Privatklinik Sucht: Vorreiter der modernen Suchtmedizin

Suchterkrankungen zählen nach Depressionen zu den häufigsten psychischen Störungen. Es liegt also auf der Hand, dass die Suchtmedizin als recht „junger“ Teilbereich der Humanmedizin immer mehr an Bedeutung gewinnt. Seit der Anerkennung der Alkoholsucht als Krankheit im Jahr 1968 haben sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse und medizinischen Leistungen zur Behandlung der Sucht rasant weiterentwickelt. Einen nicht unerheblichen Anteil an der Weiterentwicklung und deren Umsetzung haben die Privatkliniken, die mittlerweile in der Suchttherapie eine wichtige Rolle spielen und sich durch ihren bio-psycho-sozialen Ansatz als innovatives Modell in der Behandlung einer stoffgebundenen Abhängigkeit etabliert haben.

Wegweisende Privatkliniken für Abhängigkeitserkrankungen

Im Vergleich zu öffentlichen Krankenhäusern und Einrichtungen, die sich in erster Linie nach den Vorgaben ihrer Kostenträger richten müssen, sind Privatkliniken in der Entwicklung ihrer Behandlungskonzepte deutlich unabhängiger von Krankenversicherung und Rentenversicherung. Dieser Spielraum ermöglicht es, die stationäre Behandlung individuell an den jeweiligen Patienten anzupassen und dadurch meist einen größeren Behandlungserfolg zu erzielen als in staatlichen Kliniken. So ist es kein Wunder, dass sich der Entzug in einer Privatklinik mittlerweile als alternativer Weg der Suchtbehandlung durchgesetzt hat und dass Elemente der privaten Therapie von den gesetzlichen Kliniken übernommen werden. Maßgeblich für diesen Entwicklungsprozess sind beispielsweise die Behandlungskonzepte der My Way Betty Ford Klinik und der Oberbergkliniken. Dies sind die beiden etabliertesten und bekanntesten Privatkliniken, die eine Suchtbehandlung anbieten, wobei die My Way Betty Ford Klinik sich exklusiv auf die Behandlung der Suchterkrankungen und deren Begleiterkrankungen fokussiert hat.

My Way Betty Ford Klinik

Die zentral im bayerischen Bad Brückenau liegende My Way Betty Ford Klinik ist eine private Entzugsklinik gemäß § 107 I SGB V, welche die Behandlung stoffgebundener Süchte anbietet. Die Spezialisierung liegt dabei ausschließlich auf der Alkoholsucht, Medikamentenabhängigkeit und Drogensucht; aber auch Mehrfachabhängigkeiten und Begleiterkrankungen werden fachgerecht behandelt. Die in Deutschland einmalige Therapie kombiniert das Erfolgsmodell des amerikanischen Betty Ford Centers mit deutschen Behandlungselementen und wurde vom Fachverband Sucht zertifiziert. Damit ist die My Way Betty Ford Klinik die derzeit einzige private Suchtklinik mit einer Zertifizierung nach FVS/DEGEMED. Das Konzept beinhaltet die körperliche Entgiftung und psychische Entwöhnung und besteht aus einer alle Aspekte der Suchterkrankung umfassenden Behandlung mit anschließender Nachsorge. Das Hauptaugenmerk liegt auf einer intensiven und individuellen psychotherapeutischen Behandlung im Einzelgespräch und in der Gruppe.

Auf einen Blick

  • Ein seit 40 Jahren international bewährtes Behandlungskonzept
  • BAR-Zertifizierung durch den Fachverband Sucht
  • Zugelassenes Krankenhaus zur Entgiftung von Alkohol, Medikamenten und Drogen
  • Intensive Gruppen- und Einzeltherapien
  • 24/7-Betreuung durch qualifizierte Ärzte und Fachkräfte
  • Überdurchschnittliche Personalbesetzung

Oberbergkliniken

Die Oberbergkliniken sind private Krankenhäuser, die neben Abhängigkeitserkrankungen ebenso Depressionen, Persönlichkeits- und Zwangsstörungen, Traumafolgen, Burn-out und Angst- und Panikstörungen behandeln. Der Gründer der Kliniken war der deutsche Neurologe Matthias Gottschaldt, der die Klinik aufgrund seiner eigenen Abhängigkeitserkrankung ins Leben rief. Die Klinikgruppe war vor Gründung der My Way Betty Ford Klinik in Deutschland lange Zeit die einzig nennenswerte Privatklinik für die Behandlung von Suchterkrankungen. Obwohl sich die Oberbergkliniken in den letzten Jahren mehr auf allgemeine psychiatrische Erkrankungen fokussieren haben, werden Suchtkranke auf fachlich hohem Niveau versorgt. Ähnlich wie die My Way Betty Ford Klinik geht das Oberbergmodell davon aus, dass jeder Patient aufgrund seines Charakters und seiner emotionalen Persönlichkeit eine individuell zugeschnittene medizinische Versorgung und Psychotherapie benötigt.

Auf einen Blick

  • Ganzheitlicher Behandlungsansatz
  • Individuelles Ernährungskonzept
  • Therapeuten-Patientenschlüssel von 1:2
  • Örtliche Flexibilität durch mehrere Standorte

Sonstige Privatkliniken im Vergleich

Neben den beiden bekannten Privatkliniken gibt es zahlreiche weitere Angebote bzw. Kliniken, die einen privaten Entzug und teils auch innovative Therapiemodelle anbieten, die in ihrer Summe zur qualitativen Weiterentwicklung der Suchtmedizin und zur besseren Behandlung von Patienten beitragen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Behandlungskonzepte würde es allerdings den Rahmen sprengen, auf einzelne Angebote einzugehen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Therapiemodelle nicht den Umfang der My Way Betty Ford Klinik oder der Oberbergkliniken bieten. So ist zum Beispiel die Aufnahme nur einmal pro Monat möglich oder die körperliche Entgiftung wird aufgrund einer fehlenden Zulassung nicht durchgeführt, so dass man sich vor der Klinikwahl genau informieren sollte. Ein wichtiges Kriterium für bewährte und anerkannte Therapiemodelle ist unter anderem eine externe Zertifizierung. Sie finden die verschiedenen Angebote in der Regel gut unter der gängigen Internetsuche, z. B. bei der Eingabe der Suchbegriffe „private Suchtklinik“ oder „private Entzugsklinik“.

Die Wichtigkeit einer Zertifizierung

Wie Sie sehen, stehen zahlreiche privat geführte Kliniken für einen Entzug zur Verfügung; aber nicht immer ist es leicht, die richtige zu finden. Alle Einrichtungen werben mit “einzigartigen” Therapien und scheinen hervorragende Therapieerfolge zu ermöglichen. Dabei sollten Sie beachten, dass nicht jede angepriesene Innovation die Suchtmedizin neu erfindet, denn die medizinischen Möglichkeiten der Suchttherapie sind festgelegt, bestehen aus der Entgiftung, der Entwöhnung und einer konsequenten Nachsorge und sind in den entsprechenden Leitlinien nachzulesen. Flankierende Maßnahmen unterstützen in der Regel den Entzug, aber stehen alleinig nicht für verbesserte Erfolgschancen. Diese liegen ganz in der Individualität und der Motivation der Betroffenen.

Im Vergleich zu öffentlichen Kliniken, die jährlich von der Bundesgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) überprüft werden, existieren für die Qualität privater Entzugskliniken keine externen Audits. In unseren Augen ein gravierendes Manko. Schließlich würden Sie auch kein Auto ohne TÜV fahren wollen. Was also ist der richtige Weg, um eine geeignete Privatklinik zu finden? Sinnvoll ist auf jeden Fall eine umfangreiche Recherche bzgl. vorhandener Qualitätsnachweise. Dies sind insbesondere von anerkannten Stellen gegebene Zertifizierungen, wobei die DIN EN ISO 9001:2015 nur eine Grundlage sein sollte für ein fachgebundenes Zertifikat der einschlägigen Fachgesellschaften (z.B. Fachverband Sucht). Mehr über die Wahl der richtigen Klinik erfahren Sie unter: Private Entzugsklinik: Wie wähle ich die richtige Privatklinik aus?

Privatklinik wer zahlt?

Einerseits richtet sich das Angebot einer Privatklinik vornehmlich an Privatpatienten und Selbstzahler, andererseits übernehmen immer mehr gesetzliche Krankenkassen – beispielsweise die TK, HEK und einige BKKs – auf freiwilliger Basis einen Teil der Kosten. Unter welchen Voraussetzungen sich Ihre gesetzliche Krankenkasse an den Kosten beteiligt, finden Sie üblicherweise in der jeweiligen Satzung unter dem Stichwort der stationären Behandlung von „nicht zugelassenen Leistungserbringern“.

Die Kostenübernahme orientiert sich in der Regel an den Aufwänden für eine Therapie in einem öffentlichen, wohnortnahen Krankenhaus. Es empfiehlt sich auf jeden Fall das persönliche Gespräch mit der zuständigen Krankenkasse und eine vorherige schriftliche Beantragung der Kostenübernahme. Die Grundvoraussetzung für eine Bewilligung ist die Einweisung eines niedergelassenen Facharztes und dass Ihre Krankenkasse einer Behandlung in der ausgewählten Klinik zustimmt.

Bei medizinischer Notwendigkeit und gleichwertiger Behandlung ist bei gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls das Kostenerstattungsverfahren nach § 13 II SGB V möglich, das wie bei den privaten Krankenversicherungen eine Selbstzahlung und eine anschließende Rechnungseinreichung bei der Krankenkasse erfordert. Bei der Prüfung einer Kostenübernahme sind allerdings die gleichen, im vorherigen Absatz geschilderten, Prüfungsschritte notwendig. Die Wahl des Kostenerstattungsverfahrens garantiert also nicht automatisch eine Kostenübernahme, sondern wird von der Krankenkasse im Einzelfall entschieden.

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