Cannabis – Der Dauerkonsum der vermeintlich weichen Droge geht mit harten Risiken einher

Aktuell sind der Kauf, Besitz und Konsum von Cannabis in Deutschland strafbar. Eine Ausnahme liegt lediglich dann vor, wenn Cannabis zu Therapiezwecken auf Rezept verordnet wird. Dennoch ist die Droge im Vergleich zu anderen Substanzen mit berauschender Wirkung in Deutschland leicht zu beschaffen. Die Kosten für ein Rauscherlebnis sind relativ niedrig, sodass ein gelegentlicher Konsum bereits im Teenie-Alter erschwinglich ist. So ist es auch kein Wunder, dass Cannabis als Einstiegsdroge gilt und auf Feiern unter Jugendlichen häufig konsumiert wird. In den meisten Fällen bleibt es bei einem einmaligen Ausprobieren oder einem sporadischen Gebrauch. Bei regelmäßigem Konsum kann die scheinbar “softe” Droge allerdings schnell in die Abhängigkeit führen und alle negativen Begleiterscheinungen einer Suchterkrankung aufweisen. Grund genug, sich näher mit der Cannabis-Wirkung, dem Suchtpotential und den gesundheitlichen Folgen des Konsums zu befassen.

Wie wird Cannabis konsumiert?

Tetrahydrocannabinol, kurz THC, ist die psychoaktive Substanz, welche die berauschende Cannabis-Wirkung auslöst. Der hauptsächlich in den weiblichen Blütenständen der Hanfpflanze enthaltene Wirkstoff kann dem Körper – je nach Vorliebe des Konsumenten – auf unterschiedliche Art und Weise zugeführt werden. So werden die getrockneten Blüten als Marihuana (auch: Gras, Weed, Hecke, u.a.) konsumiert. Der Harz der THC-haltigen Pflanze ist in gepresster Form unter der Bezeichnung Haschisch (auch: Hasch, Pot, Shit, Dope u.a.) im Umlauf. Eine weitere Darreichungsform ist Haschischöl. Dieser stark konzentrierte Harzauszug mit einem THC-Gehalt von bis zu 50 % ist aufgrund seines hohen Preises nur einem sehr eingeschränkten Konsumentenkreis zugänglich.

Welche Wirkung wird der illegalen Droge zugeschrieben?

Als psychoaktive Substanz bewirkt THC innerhalb weniger Minuten nach der Aufnahme Veränderungen im Bewusstsein und in der Wahrnehmung des Konsumenten. Beschrieben werden beispielsweise euphorische Glücksgefühle, eine innige Nähe zu anderen Menschen, ein tiefes Einssein mit der Natur oder die Wahrnehmung übernatürlich anmutender Musikklänge. Hier spricht man auch von einem Zustand des “High-Seins”. Geschildert wird des Weiteren ein Entrücktsein von der realen Umwelt, eine physisch und psychisch gefühlte Tiefenentspannung. Der Konsument fühlt sich “stoned”. Erreicht wird dieser Rauschzustand durch die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke und die Besetzung der Cannabinoid-Rezeptoren im menschlichen Gehirn mit THC. Auf diese Weise hat der Cannabiskonsum einen entscheidenden Einfluss auf die Signalübertragung und wirkt sich direkt auf das Schmerzempfinden und die Gefühls- und Gedankenwelt aus.

Welche negativen Begleiterscheinungen beinhaltet der Cannabiskonsum?

Neben den positiv erlebten Gefühlen des Rauschzustandes können nach dem Konsum der Droge jedoch auch zahlreiche Negativfolgen auftreten. Dazu zählen besonders Missempfindungen wie Sehstörungen, Ohrgeräusche, räumliche Desorientierung, Halluzinationen, Angstgefühle sowie Herzrasen und Schweißausbrüche.

Was passiert beim Dauerkonsum von Marihuana oder Haschisch?

Die Langzeitfolgen des Kiffens können gravierend sein und sollten keineswegs unterschätzt werden. So sind es hauptsächlich psychische, einen “normalen” Alltag stark negativ beeinflussende Einschränkungen und Erkrankungen, die in Zusammenhang mit regelmäßigem Konsum gebracht werden. Zu den gesundheitlichen Folgen, die durch das Rauschgift begünstigt, ausgelöst oder verschlimmert werden können, zählen vor allem

  • verminderte kognitive Leistungsfähigkeit, beispielsweise verringerte Merk- und Konzentrationsfähigkeit
  • Depressionen
  • psychotische Erkrankungen, beispielsweise Schizophrenie
  • Angsterkrankungen, beispielsweise Panikattacken

Zudem besteht für den Körper ein hohes Risiko, an ernsthaften Herz- und Lungenleiden oder Krebs zu erkranken.

Welche weiteren Gefahren sind mit Cannabis verbunden?

Schwarzer Afghane, Skunk, Roter Libanese oder Grüner Türke: Ständig kommen neue Cannabispflanzen auf den Markt, die sich in ihrem Wirkstoff-Gehalt unterscheiden. Dazu kommt, dass viele Cannabisprodukte gestreckt werden und der Reinheitsgehalt stark variiert. Umso schwerer ist es für die Konsumenten die Wirkung des THCs einzuschätzen und die richtige Dosierung zu finden. Es kann zu einer Überdosierung verbunden mit Tachykardie, Erbrechen und im schlimmsten Fall zu einem Kreislaufkollaps kommen.

Wie hoch ist das Abhängigkeitspotenzial von Cannabis?

Das Risiko für eine körperliche Abhängigkeit durch das Rauchen von Marihuana oder Haschisch gilt als minimal. Viel größer ist die Gefahr, an einer psychischen Abhängigkeit zu erkranken. Da durch die vom Delta-9-Tetrahydrocannabinol geförderte Ausschüttung von Glückshormonen gewissermaßen auf Knopfdruck eine künstliche Euphorie erzeugt werden kann, ist die Versuchung groß, sich immer wieder einen neuen Kick zu verschaffen. Auf diese Weise gerät auf Dauer das gesamte Belohnungssystem durcheinander, so dass Glücksgefühle am Ende nur noch durch die Droge hervorgerufen werden können. Es entsteht ein Teufelskreis, der in der Regel nur durch einen ärztlich kontrollieren Cannabis-Entzug durchbrochen werden kann.

Wie wird eine Cannabis-Abhängigkeit behandelt?

Da bei einer Cannabis-Sucht kaum körperliche Symptome auftreten, wird eine Abhängigkeit meist erst dann bemerkt, wenn es bereits zu einer psychischen Abhängigkeit und einer Störung des körpereigenen Belohnungssystem gekommen ist. Der Konsument ist kaum noch in der Lage, seinen Konsum bewusst zu steuern, zu groß ist das Verlangen nach Marihuana oder Haschisch und der damit verbundenen Euphorie. Daher ist es in erster Linie wichtig, die Psyche zu stärken, alternative Lösungen zum Cannabiskonsum zu erarbeiten und ggf. das Belohnungssystem durch Medikamente zu stabilisieren. Dies gelingt in der Regel nur mit ärztlicher und psychologischer Unterstützung über einen längeren Zeitraum hinweg. Dazu kommt, dass sich der körperliche Entzug aufgrund der langen Halbwertszeiten über mehrere Wochen hinziehen kann. Schließlich sind Cannabinoide und ihre Metaboliten im Urin rund 30 Tage, bei Langzeitkonsumenten auch durchaus länger, nachweisbar. Für Cannabis-Abhängige ist es daher sinnvoll, sich für einige Wochen aus dem Alltag auszuklinken und einen stationären Entzug in einer Suchtklinik durchzuführen. Die Betroffenen haben so die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen ganz auf die Therapie zu konzentrieren und gemeinsam mit den Ärzten und Therapeuten erfolgreich ihre Rückkehr in einen abstinenten Alltag vorzubereiten.

Zu welchen medizinischen Zwecken wird Cannabis eingesetzt?

Hier muss zunächst zwischen den illegalen Drogen Haschisch und Marihuana und dem Wirkstoff THC unterschieden werden. Dieser wird hauptsächlich bei Krankheitsbildern auf Rezept verordnet, die mit starken chronischen Schmerzen einhergehen, zeigt jedoch nicht bei jedem Patienten Wirkung. Die Entscheidung darüber, ob Cannabis bei bestimmten Krankheiten indiziert ist und verschrieben wird, liegt im Ermessen des zuständigen Arztes. Zudem muss die Krankenkasse dem schriftlichen Antrag des Arztes zustimmen. Eine Einschränkung auf bestimmte Krankheiten seitens der Versicherungsträger gibt es nicht. Aktuell scheitern allerdings mehr als 70 Prozent aller Verordnungen an der Zustimmung der jeweiligen Krankenkasse. Die hauptsächlichen Gründe dafür dürften die hohe Suchtgefahr des Wirkstoffs und der stark schwankende THC-Gehalt der weiblichen Blüten sein.

Verschrieben wird THC beispielsweise als Alternative zu der Wirkstoffgruppe der Opioide (darunter: Fentanyl, Tramadol und Tilidin). THC wirkt primär schmerzlindernd und beruhigend. Eine entzündungshemmende oder fiebersenkende Wirkung wie bei anderen zur Schmerztherapie eingesetzten Medikamente ist nicht vorhanden. Mögliche Indikationen sind beispielsweise Krebserkrankungen und Krankheiten des rheumatischen Formenkreises wie Morbus Bechterew oder Polyarthritis.

Welches Image hat Cannabis in der Öffentlichkeit?

Wohl keine andere Droge besitzt in der Öffentlichkeit ein so positives Image wie Cannabis. Daher wurde Cannabis in einigen US-Bundesstaaten und Ländern wie Uruguay und den Niederlanden bereits legalisiert. In Deutschland gibt es aktive Bewegungen, welche eine Legalisierung fordern. Hauptargument der Befürworter ist der öffentliche Verkauf von Alkohol unter schwachen Reglementierungen, obwohl er wesentlich schlimmere gesundheitlich Früh- und Spätschäden erzeugt und ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt. Eine Begründung, die aus der Sicht der Befürworter zwar durchaus nachvollziehbar ist, jedoch die Risiken von Cannabis negiert. Neben dem hohen psychischen Abhängigkeitsrisiko tritt bei Cannabis-Konsumenten ein sechsfach höheres Risiko auf, an einer chronischen schizophrenen Psychose zu erkranken, die auch nach Beendigung des Konsums ein selbstbestimmtes Leben unmöglich machen kann. Dazu kommt, dass die Langzeitrisiken einer Legalisierung aktuell aufgrund fehlender Studien noch gar nicht abgeschätzt werden können und die Droge bestimmten Risikogruppen den Einstieg in die Drogensucht erleichtert.

 

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