Kokain: Kein Stoff, aus dem die Träume sind

Abheben, sich gut fühlen, mehr Leistung erbringen – wer Kokain konsumiert, erlebt einen Rausch, der euphorisch macht. Geschnupft, gespritzt oder geraucht lässt die Droge selbst schüchterne Menschen kommunikationsfreudig werden, sorgt für maximale sexuelle Potenz und lässt Hungergefühle, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen zumindest kurzzeitig wie von Zauberhand verschwinden. Denn nach dem Rausch folgt meist mit sofortiger Wirkung der Absturz. Angstattacken, Depressionen, Halluzinationen sowie ernsthafte körperliche Schäden sind die Folge eines Kokainkonsums. Trotzdem greifen europaweit jedes Jahr zahlreiche Menschen zu dem Rauschmittel. Was macht eigentlich die Droge so unwiderstehlich und wo lauern die Gefahren, die schon ein einmaliger Konsum mit sich bringen kann?

Basiswissen rund um Kokain

Was ist Kokain und wie wirkt es?

Bei Kokain bzw. Cocain handelt es sich um eine sogenannte psychotrope oder auch psychoaktive Substanz, welche die Blut-Hirn-Schranke überwindet und direkt auf das zentrale Nervensystem wirkt. Vor allem die aufputschende Wirkung macht die Droge für viele Konsumenten ganz besonders reizvoll. Wer das weiße Pulver konsumiert, fühlt sich gut, leistungsstark, enthemmt und kommunikationsfreudig. Darüber hinaus sind lokal betäubende Effekte zu registrieren. In der Vergangenheit wurde das Stimulans deshalb auch häufig als Anästhetikum zum Beispiel bei Augenoperationen eingesetzt. Ebenso verengen sich die Blutgefäße, ganz ähnlich wie beim Konsum von Nikotin.

Cocain beeinflusst den Stoffwechsel verschiedener Neurotransmitter. So führt ein Konsum des Rauschmittels dazu, dass Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Körper nicht mehr richtig transportiert werden können. Genauer gesagt wird verhindert, dass die Neurotransmitter von den präsynaptischen Zellen aufgenommen werden. Die Botenstoffe lagern sich demnach gewissermaßen vor den Zellen im synaptischen Spalt an und sorgen dort für eine Überstimulation. Auf diese Weise werden sowohl die gewünschten, ebenso wie einige unerwünschte Symptome des Kokainkonsums hervorgerufen.

Für gewöhnlich verläuft ein Rauschzustand mit dieser Droge nach einem bestimmten Muster. Zunächst erfolgt das High, bei dem Euphorie, Leistungsfähigkeit und gegebenenfalls auch Halluzinationen auftreten. Mit dem Eintritt in die zweite Phase, klingt das Hoch ab und macht Platz für negative Emotionen, zu denen Ängste, aber auch paranoide Gedanken und Gefühle gehören. In der dritten Phase kommt es in der Folge schließlich zu großer Niedergeschlagenheit, Erschöpfungszuständen und teilweise sogar zu Suizidgedanken.

Woher stammt Kokain?

Gewonnen wird die Droge aus dem südamerikanischen Cocastrauch, der zur Familie der Rotholzgewächse gehört. Bereits vor mehreren tausend Jahren kultivierten die indigenen Bevölkerungsgruppen den Cocastrauch. Sie kauten dessen Blätter im Rahmen ritueller Bräuche oder verbrannten sie während verschiedener Zeremonien. Durch die spanischen Eroberer wurde die ursprünglich stark begrenzte Verwendung der Coca-Blätter schließlich schnell ausgeweitet. So kauten bald große Teile der Bevölkerung und der Eroberer regelmäßig auf den Blättern. Sie hatten bemerkt, dass die darin enthaltenen Stoffe Hungergefühle vertrieben und dafür sorgten, dass auch harte körperliche Arbeit plötzlich leichter von der Hand ging.

Zusammen mit den Schiffen der Eroberer gelangten die Coca-Pflanzen schließlich in andere Teile der Welt, wo sie ebenfalls kultiviert wurden. In Europa hingegen ging man dazu über, die Wirkungsweisen und Inhaltsstoffe der faszinierenden Pflanze aus Übersee wissenschaftlich zu untersuchen. Nachdem die aktiven Komponenten in den 1850er Jahren analysiert und isoliert worden waren, begann man Kokain vielseitig vor allem im medizinischen Bereich einzusetzen. Man glaubte zahlreiche Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen oder Depressionen mit Koks lindern zu können. Auch Sigmund Freud war von der Wirkung des Stimulans begeistert und beschrieb seine Beobachtungen dazu in wissenschaftlichen Schriften. In den USA wurde der Extrakt aus der Coca-Pflanze sogar für die Herstellung des Getränks Coca-Cola verwendet. Erst um 1900 herum wurden die verschiedenen Risiken bekannt, was wiederum im 20. Jahrhundert dazu führte, dass der Wirkstoff offiziell verboten wurde. Seit den 1970er und 1980er Jahren ist das Pulver vor allem als Leistungs-, Party- und Luxusdroge bekannt. Nicht nur in amerikanischen Großstädten wie New York und Los Angeles, sondern auch in Europa sind die Konsumraten seit Jahren besorgniserregend hoch.

Heute stammen die größten Teile des auf dem Schwarzmarkt befindlichen Kokains aus Südamerika. Insbesondere Bolivien, Peru und Kolumbien sind als Hauptanbauländer des Coca-Strauchs sowie für die Kokainherstellung bekannt. Jährlich werden mehrere Tonnen Kokain hergestellt und in die verschiedensten Länder der Welt geliefert. Verantwortlich für den Anbau, die Ernte, die Kokain-Gewinnung und den anschließenden Transport in die Absatzländer sind die Drogenkartelle der jeweiligen Länder. Der Kokainhandel ist ein blutiges Geschäft, das jährlich nicht nur unter den Konsumenten zahlreiche Todesopfer fordert.

Kokainkonsum

Wie kann man Kokain konsumieren?

Kokain ist heute als Droge in verschiedenen Formen im Umlauf. Den Grundstoff bildet dabei immer das aus den Blättern der Coca-Pflanze gewonnene Alkaloid. Dieses wird chemisch extrahiert und führt zu einem deutlich erhöhten Wirkstoffgehalt, als er normalerweise in den Blättern der Pflanze zu finden ist. Rein synthetisches Kokain wird heute in erster Linie für Forschungen im medizinischen Bereich genutzt. Es existieren drei klassische Methoden, die Droge zu konsumieren: schnupfen, rauchen und spritzen. Theoretisch gibt es noch eine vierte Variante, bei der Cocain gegessen wird. Dies ist jedoch wegen der hohen Kosten eher unüblich. Das aus dem Fernsehen bekannte Verreiben des weißen Pulvers auf dem Zahnfleisch ist ebenfalls keine gängige Konsumentenpraxis, sondern dient lediglich dafür zu prüfen, ob es sich bei dem Stoff tatsächlich um Kokain handeln könnte. Wegen der betäubenden Wirkung tritt beim Verreiben der Substanz auf dem Zahnfleisch ein kurzzeitiges Taubheitsgefühl ein.

Das Schnupfen des Rauschmittels ist die gängigste Konsumform. Sie bringt einen schnellen Wirkungseintritt mit sich und ist unkompliziert und ohne größere Hilfsmittel umzusetzen. Typischerweise wird eine sogenannte Line vorbereitet, die durch ein dünnes Röhrchen gezogen wird. Der Wirkungseintritt liegt bei zwei bis drei Minuten. Wer sich Kokain spritzt, kann bereits nach einer halben Minute die ersten Effekte bemerken. Noch schneller geht es nur, wenn Koks oder Crack inhaliert werden. In diesem Fall dauert es nur wenige Sekunden, bis sich der Rauschzustand einstellt. Allerdings verflüchtigt sich dieser bereits nach wenigen Minuten wieder. Bei der nasalen Applikation kann der Rausch hingegen bis zu 45 Minuten andauern, beim Verzehr sogar bis zu 90 Minuten.

Welche Kokain-Arten gibt es?

Kokain wird auf den illegalen Markt in verschiedenen Sorten vertrieben:

  • Kokainpaste (Kokainsulfat)
  • Freebase (Kokainbase)
  • Kokainhydrochlorid
  • Crack

Kokainpaste ist eigentlich nicht für den Konsum gedacht, sondern entsteht lediglich als Zwischenprodukt im Herstellungsprozess. Da sie jedoch im Vergleich zum Endprodukt deutlich günstiger ist, wird sie vor allem in den südamerikanischen Herstellerländern oft mit Tabak vermischt und geraucht. Ähnlich verhält es sich mit der Kokainbase, die auch als Freebase bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Zwischenstufe, die für die meisten Konsumarten wie Schnupfen oder Injizieren nicht geeignet ist. Auch Freebase wird in der Regel geraucht.

Die bekannteste Kokainsorte ist das Kokain-Hydrochlorid, das auch als Kokain-HCL bekannt ist. Hierbei handelt es sich um ein Salz bzw. um ein kristallines Pulver, das in Szenekreisen häufig als Schnee, weißes Gold oder Nose Candy bezeichnet wird. Kokainhydrochlorid wird synthetisch gewonnen, kann geschnupft, injiziert oder verzehrt werden. Für das Rauchen wiederum eignet sich Crack am besten. Crack ist eine gefährliche Mixtur aus Kochsalz und Kokain-

Hydrogencarbonat und wird normalerweise in eigens dafür gefertigten Crack-Pfeifen konsumiert. Diese Kokain-Variante ist diejenige mit dem höchsten Abhängigkeitspotential.

Kokain-Abhängigkeit

Welche Nebenwirkungen hat Kokain?

Wenn Drogen die Übertragung von Signalen und Reizen im Gehirn durcheinanderbringen, werden neben vielen positiven Gefühlen häufig auch zahlreiche psychische und physische Kettenreaktionen ausgelöst. Zum einen ist es die Abhängigkeit, die ähnlich wie bei Ecstasy, Heroin, Cannabis eine große Gefahr mit sich bringt. Darüber hinaus können aber auch zahlreiche andere Nebenwirkungen auftreten. Teilweise können diese Nebeneffekte des Rausches nicht nur äußerst unangenehm für die Betroffenen sein, sondern auch lebensgefährlich werden. Zu den gängigsten Nebenwirkungen des Betäubungsmittels Kokain gehören die folgenden Symptome:

  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörung
  • Übelkeit
  • verengte Blutgefäße
  • emotionale Störungen
  • Herzrhythmusstörungen

Ebenso können der sogenannte Kokainschock, der sich direkt auf das Herz-Kreislaufsystem auswirkt, und Überempfindlichkeitsreaktionen oder Überdosierungen lebensbedrohlich werden und zum Tode führen. Eine weitere Gefahr ergibt sich bzgl. der verschiedenen Streckmittel. Normalerweise wird die chemisch extrahierte Substanz aus den Coca-Blättern mit Milchzucker, Glucose oder Stärke gestreckt. Weitere Streck- oder Kombinationsmittel sind Lidocain, Koffein und in selten Fällen auch Amphetamine oder Methamphetamine. Je nachdem, welches Streckmittel benutzt wurde, können bereits kleine Mengen ausreichen, damit der Drogencocktail tödlich wirkt. Gefährlich wird es auch, wenn die Wirkung mithilfe anderer Drogen noch gesteigert werden soll. Gerade Alkohol, aber auch Schmerzmittel, Marihuana und sogar Zigaretten können das Risiko ernsthafter gesundheitlicher Folgeschäden schon nach kürzester Zeit unvorhersehbar steigern. Nicht weniger riskant sind die körperlichen Folgen für Lungen, Nasescheidewand und Schleimhäute, die sich allein aufgrund der Konsumform des Schnupfens und Rauchens ergeben.

Weiterhin kann es zu zahlreichen psychischen Begleiterscheinungen kommen. So kann die Beeinflussung des Neurotransmitter-Stoffwechsels insbesondere bei hohen Dosen dafür sorgen, dass im Gehirn bleibende Schäden entstehen. Hierzu gehören unter anderem Kokainpsychosen, Depressionen sowie der sogenannte Dermatozoenwahn. Hierbei haben Betroffene das Gefühl, dass Insekten unter ihrer Haut krabbeln.

Wird man von Kokain wirklich abhängig?

Ob synthetisch hergestellt oder frisch aus den Blättern der Coca-Pflanze gewonnen – das starke Stimulans gehört zu den am stärksten abhängig machenden Drogen, die dem Menschen derzeit bekannt sind. Insbesondere das Derivat Crack kann für Körper und Geist verheerende Folgen haben und Konsumenten binnen kürzester Zeit an den Rand der Erschöpfung bringen. Die Droge landet hinter Heroin und Methamphetamin auf dem dritten Platz in punkto Abhängigkeitspotential, wobei insbesondere der Grad der psychischen Abhängigkeit enorm sein kann. Das gilt bereits bei einem Kokain-Konsum von nur geringen Mengen. Ein sogenannter “Safer Use” im Sinne eines sicheren Gebrauchs ist entsprechend nicht möglich. Schon wenige Gramm verfehlen die psychische Wirkung nicht, denn auf das bekannte Hoch folgt meist ein umso schwerwiegenderes Tief. Um dieses auszugleichen, greifen Süchtige immer häufiger zu hohen Dosen. Das Verlangen (Craving) nach dem Stoff wird unüberwindbar. Dosis und Menge der Häufigkeit werden so lange gesteigert, bis es ohne die Substanz nicht mehr geht. In diesem Fall kann meist nur noch eine klinische Therapie helfen, um die Symptome der psychischen Abhängigkeit zu überwinden.

Kokain-Entzug

Wie funktioniert die Behandlung der Kokainsucht?

Vorrangig wird Kokain von gut verdienenden Personen im mittleren Alter konsumiert, die ihr Geld regelmäßig investieren, um sich durch den Kokainrausch eine vermeintlich gute Zeit zu machen. Viele nehmen im Laufe der Zeit immer größere Mengen ein, weil die einsetzende Toleranz gegenüber der Wirkung dafür sorgt, dass Betroffene nur mit einer höheren Dosis noch das gewünschte “High” verspüren. Um den auf diese Art völlig durcheinander gebrachten Neurotransmitterstoffwechsel zu stabilisieren, ist neben dem körperlichen Entzug meist auch eine medikamentöse Unterstützung notwendig. Ebenso muss die psychische Abhängigkeit überwunden werden.

Während die körperliche Abhängigkeit durch eine Entgiftung, die mit Symptomen wie Müdigkeit, sexuellen Funktionsstörungen und Depressionen einhergehen kann, meist relativ schnell zu überwinden ist, benötigt die Bewältigung der psychischen Abhängigkeit aufgrund der euphorisierenden Wirkung der Droge meist deutlich mehr Zeit. Daher dauert ein Kokain-Entzug in einer qualifizierten Suchtklinik in der Regel mehrere Wochen, in denen die psychischen Ursachen der Sucht therapeutisch aufgearbeitet und durch alternative Lösungsansätze ersetzt werden. Eine umfassende Rückfallprävention und die Erarbeitung eines tragfähigen Nachsorgekonzeptes bereiten den Patienten optimal auf die Rückkehr in den Alltag vor. Auf Wunsch können auch die Angehörigen aktiv in den Kokain-Entzug einbezogen werden.

 

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