Alkoholsucht

Medikamente und Alkohol

Alkohol und Medikamente – Risiken in Kürze

  • Bei gemeinsamer Einnahme von Medikamenten und Alkohol besteht ein großes Risiko für gefährliche Wechselwirkungen.
  • Die exakte Wirkung lässt sich für verschiedene Alkohol-Medikamenten-Kombinationen nicht vorhersagen.
  • Lebensgefährliche Wechselwirkungen sind möglich– dann ist eine notfallmedizinische Behandlung erforderlich.
  • Die Gefahr für die Ausbildung einer Abhängigkeit bzw. einer Mehrfachabhängigkeitist hoch.

Warum nehmen Menschen Medikamente und Alkohol zusammen ein?

Viele Menschen nehmen regelmäßig oder zumindest hin und wieder Medikamente ein. Diese sollten grundsätzlich nicht mit Alkohol und anderen rauscherzeugenden Substanzen gemischt werden. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Medikamente und Alkohol gleichzeitig eingenommen werden. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Betroffene möchten trotz der Einnahme von Arzneimitteln nicht auf den Konsum von Alkohol verzichten.
  • Die Gefahr des Mischkonsums wird unterschätzt – Alkohol und Medikamente werden ohne Kenntnis der möglichen Wechselwirkungen kombiniert.
  • Arzneimittel und Alkohol werden absichtlich konsumiert, um die Wirkung der Medikamente oder des Rauschmittels zu verstärken.

Wie wirken Alkohol und Medikamente im Körper?

Viele Medikamente, die im Gehirn bzw. im zentralen Nervensystem des Menschen wirken, sind hinsichtlich ihrer Funktionsweise dem Alkohol sehr ähnlich. Die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe gehen meist über die Schleimhäute im Magen ins Blut über, bevor sie im Blutkreislauf zum Gehirn transportiert werden. Dort sind sie beispielsweise für die Ausschüttung spezifischer Neurotransmitter zuständig und sorgen durch die Bindung an bestimmte Rezeptoren dafür, dass „unerwünschte“ Signale nicht mehr weitergeleitet, Erregungszustände und Unruhe gedämpft oder Glücksgefühle aktiviert werden.

Was kann passieren, wenn Medikamente und Alkohol zusammen eingenommen werden?

Gerade weil Alkohol und Medikamente, wie zum Beispiel Benzodiazepine oder Antidepressiva, eine ähnliche Wirkung mit sich bringen, sind die möglichen Wechselwirkungen umso größer. Alkoholhaltige Getränke können in Kombination mit Arzneimitteln Folgendes bewirken:

  • Verstärkung der Medikamentenwirkung
  • Verringerung der Medikamentenwirkung
  • Verlängerte Medikamentenwirkung
  • Stärkere oder mehr Nebenwirkungen
  • Verstärkung der Alkoholwirkung

Kann man die exakten Wechselwirkungen vorhersagen?

Welche Wechselwirkungen sich beim Mischkonsum von Tropfen oder Tabletten und Alkohol genau ergeben, lässt sich nicht vorhersagen. Das genaue Zusammenspiel hängt schließlich von verschiedenen Faktoren ab:

  • Wirkstoff des Arzneimittels
  • Zeitpunkt der Einnahme
  • Dosierung
  • konsumierte Alkoholmenge
  • individuelle Faktoren (zum Beispiel Größe oder Gewicht)

Weil die potenzielle Wirkung des Cocktails aus Arzneimitteln und alkoholischen Getränken so schlecht vorhersagbar ist, erweist sie sich als umso gefährlicher.

Welche Medikamente werden besonders häufig mit Alkohol zusammen eingenommen?

Befragungen zeigen, dass in der erwachsenen Bevölkerung verschiedene Arten von Medikamenten besonders häufig eingenommen werden. Dazu gehören verschreibungspflichtige und nicht verschreibungspflichtige Analgetika (Schmerzmittel), Antidepressiva und Hypnotika oder Sedativa (Beruhigungs- und Schlafmittel)1.

All diese Medikamente enthalten Wirkstoffe, die zu starken Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit Alkohol führen können. Gleichzeitig handelt es sich bei diesen Arzneimitteln um diejenigen Tabletten, Tropfen und Co., die vermehrt mit alkoholischen Getränken kombiniert werden. Zum einen, weil ihre Einnahme schlichtweg weit verbreitet ist, zum anderen, weil Nebenwirkungen hier regelmäßig unterschätzt oder Wirkungsveränderungen absichtlich provoziert werden.

 

Warum ist die Leber durch Mischkonsum besonders gefährdet?

Alkohol und medizinisch wirksame Stoffe werden normalerweise über die Leber abgebaut. Wenn diese durch den Mischkonsum überlastet ist, können sogenannte Metaboliten (Stoffwechselzwischenprodukte) entstehen, die für den Körper schädlich sind. Das ist zum Beispiel bei einigen Antibiotika gegeben. Besonders wenn ältere Menschen oder Frauen Alkohol trinken und gleichzeitig Tabletten einnehmen, sind die negativen Folgen häufig schneller spürbar. Denn durch den geringeren Wasseranteil im Körper erhöht sich die Alkoholkonzentration im Blut deutlich schneller, während der Abbau des Blutalkohols verlangsamt abläuft2.

Was passiert, wenn man Schmerzmittel nimmt und Alkohol trinkt?

Schmerzmittel und Alkohol zu kombinieren, kann sowohl bei rezeptpflichtigen als auch bei frei verkäuflichen, rezeptfreien Medikamenten gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Das gilt vor allem, wenn Ibuprofen, Paracetamol und andere Schmerzmittel häufig oder regelmäßig eingenommen werden. Eine Gefahr entsteht in der Leber, wo es aufgrund des Alkoholabbaus zu einer Verschiebung im Enzymhaushalt kommen kann, sodass beispielsweise der Wirkstoff Paracetamol nicht mehr wie gewohnt verstoffwechselt werden kann. Auf diese Weise kann ein Stoff namens NAPQ1 entstehen, der hochgradig leberschädigend ist. Daher ist besonders beim gleichzeitigen Konsum von Alkohol und Paracetamol Vorsicht geboten. Zudem kann die Kombination aus Schmerzmitteln und Alkohol den Magen angreifen, dies gilt insbesondere für Ibuprofen.

Was sind die Folgen eines Mischkonsums von Alkohol und Opioiden?

Noch gefährlicher ist es, wenn verschreibungspflichtige Medikamente aus der Gruppe der Opioide eingenommen werden und gleichzeitig Alkohol getrunken wird. So gehören Opioide und Opiate nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation zu den stärksten Schmerzmitteln überhaupt und entfalten ihre volle Wirkung im menschlichen Gehirn. Diese Medikamente haben eine stark dämpfende Wirkung, durch welche sogar die Atemtätigkeit beeinflusst werden kann. Da Alkohol bzw. Ethanol einen ähnlichen Effekt hervorruft, kann sich die Verlangsamung der Atmung in Folge der Wechselwirkung noch verstärken.

Besonders gefährlich ist die Kombination von Oxycodon-Retard-Präparaten, deren Wirkstoff nach und nach freigesetzt wird, und Alkohol. Alkohol verhindert die verzögerte Freisetzung. Es besteht die Gefahr einer Überdosierung, die im schlimmsten Fall zu einem Atemstillstand und zum Tode führen kann3.

Darf man Antidepressiva und Alkohol mischen?

Antidepressiva und Alkohol werden besonders häufig missbräuchlich konsumiert. Vor allem für Menschen, die unter schweren Depressionen leiden, ist die Mischung fatal. Denn die sedierende Wirkung tri- und tetrazyklischer Antidepressiva kann sich durch den Einfluss von Alkohol verstärken; überdies kann es zu einer Verstärkung unerwünschter Nebenwirkungen kommen4.

Was bewirken Alkohol und Schlafmittel?

Die meisten Arten von Schlafmitteln lösen im Gehirn eine Reiz-Dämpfung aus und sorgen dafür, dass Reizsignale deutlich langsamer oder gar nicht mehr übertragen werden. Dadurch bewirken sie, dass der Patient sich nach der Einnahme der Schlaftabletten entspannt und endlich in den Schlaf findet. Man unterscheidet zwischen schlaffördernden und schlaferzwingenden Wirkstoffen.

Wer ein schlaferzwingendes Schlafmittel einnimmt, kann sich normalerweise nicht gegen die Wirkungseffekte wehren und fällt schon nach kurzer Zeit in den Schlaf. Kommt Alkoholkonsum hinzu, sorgt dieser dafür, dass sich die sedierenden Effekte verstärken. Das kann – wie bei der Kombination mit Schmerzmitteln – zu Kontrollverlusten, Einschränkungen im Reaktionsvermögen und einer Atemdepression führen. In einem solchen Fall ist eine notfallmedizinische Behandlung notwendig. Nicht selten versterben Patienten, die Alkohol und Schlafmittel kombiniert haben, im Schlaf.

Wie gefährlich ist die Kombination von Alkohol und Medikamenten gegen Bluthochdruck?

Nicht nur bei Analgetika und Psychopharmaka kann sich der Mischkonsum von Alkohol und Medikamenten als gefährlich erweisen. Auch Blutdrucksenker oder Arzneimittel gegen Diabetes können sich durch die gleichzeitige Einnahme von alkoholischen Getränken zur Gesundheitsgefahr entwickeln. So erweitert Alkohol die Blutgefäße, was den Blutdruck senkt. Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdrucksenkern stellen sich demzufolge mitunter schnell Kreislaufbeschwerden ein5.

Medikamente bei Alkoholentgiftung: Mann mit Tabletten und Wein
Medikamente bei Alkoholentgiftung: Mann mit Tabletten und Wein

Welche Risiken birgt die Einnahme von Diabetes-Medikamenten und Alkohol?

Auch für Diabetes-Patienten kann es problematisch werden: Alkohol blockiert die Blutzuckerproduktion in der Leber – bei Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten können daher starke Blutzuckerabfälle entstehen, die gefährlich sein können6.

Wann besteht die Gefahr einer Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit?

Wer über einen längeren Zeitraum eine Behandlung mit bestimmten Antidepressiva, Schmerztabletten oder Schlafmitteln durchführt, geht immer auch ein Risiko für eine Abhängigkeit ein, welches bei einem gleichzeitigen Alkoholkonsum noch weiter ansteigt. Bisweilen besteht die Gefahr einer Mehrfachabhängigkeit von Medikamenten und Alkohol, bei welcher der Betroffene von Psychopharmaka, Schmerztabletten oder Schlafmitteln und gleichzeitig vom Alkohol abhängig ist.

Behandlung von Alkohol Entzugserscheinungen: Gruppentherapie
Behandlung von Alkohol Entzugserscheinungen: Gruppentherapie

Wie werden Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit behandelt?

Eine Abhängigkeit von Medikamenten oder Alkohol sollte umgehend behandelt werden, um gesundheitliche und soziale Folgen zu vermeiden. Von elementarer Bedeutung für den Therapieerfolg ist es, dass sich der körperlichen Entgiftung eine psychische Entwöhnung anschließt, in der die Suchtursachen therapeutisch aufgearbeitet und durch positive Verhaltensmuster ersetzt werden. Dies ist im Rahmen eines qualifizierten Entzugs möglich, der sowohl in öffentlichen als auch in privaten Einrichtungen durchgeführt werden kann.

  • Behandlung einer mehrfachen Substanzabhängigkeit
    • Es liegt auf der Hand, dass die Behandlung von zwei Abhängigkeiten einer spezialisierten stationären Therapie bedarf, bei der die Medikamentensucht und die Alkoholabhängigkeit parallel behandelt werden. Um eine Mehrfachabhängigkeit in ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit zu mindern, sollte die Medikation mit dem behandelnden Arzt besprochen und möglichst Medikamente ohne Abhängigkeitspotenzial verordnet werden.
  • Kompakte Entzugstherapie in Privatkliniken
    • Die Entwöhnungsbehandlung bzw. Suchtrehabilitation der Deutschen Rentenversicherung findet meist mit einem größeren zeitlichen Abstand zur Entgiftung statt, sodass in der Zwischenzeit ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht. Wichtig ist es daher, sich der Entwöhnungsbehandlung so zeitnah wie möglich zu unterziehen. Da sich mittlerweile immer mehr gesetzliche Krankenkassen an den Kosten einer privaten Entzugsklinik beteiligen, gewinnt der Entzug in einer privaten Einrichtung mehr und mehr an Bedeutung. Schließlich werden hier die Entgiftung und Entwöhnung zusammen durchgeführt und die Patienten bei freien Kapazitäten in der Regel zeitnah aufgenommen.

Quellenliste

Atzendorf, Josefine et al. „Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten“ In: Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 577-84; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0577, https://www.aerzteblatt.de/archiv/209388/Gebrauch-von-Alkohol-Tabak-illegalen-Drogen-und-Medikamenten (Datum des Zugriffs: 17.01.2023)

2 BZgA Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Der kleine Unterschied: Gesundheitsrisiken von Alkoholkonsum für Frauen gravierender“, Pressemitteilung vom 05.03.2021, https://www.bzga.de/presse/pressemitteilungen/2021-03-05-der-kleine-unterschied-gesundheitsrisiken-von-alkoholkonsum-fuer-frauen-gravierender/ (Datum des Zugriffs: 17.01.2023)

3 aerzteblatt.de „Interaktionen bei Alkoholkonsum: Stufenplanverfahren für Oxycodon-Generika angeordnet“, In: Dtsch Arztebl 2007; 104(18): A-1256, https://www.aerzteblatt.de/archiv/55501/Interaktionen-bei-Alkoholkonsum-Stufenplanverfahren-fuer-Oxycodon-Generika-angeordnet (Datum des Zugriffs: 17.01.2023)

Podlogar, Julia et al. „Bitte meiden Sie Alkohol!“, In: Deutsche ApothekerZeitung, DAZ 26/2016, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-26-2016/bitte-meiden-sie-alkohol (Datum des Zugriffs: 17.01.2023)

5 Aktionswoche Alkohol „Medikamente – Unberechenbare Wirkstoff-Mischung“, https://www.aktionswoche-alkohol.de/hintergrund-alkohol/medikamente/ (Datum des Zugriffs: 17.01.2023)

6 ebd.

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