Alkoholismus und die Folgen: Wenn Körper und Seele leiden

Wer an einen Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit denkt, sieht meist nur die akuten Symptome oder die kurzfristigen Folgen. Kopfschmerzen und Übelkeit nach einem Kater kennen schließlich die meisten Menschen. Viele langfristige Folgen von Alkoholismus spielen sich jedoch im Verborgenen ab. Anteilig sind sie nicht einmal vom Alkoholkranken selbst zu erkennen. Vielfach werden die durch die Krankheit hervorgerufenen gesundheitlichen Schäden “behandelt”, indem noch mehr Alkohol getrunken wird. Ein Teufelskreis, der immer mehr zum körperlichen Verfall führen kann und daher unbedingt durchbrochen werden sollte.

Auf welchen Ebenen sind die Folgen einer Alkoholsucht erkennbar?

Ein dauerhaft zu hoher Alkoholkonsum kann die Betroffenen auf mehreren Ebenen beeinträchtigen: auf der physischen, der psychischen und der sozialen Ebene. Besonders perfide ist meist die soziale Ebene, denn hier schädigen alkoholabhängig Erkrankte nicht nur sich selbst, sondern meist auch ihre Angehörigen und Mitmenschen aus dem näheren Umfeld. Im schlimmsten Fall stehen die Betroffenen am Ende allein da und der Ausweg aus der Sucht wird noch schwieriger.

Auf der körperlichen und der psychischen Ebene muss berücksichtigt werden, dass durch Alkohol ausgelöste Erkrankungen nicht nur im Zusammenhang mit einem dauerhaften und langjährigen Alkoholmissbrauch auftreten können. Schließlich ist Alkohol eine für den menschlichen Organismus toxische Substanz, die in geringen Mengen zwar verarbeitet werden kann, jedoch regelhaft einen schädlichen Einfluss ausübt. Das Risiko für negative Alkoholismus-Folgen steigt mit der Menge, die Betroffene trinken. Frauen haben zudem ein größeres Risiko, bei übermäßigem Alkoholkonsum mit schwerwiegenden körperlichen Auswirkungen konfrontiert zu werden.

Welche körperlichen Alkoholismus-Folgen sind möglich?

Eine Alkoholabhängigkeit verkürzt die Lebenserwartung und kann im schlimmsten Fall zum Tode führen. Organversagen, Delirium tremens, bösartige Erkrankungen (Krebs): Die Liste lebensgefährlicher Krankheiten, die durch einen dauerhaften und langjährig erhöhten Alkoholkonsum ausgelöst werden können, ist lang. Doch nicht nur lebensbedrohliche Erkrankungen spielen eine Rolle, sondern auch viele andere Krankheiten und Spätfolgen. Ebenso ist eine Tendenz für sogenannte Begleiterkrankungen, die auch als Komorbiditäten bezeichnet werden, festzustellen. In einem solchen Fall gestaltet sich der Alltag des Betroffenen, aber auch die Behandlung der Alkoholsucht besonders schwierig. Schließlich bedingen sich die Krankheiten gegenseitig. Grundsätzlich gilt, je eher Betroffene die sprichwörtliche Notbremse ziehen, umso größer ist demnach die Chance, dass sie schwerwiegenden Folgen des Alkoholismus entgehen.

Mögliche körperliche Schäden eines langjährigen missbräuchlichen Alkoholkonsums können sein:

  • Krebserkrankungen (hauptsächlich im Magen-Darm-Bereich, der Leber, der Bauchspeicheldrüse, der Speiseröhre und der weiblichen Brust)
  • Leberschäden (Fettleber, Leberzirrhose und Hepatitiserkrankungen)
  • Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • Muskelschäden
  • Stoffwechselstörungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt

Darüber hinaus zählen Muskelzersetzungsprozesse, hormonelle Ungleichgewichte und Mangelernährung zu den Krankheitsbildern, unter denen Alkoholabhängige leiden können. Auch das sogenannte fetale Alkoholsyndrom muss an dieser Stelle benannt werden. Hierbei kommt es zu körperlichen und psychischen Schäden bei Neugeborenen, deren Mütter den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft fortgesetzt haben.

Ebenso kann ein chronischer Alkoholkonsum verschiedene Schädigungen auf neuronale Ebene hervorrufen, die dem Alkoholiker unter Umständen ein selbstständiges Leben verwehren können. Hierzu zählen unter anderem:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Massive Gedächtnisstörungen (Wernicke-Korsakow-Syndrom)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Demenz

Welche psychischen Alkoholsucht-Folgen sind denkbar?

Wer regelmäßig alkoholische Getränke zu sich nimmt, setzt nicht nur seinen Körper zahlreichen gesundheitlichen Risiken aus, sondern fügt auch seiner Psyche oftmals unwiderruflichen Schaden zu. Viele Wesensveränderungen lassen sich in einen Zusammenhang mit dauerhaftem Alkoholkonsum setzen. So sind die Betroffenen häufig aggressiv, nicht selten tritt ein Eifersuchtswahn auf. Gepaart mit einer anwachsenden Gewaltbereitschaft kommt es gerade bei alkoholsüchtigen Männern häufig zu häuslicher Gewalt gegenüber Frauen und Kindern. Darüber hinaus sind Depressionen und Angststörungen und Panikattacken eine weit verbreitete Folge des Dauerkonsums. Parallel dazu können substanzinduzierte Psychosen auftreten, die temporär oder aber auch irreversibel sein und zu psychotischen Schüben und Suizidversuchen führen können.

Welche sozialen Alkoholismus-Folgen sind wahrscheinlich?

Während es einige Alkoholiker gibt, die ihr ganz normales Leben trotz Suchterkrankung zumindest partiell aufrechterhalten können, sieht es für den Großteil der Betroffenen völlig anders aus. Schließlich lässt sich ab einem gewissen Zeitpunkt die körperliche und psychische Abhängigkeit nicht mehr verbergen, besonders, wenn sich bereits erste gesundheitliche Schäden entwickelt haben. Die Alkoholsüchtigen isolieren sich zunehmend von ihrem Umfeld. Sie werden unzuverlässig, nehmen nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teil, ziehen sich zurück und bleiben lieber allein. Zum einen geschieht dies aus Scham, zum anderen aufgrund des Unvermögens Verpflichtungen und Vereinbarungen einhalten zu können. Die Beschaffung und der Konsum von Alkohol rücken immer mehr in den Vordergrund. Der soziale Abstieg, die Entfremdung von Freunden und Familie sowie der körperliche Verfall können – je nach Ausprägung der Sucht – teilweise binnen kurzer Zeit geschehen oder sich über Jahre hinweg manifestieren.

Darüber hinaus betreffen die sozialen Begleiterscheinungen der Alkoholabhängigkeit nicht nur den Suchtkranken selbst, sondern auch sein Umfeld. Insbesondere die nahen Verwandten wie etwa Ehepartner und Kinder, aber auch Freunde können in den Strudel der Abhängigkeit hineingezogen werden. Diese möchten sich auf der einen Seite selbst schützen, aber auf der anderen Seite auch dem erkranken Angehörigen in seinem Leiden beistehen. Vielfach entsteht dadurch eine sogenannte Co-Abhängigkeit, bei der die krankhaften Verhaltensmuster des Alkoholkranken unwissentlich durch seine Mitmenschen gestützt werden. Die damit einhergehende Belastung mündet für zahlreiche Angehörige in eine massive seelische Belastungssituation.
Viele Kinder leiden während ihrer gesamten Kindheit unter dem Alkoholmissbrauch der Eltern und entwickeln selbst kognitive oder psychische Auffälligkeiten. Darüber hinaus ist das Risiko, später selbst zur Flasche greifen, bei den Kindern alkoholkranker Menschen sehr groß.

Alkoholismus und die Folgen: Ein schneller Entzug ist die einzige Möglichkeit

Mit jedem getrunkenen Glas Wein oder Bier rutscht ein Alkoholkranker tiefer in die Abhängigkeit hinein und erhöht das Risiko körperlicher Spätfolgen. Um die Folgen des Alkoholmissbrauchs auf ein Minimum zu reduzieren, sollten sich die Betroffenen daher möglichst schnell professionelle Hilfe suchen. Allerdings ist es meist wenig erfolgsversprechend, die Abhängigkeit im Rahmen eines kalten Entzugs in den eigenen vier Wänden zu bekämpfen. Abgesehen von den zum Teil lebensgefährlichen Entzugserscheinungen, wird hier nur die körperliche Abhängigkeit bekämpft, nicht jedoch die seelische Komponente der Abhängigkeit. Darüber hinaus sind die Entzugssymptome häufig so stark, dass die Betroffenen schon nach wenigen Stunden einen Rückfall erleiden und erneut Alkohol konsumieren.

Deutlich effektiver ist es, sich ärztliche Unterstützung zu suchen und den Alkoholentzug stationär durchzuführen. Krankhafter Alkoholmissbrauch und eine Alkoholabhängigkeit sind in Deutschland nach ICD-10 anerkannte Krankheitsbilder und die Behandlung in einer öffentlichen Einrichtung ist für privat und gesetzlich Versicherte in der Regel kostenlos. Allerdings besitzt eine staatliche durchgeführte Alkoholtherapie einen ganz entscheidenden Nachteil: Die körperliche Entgiftung und die psychische Entwöhnung finden nicht zusammenhängend, sondern in zwei separaten Behandlungsschritten statt. Der Patient hat demnach zwar körperlich entgiftet, stürzt aber nach dem Entzug meist in ein psychisches Loch, da die seelische Abhängigkeit und das damit verbundene starke Verlangen (Craving) nach wie vor bestehen. Die Zahl der Rückfälle in dieser Zeit ist immens, so dass die Betroffenen letztlich häufig wieder von vorne beginnen.

Die bessere Alternative ist ein ganzheitlicher Entzug in einer privaten Suchtklinik, in dem die Entgiftung und Entwöhnung direkt aufeinander folgen. Der Patient hat hier keine Behandlungslücken, sondern wird im geschützten Rahmen der Klinik konsequent in ein suchtfreies Leben begleitet. Die Aufnahme erfolgt zeitnah und ist meist auch im intoxikierten Zustand möglich. Während der Entwöhnungsphase werden die Alkoholabhängigkeit und die individuelle Entstehungsgeschichte allumfassend betrachtet und therapeutisch aufgearbeitet. Das schädliche Trinkverhalten wird durch adäquate Lösungsstrategien ersetzt, so dass der Betroffene seinen Alltag auch ohne den vermeintlichen “Problemlöser” Alkohol bewältigen kann. Am Ende des stationären Aufenthalts erfolgt eine umfassende Rückfallprävention und die Erstellung eines Nachsorgekonzepts. Ebenso werden – auf Wunsch des Patienten – die Angehörigen aktiv in die Therapie eingebunden.

Süchtig was nun?

Die ersten Schritte in ein besseres Leben.

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten:

Suchtrehabilitation: Wie gehe ich am besten vor?

Suchtrehabilitation: Wie gehe ich am besten vor?   Alle wichtigen Infos zum Entzug der Deutschen Rentenversicherung Eine Sucht ist keine Endstation, sondern kann erfolgreich behandelt werden. Schließlich stehen...

Alkoholismus bei Frauen: Das verheimlichte Leiden

Alkoholismus bei Frauen: Das verheimlichte Leiden Alkoholismus galt lange Zeit als Suchterkrankung, von der in erster Linie Männer betroffen waren. Diese Einschätzung ist inzwischen überholt, denn...

Alkohol-Geschichte und Geschichte der Drogen

Alkohol-Geschichte und Geschichte der Drogen Der Konsum von Drogen und alkoholischen Getränken hat historisch eine fast ebenso lange Tradition wie die Menschheit selbst. Bereits frühe Hochkulturen...
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos: Datenschutz | Impressum