Alkoholsucht

Diagnose Alkoholabhängigkeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Diagnose Alkoholabhängigkeit ist die Basis für eine zielführende Entzugstherapie.
  • Methoden: unter anderem Selbsteinschätzung, Screening-Verfahren und Laboruntersuchungen.
  • Diagnosestellung kann beim Hausarzt erfolgen.
  • Hausarzt kann nach Diagnosestellung direkt in die Therapie vermitteln.

Rechtzeitige Diagnostik verhindert schwerwiegende Folgen

Laut Alkoholatlas Deutschland von 2022 konsumieren 16 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen hierzulande Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen1. Die meisten Betroffenen unterschätzen ihren Konsum jedoch. Wird die Diagnose Alkoholabhängigkeit gestellt, sind sie überrascht und oft auch empört. Dabei kann die Diagnose Alkoholsucht der erste Schritt in ein neues Leben sein.

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Was sind Kriterien einer Alkoholabhängigkeit?

Ab dieser Alkoholmenge wird es kritisch

Noch immer kursieren sogenannte Grenzwerte für einen kritischen Alkoholkonsum, der mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen einhergeht: Für Frauen wird die Grenze mit maximal 12 Gramm Alkohol pro Tag (0,2 Liter Bier oder 0,125 Liter Wein) angegeben, für Manner mit maximal 24 Gramm Alkohol pro Tag (0,4 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein). Außerdem sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche eingehalten werden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen allerdings, dass es nicht möglich ist, Schwellenwerte für einen risikofreien Konsum zu definieren. Auch ein „moderater Alkoholkonsum“ ist mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden.2

Alkoholismus-Diagnostik nach ICD-10

Die medizinisch-therapeutisch bindenden Diagnosekriterien sind in den Diagnosemanualen ICD-10 und dem DSM-5 enthalten. Das ICD-10 ist die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. Hier werden alle Arten von Krankheiten mitsamt den zugehörigen Symptomen aufgelistet. Anhand standardisierter Kriterien stellen Ärzte die Diagnose Alkoholsucht bzw. Alkohlmissbrauch. Im ICD-10 ist die Alkoholabhängigkeit unter F10.2 klassifiziert. Sie wird als „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol – Abhängigkeitssyndrom“ geführt.

Kriterien für eine Alkoholsucht: Mindestens drei Punkte müssen gemeinsam für die Dauer eines Monats oder mehrfach innerhalb eines Jahres auftreten3:

  • starker Wunsch bzw. starkes Verlangen danach, Alkohol zu trinken.
  • kaum oder wenig Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums.
  • Verzicht auf Alkoholkonsum löst körperliche Entzugserscheinungen aus.
  • Toleranzentwicklung, d. h., es müssen größere Mengen Alkohol getrunken werden, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.
  • Alkohol rückt immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit, andere Lebensbereiche und Interessen werden vernachlässigt.
  • Trotz bereits aufgetretener körperlicher oder psychischer Störungen wird der Konsums fortgesetzt.

Alkoholismus-Diagnose nach DSM-5

Das DSM-5 ist das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, welches als Standarddiagnosemanual in den USA gilt, in Europa jedoch lediglich eine untergeordnete Rolle spielt. Trotzdem ist es bei der Diagnose Alkoholismus sinnvoll, auch einen Blick auf die dortigen Kriterien zu werfen, da diese etwas differenzierter sind und zudem eine Gewichtung der Erkrankung ermöglichen. Die folgenden Kriterien sind im DSM-5 zu finden4:

  • Wiederholter Alkoholkonsum führt zu schweren Problemen in Schule, Arbeit oder häuslichem Umfeld.
  • Wiederholter Alkoholkonsum findet in Situationen statt, in denen es aufgrund des Konsums zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann.
  • Alkoholkonsum wird trotz stetiger oder sich wiederholender sozialer/zwischenmenschlicher Probleme fortgesetzt
  • Toleranzentwicklung, die zu Wirkungsverlust oder Steigerung der Trinkmenge führt
  • Entzugssymptome bei Trinkstopp (werden durch Alkoholkonsum vermieden)
  • Kontrollverlust bei Alkoholmenge oder Trinkdauer
  • Wunsch Alkoholkonsum zu verringern/kontrollieren bzw. erfolglose Versuche,
  • großer Zeitaufwand bei Beschaffung, Konsum und Erholung von Alkohol
  • andere Lebensbereiche werden zugunsten des Alkoholkonsums vernachlässigt
  • Konsum wird trotz psychischer oder physischer Probleme fortgesetzt
  • starkes Verlangen nach Alkohol

Um die Diagnose Alkoholabhängigkeit stellen zu können, müssen mindestens zwei Kriterien binnen 12 Monaten erfüllt sein. Bei zwei bis drei Kriterien spricht man von einer leichten, bei vier bis fünf Kriterien von einer moderaten und bei mehr als sechs Kriterien von einer schweren Alkoholkonsumstörung.

Wie diagnostiziert man eine Alkoholabhängigkeit?

Die Diagnostik einer Alkoholabhängigkeit erweist sich mitunter als kompliziert. Viele Betroffene schätzen ihren eigenen Alkoholkonsum bewusst oder unbewusst völlig falsch ein. In vielen Fällen kommt die Diagnose einer Alkoholsucht deshalb erst dann zustande, wenn Patienten ihren Arzt wegen eines anderen Problems aufsuchen – zum Beispiel wegen depressiver Verstimmungen, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder aufgrund von Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System. In diesen Situationen liegt es am Arzt, die vom Patienten beschriebenen Symptome korrekt zu deuten, Alkoholmissbrauch zu erkennen und mithilfe der passenden Untersuchungen und Diagnosekriterien zum richtigen Ergebnis und der richtigen Behandlung zu gelangen.

  • Selbsteinschätzung
    • Die Selbsteinschätzung kann im Rahmen der Diagnostik ein wichtiger Faktor sein, muss aber stets kritisch bewertet werden. Viele Menschen gestehen sich ihren problematischen Alkoholkonsum erst ein, wenn die körperlichen und psychischen Folgen des Missbrauchs nicht mehr zu leugnen sind. Bis es zur Krankheitseinsicht kommt, neigen Betroffene dazu, ihren Konsum zu relativieren. In diesem Zusammenhang sind dann auch Selbsttests nur wenig hilfreich.
  • Screening-Verfahren
    • Zu den Screening-Verfahren gehören sogenannte Alkoholiker-Tests, d. h. diverse systematische Testverfahren, die einem behandelnden Arzt erste Hinweise darauf liefern können, ob ein bedenklicher Alkoholkonsum bzw. Alkoholmissbrauch vorliegt. Sie sind allerdings genauso wie Selbsttests und die Selbsteinschätzung des Patienten für eine fundierte Diagnostik stets nur bedingt geeignet und müssen durch entsprechende Laboruntersuchungen und körperliche Untersuchungen ergänzt werden. Zu den bekanntesten Tests gehören:
      • AUDIT-C Test
      • CAGE Test
  • Symptome und objektive Merkmale
    • Menschen, die bereits seit längerem einen erhöhten Alkoholkonsum pflegen, fallen oft durch leicht erkennbare Symptome bzw. durch (a)typische körperliche und psychische Störungen auf, die allerdings auch andere Ursachen haben können. Dazu gehören zum Beispiel:
      • Alkoholgeruch bzw. Alkoholfahne
      • Akuter Rauschzustand
      • Zittern der Hände
      • Starkes Schwitzen
      • Bluthochdruck
      • Depressive Verstimmungen
      • Hautveränderungen
      • Gangunsicherheit
      • Sexuelle Funktionsstörungen
    • Nimmt der behandelnde Arzt gleich mehrere der obigen Symptome bzw. körperlichen und psychischen Auffälligkeiten wahr, kann und sollte er seine Untersuchung mit Blick auf eine Alkoholabhängigkeit ausweiten.
  • Verhaltensänderungen gegenüber der Familie und dem sozialen Umfeld
    • Menschen, die den Konsum von Alkohol in den Vordergrund ihres Lebens stellen, verändern sich in der Regel auch psychisch. So dreht sich nach und nach alles um das Suchtmittel; andere Interessen und Hobbies werden vernachlässigt. Häufig verschlechtert sich die Beziehung zur Familie und anderen engen Bezugspersonen, es kommt zu aggressiven Verhalten, wenn die Betroffenen auf ihren gesteigerten Suchtmittelkonsum angesprochen werden.
  • Laboruntersuchungen bei der Diagnose Alkoholabhängigkeit
    • Alkohol ist für den menschlichen Organismus eine toxische Substanz, die körperliche und psychische Schäden anrichtet. Einige von ihnen lassen sich im Labor mithilfe von Blutanalysen nachweisen. Viele der möglichen Indikatoren sollten aber nur als Hinweis auf eine mögliche Alkoholabhängigkeit/ Alkoholsucht angesehen werden. Laboruntersuchungen allein genügen in der Regel nicht für eine komplexe und fundierte Diagnosestellung, weil die Werte oftmals nicht sensitiv genug sind.
      • Erhöhte Gamma-Glutamyltransferase / y-GT (weist auf eine Fettleber hin)
      • Erhöhtes MCV (weist auf einen Folsäuremangel hin)
      • Erhöhtes CDT (hilft die Alkoholmenge der letzten drei Wochen abzuschätzen)
      • Niedriger Thiaminspiegel (weist auf einen Vitamin-B1-Mangel hin)
  • Berücksichtigung von Komorbiditäten
    • Alkoholsucht ist eine Erkrankung, die häufig Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen, nach sich zieht. Typische Komorbiditäten sind zum Beispiel eine Fettleber oder eine Leberzirrhose, eine Polyneuropathie oder eine Wernicke-Enzephalopathie bzw. ein Korsakow-Syndrom. Wenn der Arzt diese oftmals alkoholinduzierten Erkrankungen bei einem Patienten diagnostiziert, kann dies ein weiteres Indiz dafür sein, dass der Betroffene zu viel Alkohol trinkt. Bei psychischen Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen, ist der Rückschluss auf eine Alkoholsucht nicht ganz so einfach möglich. Eindeutiger verläuft die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit, wenn es zu einem Alkoholdelir gekommen ist.

 

 

Wer kann eine Alkoholismus-Diagnose stellen?

Die Diagnosestellung Alkoholismus ist Aufgabe eines Mediziners. In den meisten Fällen ist es der Hausarzt, der eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert. Mitunter können aber auch Ärzte in einem Krankenhaus oder Psychotherapeuten eine entsprechende Diagnosestellung in die Wege leiten.

Wer nicht direkt bei einem Arzt oder Therapeuten vorstellig werden möchte, kann sich auch erst einmal den Experten einer Suchtberatungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe anvertrauen. Hier kann zwar keine medizinische Diagnose gestellt werden, Betroffene können sich aber Rat und Informationen zum Thema Alkoholabhängigkeit und Therapie holen. Das kann die Motivationsbildung fördern und so den Schritt hin zur Diagnosestellung und Behandlung erleichtern.

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Wie geht es nach der Diagnose Alkoholabhängigkeit weiter?

Betroffene, die einen krankhaften Alkoholkonsum ausbilden, schaffen es für gewöhnlich nicht, diesen ohne professionelle Hilfe in den Griff zu bekommen. Auf der einen Seite sorgen die körperliche und psychische Abhängigkeit dafür, dass die Alkoholiker nicht ohne Weiteres ohne das Rauschmittel sein können. Auf der anderen Seite dient der Alkohol häufig als ritualisierter Problemlöser – ohne ihn wissen viele Betroffene nicht, wie sie mit alltäglichen Problemen und Konfliktsituationen umgehen sollen. Deshalb ist es für alkoholabhängige Menschen wichtig, sich in eine professionelle Therapie zu begeben und einen Alkoholentzug durchzuführen.

Entgiftung und Entwöhnung als essenzielle Bestandteile der Behandlung

Im Verlauf der Behandlung findet zunächst eine körperliche Entgiftung und im Anschluss daran eine psychische Entwöhnung statt. So werden Körper und Geist von der Abhängigkeit vom Alkohol befreit. Wichtig ist dabei die aktive Mitarbeit des Patienten. Nur wer seine Erkrankung einsieht und eine hohe Abstinenzmotivation mitbringt, kann den Absprung langfristig schaffen. Wer seinen Alkoholkonsum beschönigt, verlängert sein Leiden dagegen meist nur. Mehr über die ersten Schritte aus der Sucht und Therapien erfahren Sie in den Beiträgen Alkoholproblem Hilfe und Hilfe bei Sucht.

Quellenliste

1 dkfz. Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmhotz-Gemeinschaft „Alkoholatlas Deutschland 2022“, https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Alkoholatlas-Deutschland-2022_Auf-einen-Blick.pdf (Datum des Zugriffs: 11.11.2022)

2 DHS Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. „Wie sollten Menschen mit Alkohol umgehen, um Gesundheitsrisiken zu verringern?“ Stellungnahme der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V., https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs-stellungnahmen/DHS_Stellungnahme_Umgang_mit_Alkohol.pdf (Datum des Zugriffs: 11.11.2022)

3 Batra, Anil et al. „Abhängigkeit und schädlicher Gebrauch von Alkohol“, In: Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 301-10; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0301, https://www.aerzteblatt.de/archiv/177659/Abhaengigkeit-und-schaedlicher-Gebrauch-von-Alkohol (Datum des Zugriffs: 11.11.2022)

4 Scheibenbogen, Oliver et al. „Alkoholkrankheit – bewährte und neue Behandlungsmöglichkeiten“, In: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, 2016; 17 (3), 102-108, S. 104, https://www.kup.at/kup/pdf/13647.pdf (Datum des Zugriffs: 11.11.2022)

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