Suchtstoffe

Pregabalin

Pregabalin: alles Wichtige in 30 sec.

  • Medikamente mit Pregabalin werden bei neuropathischen Schmerzen, Epilepsie und generalisierter Angststörung eingesetzt.
  • Pregabalin ist ein antikonvulsiv wirkender Arzneistoff; das bekannteste Arzneimittel mit dem Wirkstoff ist Lyrica®.
  • Der Wirkstoff fungiert als Calciumkanalblocker und hemmt die Ausschüttung von Stress- und Schmerzbotenstoffen.
  • Arzneimittel wie Lyrica® verursachen als Nebenwirkung Benommenheit, Schläfrigkeit sowie einen euphorisierenden Effekt.
  • Das Abhängigkeitspotenzial sowie das Risiko für missbräuchlichen Konsum sind hoch.

Schmerzfrei – aber nicht ohne Risiko

Ursprünglich als Antikonvulsivum entwickelt, werden Arzneimittel wie Lyrica® heute vor allem in der Schmerzbehandlung genutzt. Die Behandlung starker und/oder chronischer Schmerzen erweist sich für Mediziner ebenso wie für Patienten als herausfordernd. Wenn klassische Schmerzmittel wie Paracetamol nicht mehr weiterhelfen, können Gabapentinoide, wie Pregabalin oder Gabapentin, Betroffenen Linderung verschaffen. Leider sind Arzneimittel mit diesen Wirkstoffen nicht ganz ungefährlich. Bedingt durch die euphorisierende Nebenwirkung häufen sich Berichte über missbräuchlichen Konsum und Abhängigkeit.1

Pregabalin: geöffnete Tablette
Pregabalin: geöffnete Tablette

Was ist Pregabalin?

Pregabalin gehört als Arzneistoff zur Gruppe der Gabapentinoide und ist ein Antikonvulsivum. Der Wirkstoff ist seit 2004 zur Behandlung neuropathischer Schmerzen und generalisierter Angststörungen sowie als Zusatzmedikament bei Epilepsie zugelassen. Aufgrund seiner euphorisierenden Nebenwirkung besteht die Gefahr für einen missbräuchlichen Konsum. Bei längerer Einnahme können Abhängigkeitssymptome auftreten.2

Wie wirkt Pregabalin?

Pregabalin ist eine psychoaktive Substanz, die ihre Wirkung im zentralen Nervensystem entfaltet. Dort funktioniert der Wirkstoff als sogenannter Calciumkanalblocker: Indem die Substanz an die Untereinheiten spezifischer Calcium-Kanäle andockt, blockiert sie diese und verhindert dadurch das Einströmen von Calcium. Da einströmendes Calcium wiederum für die Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter verantwortlich ist, verhindert Pregabalin, dass diese Botenstoffe freigesetzt werden.

Die Wirksamkeit des Arzneistoffs bei Schmerzen und Angstzuständen, ergibt sich mit Blick auf die konkreten Botenstoffe, deren Ausschüttung blockiert wird. Calcium aktiviert nämlich vor allem Noradrenalin, Glutaminsäure und Substanz P. Diese Neurotransmitter sind als Stress- und Schmerzbotenstoffe bekannt und tragen dazu bei, dass entsprechende Signale schnell und stark durch den Körper geleitet werden. Wird die Ausschüttung der Botenstoffe blockiert, nehmen Patienten Stress- und Schmerzsignale deutlich weniger intensiv war, teilweise verschwinden insbesondere neuropathische Schmerzen sogar vollständig.

Wann nimmt man Pregabalin ein?

Lyrica® und andere Medikamente, die den Wirkstoff Pregabalin enthalten, haben ein sehr begrenztes Anwendungsgebiet. So gibt es nur drei Indikationen, die den Gebrauch der Präparate legitimieren:

  • neuropathische Schmerzen
  • generalisierte Angststörung (bei Erwachsenen)
  • als Zusatztherapie bei Epilepsie mit partiellen Anfällen (mit oder ohne sekundäre Generalisierung)

Insbesondere als Medikamente in der Schmerztherapie werden Lyrica® und Co. von vielen Patienten geschätzt. Bei Rückenmarksverletzungen, Fibromyalgie, Gürtelrose oder diabetischer Neuralgie hat sich der Einsatz bewährt. Abseits der vorgegebenen Indikationen wird der Arzneistoff auch in anderen Bereichen getestet. Hierbei handelt es sich jedoch um sogenannte Off-Label-Therapien, für die Lyrica® und vergleichbare Präparate nicht zugelassen sind.

Was ist bei der Einnahme von Lyrica® zu beachten?

Lyrica® und alternative Medikamente mit Pregabalin werden normalerweise als Hartkapsel oder Lösung zum Einnehmen verordnet. Die Hartkapseln gibt es mit unterschiedlichen mg-Dosierungen von 25 bis 300 mg.

Pregabalin: Frau mit Dosis in der Hand
Pregabalin: Frau mit Dosis in der Hand

Dosierung von Lyrica®

Die individuelle Dosis wird nach Absprache mit dem Arzt abgestimmt. Sie liegt für gewöhnlich zwischen 150 und 600 mg als Tagesdosis, aufgeteilt auf bis zu drei Einzeldosen. Gestartet wird mit der niedrigsten möglichen Dosis, weshalb Patienten meist mit 150 mg Pregabalin als Tagesdosis beginnen. Die Einnahme der Hartkapseln bzw. der Lösung kann zu oder zwischen den Mahlzeiten erfolgen.

Gefahr der Toleranzentwicklung

Während der Behandlung kann sich bei Medikamenten wie Lyrica® ein Gewöhnungseffekt bzw. eine Toleranzentwicklung einstellen. Um die gewohnte Wirkung zu erzielen, muss dann eine Steigerung der bisherigen Dosis erfolgen. Dadurch wiederum können sich ungewollte Nebenwirkungen verstärken. Patienten, die Pregabalin einnehmen, sollten deshalb niemals eigenmächtig die Dosierung erhöhen. Falls das Gefühl aufkommt, dass die Wirkung des Medikaments in der aktuellen Dosis nicht ausreichend ist, sollte dies immer mit einem Arzt besprochen werden.

Wie schnell wirkt Lyrica®?

Lyrica® und vergleichbare Medikamente mit demselben Inhaltsstoff entfalten ihre Wirkung relativ schnell. Patienten mit neuropathischen Schmerzen können schmerzlindernde Effekte bereits nach zwei bis sieben Tagen wahrnehmen – entsprechend wirkt Pregabalin deutlich schneller als viele vergleichbare Präparate.

Bei missbräuchlichem Konsum von Pregabalin steht meist nicht die schmerzlindernde Wirkung im Fokus. Stattdessen haben es die Konsumenten auf die euphorisierende Nebenwirkung abgesehen. Diese kann bereits kurze Zeit nach der Einnahme erfolgen, da Pregabalin eine sehr hohe Bioverfügbarkeit von 90 % aufweist. Die maximale Konzentration im Blut erreicht der Wirkstoff nach rund 60 Minuten. Die Angaben beziehen sich auf die orale Einnahme des Medikaments. Insbesondere bei missbräuchlichem Konsum werden Lyrica® und ähnliche Präparate aber auch geraucht oder injiziert. Das kann den Wirkungseintritt des Arzneimittels bzw. der absichtlich herbeigeführten Nebenwirkungen zusätzlich beschleunigen.

Welche Nebenwirkungen hat Pregabalin?

Arzneimittel wie Lyrica® können viele Nebenwirkungen hervorrufen. Aufgrund der hohen Wirksamkeit können die Medikamente aber dennoch empfohlen werden. Gerade bei einer Langzeiteinnahme sollte jedoch immer eine detaillierte Nutzen-Risiko Abwägung erfolgen. Bei missbräuchlicher Einnahme als Rauschmittel können sich Nebenwirkungen verstärken.

Pregabalin Entzugserscheinung: Frau mit Schwindel hält sich ihren Kopf
Pregabalin Entzugserscheinung: Frau mit Schwindel hält sich ihren Kopf

Häufigste Nebenwirkungen von Lyrica®

  • gesteigerter Appetit
  • Benommenheit
  • Schläfrigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Koordinations- und Gedächtnisstörungen
  • verschwommenes Sehen
  • Schwindel
  • Reizbarkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Euphorie

Gewichtszunahme bei langer Einnahmedauer

Bei vielen Patienten, die Lyrica® in der empfohlenen Dosis einnehmen, ist über längere Zeit eine Gewichtszunahme festzustellen. Insbesondere Personen, die unter Diabetes leiden, sollten dies von ihrem Arzt beobachten lassen und gegebenenfalls die Dosierung der Diabetes-Arzneimittel anpassen.

Risiken für ältere Menschen

Vor allem für ältere Menschen können Nebenwirkungen wie Schwindel, Schläfrigkeit, Benommenheit und Verwirrtheit gefährlich werden, da sie die Sturzgefahr vergrößern. Weiterhin deuten Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass die Einnahme von Lyrica® und vergleichbaren Arzneimitteln zu einem leicht erhöhten Auftreten suizidaler Gedanken bzw. suizidalen Verhaltens führen kann.

Berauschende Wirkung birgt Missbrauchspotenzial

Besondere Vorsicht ist überdies bei der euphorisierenden Nebenwirkung geboten: Erfahrungsberichten zufolge nimmt die Zahl missbräuchlicher Konsumenten, die Pregabalin bzw. Lyrica® wegen der euphorisierenden Rauschwirkung einnehmen, zu. Das Medikament wird dann nicht mehr zur Behandlung der angezeigten Krankheitsbilder verwendet, sondern als Droge missbraucht. Gerade dadurch können sich Nebenwirkungen verschlimmern. Die Gefahr einer Abhängigkeit ist groß. Bei Mischkonsum besteht zudem die Gefahr einer toxischen Überdosierung.2

Wann darf Lyrica® nicht eingenommen werden?

Pregabalin ist ein Wirkstoff, der praktisch unverändert über die Nieren ausgeschieden wird. Bei einer verringerten Nierentätigkeit ist dementsprechend eine Anpassung der Dosierung erforderlich. Darüber hinaus sollten Patienten, bei denen eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Pregabalin bekannt ist, auf die Einnahme von Lyrica® und vergleichbaren Arzneimitteln verzichten.

Schwangere nimmt Tabletten
Schwangere nimmt Tabletten

Wechselwirkungen mit zentraldämpfenden Medikamenten

Bevor Patienten Medikamente mit Pregabalin einnehmen, sollten sie sich zudem bewusst machen, dass im Zusammenspiel mit anderen Stoffen Wechselwirkungen auftreten können. Arzneimittel und Substanzen, die ebenfalls das zentrale Nervensystem beeinflussen, können durch die zusätzliche Einnahme von Lyrica® in ihrer Wirkung sowie ihren Nebenwirkungen verstärkt werden. Bei gleichzeitigem Konsum von Lyrica® und Opioiden steigt beispielsweise das Risiko für eine Atemdepression. Ähnliches wurde bei Lorazepam und Alkohol beobachtet. Neben der Atemdepression kann der Mischkonsum auch zu Koma und Tod führen.

Nicht geeignet für Schwangere und Suchtgefährdete

Da bislang keine hinreichenden Studien für Medikamente mit Pregabalin in der Schwangerschaft vorliegen, sollten Frauen das Arzneimittel vor Beginn der Schwangerschaft absetzen. Auch eine Einnahme während der Stillzeit kann nicht empfohlen werden, weil der Wirkstoff in die Muttermilch übergehen kann. Arzneimittel mit Pregabalin sollten zudem nicht an Patienten mit Suchterkrankungen verschrieben werden. Durch das Abhängigkeitspotential der Medikamente können nicht-bestimmungsgemäßer Gebrauch und Sucht getriggert werden.

Kann man von Lyrica® abhängig werden?

Zum Zeitpunkt der Zulassung von Pregabalin galt der Wirkstoff als relativ ungefährlich und nicht abhängigkeitsauslösend. Relativ schnell tauchten jedoch erste Erfahrungsberichte von Patienten auf, bei denen die Einnahme von Lyrica® und Co. zu typischen Abhängigkeitssymptomen führte.

Toleranzentwicklung bei bestimmungsgemäßem Gebrauch

Zu den Abhängigkeitssymptomen gehören neben der Toleranzentwicklung auch Dosissteigerung, wirkstoffsuchendes Verhalten und Entzugserscheinungen beim Absetzen. Deshalb sollten Patienten Lyrica® nach längerfristiger Einnahme auch bei niedriger Dosierung nie abrupt absetzen. Ein kontrolliertes Ausschleichen ist erforderlich, um mögliche Entzugserscheinungen zu reduzieren.

Hochgefühle können Sucht auslösen

Zu den unerwünschten Wirkungen von Lyrica® zählen vor allem die euphorisierenden Effekte. Diese treten bei der Behandlung mit ähnlichen Wirkstoffen (zum Beispiel Gabapentin) ebenfalls auf, sind hier jedoch weniger stark ausgeprägt. Schon bei relativ niedriger Dosierung kann Pregabalin einen „High-Effekt“ hervorrufen. Konsumenten fühlen sich glücklich und berauscht.

Missbräuchliche Verwendung als Mischkonsum

Da der Wirkungseintritt teilweise verzögert auftritt, werden Arzneimittel wie Lyrica® bei missbräuchlichem Konsum oftmals mit anderen Rauschmitteln gemischt. Insbesondere Alkohol und/oder andere rauscherzeugende Medikamente wie Opioide kommen dafür in Frage. Gerade hier ergibt sich das Risiko einer Mehrfachabhängigkeit sowie extrem gefährlicher Wechselwirkungen.

Wie wird eine Pregabalin-Abhängigkeit behandelt?

Wenn Arzneimittel wie Lyrica® nicht bestimmungsgemäß eingenommen werden, kann dies langfristig zu einer Suchterkrankung führen. Betroffene können sich aus dieser meist nicht ohne fremde Hilfe lösen – die psychische Abhängigkeit sowie die körperlichen Entzugserscheinungen sind zu schwerwiegend. Besonders kompliziert wird es, wenn Betroffene mehrere Substanzen missbrauchen – etwa, wenn nicht nur die Hartkapseln geschluckt, sondern auch Opioide, Alkohol oder Cannabis konsumiert werden.

Stationärer Entzug von Pregabalin

Suchtkranke, die von Pregabalin abhängig sind, sollten eine professionelle Therapie in einer Suchtklinik in Anspruch nehmen. Hier findet ein kontrollierter und medizinisch begleiteter körperlicher Entzug statt, bei dem die Nebenwirkungen des Absetzens der Arzneimittel auf ein Minimum reduziert werden.

Behandlung psychischer Begleiterkrankungen

Gleichzeitig mit dem körperlichen Entzug wird die psychische Komponente der Suchterkrankung angegangen, indem die Frage gestellt wird, welche Faktoren zum missbräuchlichen Konsum geführt haben. Bei Patienten, die Lyrica® ursprünglich wegen einer Angststörung eingenommen haben, ist es wichtig, diese psychische Erkrankung während der Behandlung in der Suchtklinik ebenfalls zu behandeln.

Quellen:

1 SwissDocu®, „Pregabalin: Missbrauch und Abhängigkeit nehmen zu“. 12. März 2021. https://www.swissdocu.ch/de/news/103-pharmazie/1333-pregabalin-missbrauch-und-abhaengigkeit-nehmen-zu (Datum des Zugriffs 22.06.2022)

2 Köberle, U., Stammschulte, T., Acquarone D., Bonnet, U.: „Abhängigkeitspotenzial von Pregabalin“. In: Arzneiverordnung in der Praxis, 2000, Bd. 47, Heft 1-2. https://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/AVP/Artikel/2020-1-2/062h/index.php (Datum des Zugriffs 22.06.2022)