Hilfe bei Sucht: Erste Schritte auf dem Weg aus der Abhängigkeit

So gehen Sie am besten vor

Der Weg ist das Ziel: Bei nahezu keiner anderen Erkrankung ist das Zitat von Konfuzius so treffend wie bei einer Abhängigkeitserkrankung. Schließlich verläuft der Weg aus einer Suchterkrankung in mehreren Schritten und beginnt in den seltensten Fällen direkt mit einer qualifizierten Suchttherapie. Vielfach ist er verbunden mit Scham, Angst und Verdrängung; kann zu familiären Konflikten und Problemen am Arbeitsplatz führen und gesundheitliche Probleme hervorrufen. Er erfordert Geduld, Durchhaltevermögen und die Akzeptanz von Rückschlägen. Dennoch ist es lohnenswerter Weg, denn am Ende warten ein selbstbestimmtes Leben ohne Suchtmittel, eine Steigerung der Lebensqualität und erfüllende soziale Kontakte.

Substanzkonsum kritisch hinterfragen

Die Erkenntnis an einer Abhängigkeitserkrankung zu leiden, kommt in der Regel langsam und allmählich. Im Falle einer Alkoholsucht oder Drogenabhängigkeit ahnen es die Betroffenen meist schon sehr lange, möchten es aber nicht wahrhaben. Vielfach sind es die Angehörigen oder das soziale Umfeld, welche die Erkenntnis reifen lassen, dass etwas nicht stimmt. Gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Lebererkrankungen können ein Hinweis auf eine mögliche Abhängigkeit vom Alkohol sein. Weitaus schwieriger ist es bei einer Medikamentensucht, da hier das Suchtmittel auf Rezept verordnet wird, so dass sich die Konsumenten nur schwer vorstellen können, abhängig zu sein. Unabhängig vom Suchtstoff, ist es wichtig “Wachmacher” und Anregungen von außen positiv aufzunehmen und nicht als Kritik aufzufassen. Schließlich kommen sie in der Regel von nahen Menschen, die ein Interesse daran haben, dass es Ihnen gut geht und sind als Hilfestellung gegen Ihre Sucht gedacht.

Grundsätzlich gibt es viele individuelle Herangehensweisen, um sich mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen. Dabei sollten Sie unbedingt ehrlich zu sich selbst sein. Achten Sie bewusst darauf, wie häufig Sie bestimmte Substanzen einnehmen, was sie bei Ihnen bewirken und welche Ursachen den Konsum auslösen. Führen Sie ein Trinktagebuch über Ihren Alkoholkonsum, machen sich Notizen über die Häufigkeit Ihres Drogenkonsums oder lesen in relevanten Internet-Foren mit. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen oder guten Freunden über ein mögliches Suchtproblem und beschäftigen sich auf Ihre Art und Weise mit dem Thema.

Realistische Etappenziele setzen

Ein suchtmittelfreier Alltag ist nur in Teilschritten zu erreichen und als Prozess zu verstehen. Wenn Sie quälenden Suchtdruck verspüren, unter Begleiterkrankungen leiden und aufgrund Ihres regelmäßigen Alkoholkonsums im Konflikt mit Ihren Angehörigen stehen, ist es schwer, überhaupt an eine langfristige Abstinenz zu denken bzw. zu glauben.

Definieren Sie daher realistische und erreichbare Etappenziele, die Sie nach und nach in Angriff nehmen. So ist es beispielsweise deutlich einfacher, sich den Gang zu einer Stelle für Suchthilfe vorzunehmen oder eine Selbsthilfegruppe wie die Anonymen Alkoholiker aufzusuchen, als sich das große Ziel zu setzen, bereits im nächsten Monat abstinent zu sein. Geben Sie sich Zeit und verfolgen langsam, aber konsequent Ihr Ziel.

Eingeständnis der Abhängigkeit (Motivationsphase)

Falls eine Abhängigkeit besteht, gestehen Sie sich diese bitte ein und machen sich bewusst, dass eine nicht oder nicht ausreichend behandelte Abhängigkeitserkrankung in der Regel tödlich endet und die Lebenszeit verkürzt. Daher werden stoffgebundene Süchte wie eine Alkoholsucht, Medikamentenabhängigkeit oder Drogensucht als Krankheit anerkannt und besitzen eigene Diagnosekriterien in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD 10). An einer Suchterkrankung zu leiden, ist bei weitem nicht mehr so stigmatisiert wie früher und betrifft mehr Menschen als Sie denken. Es ist also keine Schande, zu seiner Abhängigkeit zu stehen, sondern zeugt von Stärke, Selbstliebe und dem Willen, das eigene Leben zum Positiven zu verändern.

Professionelle Hilfe bei Sucht annehmen

Holen Sie sich qualifizierte Unterstützung und lassen sich von unabhängigen externen Beratungsstellen über das weitere Vorgehen beraten. Schlussendlich richtet sich die Behandlung nach der individuellen Suchtbiografie und den persönlichen Lebensumständen. So kann einerseits eine körperliche Abhängigkeit vorliegen, so dass die suchtmedizinische Behandlung mit einer Entgiftung beginnt und idealerweise mit einer Entwöhnung fortgesetzt wird. Andernfalls besteht die Gefahr, schnell rückfällig zu werden, weil die Ursachen der Erkrankung nicht aufgearbeitet werden. In anderen Fällen schaffen es die betroffenen Suchtkranken, einige Wochen abstinent zu leben, leiden aber immer wieder unter schweren Abstürzen, die ebenfalls eine psychotherapeutische Behandlung erfordern. Meist ist dieses Verhalten bei Alkoholikern vertreten; hier spricht man von Quartalstrinkern. Andererseits kann es aber auch sein, dass keine körperliche, sondern lediglich eine psychische Abhängigkeit vorliegt, die suchtkranke Menschen zu einem problematischen Konsumverhalten führt. In diesem Fall ist nicht immer eine Entgiftung notwendig, in vielen Fällen reicht eine Entwöhnung.

Stationäre oder ambulante Suchttherapie

Im Prinzip stehen Suchtkranken, die unter dem schädlichen Gebrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen leiden und in ein suchtfreies Leben zurückkehren möchten, verschiedene Wege offen. So kann die Suchtrehabilitation nach der Entgiftung ganztägig ambulant in Tageskliniken oder direkt bei einigen Suchtberatungsstellen durchgeführt werden oder stationär in einer Suchtklinik erfolgen. Die Entscheidung über die richtige Form der Suchthilfe werden die Betroffenen individuell treffen müssen.

Obwohl ambulante Therapien oft schneller und unkomplizierter zu einer Kostenzusage seitens der Rentenversicherung oder der Krankenversicherung führen, ist eine stationäre Rehabilitation für den Versicherten meist deutlich vielversprechender. Schließlich kann er sich hier ausschließlich auf die Therapie konzentrieren ohne durch ein instabiles soziales Umfeld oder von den auslösenden Problemen abgelenkt zu werden. Die Entwöhnung verläuft idealerweise in einer stressfreien Umgebung, weil die Genesungschancen dann erheblich größer sind. Nicht umsonst sind stationäre Angebote durch eine niedrigere Rückfallquote gekennzeichnet. Das betrifft Kurz-, Intensiv- oder Langzeittherapien bei Alkohol genauso wie die Suchtrehabilitation bei anderen stoffgebundenen Süchten.

Die Erfahrung zeigt auch, dass der Substanzkonsum häufig durch die Familie angetriggert wird, beispielsweise bei einer Co-Abhängigkeit. So ist es kein Wunder, dass vielen ambulanten Entzügen letztendlich doch ein stationärer Aufenthalt folgt. Schließlich ist es im geschützten Rahmen einer Entzugsklinik am einfachsten, den Neuanfang vorzubereiten, alte Verhaltensmuster zu überdenken und mit therapeutischer Hilfe neue Verhaltensweisen zu etablieren. Daher sollten Sie während der Suchtberatung unbedingt die Möglichkeit einer stationären Entwöhnung ansprechen und begründen, weshalb Sie diese für sinnvoll erachten.

Hilfe bei Sucht durch eine private oder öffentliche Einrichtung

Der stationäre Entzug kann ganzheitlich in einer privaten Entzugsklinik erfolgen. Im Gegensatz zur Entgiftung und zeitversetzten Suchtrehabilitation in einer öffentlichen Suchtklinik, die von der Krankenkasse oder Rentenversicherung finanziert wird, erfolgt in einer Privatklinik die komplette Suchtbehandlung in einem Schritt. Die Patienten profitieren von gleichbleibenden Ansprechpartnern, vermeiden die behandlungsfreie Phase zwischen beiden Entzugsschritten und verringern dadurch maßgeblich die Rückfallgefahr. In der Regel entfällt auch die lange Wartezeit auf einen Entwöhnungsplatz, da in einer Privatklinik mit ausreichender Bettenzahl meist Sofortaufnahmen möglich sind.

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