Suchtstoffe

Tavor®

Tavor® schnell und einfach erklärt

  • Tavor® wird vor allem zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt, insbesondere bei Angst- und Panikstörungen und dadurch bedingte Schlafstörungen
  • Aufgrund des hohen Abhängigkeitsrisikos sollte das Medikament nur nach einer sorgfältigen Abwägung verordnet und eingenommen
  • Wenn Patienten das Medikament abrupt absetzen, können sich bei einer regelmäßigen Anwendung schon nach 14 Tagen erste Entzugserscheinungen zeigen
  • Tavor® kann sowohl bei kurzfristiger als auch langfristiger Einnahme zahlreiche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Substanzen auslösen
  • Besteht der Verdacht einer Tavor®-Abhängigkeit empfiehlt sich die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe einer Suchtklinik oder Suchtberatungsstelle
  • Ein kalter Entzug ist fast nie erfolgreich und zudem gefährlich, da er körperliche und psychische Nebenwirkungen wie epileptische Anfälle hervorrufen kann

Eine plötzliche Panikattacke, langanhaltende Angstzustände, Depressionen oder massive Schlafstörungen – Benzodiazepine sind Arzneimittel, die sich bei der Behandlung all dieser Probleme bewährt haben. Ein bekanntes, verschreibungspflichtiges Medikament aus dieser Gruppe ist Tavor®, das von der Firma Pfizer in Form von Tabletten oder Schmelztabletten vertrieben wird. Doch was sollten Sie über Tavor® wissen?

Tavor®: Schnelle Beruhigung mit hohem Suchtfaktor

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel wirkt sehr schnell und erzeugt beim Anwender innerhalb weniger Minuten ein beruhigendes, angstlösendes Gefühl und innere Gelassenheit. Die sofortige Linderung der genannten Symptome geht allerdings mit einem hohen Abhängigkeitsrisiko einher. Deshalb sollten die Verordnung und die Einnahme nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Wie wirkt Tavor®?

Tavor® enthält den Wirkstoff Lorazepam, der 1963 von dem amerikanischen Pharmaunternehmen Wyeth (heute zu Pfizer gehörig) entwickelt und patentiert wurde. Das Benzodiazepin Lorazepam überwindet die Blut-Hirn-Schranke, dockt an bestimmten Rezeptoren im Gehirn an und sorgt auf diese Weise dafür, dass die Wirkung des hemmenden Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) verstärkt wird. Angstbesetzte Reize oder Signale können dann über die Rezeptoren nicht mehr oder in deutlich geringerer Ausprägung weitergeleitet werden. Gleichzeitig werden die Nervenzellen weniger empfänglich für ankommende Reize und der Erregungszustand des Nervensystems nimmt insgesamt ab. Die hohe Wirksamkeit des Arzneimittels wird von den Patienten als sehr positiv empfunden. Schließlich verspüren sie eine tiefe Entspannung und Geborgenheit, frei von Sorgen und Ängsten. Dies gilt insbesondere für Patienten, die schon sehr lange an der Grunderkrankung leiden oder durch die Erkrankung einen hohen Leidensdruck verspüren.

Die Tavor®-Wirkung auf einen Blick:

  • angstlösend (anxiolytisch)
  • beruhigend (sedierend)
  • schlaffördernd (hypnotisch)

Wegen des hohen Abhängigkeitspotenzials sollten Tavor®-Tabletten nicht länger als drei Wochen eingenommen werden. Danach sollte das Benzodiazepin schrittweise ausgeschlichen werden. Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, ist von einem plötzlichen Absetzen des Medikaments unbedingt abzusehen.

Welche Anwendungsgebiete sind typisch für das Arzneimittel Tavor®?

Tavor® wird vor allem zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt, insbesondere zur Therapie von Angst- und Panikstörungen und dadurch bedingten Schlafstörungen.

Darüber hinaus findet das Medikament Anwendung:

  • zur Akutbehandlung psychiatrischer Notfälle (zum Beispiel Mutismus, Stupor)
  • zur Behandlung epileptischer Erkrankungen
  • bei wiederholten Anfällen von Übelkeit und Erbrechen, die durch die Chemotherapie bei Krebspatienten hervorgerufen wurden
  • zur Sedierung vor diagnostischen oder operativen Eingriffen
  • zur Notfallbehandlung unmittelbar nach einem Trauma
  • zur Unterstützung eines Alkoholentzugs

Wie werden Tavor®-Tabletten und Tavor® Expidet dosiert?

Je nach Anwendungsbereich liegt die individuelle Tagesdosis bei 0,25 bis 5,0 Milligramm (mg). Dabei wird die Tagesdosis üblicherweise auf 2 bis 3 Einzeldosen aufgeteilt. Die Tavor®-Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein und hält über mehrere Stunden an. Die Halbwertszeit von Tavor® bzw. Lorazepam ist von der Größe und dem Gewicht des Patienten abhängig, kann aber bis zu 18 Stunden betragen. Bei der gleichzeitigen Einnahme von anderen Arzneimitteln, Alkohol und Drogen kann sich die Wirkung beschleunigen oder verlangsamen; verstärken oder abschwächen.

Welche Tavor®-Nebenwirkungen können auftreten?

Tavor® ist ein sehr potentes Medikament mit schneller und hoher Wirksamkeit, kann aber auch verschiedene Nebenwirkungen auslösen, wie zum Beispiel:

  • Müdigkeit & Schläfrigkeit
  • Blutdruckabfall
  • Benommenheit, Schwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Gangunsicherheit
  • eingeschränkte Reaktionsfähigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Hautausschlag & Juckreiz
  • Übelkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • sogenannte paradoxe Reaktionen (wie Gereiztheit, Wutausbrüche)
  • Gedächtnisstörungen
  • depressive Verstimmungen
  • aggressives Verhalten
  • verringerter Sexualtrieb

Welche Tavor®-Nebenwirkungen können nach einer längerfristigen Einnahme auftreten?

Welche Nebenwirkungen in welcher Ausprägung auftreten, ist dabei individuell höchst unterschiedlich. Insbesondere angesichts des beeinträchtigten Reaktionsvermögens sollten Sie jedoch nach der Einnahme von Tavor® unbedingt davon absehen, Maschinen zu bedienen oder Fahrzeuge zu führen. Vor allem nach einer längerfristigen Einnahme kann es darüber hinaus zu folgenden Tavor®-Nebenwirkungen kommen:

  • verminderte kognitive Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsstörungen

Für wen ist eine Therapie mit Lorazepam nicht geeignet?

Wie bei jedem Arzneimittel gibt es auch bei Tavor® und seinen Generika Gegenanzeigen, die eine Anwendung des Medikaments ausschließen. So dürfen Sie es nicht einnehmen, wenn Sie unter einer der folgenden Erkrankungen leiden:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff (Lorazepam)
  • Engwinkelglaukom
  • niedriger Blutdruck
  • schwere Nieren- oder Leberinsuffizienz
  • Autoimmunerkrankung mit Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
  • akute Alkoholvergiftung (Alkoholintoxikation)
  • Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • obstruktive Atemwegserkrankungen
  • Schlafapnoe-Syndrom

Ebenfalls ausgeschlossen werden sollte eine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit.

Da bei Kindern und älteren Patienten zusätzliche Nebenwirkungen zu beobachten sind, sollte das Medikament in diesen Altersgruppen nur unter Vorbehalt verordnet werden. So kann es bei Kindern nach der Einnahme von Lorazepam zu erhöhter Aggressivität kommen; bei Senioren besteht ein größeres Sturzrisiko.

Welche Wechselwirkungen können beim gleichzeitigen Konsum mit anderen Medikamenten auftreten?

Die Kombination mit anderen Medikamenten oder Substanzen kann Wechselwirkungen hervorrufen. Insbesondere die gegenseitige oder einseitige Wirkungsverstärkung kann gefährliche Folgen haben, so dass der gleichzeitige Konsum mehrerer Wirkstoffe unbedingt vorab mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden sollte. Bei manchen Substanzen sind zwar Wechselwirkungen bekannt, aber nicht genau vorhersehbar. Deshalb ist von der kombinierten Einnahme von Lorazepam und folgenden Medikamenten bzw. Substanzen dringend abzuraten:

  • Alkohol
  • Antibabypille
  • bestimmte Antibiotika
  • Antidepressiva
  • Antiepileptika (vor allem Valproinsäure)
  • Asthmamittel (vor allem Aminophyllin und Theophyllin)
  • Betablocker
  • bestimmte Antihistaminika
  • Gerinnungshemmer
  • Gichtmittel (vor allem Probenedic)
  • Neuroleptika (vor allem Clozapin)
  • Magen-Darm-Medikamente (vor allem Cimetidin)
  • Muskelrelaxantien
  • Protonenpumpenhemmer
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel
  • opioide und nicht-opioide Schmerzmittel

Wie hoch ist das Risiko einer Tavor®-Abhängigkeit und welche Entzugserscheinungen können auftreten?

Das Abhängigkeitspotenzial von Tavor® ist hoch. So findet sich das Benzodiazepin nicht nur in der ärztlich verordneten Anwendung zur Behandlung verschiedener Erkrankungen, sondern auch als Suchtmittel in der Drogenszene. Teilweise nutzen es Drogenabhängige als Heroinersatz. Wenn Patienten das Medikament abrupt absetzen, können sich bei einer regelmäßigen Anwendung schon nach 14 Tagen erste Entzugserscheinungen zeigen. Auch werden die erneut einsetzenden Ängste und Depressionen von den Betroffenen häufig schlimmer als vor der Behandlung mit Tavor® empfunden. Mögliche Entzugssymptome einer Tavor®-Abhängigkeit sind:

  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Muskelschmerzen
  • Herzklopfen
  • innere Unruhe
  • Zittern
  • Schwitzen
  • Gedächtnisprobleme
  • Verwirrtheit
  • Schlafstörungen
  • Verhaltensstörungen
  • Wahnvorstellungen

Woran erkennen Sie eine Abhängigkeit?

Patienten, die von ihrem Arzt Tavor®-Tabletten erhalten, ist häufig nicht bewusst, dass dieses Medikament bei täglicher Einnahme sehr schnell abhängig machen kann. Vielfach werden sie über die Gefahren des Wirkstoffs nicht einmal aufgeklärt. Auch nach längerer Einnahme ist für viele Patienten ihre Abhängigkeit nicht einfach zu erkennen, weil das Medikament vom Arzt verordnet wird und zunächst auch einen medizinischen Nutzen erfüllt. Studien zeigen, dass Benzodiazepine häufig viel zu lange verschrieben werden und damit das Risiko einer Suchtentwicklung ignoriert wird.

Ob Sie bereits eine Abhängigkeit entwickelt haben, erkennen Sie unter anderem daran, dass Sie:

  • das Medikament weiter einnehmen, obwohl das Grundproblem gar nicht mehr besteht
  • die Dosis eigenmächtig erhöhen
  • die vorgegebene Einnahmedauer verlängern
  • sich das Medikament bei verschiedenen Ärzten verschreiben lassen
  • die Einnahme niemals unterbrechen
  • die Tabletten heimlich einnehmen

Wenn Sie sich in diesen Verhaltensweisen wiedererkennen, besteht der Verdacht, dass Sie Tavor® abhängig sind. Zur Beendigung der Sucht empfiehlt sich die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe: Sei es durch das Aufsuchen einer Suchtklinik oder das Gespräch mit einer Suchtberatungsstelle.

Indizien für Hochdosis- und Niedrigdosisabhängigkeiten

Ein weiteres Indiz für eine Tavor®-Sucht können die Gewöhnung an die Wirkung des Medikaments und die damit verbundene Toleranzentwicklung sein. In diesem Fall ist eine regelmäßige Erhöhung der Dosis notwendig, um den gewünschten beruhigenden und stimmungsaufhellenden Effekt zu erzielen. Aber auch wenn Sie über Monate oder Jahre hinweg jeden Tag nur eine einzige Tablette nehmen und die Dosis niemals steigern, können Sie bereits abhängig sein. Mediziner sprechen hier von einer sogenannten Niedrigdosisabhängigkeit.

Wie wird eine Tavor®-Abhängigkeit behandelt?

Die Voraussetzung zur Behandlung einer Abhängigkeit sind die Anerkennung der Erkrankung und der feste Wille, sie zu beenden. Erst danach ist ein erfolgreicher Tavor®-Entzug unter ärztlicher Aufsicht möglich.

Versuchen Sie bitte nicht eigenmächtig, das Medikament plötzlich abzusetzen. Ein solch kalter Entzug ist nicht nur schwierig und fast nie erfolgreich, sondern zudem auch gefährlich, da er körperliche und psychische Nebenwirkungen wie epileptische Anfälle hervorrufen kann. Deutlich risikoärmer und schonender für den Körper ist ein fraktionierter Entzug in einer Suchtklinik. Hier wird die Dosis unter engmaschigen Kontrollen der Vitalfunktionen und gegebenenfalls mit medikamentöser Unterstützung schrittweise verringert.

Psychische Entwöhnung und Nachsorge

Gleichzeitig nehmen Sie an verschiedenen therapeutischen Maßnahmen teil, die den körperlichen Entzug sinnvoll ergänzen. Wichtig ist vor allem eine Behandlung der Grunderkrankung und die Aufarbeitung der für die Tavor®-Abhängigkeit ursächlichen psychischen Faktoren. Hierzu ist eine längerfristige psychotherapeutische Behandlung erforderlich, die auch über die Zeit der Entwöhnung hinausgehen sollte, um einem Rückfall vorzubeugen. Zu einem umfassenden Behandlungskonzept gehört auch die enge Einbindung der Angehörigen. Ihre Unterstützung während der Behandlung und nach der Rückkehr des Patienten ist eine wesentliche Voraussetzung für einen nachhaltigen Behandlungserfolg.

Die Entwöhnung bei einer Medikamentenabhängigkeit kann abhängig vom Betroffenen mehrere Wochen oder Monate dauern. Haben Sie Geduld und bleiben Sie entschlossen, sich von der Sucht zu befreien. Mit professioneller Hilfe gelingt Ihnen der Weg in ein neues Leben ohne Medikamentensucht.

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