Skip to content
Das Suchtportal
  • Sucht verstehen
    • Sucht bei Jugendlichen
    • Sucht im Alter
    • Komasaufen
    • Mischkonsum
    • Rückfall Sucht
    • Abstinent bleiben
  • Sucht Ursachen
    • Ursachen
    • ADHS und Sucht
    • Borderline und Sucht
    • Depression und Sucht
    • Sucht genetische Veranlagung
    • Trauma und Sucht
  • Suchtstoffe
    • Alkoholsucht
    • Amphetamin
    • Badesalz
    • Benzodiazepine
    • Bonzai Droge
    • Bromazepam
    • Cannabinoide
    • Codein
    • Diazepam
    • Ecstasy
    • Fentanyl
    • Flunitrazepam
    • Görke
    • Pilze
    • Haschisch
    • HHC
    • Kokain
    • Kräutermischung Droge
    • Legal Highs
    • Lean-Droge
    • Mephedron
    • Methadon
    • Nikotinsucht
    • NPS-Drogen
    • Opiatabhängigkeit
    • Oxazepam
    • Oxycodon
    • Speed Droge
    • Pink Cocain
    • Polamidon
    • Poppers
  • Hilfe bei Sucht
    • Entgiftungsklinik
    • Tagesklinik
    • Suchtklinik
    • Privatklinik Sucht
    • Suchtberatung
    • Selbsthilfe­gruppen
    • Suchttherapie
    • Sucht­rehabilitation
    • Ambulanter Alkoholentzug
    • Alkoholiker-Test
    • Alkoholiker in der Familie
    • Privatklinik Alkoholentzug
    • Heroinentzug
    • Medikamenten-Entzug
    • Oxycodon Entzug
    • Tilidin-Entzug
    • Zopiclon-Entzug
  • Kliniksuche
  • Experteninterviews
Sie brauchen Hilfe?

Hilfe & Beratung finden

 

Suchtklinik finden

Privat

Gesetzlich

WerbungAnzeige

Borderline und Sucht

Wichtiges in 30 Sek.

• Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die mit Emotionsregulationsstörungen, Gefühlen innerer Leere, Störungen des Selbstbildes und Schwierigkeiten im Sozialen einhergeht.
• Viele Betroffene nutzen Alkohol, legale oder illegale Drogen als „Selbstmedikation“, um Anspannung zu lösen oder innere Leere zu überdecken.
• Sucht und Borderline treten oft gemeinsam auf, weshalb beide Erkrankungen parallel behandelt werden müssen, um Rückfälle zu verhindern.
• Bewährte Behandlungsmethoden sind Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und DBT-Sucht (DBT-S).
• Unbehandelt können sich die Erkrankungen gegenseitig verstärken, was das Risiko für selbstverletzende oder suizidale Handlungen erhöht.

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwerwiegende psychische Störung, die sich durch eine tiefgreifende Instabilität zeigt. Zu den Kernmerkmalen gehören ausgeprägte, schwer steuerbare Stimmungsschwankungen, was man als affektive Dysregulation bezeichnet, hochgradig instabile zwischenmenschliche Beziehungen sowie ein chronisch schwankendes Selbstbild. Aus der Not und einer erhöhten Impulsivität heraus entwickeln viele Betroffene selbstverletzende Verhaltensweisen, um als unerträglich wahrgenommene innere Spannungszustände abzubauen. Das Suizidrisiko ist, verglichen mit der Allgemeinbevölkerung, stark erhöht.

Wie häufig treten Borderline und Sucht zusammen auf?

Epidemiologische Studien schätzen die Prävalenz in der Bevölkerung auf 2,4 %, wobei Frauen und Männer neuesten Studien zufolge annähernd gleich häufig betroffen sind.1 Im Durchschnitt leiden rund 45 % der BPS-Betroffenen unter einer aktuellen Suchterkrankung, wie eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 zeigt; betrachtet man die gesamte Lebensspanne, liegt die Rate sogar bei rund 75 %.2 Drei von vier Borderline-Patienten entwickeln im Laufe ihres Lebens also eine Abhängigkeitserkrankung.

Warum treten Borderline und Sucht häufig gemeinsam auf?

Für das gleichzeitige Auftreten (Komorbidität) der Borderline-Störung und Substanzgebrauchsstörungen gibt es mehrere Ursachen und Erklärungsansätze:

  • Dysfunktionale Emotionsregulation
      Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erleben Emotionen oft mit einer Intensität, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Wenn gesunde Bewältigungsmechanismen fehlen, ist das Risiko hoch, dass Alkohol, Medikamente oder illegale Drogen in Momenten maximaler Anspannung als „Notbremse“ eingesetzt werden. Wenn die kurzfristige Entlastung zur langfristigen dysfunktionalen Strategie wird, besteht die Gefahr, eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln.
  • Neurobiologische Faktoren
      • Bei Borderline werden Veränderungen in Hirnnetzwerken beschrieben, die an der Verarbeitung von Gefühlen, Stress und Impulsen beteiligt sind. Dazu gehören unter anderem Verbindungen zwischen der Amygdala, die an der Verarbeitung von Bedrohung und starken Gefühlen mitwirkt, und präfrontalen Hirnregionen, die beim Einordnen, Abwägen und Regulieren von Impulsen helfen.*3
      Diese Befunde können erklären helfen, warum Gefühle bei manchen Betroffenen sehr schnell sehr intensiv werden und warum es in belastenden Momenten schwerfällt, inneren Abstand zu gewinnen. Alkohol oder beruhigend wirkende Substanzen können dann kurzfristig entlastend oder betäubend wirken. Langfristig erhöhen sie jedoch das Risiko für Abhängigkeit, Kontrollverlust und eine weitere Beeinträchtigung von Schlaf, Emotionsregulation und psychischer Stabilität.
  • Traumata und soziale Isolation
      • Belastende oder traumatische Erfahrungen in der Kindheit können das Risiko für spätere psychische Erkrankungen erhöhen. Dazu gehören auch Borderline-Symptome und problematischer Substanzkonsum. Die meisten Menschen mit einer Substanzkonsumstörung haben mindestens eine traumatische Erfahrung in ihrem Leben gemacht.*4 Das bedeutet aber nicht, dass jede Borderline-Erkrankung durch ein Trauma entsteht oder dass traumatische Erfahrungen zwangsläufig zu einer Suchterkrankung führen.
      Für Betroffene ist entscheidend, wie sie mit Stress, innerer Anspannung, Scham, Einsamkeit oder Zurückweisung umgehen. Wird diese Entlastung immer wieder über Substanzen gesucht, kann sich daraus ein problematischer Konsum entwickeln. Soziale Isolation kann diesen Kreislauf zusätzlich verstärken, weil stabilisierende Beziehungen und Unterstützung fehlen.
  • Soziale Isolation
      Im Erwachsenenalter wird die biologische Stressanfälligkeit durch die typischen zwischenmenschlichen Probleme der Borderline-Störung verstärkt: Das tiefe Erleben von innerer Leere, die existenzielle Angst vor dem Verlassenwerden und instabile Beziehungen führen Betroffene paradoxerweise oft direkt in die soziale Isolation. In Momenten, in denen der zwischenmenschliche Schmerz oder traumatische Erinnerungen in der Isolation unerträglich werden, fungieren Suchtmittel als verlässlicher, wenn auch destruktiver Beziehungsersatz und Schmerzkiller. Der Konsum betäubt zwar kurzfristig, treibt die Betroffenen langfristig jedoch nur noch tiefer in die soziale Isolation.

Welche Symptome können problematischen Konsum begünstigen?

Eine Persönlichkeitsstörung ist dadurch gekennzeichnet, dass das Denken, Fühlen und Verhalten der Betroffenen stark von der Norm abweicht. Für BPS-Patienten können kleine Stressoren bereits mit starken Emotionen einhergehen und zu dysfunktionalen Bewältigungsstrategien führen.

  • Starke Impulsivität
      Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann Impulsivität eine wichtige Rolle spielen. Besonders in Phasen hoher innerer Anspannung fällt es manchen Betroffenen schwer, innezuhalten und mögliche Folgen ihres Handelns abzuwägen. Substanzen oder andere riskante Bewältigungsstrategien werden dann eingesetzt, um belastende Gefühle kurzfristig zu dämpfen.
  • Emotionale Instabilität
      Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist meist mit ausgeprägter emotionaler Instabilität verbunden. Gefühle können sehr intensiv auftreten, rasch wechseln und als schwer steuerbar erlebt werden. In solchen Zuständen suchen manche Betroffene nach schneller Entlastung. Substanzkonsum kann kurzfristig beruhigen oder betäuben, erhöht langfristig aber das Risiko für Kontrollverlust, Suchterkrankungen und eine Verschlechterung der Emotionsregulation.
  • Instabiles Selbstbild
      Viele Menschen mit BPS erleben Unsicherheit im eigenen Selbstbild, Selbstwertschwankungen oder chronische Gefühle innerer Leere. Manche nutzen Alkohol oder andere Substanzen, um Leere, Scham, Anspannung oder Selbstzweifel vorübergehend weniger stark zu spüren. Die Wirkung hält nur kurz an und kann dazu beitragen, dass problematischer Konsum als scheinbar hilfreiche Bewältigungsstrategie erlernt und wiederholt wird.
  • Angst vor Ablehnung
      In engen Beziehungen können tatsächliche oder vermutete Zurückweisung, Alleinsein oder drohendes Verlassenwerden starke Angst und innere Anspannung auslösen. Das kann impulsives Verhalten begünstigen, einschließlich Substanzgebrauch. Entscheidend ist aber: Nicht die Angst allein verursacht eine Sucht. Das Risiko steigt vor allem dann, wenn Alkohol, Medikamente oder andere Substanzen wiederholt eingesetzt werden, um Beziehungskrisen oder belastende Gefühle kurzfristig auszuhalten.
  • Erhöhte Stressanfälligkeit
      Menschen mit BPS können auf Stress und Auseinandersetzungen besonders intensiv reagieren. Wenn Anspannung, Angst, Wut oder Leere schwer regulierbar sind, können Substanzen als schneller Weg erscheinen, um innere Zustände zu dämpfen. Wird diese Form der Entlastung regelmäßig genutzt, kann sie problematischen Konsum und Abhängigkeitserkrankungen begünstigen. Zugleich können Alkohol und andere Substanzen die emotionale Stabilität weiter beeinträchtigen und die Behandlung von BPS erschweren.

Welche Süchte kommen bei Borderline besonders häufig vor?

Alkohol ist die Substanz, die von Borderlinern mit einer Abhängigkeitserkrankung am häufigsten konsumiert wird. Danach folgen in absteigender Reihenfolge Cannabis, Opiate und Beruhigungsmittel, Kokain und Halluzinogene.5

Welche Anzeichen deuten auf Borderline und Sucht hin?

Die Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und einer Substanzgebrauchsstörung können sich überschneiden. Emotionale Krisen, Impulsivität, Selbstverletzung, sozialer Rückzug oder Konflikte können sowohl mit BPS als auch mit dem Konsum abhängig machender Substanzen zusammenhängen.

  • Mögliche frühe Warnzeichen
    • Einnahme von Substanzen in belastenden Situationen zur Beruhigung, Betäubung oder Entlastung.
    • Der Konsum nimmt besonders nach Konflikten, Zurückweisung, innerer Leere, Angst oder starker Anspannung zu.
    • Stimmungseinbrüche, Impulsivität oder riskantes Verhalten treten häufiger auf als zuvor.
    • Probleme und Auseinandersetzungen im privaten, beruflichen oder therapeutischen Umfeld entstehen durch den Konsum.
    • Betroffene verharmlosen, rechtfertigen oder verheimlichen den Substanzgebrauch zunehmend.
  • Deutlichere Hinweise auf eine Abhängigkeitserkrankung
    • Der Konsum wird trotz negativer Folgen fortgesetzt, z. B. trotz Streit, Leistungsabfall, gesundheitlicher Probleme oder finanzieller Schwierigkeiten.
    • Es fällt schwer, Menge, Häufigkeit oder Zeitpunkt des Konsums zu kontrollieren.
    • Der Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamente bekommt eine immer größere Bedeutung im Alltag.
    • Es kommt zu starkem Verlangen, Toleranzentwicklung oder Entzugssymptomen.
    • Rückzug, Verheimlichung, Scham und Krisen nehmen zu.
    • Selbstverletzende Impulse, Suizidgedanken oder emotionale Zusammenbrüche treten im Zusammenhang mit Konsum, Entzug oder Beziehungskonflikten verstärkt auf.
  • Wichtiger Hinweis
      Nicht jeder Mensch mit Borderline entwickelt eine Abhängigkeitserkrankung, und nicht jede Person mit einer Abhängigkeit hat Borderline. Wenn sich jedoch Substanzkonsum, emotionale Krisen, Kontrollverlust und Selbstgefährdung gegenseitig verstärken, sollte professionelle Hilfe einbezogen werden.

Welche Folgen kann die Komorbidität Borderline und Suchterkrankung haben?

Treten Borderline-Persönlichkeitsstörung und Sucht gemeinsam auf, kann die Behandlung deutlich komplexer werden. Emotionale Krisen, Impulsivität und Beziehungsstress können Substanzkonsum begünstigen; umgekehrt können Alkohol, Drogen oder Medikamente psychische Stabilität, körperliche Gesundheit und soziale Beziehungen weiter belasten.

  • Verstärkung der affektiven Instabilität
      Substanzkonsum beeinträchtigt die ohnehin geminderte Aktivität des präfrontalen Kortex bei Patienten mit BPS und kann impulsives Verhalten verstärken. Die Frequenz und Schwere von Selbstverletzungen sowie das Risiko für suizidale Handlungen können dadurch steigen.
  • Somatische Komplikationen und chronische Erschöpfung
      Die dauerhafte physiologische Übererregung (Hyperarousal) des autonomen Nervensystems bei der BPS trifft auf die neurotoxischen und organischen Effekte der jeweiligen Suchtmittel. Dies kann u. a. zu Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen führen. Chronische Schlafstörungen, ausgeprägte Appetitveränderungen und persistierende Erschöpfungszustände sind weitere mögliche Folgen.
  • Psychosoziale Desintegration und Chronifizierung
      Die für die BPS typischen interpersonellen Konflikte und die ausgeprägte Angst vor Verlassenwerden werden durch suchtbedingte Verhaltensweisen wie Unzuverlässigkeit, Verheimlichung und Beschaffungsdruck verschärft. Dies kann im Verlauf zu einem vollständigen Zusammenbruch des sozialen Unterstützungssystems führen. Neben Beziehungsproblemen drohen der Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Instabilität und eine zunehmende soziale Isolation, welche wiederum das chronische Gefühl der inneren Leere verstärken kann.
Alkoholentgiftung: Gespräch mit Arzt
Alkoholentgiftung: Gespräch mit Arzt

Wie kann Borderline und Sucht diagnostiziert werden?

Die Diagnose von Borderline mit gleichzeitiger Suchterkrankung ist anspruchsvoll, weil sich die Symptome überschneiden können. Impulsivität, Stimmungsschwankungen, Selbstgefährdung, Rückzug oder Konflikte können sowohl mit der Persönlichkeitsstörung als auch mit dem Substanzkonsum, Entzugserscheinungen oder anderen psychischen Erkrankungen zusammenhängen.

Deshalb erfolgt die Abklärung in der Regel durch eine ausführliche klinische Diagnostik. Dabei werden Symptome, Konsummuster, Begleiterkrankungen, Selbstgefährdung und psychosoziale Belastungen systematisch erfasst. Standardisierte Fragebögen und strukturierte Interviews können das fachliche Gespräch unterstützen. Laboruntersuchungen können zusätzlich sinnvoll sein, beispielsweise um aktuellen oder chronischen Konsum besser einzuordnen und körperliche Folgen zu erkennen.

Wie sieht die Behandlung von Borderline und Sucht aus?

Die Behandlung von Borderline und Sucht erfordert eine sorgfältig abgestimmte Therapieplanung. Beide Störungen sollten diagnostisch erfasst und in einem gemeinsamen Behandlungsplan berücksichtigt werden. Bei schwerer Abhängigkeit, Entzugssymptomen, Mischkonsum oder akuter Intoxikation kann zunächst eine suchtmedizinische Stabilisierung notwendig sein. Bei akuter Selbstgefährdung muss zusätzlich eine psychiatrische Krisenintervention und Risikoeinschätzung erfolgen.

Ziele der Behandlung sind die Beendigung des schädlichen Konsums, Rückfallprophylaxe, ein angemessener Umgang mit Krisen sowie der Aufbau tragfähiger Strategien zur Emotionsregulation, Impulskontrolle und Stresstoleranz. Wichtig ist außerdem, Selbstverletzungsdruck, Suizidgedanken, Begleiterkrankungen und psychosoziale Probleme aktiv mitzubehandeln.

  • Therapieformen
      Die Behandlung stützt sich vor allem auf Psychotherapie. Besonders gut untersucht ist die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die speziell für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt wurde. Für Menschen mit zusätzlicher substanzbezogener Störung gibt es die suchtbezogene Anpassung DBT-S. Dabei werden klassische DBT-Elemente wie Emotionsregulation, Stresstoleranz, Achtsamkeit und zwischenmenschliche Fertigkeiten mit suchtbezogenen Strategien zur Rückfallprophylaxe verbunden. Je nach Befund können auch kognitive Verhaltenstherapie, Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) oder Schematherapie sinnvoll sein.
  • Verlauf und Dauer
      Die Behandlung kann ambulant, tagesklinisch oder stationär erfolgen. In der Regel sollte sie gut strukturiert, längerfristig angelegt und durch klare Therapieziele, Krisenpläne und Nachsorge ergänzt werden. Stationäre oder teilstationäre Behandlungen sind vor allem bei akuter Eigengefährdung, schwerer Instabilität, Entzug, komplexer Komorbidität oder im Rahmen zeitlich definierter störungsspezifischer Programme sinnvoll. Nach der Akutbehandlung ist eine kontinuierliche ambulante Weiterbehandlung wichtig, um Rückfälle, Therapieabbrüche und erneute Krisen zu vermeiden.
Hilfe bei Cannabis-Entzugserscheinungen: Frau in Therapie
Hilfe bei Cannabis-Entzugserscheinungen: Frau in Therapie

Ist eine erfolgreiche Behandlung trotz Doppeldiagnose möglich?

Ja. Eine Doppeldiagnose aus Borderline-Persönlichkeitsstörung und Suchterkrankung kann die Behandlung erschweren, schließt Behandlungserfolg aber nicht aus. Entscheidend ist, dass die Therapie nicht nur auf kurzfristige Abstinenz oder Symptomreduktion zielt, sondern auf mehr Stabilität im Alltag. Erfolg zeigt sich zum Beispiel daran, dass Konsumdruck und Rückfälle seltener werden, Krisen früher erkannt werden und Betroffene belastende Gefühle besser regulieren können. Auch weniger Selbstverletzungsdruck, ein angemessener Umgang mit Suizidgedanken, stabilere Beziehungen, mehr Verlässlichkeit im Alltag und eine bessere soziale und berufliche Teilhabe können wichtige Fortschritte sein. Rückfälle oder Krisen bedeuten nicht automatisch, dass die Behandlung gescheitert ist. Es ist vielmehr wichtig, sie therapeutisch einzuordnen, damit Auslöser, Risikosituationen und geeignete Gegenstrategien besser verstanden werden.

Was kann man selbst tun?

Eigene Strategien können eine professionelle Behandlung nicht ersetzen, aber sie können helfen, Krisen früher zu erkennen, Konsumdruck zu verringern und Rückfällen vorzubeugen. Wichtig ist, nicht erst in akuten Belastungssituationen zu reagieren, sondern Strategien im Umgang mit Auslösern, Anspannung und Risikosituationen einzuüben:

  • Warnzeichen ernst nehmen: Hilfreich ist es, typische Auslöser zu kennen, z. B. Auseinandersetzungen, Zurückweisung, innere Leere, Schlafmangel, starke Anspannung oder den Drang, Alkohol, Drogen oder Medikamente zur Beruhigung einzusetzen.
  • Krisen- und Rückfallplan erstellen: In einem Plan kann festgehalten werden, welche Situationen besonders riskant sind, welche Strategien helfen und welche Personen oder Anlaufstellen im Notfall kontaktiert werden können.
  • Bewältigungsstrategien trainieren: Achtsamkeitsübungen, Bewegung, Atemtechniken, Skills zur Stressbewältigung oder kurze Unterbrechungen belastender Situationen können helfen, impulsive Reaktionen und Konsumdruck abzufangen.
  • Struktur im Alltag schaffen: Feste Tagesabläufe, regelmäßige Mahlzeiten, Schlafroutine und geplante Aktivitäten können emotionale Schwankungen nicht verhindern, aber mehr Stabilität und Orientierung geben.
  • Konsumsituationen bewusst meiden: Wer weiß, welche Orte, Personen, Zeiten oder Gefühle den Substanzkonsum begünstigen, kann Risiken reduzieren und Alternativen wählen.
  • Soziale Unterstützung nutzen: Gespräche mit vertrauten Personen, Selbsthilfegruppen oder Angehörigenangebote können entlasten und Rückzugstendenzen mindern.
  • Rechtzeitig professionelle Hilfe einbeziehen: Bei zunehmendem Konsum, Kontrollverlust, Entzugssymptomen, Selbstverletzungsdruck oder Suizidgedanken sollte fachliche Hilfe durch Psychotherapie, Psychiatrie oder Suchthilfe genutzt werden.
Schritt für Schritt aus der Sucht

Hilfe für Betroffene und Angehörige

  1. Wo finde ich Hilfe bei Sucht?
  2. Was ist eine Suchttherapie?
  3. Was passiert bei einer gesetzlichen Sucht-Reha?
  4. Worauf sollte man bei privaten Suchtkliniken achten?
Behandlung von Alkohol Entzugserscheinungen: Gruppentherapie
Behandlung von Alkohol Entzugserscheinungen: Gruppentherapie

Wie können Freunde oder Familie unterstützen?

Freunde und Angehörige können eine wichtige Stütze sein, sollten aber nicht die Rolle von Therapeutinnen, Therapeuten oder Suchthilfe übernehmen. Hilfreich ist eine Unterstützung, die empathisch bleibt, klare Grenzen wahrt und professionelle Behandlung fördert.

  • Ruhig und nicht wertend bleiben: Vorwürfe, Drohungen oder Schuldzuweisungen verschärfen Konflikte in der Regel. Besser sind klare, respektvolle Gespräche in möglichst stabilen Momenten.
  • Konsum nicht verharmlosen: Angehörige sollten problematischen Substanzgebrauch ernst nehmen, ohne ihn zu entschuldigen oder zu kontrollieren. Hilfreich ist, konkrete Beobachtungen anzusprechen, beispielsweise zunehmenden Konsum, Rückzug, Verheimlichung oder Krisen nach Alkohol- oder Drogenkonsum.
  • Professionelle Hilfe anregen: Angehörige können ermutigen, Psychotherapie, Psychiatrie, Suchthilfe oder Selbsthilfeangebote zu nutzen. Sie können bei der Suche nach Anlaufstellen helfen, sollten die Verantwortung für Behandlung und Abstinenz aber nicht übernehmen.
  • Krisenplan erstellen: Wenn Patienten zustimmen, können Angehörige in einen Krisen- oder Rückfallplan einbezogen werden. Darin sollte festgelegt sein, welche Warnzeichen ernst zu nehmen sind, welche Strategien helfen und wann ärztliche oder psychiatrische Hilfe notwendig ist.
  • Klare Grenzen setzen: Unterstützung bedeutet nicht, jede Krise aufzufangen, Konsum zu finanzieren, Lügen zu decken oder eigene Bedürfnisse dauerhaft zurückzustellen. Verlässliche Grenzen schützen sowohl Angehörige als auch Betroffene.
  • Eigene Unterstützung suchen: Angehörige sind meist selbst stark belastet. Beratungsstellen, Angehörigengruppen, Suchtberatung oder spezielle Borderline-Familienprogramme können helfen, besser mit Krisen, Schuldgefühlen und Überforderung umzugehen.

Bei akuter Selbstgefährdung, Suizidankündigungen, schwerer Intoxikation, Entzugssymptomen oder Gewalt sollte nicht allein abgewartet werden. Dann ist sofort professionelle Hilfe notwendig, etwa durch den ärztlichen Notdienst, psychiatrische Krisendienste oder den Rettungsdienst.

Wo finden Betroffene Hilfe?

  • Hausärztliche Praxis: Erste Anlaufstelle bei körperlichen Beschwerden, Schlafproblemen, Erschöpfung, Entzugssymptomen oder unklaren Konsumfolgen. Von dort kann an Psychiatrie, Psychotherapie oder Suchthilfe weiterverwiesen werden.
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie: Wichtig für Diagnostik, Kriseneinschätzung, Behandlung von Begleiterkrankungen und die Frage, ob eine ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlung erforderlich ist.
  • Psychotherapeutische Praxen: Geeignet für die längerfristige Behandlung der Borderline-Symptomatik, sofern Konsum, Krisen und Selbstgefährdung ambulant ausreichend behandelbar sind.
  • Suchtberatungsstellen: Zentrale Anlaufstellen bei problematischem Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsum. Sie beraten vertraulich, oft kostenfrei und auch Angehörige. Außerdem unterstützen sie bei der Vermittlung in ambulante oder stationäre Suchthilfe.
  • Fachkliniken für Doppeldiagnosen: sinnvoll, wenn Borderline-Symptome und Sucht eng miteinander verknüpft sind, etwa bei wiederholten Rückfällen, Selbstverletzung, Mischkonsum, Entzugssymptomen, Therapieabbrüchen oder starker Instabilität. Geeignet sind spezialisierte psychiatrische, psychosomatische oder suchtmedizinische Kliniken mit Erfahrung in Persönlichkeitsstörungen und Abhängigkeitserkrankungen.
  • Psychiatrische Institutsambulanzen und Klinikambulanzen: Hilfreich bei komplexen Verläufen, mehreren Diagnosen, wiederkehrenden Krisen oder wenn eine ambulante Einzelbehandlung nicht ausreicht.
  • Selbsthilfegruppen: Können während Wartezeiten, nach stationärer Behandlung oder zur Rückfallprophylaxe unterstützen. Sie ersetzen keine Diagnostik oder Therapie, können aber Rückzug verringern und Stabilität im Alltag fördern.
  • Akute Hilfe in Krisen: Bei Suizidgedanken mit Handlungsdruck, schwerer Intoxikation, Entzugssymptomen, Gewalt oder akuter Selbstgefährdung sollten Betroffene sich sofort an den Rettungsdienst, eine psychiatrische Notfallambulanz oder einen regionalen Krisendienst wenden.

FAQs zu „Borderline und Sucht“

  • Wie hoch ist das Risiko für Rückfälle?
      Das Rückfallrisiko kann bei einer Doppeldiagnose erhöht sein, weil emotionale Krisen, Impulsivität, Stress und Substanzkonsum sich gegenseitig beeinflussen können. Wie hoch das individuelle Risiko ist, hängt unter anderem von der Schwere der Suchterkrankung, Konsummustern, Begleiterkrankungen, Krisenstabilität, sozialer Unterstützung und therapeutischer Kontinuität ab. Rückfälle bedeuten nicht automatisch, dass die Behandlung gescheitert ist. Wichtig ist, Rückfälle therapeutisch auszuwerten und Rückfallprophylaxe, Krisenplan und Nachsorge konsequent einzubeziehen.
  • Können Medikamente bei Borderline und Sucht helfen?
      Medikamente können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa zur Behandlung von Begleiterkrankungen, Entzugssymptomen oder zur Rückfallprophylaxe bei bestimmten Süchten. Medikamente, die auf die Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung wirken, gibt es nicht. Besondere Vorsicht ist bei Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial gegeben, etwa Benzodiazepinen, Z-Substanzen oder Pregabalin. Entscheidend ist eine sorgfältige ärztliche Abwägung.
  • Ist eine stationäre Behandlung notwendig?
      Eine stationäre Behandlung in einer Klinik für Doppeldiagnosen kann sinnvoll oder notwendig sein bei schwerer Abhängigkeit, Entzugssymptomen, Mischkonsum, wiederholten Rückfällen, akuter Intoxikation, schwerer Selbstgefährdung oder wenn ambulante Maßnahmen nicht ausreichen.

Quellenliste

1 Ramos-Suárez I, Guerrero-Jiménez M, Cervilla JA, Gutiérrez B. „Epidemiology of borderline personality disorder in the general population: Prevalence, sociodemographic factors, and comorbidities – A systematic review and meta-analysis“, Journal of Affective Disorders, Volume 394, Part A, 1 February 2026, 120482, https://doi.org/10.1016/j.jad.2025.120482, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S016503272501924X (Datum des Zugriffs: 30.06.2026)

2 Trull TJ, Freeman LK, Vebares TJ, Choate AM, Helle AC, Wycoff AM. Borderline personality disorder and substance use disorders: an updated review. Borderline Personal Disord Emot Dysregul. 2018 Sep 19;5:15. doi: 10.1186/s40479-018-0093-9. PMID: 30250740; PMCID: PMC6145127, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6145127/ (Datum des Zugriffs: 30.06.2026)

3 Ruocco AC, Amirthavasagam S, Choi-Kain LW, McMain SF. Neural correlates of negative emotionality in borderline personality disorder: an activation-likelihood-estimation meta-analysis. Biol Psychiatry. 2013 Jan 15;73(2):153-60. doi: 10.1016/j.biopsych.2012.07.014. Epub 2012 Aug 17. PMID: 22906520. (Datum des Zugriffs: 30.06.2026)

4 Kilarski, L. L., Schmidt, U., Schulze, M., Philipsen, A., & Rohner, H. (2023). Borderline- und Traumafolgestörungen bei Menschen mit Substanzkonsumstörungen. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.984 (Datum des Zugriffs: 30.06.2026)

5 DGPPN e.V. (Hrsg.) für die Leitliniengruppe: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung. AWMF-Registernummer: 038-015, Version 1.0 (November 2022), S. 72, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-015, https://register.awmf.org/assets/guidelines/038-015l_S3_Borderline-Persoenlichkeitsstörungen_2022-11-abgelaufen.pdf (Datum des Zugriffs: 30.06.2026)

  • Das Suchtportal
    • Alkohol
    • Drogen
    • Medikamente
  • Sucht
    • Alkoholsucht
    • Drogensucht
    • Medikamentensucht
  • Ratgeber
    • Suchtstoffe
    • Begleiterkrankungen
    • Für Angehörige
Das Suchtportal
Kontaktformular
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung