Hilfe für Angehörige von Suchtkranken

Sie machen sich Sorgen um Ihren suchtkranken Ehemann bzw. Ihre abhängige Ehefrau, haben Angst um einen Elternteil oder fürchten für Ihren exzessiv trinkenden Teenager? Sie können nachts nicht mehr schlafen und fühlen sich einfach ausgelaugt? Ohne professionelle Hilfe und Unterstützung ist es fast unmöglich, eine solche Situation längerfristig zu ertragen.

Bei uns erfahren Sie, wie Sie sich am besten verhalten können, ohne sich selbst aufzugeben. Sie erhalten Tipps für schwierige Gesprächssituationen und lernen mehr über mögliche Hintergründe der Sucht. Lassen Sie Ihr Leben nicht von der Erkrankung Ihres Familienmitglieds bestimmen!

Angehörigenarbeit als elementarer Baustein der Suchttherapie

Eine Sucht beeinträchtigt nicht nur das Leben des Abhängigen, sondern auch das der Angehörigen. So wird insbesondere der Partner immer mehr durch den Substanzkonsum beeinflusst und verliert das Gespür für sich und seine eigenen Bedürfnisse. Vielfach entsteht auch eine sogenannte Co-Abhängigkeit, in der die Abhängigkeit gegenüber dem Umfeld bagatellisiert wird. Es wird entschuldigt, kontrolliert und angeklagt bis hin zur Entwicklung psychosomatischer Beschwerden.

Neben dem Partner leiden aber auch die Kinder des Suchtkranken. Sie werden um ihre Kindheit betrogen, unterliegen extremen Stimmungsschwankungen und übernehmen zunehmend die Aufgaben und Pflichten des trinkenden Elternteils. Als Erwachsene rutschen sie häufig in eine Depression, leiden an einem geringen Selbstwertgefühl oder führen destruktive Beziehungen. In vielen Fällen entwickeln sie selbst eine Abhängigkeitserkrankung. Weiterführende Informationen und Empfehlungen zur Selbsthilfe erhalten Sie in unseren Artikeln…

Verhalten gegenüber Suchtkranken: Tipps und Empfehlungen

Wie verhalte ich mich, wenn ich den Verdacht auf eine Suchterkrankung eines Angehörigen habe?

Kehren Sie das Problem bitte nicht unter den Tisch, sondern sprechen es frühzeitig an. Probleme verschwinden nicht von allein und langfristig wird ein Verschweigen weder dem Süchtigen noch Ihnen helfen. Außerdem sind die Therapiechancen umso besser, je früher die Sucht behandelt wird. Falls Sie das Gefühl haben, einem Gespräch nicht gewachsen zu sein, suchen Sie sich professionelle Hilfe! Erste Anlaufstellen können eine Familienberatung wie profamilia, der Caritasverband oder eine Suchtberatungsstelle sein.

Wie bereite ich ein klärendes Gespräch vor?

Zunächst ist es wichtig, eine gute und ungestörte Gesprächsatmosphäre vorzubereiten. Sorgen Sie dafür, dass die Kinder aushäusig untergebracht sind und dass Telefon und Türklingel abgestellt sind. Auf mögliche Reaktionen können Sie sich gedanklich bereits vorbereiten. So fällt es Ihnen leichter, in kritischen Gesprächsverläufen sachlich zu reagieren.

Wie kommuniziere ich richtig mit dem oder der Süchtigen?

Im Umgang mit Abhängigen ist eine gute Kommunikation ein Schlüsselfaktor, der den Kranken dazu motivieren kann, sich konstruktiv mit seinem Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Dies wird allerdings nur dann gelingen, wenn das gemeinsame Gespräch ohne Schuldzuweisungen und Anklagen verläuft. Dabei kann es helfen, in “Ich-Botschaften” zu sprechen. Auch gute Ratschläge sind nur bedingt hilfreich und können auf den betroffenen Angehörigen schnell belehrend wirken. Wichtiger ist es, den Betroffenen zum Reden zu ermuntern, aktiv zuzuhören und gemeinsame Ziele festzulegen.

Was kann ich sonst noch tun?

Informieren Sie sich über das genaue Krankheitsbild, das Suchtmittel und die möglichen Ursachen der Abhängigkeit. Schließlich ist Sucht nicht gleich Sucht, sondern häufig steckt mehr dahinter, als man vielleicht denkt. So kann eine Abhängigkeit ein Symptom dafür sein, dass an irgendeiner Stelle etwas schiefläuft oder schiefgelaufen ist. Daher ist es immer ein guter Schritt, den suchtkranken Verwandten nach den Ursachen seines Suchtverhaltens zu fragen. Unangenehme Antworten sollten Sie aushalten können. Oft können gerade aus ihnen positive Veränderungen entstehen.

Dennoch sollten Sie sich unbedingt verdeutlichen, dass Sie keine Schuld an der Erkrankung eines nahestehenden Menschen tragen. Egal, wie die Umstände auch sind, der Suchtkranke hat sich aus freien Stücken dazu entschieden, Alkohol zu trinken, Medikamente einzunehmen oder Drogen zu konsumieren. Ebenso sollten Sie die Abhängigkeit auf keinen Fall in der Öffentlichkeit vertuschen.

Weshalb ist ein Fehler den Suchtkranken vom Suchtmittel fernzuhalten?

Es ist völlig natürlich, einen lieben Menschen von seinem abhängigen Verhalten abbringen zu wollen. Dennoch tun Sie damit weder sich noch dem Erkrankten einen Gefallen. Schließlich muss die Motivation, eine Sucht behandeln zu lassen, vom Suchtkranken selbst kommen. Andernfalls werden Sie immer als Gegner wahrgenommen, der den Betroffenen von einem für ihn vermeintlich lebensnotwendigen Konsum fernhalten will. Das Miteinander wird somit zum ewigen Kampf.

Vielmehr sollten Sie akzeptieren, dass eine Alkoholsucht, Medikamentensucht oder Drogensucht als anerkannte Krankheit gilt, und dass der Konsum des Suchtstoffs keineswegs durch mangelnde Disziplin erfolgt, sondern durch ein unstillbares psychisches Verlangen (Craving), das eng mit einer Suchterkrankung verbunden ist. Allein das Verständnis und die Akzeptanz der Krankheit können eine maßgebliche Erleichterung in den Alltag bringen.

Wo gibt es Hilfe für Angehörige von Suchtkranken?

Nicht nur für die erkrankten Angehörigen gibt es Selbsthilfegruppen, sondern auch für die betroffenen Verwandten. Dort kann man offen und frei mit Angehörigen in vergleichbarer Situation über mögliche Probleme und Bedenken sprechen und erhält durch die Solidarität der Gruppe seelische Unterstützung.
Eine aktive Angehörigenarbeit betreiben:

  • Al-Anon Angehörigengruppen
  • Al-Ateen Selbsthilfegruppen (für Kinder suchtkranker Eltern)
  • Bundesverband der Eltern suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter

Wie kann ich selbst wieder zu Kräften kommen?

Machen Sie sich bewusst, dass auch Sie sich in einer schwierigen Situation befinden und den Erkrankten nicht voller Energie und Tatkraft unterstützen können. Kein normaler Mensch kann 24 Stunden, 7 Tage die Woche für jemand anderen da sein. Nehmen Sie sich auch in schwierigen Zeiten ab und zu Zeit für sich selbst und denken Sie daran, dass auch Sie als Angehöriger eines suchtkranken Verwandten ein Anrecht auf eigene Interessen haben:

  • Treffen Sie sich mit guten Freunden, lesen ein spannendes Buch oder erlernen ein Musikinstrument!
  • Treiben Sie Sport, gehen Sie spazieren oder machen einen Wellness-Tag!
  • Fokussieren Sie sich auf sich selbst und seien Sie dennoch für Ihren Angehörigen da, wenn er Sie wirklich braucht!
  • Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung! Sie müssen diese Herausforderung nicht allein bestehen.

Insgesamt erzielen Sie dadurch mehr Lebensqualität für sich und werden für Ihren Partner oder Partnerin begehrenswerter, da Sie unabhängiger von ihm oder ihr werden.

Warum kann eine therapeutische Hilfe für Angehörige von Suchtkranken sinnvoll sein?

Die eigenen Muster zu erkennen, welche die Abhängigkeitserkrankung unbewusst stabilisieren, kann sehr hilfreich sein. Sie haben so die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu überdenken und zu korrigieren. Dadurch beweisen Sie Stärke und zeigen Ihrem kranken Familienmitglied, dass eine therapeutische Behandlung die Situation und Befindlichkeit eines Menschen deutlich verbessern kann.

Werden Familienangehörige in eine Suchttherapie eingebunden?

Oft liegen mögliche Suchtauslöser im häuslichen Umfeld des Betroffenen. Vor allem unbewusste Verhaltensweisen spielen hier eine große Rolle. Daher wird in vielen Kliniken die Familie auf Wunsch des Patienten in therapeutische Prozesse eingebunden. Meist werden während der psychischen Entwöhnung Familien- und Paargespräche geführt. In einigen Einrichtungen sind spezielle Angehörigenseminare möglich, in denen sich die Angehörigen Suchtkranker mit anderen Angehörigen austauschen können und Informationen zum Umgang mit dem Suchtkranken erhalten.

Wenn es zu einem Entzug kommt, sollten Sie daher eine Entzugsklinik wählen, in der eine aktive Angehörigenarbeit stattfindet. Andernfalls verschenken Sie wertvolle Informationen zur bestmöglichen Unterstützung Ihres Angehörigen und zur Gestaltung Ihres eigenen Lebens.

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