, die eine Drogensucht aufrechterhalten, erst während des Konsums. Durch die Wirkung der jeweiligen Substanz im Gehirn des Betroffenen kommt es zu strukturellen Veränderungen, die eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Konsumverlangen spielen. Durch die vermehrte Ausschüttung des Glückshormons Dopamin empfindet der Suchtkranke die Belohnung durch den Konsum der Droge als dermaßen stark, dass „natürlich“ entstandene Glücksgefühle dagegen verblassen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Suchtgedächtnis.

Hinzu kommt, dass der Körper sich zunehmend an die Wirkung der Drogen gewöhnt. Diese sogenannte Toleranzwirkung sorgt dafür, dass die Substanzen in immer größeren Mengen konsumiert werden müssen. Das verstärkt einerseits die Abhängigkeit, gleichzeitig aber auch die Probleme, die mit dem Drogenmissbrauch einhergehen.

Soziale Faktoren

Der Umgang mit legalen und illegalen Drogen im Jugend- und Erwachsenenalter wird maßgeblich durch das Erlebte in der Kindheit bestimmt. Wer in einer Familie aufwächst, in der die Eltern oder andere Familienmitglieder regelmäßig Alkohol trinken oder Drogen nehmen, besitzt ein höheres Risiko, als Erwachsener selbst eine Drogenabhängigkeit zu erleiden. Ebenso können aber auch spätere soziale Einflussfaktoren relevant werden, beispielsweise der Umgang mit falschen Freunden, der Wille einer bestimmten Peer-Group zuzugehören oder eine soziale Isolation, die durch den Drogenrausch kompensiert wird.

Was ist die Ursache für Drogensucht bei Jugendlichen?

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene vor allem mit Blick auf Cannabis als besonders gefährdet gelten. Das kann zu schwerwiegenden Problemen führen, denn Cannabis wird nicht umsonst als sogenannte “Einstiegsdroge” bezeichnet. Wer einmal eine vermeintlich “sanfte” Droge konsumiert, senkt automatisch die eigene Hemmschwelle auch andere Rauschgiftarten auszuprobieren. Dementsprechend hilfreich ist es, sich die Gründe für einen Drogenkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 25 Jahren genauer anzusehen:

  • Wunsch neue Erfahrungen zu sammeln
  • Gruppenzwang oder positive Erlebnisberichte von Freunden
  • Flucht vor Problemen und Sorgen
  • Überforderung in Schule, Ausbildung und Familie
  • Imitation älterer Bezugspersonen
  • Hormonell bedingter Stress durch Pubertät
  • Psychische Störungen

Viele Kinder und Jugendliche suchen außerdem einen Kick, der sie aus ihrem oftmals recht passiv gestalteten Alltag (Smartphone, Videospiele etc.) herausholt. Andere hingegen nehmen Rauschgifte ein, um sich abzugrenzen, ihr Selbstwertgefühl zu stärken oder Unsicherheiten zu überdecken. Fatal daran ist, dass das Gehirn von Kindern und Jugendlichen, die sich noch in der Entwicklung befinden, durch den frühen Konsum illegaler Drogen einen irreversiblen Schaden davontragen kann. Zudem entwickelt sich eine Abhängigkeit in jungen Jahren mitunter schneller als bei Erwachsenen.

Drogensucht-Ursachen erkennen: Rechtzeitiges Handeln kann eine Abhängigkeit verhindern

Wer die möglichen Ursachen eines Drogenkonsums kennt, kann der Entstehung einer Abhängigkeit frühzeitig entgegenwirken. Bei körperlichen oder psychischen Beschwerden, Stress und Überlastung, familiären Schwierigkeiten oder ähnlichen potenziellen Ursachen einer Drogenabhängigkeit sollten sich Betroffene deshalb schnellstmöglich adäquate Hilfe suchen und sich gar nicht erst zum Konsum bestimmter Substanzen verleiten lassen. Stattdessen lohnt es sich, die individuellen Belastungen in einer Therapie, der Familie, dem Freundeskreis oder einer Selbsthilfegruppe zu besprechen. Gemeinsam können Strategien entwickelt werden, um die belastende Situation aufzulösen. Der Griff zu Heroin, Kokain oder Cannabis bietet dagegen nur eine vermeintliche Lösung, die langfristig in eine Abhängigkeit und zu schweren gesundheitlichen Folgen führen kann. Ist die Sucht erst einmal eingetreten, hilft meist nur noch die stationäre Behandlung in einer Entzugsklinik, um zu einem selbstbestimmten Leben ohne Drogen zurückkehren zu können.

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