Alkoholiker-Test: Diagnostik einer Alkoholsucht

Alkoholkonsum gehört für Millionen Deutsche zum Alltag; im Gegensatz zu den illegalen Drogen sind die Beschaffung und der Konsum von Alkohol legal. Über ein Glas Wein bei einer Party oder ein entspanntes Bier zum Feierabend zerbrechen sich demzufolge nur die wenigsten Menschen den Kopf. Die Grenze zwischen unbedenklichem und riskantem Alkoholkonsum zu ziehen, fällt vielen Personen schwer. Ein Alkoholiker-Test kann dabei helfen, das eigene Konsumverhalten zu reflektieren und mögliche Risiken für eine Alkoholabhängigkeit zu erkennen.

Was ist ein Alkoholsucht-Test?

Ein Alkoholismus-Test kann ein hilfreiches Instrument sein, um den eigenen Alkoholkonsum kritisch zu beleuchten. Mit einem Test wie dem AUDIT-Fragebogen lässt sich anhand gezielter Fragen ermitteln, ob eine Alkoholabhängigkeit oder die Vorstufe, ein sogenannter schädlicher Gebrauch von Alkohol vorliegt. Doch nicht nur Alkoholkranke nutzen die verschiedenen Tests, um das potenzielle Risiko ihres Trinkverhaltens aufzudecken. Auch Ärzte verwenden diese häufig als wichtigen Bestandteil der Diagnostik. Je nach Ausrichtung der Testverfahren, geht es dabei vornehmlich um die Erhebung der Trinkgewohnheiten der Patienten. Darüber hinaus werden bei einigen Verfahren zusätzlich Laborwerte, die einen schädlichen Gebrauch von Alkohol belegen, inkludiert. Dies ist zum Beispiel beim Münchner Alkoholismus-Test gegeben. Doch auch soziale oder psychische Aspekte des Alkoholkonsums stehen bei vielen Tests im Fokus. Das betrifft nicht nur die Ursachen des erhöhten Konsums, sondern auch die möglichen sozialen Folgen.

Welche Schwierigkeiten treten bei einem Alkoholiker-Test auf?

Menschen, die einen Test zur Überprüfung ihres Alkoholkonsums durchführen, hegen in der Regel bereits den Verdacht ein Alkoholproblem zu haben. Vielen Betroffenen, die an Alkoholismus erkrankt sind, fehlt jedoch gerade diese reflektierende Einsicht, so dass sie unter normalen Umständen keinen Alkoholiker-Test durchführen würden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Personen, die generell zu viel Alkohol trinken, ihren tatsächlichen Alkoholkonsum beschönigen. In einem solchen Fall ist mit ehrlichen Antworten und einem realistischen Testergebnis nicht zu rechnen. Damit die Auswertung eines Alkoholsucht-Tests erfolgreich sein und eine vorhandene Alkoholabhängigkeit ans Licht bringen kann, ist Ehrlichkeit jedoch zwingend notwendig. Denn nur ein realistisches Ergebnis kann zu einem Umdenken beim Thema Alkoholkonsum führen und ausschlaggebend dafür sein, dass sich der Alkoholiker in Behandlung begibt und eine Alkoholtherapie beginnt.

Welche Alkoholiker-Tests gibt es?

Verschiedene Alkoholsucht-Tests können dabei helfen, einen riskanten Konsum von Alkohol oder einen möglichen Alkoholismus schnell und unkompliziert zu erkennen. Die beiden geläufigsten Tests sind AUDIT und CAGE. Die Tests werden in der Regel gemeinsam mit dem behandelnden Arzt durchgeführt, können aber vom Betroffenen auch selbst beantwortet werden, um einen ersten Anhaltspunkt über das eigene Trinkverhalten zu gewinnen. Als Alkohol-Selbsttest können sie allerdings die ärztliche Diagnose keineswegs ersetzen. Weitere Tests sind der Münchner-Alkoholismus-Test (MALT), der Lübecker Alkoholismus Screening Test (LAST) und der Brief Alcohol Screening Instrument in Medical Care (BASIC).

Was ist der AUDIT-Test bzw. AUDIT-C-Test?

Der AUDIT-Test (Alcohol Use Disorders Identification Test) wurde in den 1990er Jahren im Auftrag der WHO (Weltgesundheitsorganisation) entwickelt. Er wird nicht nur als Selbsttest von Menschen, die ihren eigenen Alkoholkonsum hinterfragen wollen, genutzt, sondern auch in vielen Hausarztpraxen. AUDIT dient dazu die eigenen Trinkgewohnheiten zu erheben und besteht aus 10 Fragen. Diese beschäftigen sich nicht nur mit der Menge an Alkohol, die vom Betroffenen regelmäßig oder unregelmäßig getrunken wird, sondern inkludieren zudem soziale Komponenten. Der Test besteht aus einem Multiple Choice-Fragebogen mit jeweils mehreren Antwortmöglichkeiten. Typische Fragen sind beispielsweise:

  • Wie oft haben Sie im letzten Jahr Alkohol getrunken?
  • Wie viele Drinks trinken Sie an einem Tag?
  • Wie oft trinken Sie sechs oder mehr Drinks pro Tag?

Für die einzelnen Antworten werden Punkte vergeben, sodass am Ende ein Ergebnis zwischen 0 und 40 Punkten vorliegt. Je höher das Ergebnis ausfällt, umso riskanter ist der Alkoholkonsum des Betroffenen. Im Rahmen einer vollständigen Diagnostik sind aber weitere Kriterien heranzuziehen. Mit einem hohen Ergebnis im AUDIT-Test sollten sich vor allem Patienten, die ihren Alkoholkonsum nicht eigenhändig reduzieren bzw. kontrollieren können, unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.

Selbsttest Alkoholabhängigkeit

AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test Babor et al., 2001)

1. Wie oft nehmen Sie ein alkoholisches Getränk zu sich?

2. Wenn Sie alkoholische Getränke zu sich nehmen, wieviel trinken Sie dann typischerweise an einem Tag?

(Hinweis: 1 Glas Alkohol entspricht 0,33 Liter Bier, 0,25 Liter Wein oder Sekt, 0,02 Liter Spirituosen)

3. Wie oft trinken Sie 6 oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit?

4. Wie oft haben Sie in den letzten 12 Monaten erlebt, dass Sie nicht mehr mit dem Trinken aufhören konnten, nachdem Sie einmal begonnen hatten?

5. Wie oft passierte es in den letzten 12 Monaten, dass Sie wegen des Trinkens Erwartungen, die man normalerweise an Sie hat, nicht mehr erfüllen konnten?

6. Wie oft brauchten Sie während der letzten 12 Monate am Morgen ein alkoholisches Getränk, um sich nach einem Abend mit viel Alkoholgenuss wieder fit zu fühlen?

7. Wie oft hatten Sie während der letzten 12 Monate wegen Ihrer Trink- gewohnheiten Schuldgefühle oder Gewissensbisse?

8. Wie oft haben Sie sich während der letzten 12 Monate nicht mehr an den vorangegangenen Abend erinnern können, weil Sie getrunken hatten?

9. Haben Sie sich oder eine andere Person unter Alkoholeinfluss schon einmal verletzt?

10. Hat ein Verwandter, Freund oder auch ein Arzt schon einmal Bedenken wegen Ihres Trinkverhaltens geäußert oder vorgeschlagen, dass Sie Ihren Alkoholkonsum einschränken?

Ihre Gesamtpunktzahl hat einen Summenwert von

Dieser Selbsttest dient einer ersten groben Einschätzung der eigenen Trinkgewohnheiten. Ein Summenwert von 8 oder mehr Punkten gilt als Hinweis für ein problematischen Alkoholkonsum. Wir empfehlen Ihnen, sich mit ihrem Hausarzt oder mit einer Alkoholberatung in Verbindung zu setzen.

 

Der Audit-C-Test greift lediglich auf die ersten drei Fragen zum Trinkverhalten zurück und ist eine verkürzte Variante des AUDIT-Tests.,

Was ist der CAGE-Test?

Auch der CAGE-Test kann erste Anhaltspunkte liefern, um eine körperliche bzw. psychische Alkoholabhängigkeit oder einen riskanten Alkoholkonsum identifizieren zu können. Der in den 1960er Jahren in den USA entwickelte Test besteht lediglich aus vier Fragen und liefert entsprechend für eine medizinische Diagnose bezüglich eines Alkoholismus kein hinreichendes Gesamtbild. Als Diagnose-Instrument für einen ersten Eindruck ist der Fragebogen aber für einen Selbsttest geeignet. Die vier Fragen lauten frei übersetzt:

  • Haben Sie schon einmal versucht weniger Alkohol zu trinken?
  • Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass jemand Sie kritisiert hat, weil Sie zu viel Alkohol trinken?
  • Hatten Sie schon einmal Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums?
  • Haben Sie schon einmal morgens Alkohol getrunken, um sich wacher oder konzentrierter zu fühlen?

Die einzelnen Fragen rund um den Alkoholkonsum werden mit Ja oder Nein beantwortet. Treffen wenigstens zwei Aussagen zu, empfehlen Suchtexperten den Konsum alkoholischer Getränke mit einem Arzt zu besprechen.

Wie hilfreich ist ein Alkoholismus-Test für Ärzte?

Anders als dem Suchtkranken selbst, stehen einem Mediziner eine große Auswahl an Diagnose-Instrumenten zur Verfügung, mit denen er eine alkoholbezogene Störung oder eine mögliche Alkoholabhängigkeit bei seinem Patienten erkennen und bewerten kann. Für eine erste Anamnese im Rahmen des sogenannten Screening-Verfahrens nutzt er meist dieselben Tests, die auch Alkoholiker zur Selbstdiagnose verwenden können. Oftmals werden neben den Angaben des Betroffenen auch Informationen wie Laborwerte in die Alkoholismus-Diagnostik einbezogen. Diese Kombination liefert dem Arzt oder Suchtmediziner ein umfassendes Bild vom Alkoholkonsum des Patienten.
Im Anschluss an die Erst-Diagnose kommen häufig weitere Tests zum Einsatz. Diese sollen beispielsweise darüber aufklären, wie der gefährliche Alkoholkonsum beim Patienten entstanden ist bzw. wie sich die Alkoholabhängigkeit entwickelt hat. Die Diagnostik der Entstehungsbedingungen ist vor allem mit Blick auf eine nachfolgende Therapie wichtig. Beispiele für die teilweise sehr umfassenden Diagnose-Instrumente sind:

  • TAI (Trierer Alkoholismusinventar)
  • FFT (Fragebogen zum funktionalen Trinken)

Wie hilft ein Alkoholismus-Test für die Therapie?

Wenn Patienten ihren Alkoholkonsum wirklich kritisch reflektieren, kann ein Alkoholismus-Test einen wichtigen Impuls zu einer Verhaltensänderung setzen und somit den Beginn einer folgenden Therapie markieren. Schließlich bringt er die meisten Menschen mit einem Alkoholproblem erstmals dazu, sich kritisch mit dem eigenen Alkoholkonsum auseinanderzusetzen. In vielen Fällen schaffen die Betroffenen allerdings den Weg aus der Abhängigkeit nicht allein und sollten daher unbedingt professionelle Hilfe annehmen. Eine erste Anlaufstelle für Alkoholabhängige sind vor allem ambulante Beratungsstellen. Auch ein unverbindliches Gespräch mit einer Suchtklinik kann Klarheit über den weiteren Weg schaffen. Mehr über die ersten Schritte auf dem Weg aus der Abhängigkeit erfahren Sie in unserem Ratgebertext Hilfe bei Sucht.

Grundsätzlich besteht eine erfolgreiche Alkoholtherapie immer aus einer körperlichen Entgiftung, einer psychischen Entwöhnung und einer umfassenden ambulanten Nachsorge. Wichtig ist es, die einzelnen Phasen der Therapie möglichst individuell auf den Patienten anzupassen. Schließlich kann der Alkoholkonsum auf völlig unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden, welche therapeutisch aufgearbeitet und durch ein konstruktives Problemlöseverhalten ersetzt werden müssen. Je nach Suchtbiografie kann die Behandlung mittels einer Verhaltenstherapie oder eines tiefenpsychologischen Ansatzes initiiert werden.

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