Alkoholsucht

Sucht im Alter

Sucht und Alter –
das Wichtigste in Kürze

  • Suchterkrankungen im Alter sind ein Thema, das viele Menschen betrifft.
  • Besonders häufig kommen Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit
  • Für ältere Menschen birgt der riskante Konsum viele gesundheitliche Gefahren.
  • Die schädlichen Konsumfolgen sind teilweise anders als bei jüngeren Suchtkranken.
  • Es gibt Hilfsangebote, die sich speziell an ältere Suchtkranke richten.

Sucht und Abhängigkeit im Alter –
ein unterschätztes Problem

Sucht im Alter gilt oft als Tabuthema. Dabei sind Abhängigkeitserkrankungen bei älteren Menschen weder eine Seltenheit noch als belanglos einzustufen. Im Gegenteil: Suchterkrankungen können ältere Betroffene gesundheitlich stark schädigen sowie die Lebensqualität drastisch einschränken. Doch es Möglichkeiten der Behandlung. Auch ältere Menschen können von den Angeboten der Suchthilfe und Suchttherapie profitieren.

Wen betrifft Sucht im Alter?

Wenn von Sucht im Alter die Rede ist, muss zunächst die Gruppe der Betroffenen genauer abgegrenzt werden. Meist gibt es keine einheitliche Definition dazu, wo die Altersgrenze liegt. Grundsätzlich kann jedoch davon ausgegangen werden, dass unter älteren Menschen Personen ab 61 Jahren zu verstehen sind.

  • Alkoholgenuss und Medikamenteneinnahme
    • Laut Schätzungen haben in Deutschland etwa 400.000 ältere Menschen ein Alkoholproblem, bis zu 2,8 Millionen nehmen regelmäßig sogenannte psychoaktive Medikamente ein1. Hierzu gehören Schlaf- und Beruhigungsmittel, aber auch einige Schmerzmedikamente. Wie viele ältere Menschen von Alkohol und Medikamenten tatsächlich abhängig sind, lässt sich allerdings nur schwer konkret beziffern.
  • Sucht und Alter – hohe Dunkelziffer vermutet
    • Da zahlreiche Senioren mehr oder weniger isoliert leben und nur sporadisch Kontakt zu Angehörigen oder Mitarbeitern aus der Pflege haben, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Pflegefachkräfte aus ambulanten und stationären Einrichtungen gehen davon aus, dass rund 14 Prozent aller in diesen Einrichtungen betreuten Personen unter einer Suchterkrankung leiden oder zumindest einen problematischen Konsum pflegen2.

Welche Suchtmittel werden im Alter konsumiert?

Illegale Drogen wie Cannabis, Heroin oder Kokain spielen beim Thema „Sucht im Alter“ eine untergeordnete Rolle. Das gilt zumindest für die heutige Generation älterer Menschen. Für die Zukunft ist es durchaus vorstellbar, dass sich das Substanzspektrum bei Sucht im Alter erweitert. Heutzutage sind vorrangig Alkohol und Medikamente problematisch.

Im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung sieht die Verteilung bei älteren Personen jedoch anders aus: Normalerweise ist die Abhängigkeit von Alkohol bei den Suchterkrankungen am stärksten vertreten. Im Alter wiegt jedoch die Medikamentensucht am schwersten.

Was sind die Ursachen für Sucht im Alter?

Suchtprobleme im Alter entstehen nicht über Nacht. Vielmehr sind sie meist Folge einer mehrjährigen Entwicklung, die stark von der individuellen Historie der Betroffenen geprägt ist. Dennoch gibt es bei vielen süchtigen Menschen im Alter auffällige Gemeinsamkeiten. Daraus lassen sich diverse Ursachen für Sucht und Abhängigkeit im Alter herleiten.

  • Häufige Gründe für Suchterkrankungen im Alter
    • Einsamkeit, Armut, chronische Erkrankungen – viele ältere Menschen haben mit diesen Problemen zu kämpfen. Der Griff zur Flasche scheint da genauso verlockend wie das Betäuben der negativen Gefühle mithilfe von Medikamenten.
  • Fehlende Aufklärung über das Abhängigkeitsrisiko von Medikamenten
    • Insbesondere Beruhigungs- und Schlafmittel bergen, wenn Sie langfristig eingenommen werden, ein hohes Suchtpotenzial. Eine umfassende Aufklärung über Dosierungen und Risiken kann suchtpräventiv wirken.
  • Keine Dosisanpassungen bei Einnahme mehrerer Medikamente
    • Verordnete Medikamente, z. B. bei altersbedingten Schmerzen oder Krankheiten, können bei langjähriger Einnahme bzw. falscher Dosierung einer Abhängigkeit Vorschub leisten, wenn keine regelmäßige Dosisprüfung und -anpassung erfolgt. Das gilt insbesondere, wenn mehrere psychoaktive Arzneimittel gleichzeitig eingenommen oder sogar mit Alkohol kombiniert werden.

Warum ist eine Abhängigkeit für Menschen im hohen Lebensalter gefährlich?

Wer regelmäßig Alkohol trinkt oder psychoaktive Medikamente einnimmt, riskiert nicht nur, früher oder später in eine Abhängigkeit zu rutschen. Weitere körperliche und psychische Folgeerkrankungen sind möglich. Diese sind im Alter teilweise sogar noch erhöht bzw. anders gelagert als bei jüngeren Menschen.

  • Mögliche Risiken von Alkoholsucht im Alter
    • Durch die körperlichen Veränderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen, wird Alkohol von älteren Menschen nicht mehr so gut vertragen wie von jüngeren. Überdies läuft, bedingt durch Veränderungen im Stoffwechsel, der Alkoholabbau nur noch verzögert ab. Dadurch erhöhen sich folgende Risiken3:
      • Organschäden
      • Krebserkrankungen
      • Unfälle und Stürze
      • psychische Erkrankungen
      • kognitive Einschränkungen
      • gefährliche Wechselwirkungen mit Medikamenten
      • sozialer Rückzug und soziale Isolation
  • Mögliche Risiken von Medikamentensucht im Alter
    • Die Einnahme von Medikamenten birgt (fast) immer das Risiko für unangenehme Nebenwirkungen. Diese können bei älteren und alten Menschen aufgrund veränderter physiologischer Voraussetzungen stärker ausfallen als bei jüngeren Menschen. Manche Betroffene nehmen einen regelrechten „Medikamenten-Cocktail“ ein, wenn Arzneimittel für körperliche Erkrankungen mit psychoaktiven Substanzen wie Schlaf- oder Beruhigungsmitteln kombiniert werden. In der Folge erhöht sich das Risiko für Suchterkrankungen, gefährliche Wechselwirkungen und andere Schäden4:
      • Stürze und Unfälle
      • psychische Erkrankungen
      • kognitive Einschränkungen
      • Sprach- und Sprechstörungen
      • Antriebs- und Interesselosigkeit
      • sozialer Rückzug und soziale Isolation
      • Schmerzen
      • Organschäden
      • Schlafstörungen

Woran erkennt man Sucht im Alter?

Viele Menschen im hohen Lebensalter, die ein Suchtproblem haben, befinden sich bereits in einer sozial isolierten Situation. Sie haben kaum oder nur noch wenige Kontakte nach außen. Doch auch bei suchtkranken Senioren, die sich regelmäßig mit Freunden, Bekannten oder Angehörigen austauschen, sind die Anzeichen einer Abhängigkeit nicht immer leicht zu erkennen.

  • Anzeichen eines Suchtrisikos im Alter selbst erkennen
      • Die Gedanken kreisen zunehmend nur noch um das Suchtmittel (Alkohol bzw. Medikamente).
      • Es besteht ein starkes Verlangen nach dem Konsum des Suchtmittels.
      • Die Dosis muss gesteigert werden, um die intendierte Wirkung wahrzunehmen.
      • Wenn das Suchtmittel nicht konsumiert wird, treten Entzugserscheinungen auf.
      • Die Einnahme wird trotz negativer Begleiterscheinungen fortgesetzt.
      • Es tritt ein zunehmender Kontrollverlust bei Einnahmehäufigkeit und -dosis auf.
  • Anzeichen für Suchtrisiken bei älteren Angehörigen erkennen
    • Für außenstehende Angehörige, Freunde oder Ansprechpartner aus der Pflege sind die Zeichen etwas schwieriger zu deuten. Sofern der Konsum nicht sichtbar ist, können folgende Hinweise ausgemacht werden:
      • Körperliche Anzeichen wie Zittern, Nervosität, Gewichtsverlust
      • Sichtbare Zeichen wie Verwahrlosung
      • Psychische Anzeichen wie Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung, Depression
      • Zunehmender sozialer Rückzug

An wen kann man sich bei Sucht im Alter wenden?

Das Thema Sucht im Alter ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen schwierig. Obwohl viele ältere Menschen betroffen sind, befinden sich nur wenige Menschen im höheren Lebensalter in einer entsprechenden Behandlung. Wer befürchtet, ein Suchtproblem zu haben bzw. dass ein Angehöriger an einer Suchterkrankung leidet, kann sich an verschiedene Stellen wenden:

Quellenliste

1 Diakonie Deutschland „Sucht im Alter“, https://www.diakonie.de/wissen-kompakt/sucht-im-alter (Datum des Zugriffs: 14.02.2023)

2 DHS Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. „Suchtprobleme im Alter – Informationen und Praxishilfen für Fachkräfte und Ehrenamtliche im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen“, Broschüre, S. 6, Auflage 10.15.06.20, Best.-Nr. 33240001, https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Suchtprobleme_im_Alter.pdf (Datum des Zugriffs: 14.02.2023)

3 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf „Wann spricht man von einer Alkoholabhängigkeit“, http://www.alter-sucht-pflege.de/Zahlen_&_Fakten/Alkohol.php (Datum des Zugriffs: 14.02.2023)

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf „Medikamente im Alter“, http://www.alter-sucht-pflege.de/Zahlen_&_Fakten/Wechselwirkungen_von_Medikamenten.php (Datum des Zugriffs: 14.02.2023)

5 DHS Suchthilfeverzeichnis, https://www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis (Datum des Zugriffs: 14.02.2023)

6 Sucht und Drogen Hotline, https://www.sucht-und-drogen-hotline.de (Datum des Zugriffs: 14.02.2023)