Medikamentenabhängigkeit-Symptome: An diesen Symptomen erkennt man eine Tablettensucht

Anders als eine Alkoholsucht manifestiert sich eine Medikamentenabhängigkeit meist schneller und ist häufig mit Schicksalsschlägen, traumatischen Erfahrungen und Verlusten verbunden, welche die Betroffenen nicht ohne medikamentöse Unterstützung bewältigen können. Je länger bestimmte Medikamente eingenommen werden, desto größer ist allerdings auch das Risiko, eine Medikamentenabhängigkeit zu entwickeln. Dennoch dauert es häufig Jahre, ehe die Betroffenen merken, dass sie die Kontrolle über ihren Medikamentenkonsum verloren haben. Schließlich wird die Medikamentensucht anders als eine Alkoholsucht oder Drogensucht gewissermaßen auf Rezept verordnet; im Vordergrund stehen die Linderung gesundheitlicher, vor allem psychischer Beschwerden und nicht der schnelle Kick. Darüber hinaus sind bei einer Medikamentenabhängigkeit die Symptome bisweilen sehr diffus und schwer zu erkennen. Umso wichtiger ist es, dass Patienten, die potenziell suchtauslösende Arzneimittel einnehmen, ihren Konsum kritisch hinterfragen und die typischen Medikamentenabhängigkeit-Symptome kennen.

Warum ist es schwierig die Tablettensucht-Symptome zu erkennen?

Bei einer Medikamentenabhängigkeit treten Symptome oftmals nur dann auf, wenn der Betroffene die Einnahme seiner gewohnten Dosis reduziert oder aussetzt. In diesem Fall reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen, die ein deutliches Symptom dafür sind, dass eine körperliche Abhängigkeit besteht. Weil diese Entzugserscheinungen aber eben nur dann auftreten, wenn der Suchtkranke seine gewohnte Dosis nicht einnimmt, lassen sich diese Symptome nicht so häufig klar ausmachen. Darüber hinaus neigen viele Suchtkranke dazu, eventuelle Nebenwirkungen ihres Konsums zu vertuschen bzw. zu verheimlichen, oder wollen sich selbst eine mögliche Abhängigkeit nicht eingestehen. So fällt es Außenstehenden schwer, mögliche Anzeichen einer Sucht zu erkennen. Weiterhin ähneln viele der Beschwerden, die bei einer Abhängigkeit auftreten, den Symptomen, aufgrund derer die Patienten überhaupt erst mit der Einnahme der Präparate begonnen haben. So vermehren sich Angst, Unruhe und Schlafstörungen beim Absetzen des Medikaments. Der Umgang mit wahrscheinlichen Medikamentenabhängigkeit-Symptomen verlangt entsprechend viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen.

Welche Medikamente besitzen ein hohes Suchtpotenzial?

Zu den Medikamentengruppen, die am häufigsten für eine Medikamentensucht verantwortlich sind, gehören:

  • Schlafmittel
  • Schmerzmittel
  • Beruhigungsmittel

Hinsichtlich der Wirkstoffe sind es vorrangig die Benzodiazepine, Z-Drugs sowie Opiate und Opioide, die eine Abhängigkeit auslösen können. Das liegt an der spezifischen Wirkung der enthaltenen psychoaktiven Substanzen. Sie beeinflussen die chemische Balance im Gehirn des Menschen und können dort sogar zu bleibenden strukturellen Veränderungen führen. Daneben gibt es eine Reihe nicht verschreibungspflichtiger Schlaf- und Schmerzmittel, die suchtähnliche Begleiterscheinungen hervorrufen können. Hier besteht in der Regel jedoch meist nur eine psychische Abhängigkeit.

Welche Anzeichen im Verhalten weisen auf eine Tablettenabhängigkeit hin?

Wer unter Schlafstörungen oder Schmerzen leidet und vom Arzt zur Behandlung der Beschwerden ein Medikament empfohlen bekommt, nimmt dieses meist zunächst gemäß Packungsanweisung bzw. ärztlicher Empfehlung ein. Zu einem Missbrauch von Arzneimitteln kommt es bei den meisten Patienten erst nach einem längeren Zeitraum. Dann werden die Medikamente nicht mehr eingenommen, um die ursprünglichen Beschwerden zu lindern, sondern, um das eigene Wohlbefinden positiv zu beeinflussen – zum Beispiel, weil ohne die Einnahme schon nach kurzer Zeit unangenehme Nebenwirkungen auftreten können. An dieser Stelle sei ergänzend erwähnt, dass man bei Benzodiazepinen schon nach 2 bis 3 Wochen eine Abhängigkeit entwickelt. Ganz typisch für Patienten mit einer Tablettenabhängigkeit oder einer problematischen missbräuchlichen Einnahme sind dabei vier Verhaltensweisen:

Tablettenabhängigkeit-Symptom – Steigerung der Dosis

Die Betroffenen nehmen das Medikament nicht mehr in der vom Arzt verordneten Dosis ein, sondern steigern die Dosierung und Dauer der Einnahme nach eigenen Ermessen und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Mediziner. Für dieses Verhalten ist meist die sogenannte Toleranzentwicklung verantwortlich, bei der sich die bekannte Wirkung von Schlafmitteln, Beruhigungstropfen oder Schmerztabletten nur noch mit höheren Dosen oder häufigerer Einnahme erreichen lässt.

Tablettensucht-Symptom: Erweiterung der Indikation

Ein typisches Medikamentensucht-Symptom ist die eigenmächtige Indikationserweiterung von Betroffenen. Hierbei wird das suchtauslösende Medikament nicht mehr länger gegen die ursprünglichen Beschwerden eingesetzt. Stattdessen wird das Mittel zur Behandlung vieler weiterer Krankheiten und Symptomen verwendet – sogar, wenn es für diese überhaupt nicht vorgesehen ist. Demgemäß kommt es zum Beispiel häufig vor, dass Patienten Beruhigungsmittel oder Schmerzmittel irgendwann auch gegen ihre Schlafstörungen einnehmen, obwohl eine Wirksamkeit hier nicht zwangsläufig gegeben ist und das Mittel auch nicht dafür verschrieben wurde.

Symptom einer Medikamentenabhängigkeit: Fixierung auf die verordneten Medikamente

Die Gedanken- und Gefühlswelt der Betroffenen dreht sich immer stärker um die Tabletten oder Tropfen. Ganz ähnlich wie bei einer Abhängigkeit von Alkohol führt dies zu einer Fixierung, die bewirkt, dass die Suchtkranken sich immer weiter zurückziehen und sozial isolieren. Im Rahmen dessen werden alle anderen Lebensbereiche – Familie, Beruf, Hobbys – der Medikamenteneinnahme immer stärker untergeordnet. Die Betroffenen „planen um das Medikament herum“.

Medikamentensucht-Symptom: Verheimlichungstaktiken

Benzodiazepine sowie Opiate und Opioide werden aufgrund ihres hohen Suchtpotenzials ausschließlich ärztlich verordnet. Verantwortungsvolle Ärzte regulieren die Abgabe von suchtauslösenden Schlaf- und Beruhigungsmitteln äußerst streng. Aufgrund dessen werden viele Betroffene bei verschiedenen Ärzten vorstellig oder besorgen sich die Arzneimittel in unterschiedlichen Apotheken. So verhindern sie, dass sie auf eine mögliche Medikamentensucht angesprochen werden.

Welche körperlichen Medikamentenabhängigkeit-Symptome gibt es?

Wer Medikamente über einen längeren Zeitraum oder in höherer Dosis als vorgegeben einnimmt, betreibt einen Medikamentenmissbrauch, der sich zu einer Abhängigkeit ausweiten kann. In der Folge können langfristig eine Reihe körperlicher Beschwerden und Veränderungen entstehen. Welche körperlichen Medikamentensucht-Symptome spürbar werden, ist unter anderem von der genauen Medikamentenwahl, der Dosierung, der Dauer der Einnahme sowie der individuellen Disposition des Patienten abhängig. Typische körperliche Beschwerden sind:

  • Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Verringerte Leistungsfähigkeit
  • Bei Benzodiazepinen längerfristig Entwicklung einer Demenz
  • Verdauungsprobleme (Opiate)

Welche psychischen Symptome einer Medikamentenabhängigkeit können auftreten?

Die regelmäßige Einnahme von psychoaktiven Schmerzmitteln oder Benzodiazepinen führt zu einer Veränderung des Neurotransmitter-Stoffwechsels im menschlichen Gehirn. Hieraus ergeben sich gravierende Auswirkungen auf die Psyche. Seelische Unausgeglichenheit sowie schwere psychische Probleme können sich manifestieren. Dazu gehören unter anderem:

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Innere Unruhe
  • Stimmungsschwankungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Angst- und Panikstörungen

Besonders bei den psychischen Begleiterkrankungen fällt auf, dass die Medikamentensucht-Symptome den Beschwerdebildern ähneln, die eine ärztliche Behandlung und Therapie mit diesem Medikament überhaupt erst notwendig gemacht haben. Nicht selten tauchen in diesem Zusammenhang auch paradoxe Reaktionen auf. Anstatt zum Beispiel innere Unruhe oder Niedergeschlagenheit zu bekämpfen, werden diese durch die Arzneimittel verschlimmert.

Welche weiteren Anzeichen gibt es für eine Tablettensucht?

Menschen, die unter einer Medikamentensucht leiden, neigen dazu, sich sozial und gesellschaftlich zurückzuziehen. Daran ist jedoch nicht nur die Fixierung auf eine bestimmte Substanz Schuld, sondern vor allem der stetig voranschreitende psychische Verfall. Je länger Patienten von Benzodiazepinen oder Schmerzmitteln abhängig sind, umso weniger lassen sich die gesundheitlichen Folgen vermeiden. Leistungseinbußen bei der Arbeit, Unzuverlässigkeit im Familien- oder Freundeskreis oder eine generelle Interesselosigkeit sind typische Merkmale. Hinzu kann es bei weit vorangeschrittener Erkrankung auch zu vernachlässigten Hygieneverhältnissen und dem sozialen Abstieg kommen.

Symptome der Medikamentenabhängigkeit erkennen und richtig handeln

Ob Schmerzen, innere Unruhe oder Schlafstörungen – es gibt zahlreiche psychische und physische Beschwerdebilder, bei denen die medizinische Notwendigkeit einer Behandlung mit potenziell suchtauslösenden Medikamenten gegeben ist. Wichtig ist jedoch, dass Patienten sich unbedingt an den bestimmungsgemäßen Gebrauch der Mittel halten und sich umgehend an ihren Arzt wenden, wenn sie bei sich die Symptome einer Medikamentenabhängigkeit bemerken. Auch sollte die Behandlung mit solchen Medikamenten immer so kurz wie möglich gehalten werden und der Arzt auch nach anderen Substanzen gefragt werden. Ist es bereits zu einer Abhängigkeit gekommen, sollte die Krankheit stationär im Rahmen eines professionellen Medikamentenentzugs behandelt werden. Zunächst ist eine Entgiftung nötig, dann auch eine Entwöhnung, bei der der psychotherapeutische Anteil und die Nachsorge eine große Rolle spielen. Es wird darauf hingearbeitet, alternative Strategien zu entwickeln, und einen Rückfall zu verhindern. Sehr gut ist diesbezüglich die Behandlung in einer Privatklinik, bei der Entgiftung und Entwöhnung meist effektiv miteinander gekoppelt sind. Bei ausreichender Abstinenzmotivation und einer gleichzeitigen Behandlung der Ursachen der Medikamentensucht stehen die Prognosen für ein suchtfreies Leben gut.

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