Drogenentzug: So läuft eine Drogentherapie ab

Suchterkrankungen sind kein Zeichen von fehlender Charakterstärke oder mangelnder Willenskraft. Wer von Alkohol oder illegalen Drogen abhängig ist, leidet an einer psychischen Erkrankung, die mit einer wirksamen Therapie behandelt werden muss. Nur im Rahmen einer professionellen Drogentherapie können Betroffene gezielt und ohne lebensbedrohliche Nebenwirkungen entgiften und nur hier lernen sie, wie sie im Anschluss an den Entzug mit ihrem Drogenproblem umgehen können. Doch viele Suchtkranke scheuen einen Drogenentzug – sie fürchten die Stigmatisierung und fühlen sich unwohl, weil sie nicht wissen, was sie bei der Behandlung erwartet. Umso wichtiger ist eine umfangreiche Aufklärung, die allen Betroffenen die Angst vor dem Drogenentzug nimmt.

Warum ist ein Drogenentzug wichtig?

Die Folgen eines Drogenkonsums können verheerend sein. Es drohen unter anderem:

  • Psychische und psychiatrische Erkrankungen, auch Psychosen
  • Leber- und Nierenversagen
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Andere körperliche Schäden
  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Sozialer Absturz

Hinzu kommt, dass der anhaltende Drogenkonsum zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führt. Diese Veränderungen sorgen dafür, dass sich die Sucht mehr und mehr verfestigt, bis sie irgendwann das gesamte Leben des Betroffenen bestimmt. Nicht grundlos sind allein deutschlandweit jährlich mehrere hundert Todesopfer aufgrund von Rauschgiftkonsum zu beklagen. Je schneller Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung die Notbremse ziehen und sich in einen professionellen Entzug begeben, umso effektiver können sie ihre Sucht bekämpfen.

Wer braucht eine professionelle Drogentherapie?

Jeder, der regelmäßig Drogen konsumiert und diesen Konsum nicht aus eigener Kraft beenden kann, sollte sich professionelle Hilfe suchen und sich in eine Entziehungskur für Drogen begeben. Das gilt für Menschen jeden Alters, aus allen sozialen Schichten und allen Bildungsgraden. Auch welche Drogen konkret eingenommen werden, ist nachrangig. Wer Opiate und Opioide wie Heroin konsumiert, Kokain einnimmt oder Cannabis raucht, kann von Suchtproblemen gleichermaßen stark betroffen sein. Die Annahme, dass sogenannte weiche Drogen wie Cannabis keine Abhängigkeit und die damit verbundenen Probleme auslösen können, ist längst überholt. Jedoch sollte eine professionelle Suchttherapie als Entziehungskur bei Drogen immer auf die persönliche Krankheitsgeschichte des Patienten abgestimmt sein. Je individueller auf die Suchthistorie des Betroffenen eingegangen werden kann, umso positiver sind die in der Behandlung erzielten Resultate.

Was passiert beim Drogenentzug?

Viele Patienten haben vor dem Beginn einer professionellen Behandlung schon mehrfach selbst versucht, auf den Konsum der Drogen zu verzichten. Die meisten Drogenabhängigen scheitern an diesem Vorhaben, weil die psychische Seite der Abhängigkeit oder die körperlichen Entzugserscheinungen zu stark sind. Das schadet den Suchtkranken allerdings gleich doppelt. Einerseits fühlen sie sich, als hätten sie versagt und schämen sich. Andererseits haben sie durch das negative Erleben der körperlichen Nebenwirkungen nun noch mehr Angst vor einem Entzug. Beides kann dazu führen, dass sich die Sucht noch stärker ausweitet und der Drogenkonsum zusätzlich steigt. Gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, genau zu differenzieren, wie der Ablauf eines qualifizierten Drogenentzugs aussieht.

1. Phase: Motivation

Patienten, die sich für eine teilstationäre Behandlung oder einen stationären Aufenthalt in einer Klinik entscheiden, brauchen eine starke Abstinenzmotivation, um die Entzugstherapie erfolgreich durchzustehen. In der Motivationsphase geht es zum einen darum, dass der Patient aus sich selbst heraus den festen Willen hat, seine Drogensucht behandeln zu lassen. Zum anderen kann die Motivation von außen gefördert werden, beispielsweise durch Gespräche mit Ärzten, anderen Suchtpatienten oder Therapeuten.

2. Phase: Entgiftung

Die Entgiftung ist für viele Patienten der härteste Schritt. Schließlich verzichten sie auf den Drogenkonsum und entgiften ihren Körper komplett von der jeweiligen Droge und ihren Abbauprodukten. Wer sich für eine stationäre Therapie entscheidet, erhält in dieser Phase Medikamente zu Linderung der Entzugssymptome. Diese können so individuell dosiert werden, dass die Patienten während der gesamten Zeit relativ beschwerde- bzw. nebenwirkungsfrei sind. Bei einer ambulanten Therapie kann ebenfalls eine Medikation verabreicht werden, jedoch steht den Ärzten hier aufgrund der fehlenden 24-Stunden-Betreuung nur eine begrenzte Auswahl an Mitteln zur Verfügung. Prinzipiell ist sowieso eher von einer ambulanten Entzugsbehandlung abzuraten, da während eines Entzugs auch gefährliche Komplikationen auftreten können, wie z.B. die Entstehung eines Krampfanfalles. Im ambulanten Setting können solche Ereignisse lebensgefährlich werden.

Zusätzliche klinische Maßnahmen zur Linderung von Nebenwirkungen sind:

  • Neuro-elektrische Stimulation (NES)
  • Entspannungsübungen
  • Bei ausreichend stabilem körperlichen Zustand: sportliche Aktivierung
  • Schlafhygienemaßnahmen
  • Akupunktur

3. Phase: Entwöhnung

In der Entwöhnung werden die psychische Seite der Sucht behandelt, Ursachen der Suchtentstehung erforscht und neue, alternative Verhaltensweisen gefunden. Die Patienten suchen mit dem Therapeuten zusammen in individuell abgestimmten psychotherapeutischen Sitzungen ihre Drogensucht-Ursachen und lernen Strategien für die Zeit nach dem Drogenentzug kennen. Man weiß, dass eine Abstinenzeinhaltung leichter ist, wenn man die Gründe der Suchtentstehung einordnen kann, versteht und bearbeitet. Das ist wichtig, um eventuellen Rückfällen vorzubeugen und bei den Patienten eine dauerhafte Abstinenz zu etablieren.

Gleichzeitig werden in dieser Zeit psychische und körperliche Begleiterkrankungen der Drogensucht aufgearbeitet und behandelt. Dazu gehören ebenfalls mögliche soziale Folgen wie z. B. Familienprobleme oder Schwierigkeiten im Job, so dass in vielen Kliniken und ambulanten Einrichtungen ebenfalls Gespräche mit Angehörigen auf dem Therapieplan stehen. Auch Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Psychosen werden psychotherapeutisch und medizinisch behandelt. Dazu gehört ebenfalls eine mögliche medikamentöse Einstellung.

4. Phase: Nachsorge

Eine qualifizierte Entzugsbehandlung endet nicht mit der Entlassung aus der Klinik. Um eine umfangreiche und langfristige Rehabilitation der Patienten zu erreichen, wird ebenfalls ein individuelles Nachsorgekonzept entwickelt. Dieses inkludiert in der Regel eine weiterführende ambulante Psychotherapie am Wohnort sowie den Besuch von Selbsthilfegruppen. Das Ziel dieser Therapie ist es, den nun abstinent lebenden Drogensüchtigen möglichst viel Stabilität und Sicherheit für das Leben nach der stationären Drogentherapie zu bieten. Denn Unsicherheit und das Gefühl mit Ängsten und Nöten allein zu sein, gelten als große Risikofaktoren für einen Rückfall.

Welche Drogentherapien gibt es?

Um die eigene Drogensucht zu bekämpfen, können Betroffene verschiedene Wege wählen. Sie können sich entweder zuhause in einen kalten Entzug begeben (dringend davon abzuraten und bitte ärztlich die Gefährlichkeit dieser Form des Entzugs individuell abklären lassen), einen ambulanten Drogenentzug mit ärztlicher Hilfe durchführen oder sich für einen stationären Drogenentzug entscheiden. Nicht alle Varianten sind empfehlenswert bzw. für jeden Suchtkranken geeignet.

Eine ambulante Behandlung ist, wie oben bereits erwähnt, mit äußerster Vorsicht zu genießen und will wohl überlegt sein. Neben den schon genannten Gründen, fällt den Patienten der stationäre Entzug oft leichter als der ambulante, weil sie sich besser auf sich selber konzentrieren können, nicht abgelenkt werden und nicht sofort und dauernd von dem gewohnten Konsum-Umfeld getriggert werden.

Unabhängig von der Entzugsmethode gilt jedoch: Die Grundvoraussetzung ist immer, dass die Suchtkranken eine hohe Entzugs- und Abstinenzmotivation mitbringen. Nur wenn sie wirklich mit dem Konsum der Drogen aufhören wollen, kann ein Drogenentzug tatsächlich etwas bewegen.

Kalter Drogenentzug

Der kalte Entzug von Drogen (Cold Turkey) erscheint für viele Suchtpatienten der einfachste und direkteste Weg, um den Drogen zu entsagen. Sie entgiften zuhause ohne ärztliche oder therapeutische Betreuung, indem sie schlicht und einfach mit dem Konsum der Drogen aufhören. Leider erweist sich diese Idee in der Regel als gefährlich und alles andere als leicht umsetzbar. Der Körper und die Psyche sind so sehr an den Konsum der Rauschgifte gewöhnt, dass sie mit heftigen Nebenwirkungen auf den Entzug reagieren. In Abhängigkeit von der konsumierten Substanz können viele Entzugserscheinungen auftreten, darunter auch:

  • Muskelkrämpfe
  • Depressionen
  • Halluzinationen
  • Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen

Ein Großteil der Suchtkranken wird schon nach wenigen Stunden rückfällig. Das kann bei harten Drogen wie Opiaten, Kokain oder Crystal Meth eine lebensgefährliche Überdosierung provozieren. Diese Form der Entgiftung kann daher unter keinen Umständen empfohlen werden.

Ambulanter Drogenentzug

Wie bei einer Sucht nach Alkohol besteht auch bei Drogenpatienten die Möglichkeit einer ambulanten Behandlung. Allerdings nur, wenn sie keine schwere körperliche Abhängigkeit aufweisen und in ein stabiles soziales bzw. familiäres Umfeld eingebettet sind. Dann können sie ärztlich begleitet zuhause entziehen und werden gegen eventuell auftretende Entzugserscheinungen mit Medikamenten behandelt. Allerdings sind auch für relativ “stabile” Patienten, die mit einer ambulanten Entgiftung in den eigenen vier Wänden scheinbar gut klarkommen, eine medizinische Betreuung und eine anschließende Entwöhnungstherapie wichtig. Anderenfalls kann es schon nach kurzer Zeit zu einem Rückfall kommen.

Stationärer Drogenentzug

Ein Drogenentzug auf der Station ist die sicherste und wirksamste Methode, um eine Abhängigkeit dauerhaft in den Griff zu bekommen. Nach der stationären Aufnahme in einem Krankenhaus, einer Psychiatrie oder einer privaten Drogenentzugsklinik erfolgt eine professionelle Entgiftung mit unterstützender Medikation, um Entzugserscheinungen gezielt zu reduzieren (warmer Entzug). Das weitere Vorgehen entscheidet sich je nach Fachklinik.

So wird in einem öffentlichen Klinikum oder einer Psychiatrie entweder nur die reine Entgiftung oder eine Entgiftungsbehandlung mit anschließender Motivationstherapie durchgeführt, in welcher der Patient durch eine therapeutische Behandlung auf die Suchtrehabilitation vorbereitet wird. Diese muss bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden und findet in einer Rehaklinik für Suchterkrankungen statt. Die Wartezeit auf die Bewilligung und einen geeigneten Reha-Platz kann zwischen 4 und 6 Wochen betragen. In dieser Zwischenzeit bestehen die psychische Abhängigkeit und der damit verbundene Suchtdruck (Craving) nach wie vor, so dass für den Süchtigen ein hohes Rückfallrisiko besteht.

Bei einem stationären Drogenentzug in einer privaten Suchtklinik gehen der körperliche Entzug und die psychische Entwöhnung nahtlos ineinander über. Der Patient verbleibt in derselben Einrichtung und wird durchgängig von den gleichen Ärzten und Therapeuten betreut. Dadurch, dass die Behandlung in einem Block stattfindet, ist sie deutlich kürzer, intensiver und auch erfolgversprechender als der Entzug und die Entgiftung in öffentlichen Einrichtungen.

Wer bezahlt die Drogentherapie?

Genauso wie ein Entzug bei einer Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit, werden auch die Kosten für eine qualifizierte Entzugsbehandlung bei einer Rauschgiftabhängigkeit von der Krankenkasse und der Rentenkasse übernommen. So trägt die Krankenversicherung die Kosten der körperlichen Entgiftung und die DRV die Aufwände für die Entwöhnungsbehandlung. Hierfür müssen zwar ein paar bürokratische Hürden überwunden werden, aber dafür kommen auf den Patienten in der Regel bis auf den Eigenanteil keine Kosten zu.

Wer sich für die Behandlung in einer privaten Klinik entscheidet, erhält eine ganzheitlichere Betreuung und ein individuell zugeschnittenes Behandlungskonzept. Dieses muss allerdings meist aus eigener Tasche bzw. unter Bezuschussung durch eine private Krankenversicherung finanziert werden. Dafür ist die Rückfallquote in einigen privaten Entzugskliniken aber deutlich geringer.

Wie lange dauert ein stationärer Drogenentzug?

Während ein Alkoholentzug innerhalb von 28 Tagen erfolgreich abgeschlossen sein kann, dauert der Klinikaufenthalt für viele Menschen mit einer Rauschgiftabhängigkeit deutlich länger. Teilweise verbringen die Suchtpatienten mehrere Monate in einer entsprechenden Einrichtung. Die konkrete Entzugsdauer ist jedoch immer von verschiedenen Faktoren abhängig, was Pauschalangaben zur zeitlichen Dauer sehr schwierig macht. So bestimmen zum Beispiel die folgenden Merkmale mit darüber, wie lange ein qualifizierter Entzug dauert:

  • Welche Suchtmittel werden konsumiert?
  • Welche Mengen werden eingenommen?
  • Wie lange besteht die Abhängigkeitserkrankung bereits?
  • Wie groß ist die Therapie- bzw. Abstinenzmotivation?
  • Liegen Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) vor?

Wo gibt es Hilfe und weiterführende Informationen?

Menschen, die den festen Willen haben, sich von Rauschgiften wie Heroin, Kokain oder Cannabis zu lösen, benötigen einen professionellen Ansprechpartner, der sie, ihre Fragen und ihre Ängste ernst nimmt. Ausführliche Beratungen bieten Hausärzte, Krankenkassen, Suchtberatungsstellen und auch klinische Einrichtungen. Wer sich beispielsweise für eine Entgiftung mit anschließender stationärer Entwöhnungsbehandlung in einer privaten Fachklinik entscheidet, kann sich dort nicht nur schnell und unbürokratisch aufnehmen lassen, sondern erhält vorab in einem qualifizierten Beratungsgespräch alle wichtigen Informationen zur stationären Behandlung und zum Drogenentzug allgemein.

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