Alkoholproblem Hilfe: Erste Schritte aus der Alkoholsucht

Nicht mehr als ein bis zwei Standardgläser pro Tag und mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche – die Grenzen des unproblematischen Alkoholkonsums sind klar definiert. Doch nicht jeder schafft es, sich an die empfohlene Höchstmenge zu halten. Ein feuchtfröhliches Wochenende in geselliger Runde oder eine emotional belastende Zeit mit vielen Sorgen und schnell liegt die Menge an getrunkenem Alkohol deutlich über dem, was als unbedenklich gilt. Müssen die Betroffenen jetzt gleich befürchten, alkoholabhängig zu sein und wie sollten Menschen vorgehen, die bei einem Alkoholproblem Hilfe suchen?

Fallbeispiel: Vom gelegentlichen Genuss zum zwanghaften Konsum

Wolfgang Müller ist es schon seit seiner Jugend gewohnt, regelmäßig größere Mengen Alkohol zu trinken. Als Jugendlicher ging er an Wochenenden gern mit seinen Freunden auf Partys. Als Erwachsener konsumiert er täglich ein bis zwei Bier zum Feierabend. Am Freitag oder Samstag trinkt er gern ein bisschen mehr Alkohol. In der letzten Zeit ist Herrn Müller allerdings aufgefallen, dass er sich unter der Woche häufiger ein zusätzliches Bier oder einen kleinen Schnaps gönnt. Er schiebt dies zunächst auf die aktuell laufenden Umstrukturierungen in seiner Firma, die seinen Arbeitsalltag deutlich komplizierter und anstrengender gestalten. Er braucht die zusätzliche Flasche Bier zum “runterkommen” und abschalten. Der Schnaps wiederum ist die perfekte Einschlafhilfe. Wenn er diesen trinkt, kann er sich sorgenfrei ins Bett legen und endlich entspannen.

Als seine Frau ihn auf den höheren Alkoholkonsum anspricht, nimmt Herr Müller die Kritik seiner Frau persönlich. Er wisse schon selbst, wie viel Alkohol er vertragen könne und außerdem wäre es ihm jederzeit möglich, mit dem Trinken aufzuhören. Schließlich sei er ja kein Alkoholiker, erklärt er seiner Frau. Als er später am Abend wieder allein bei einer Flasche Bier sitzt, denkt er über sein Leben und die Anmerkungen seiner Frau nach. Kommt es nicht immer häufiger vor, dass er sich schon am Nachmittag auf sein Feierabendbier freut? Und hat er nicht hin und wieder am Wochenende bereits vormittags heimlich einen Schluck aus der Schnapsflasche genommen, um für den freien Tag richtig gut gelaunt zu sein?

Wie erkennt man Alkoholprobleme?

Bevor Alkoholiker den Weg aus ihrer Sucht finden, müssen sie zunächst einmal erkennen, dass sie ein Alkoholproblem haben. Das dauert oftmals viele Jahre. Bei manchen Alkoholsüchtigen setzt die Erkenntnis niemals ein. Gerade weil Alkohol zu trinken in unserer Gesellschaft allgemein akzeptiert wird, sind die Grenzen zwischen unbedenklichem und problematischem Konsum für viele Menschen nicht eindeutig auszumachen. Häufig werden Suchtkranke zum ersten Mal von Angehörigen, Freunden oder Arbeitskollegen auf ihren Alkoholkonsum angesprochen. Auch Hinweise vom Arzt sind häufig die erste Konfrontation mit Alkohol als Problem. Nur in den seltensten Fällen sind es die Betroffenen selbst, die von allein bemerken, dass sie ein Problem haben. Ähnlich wie bei Herrn Müller reagieren alkoholabhängige Menschen oft zunächst mit Ablehnung. Sie fühlen sich kritisiert, zu Unrecht beschuldigt und vielleicht sogar entwertet. Das liegt unter anderem daran, dass eine Alkoholabhängigkeit immer noch allgemeinhin stigmatisiert und mit einer Charakterschwäche gleichgesetzt wird.

Der Input von Angehörigen oder Freunden ist bei vielen Menschen mit einem Alkoholproblem allerdings nicht ausreichend, damit diese ihr Problem erkennen. Oft müssen erst gravierendere Konsequenzen auftreten, damit sich die entsprechende Selbsteinsicht einstellt. Neben gesundheitlichen Beschwerden und Problemen an der Arbeit können dies Schwierigkeiten in der Familie sowie im weiteren sozialen Umfeld sein. Unabhängig davon, was letztendlich der Auslöser für die Selbstreflexion ist, gilt: Nur wenn der Betroffene selbst sein problematisches Verhältnis zum Alkohol wahrnimmt und angemessen bewertet, kann er die nötigen Schritte in die Wege leiten und sich Hilfe für sein Alkoholproblem suchen. Eine von außen “aufgezwungene” Therapie ohne vom Patienten ausgehende Motivation für eine Veränderung kann langfristig äußerst selten die gewünschten Erfolge bringen.

Wie kann man ein Alkoholproblem lösen?

Wer ein Problem mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln hat und dieses gern lösen möchte, kommt um einen Alkoholentzug nicht herum. Liegt eine Alkoholabhängigkeit vor, helfen den Betroffenen nur eine qualifizierte Entgiftung und Entwöhnung. Das sogenannte kontrollierte Trinken ist zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr möglich, weil die neu gebildeten Suchtstrukturen im Gehirn immer wieder dazu verleiten, selbst die besten Vorsätze über Bord zu werfen und so die Kontrolle über den Alkoholkonsum erneut zu verlieren. Wie genau die körperliche Entgiftung und die psychische Entwöhnung durchgeführt werden sollte, ist abhängig von der spezifischen Situation, in der sich die Betroffenen befinden. Jede Alkoholsucht wird durch individuelle psychische und körperliche Voraussetzungen beeinflusst – von einem Patentrezept oder einer garantiert erfolgreichen Vorgehensweise kann deshalb nicht die Rede sein. Als empfehlenswert haben sich jedoch die folgenden Schritte erwiesen.

Schritt 1: Bei einem Alkoholproblem Hilfe bei einer Beratungsstelle, einem Arzt oder einer Suchtklinik suchen

Zu allererst sollten sich die Betroffenen ausführlich über die Möglichkeiten informieren, die ihnen für die Lösung ihres Problems zur Verfügung stehen. Hierbei lohnt es sich, mit Experten zu sprechen und sich professionelle Hilfe bei Alkoholproblemen zu suchen. Einen ersten Anlaufpunkt mit weiterführenden Informationen bieten unter anderem die folgenden Stellen:

  • Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker oder das Blaue Kreuz
  • Ambulante Beratungsstellen für Suchthilfe
  • Öffentliche Kliniken und Fachkrankenhäuser mit Suchtambulanzen oder Entzugsstationen
  • Private Kliniken für Alkoholentzug
  • Gesetzliche und private Krankenkassen
  • Hausärzte und Suchtmediziner

Betroffene sollten nicht versuchen, ihre Alkoholprobleme auf eigene Faust zu lösen, sondern können sich an einen der vielen professionellen Ansprechpartner wenden, die ihnen zur Verfügung stehen. Bei zahlreichen Stellen ist es sogar möglich, sich anonym beraten zu lassen. Das funktioniert sowohl bei einigen Selbsthilfegruppen wie auch bei Beratungsangeboten via Telefon.

Schritt 2: Suchtbehandlung beantragen

Eine Alkoholabhängigkeit ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die sich gleichermaßen in einer psychischen wie in einer körperlichen Abhängigkeit manifestiert. Bei einem Entzug können demnach psychische und körperliche Entzugserscheinungen auftreten, von denen einige äußerst gefährlich sein können. Ein kalter Entzug ohne medizinische Begleitung ist deshalb gar keine Option. Auch unter der Aufsicht von Angehörigen sollten Alkoholsüchtige nicht entziehen.

Wer seine Alkoholsucht bewältigen möchte, sollte die Entgiftung unbedingt unter medizinischer Aufsicht durchführen. Für die meisten Betroffenen empfiehlt sich eine stationäre Entzugstherapie, weil diese eine Rundumbetreuung und permanente Kontrolle der Vitalfunktionen ermöglicht. Um also wieder die Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen, sollten Suchtkranke, nach dem Gespräch mit ihrem Arzt oder nach einer Beratung in einer Suchtberatungsstelle nicht lange zögern, sondern sofort eine Suchtbehandlung in die Wege leiten. Je mehr Zeit bis zum Therapieantritt verstreicht, umso größer ist schließlich die Gefahr, dass die Motivation verlorengeht und sich der gesundheitliche Zustand massiv verschlechtert. Private Alkoholentzugskliniken bieten meist schnelle Hilfe, weil sie Akutaufnahmen ohne lange Anmelde- und Beantragungsprozeduren ermöglichen. In einer Notsituation kann jedes Akutkrankenhaus bis zu 3 Tage eine Entgiftung zu Lasten der Krankenkasse durchführen. In einem psychiatrischen Krankenhaus ist dies sogar bis zu 7 Tage (für Alkohol) möglich. Die anschließende Entwöhnungstherapie als Reha-Maßnahme wird in der Regel von der Rentenversicherung getragen.

Schritt 3: Suchtbehandlung durchführen

Patienten, die von Alkohol abhängig sind und dieses Problem lösen möchten, sind in einer privaten Entzugsklinik, die Entwöhnung und Entgiftung miteinander verbindet, am besten aufgehoben. Sie profitieren während der mehrwöchigen Entzugsbehandlung von einem persönlichen Ansprechpartner sowie einer individuell auf sie abgestimmten Rundumbetreuung. Zudem verkürzen sich die Wartezeiten enorm, weil Patienten hier in der Regel direkt aufgenommen werden und mit der Behandlung beginnen können. Herr Müller entscheidet sich für eine Therapie in einer solchen privaten Einrichtung, die ihn zurück in ein selbstbestimmtes Leben führen soll und ist sich sicher, dass er durch ein alkoholfreies Leben langfristig wieder zu mehr Wohlbefinden und einer höheren Lebensqualität finden kann. Ein Teil der Kosten wird sogar von seiner Krankenkasse übernommen.

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