Drogensucht

Cannabis Entzug: Medikamente

Das Wichtigste – in Kürze

  • Cannabis-Abhängigkeit stellt ein großes Risiko für regelmäßige Konsumenten dar.
  • Cannabis-Entzug-Medikamente sollen Entzugserscheinungen, Rückfallrisiko und Suchtverlangen reduzieren.
  • Entsprechende Arzneimittel werden nur bei ärztlich begleitetem Entzug verordnet.
  • Die meisten Wirkstoffe befinden sich aktuell noch in der Untersuchungsphase.
  • Eine stationäre Entzugstherapie unterstützt bei Entgiftung und psychischer Entwöhnung.
  • Psychotherapeutische Verfahren haben sich bereits als wirksam erwiesen.

Cannabis kann abhängig machen

Cannabis wird häufig als „harmloses Rauschmittel“ eingestuft. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Cannabis nicht abhängig mache, besteht bei regelmäßigem Konsum sehr wohl das Risiko für eine Abhängigkeit. Erhebungen von 2021 gehen davon aus, dass jeder vierte Cannabis-Konsument einen problematischen Konsum pflegt1. Dabei betrifft das Abhängigkeitsrisiko nicht nur den Freizeitkonsum. Auch medizinisches Cannabis kann abhängig machen2.

Wieso ist ein Cannabis-Entzug notwendig?

Cannabis steht im Ruf, ungefährlicher bzw. weniger schädlich für Körper und Psyche zu sein als zum Beispiel Alkohol. Doch der Schein trügt: Regelmäßiger Cannabiskonsum kann zu einer Reihe von negativen psychischen und physischen Folgen führen. Im Jugendalter kann der Konsum (dosisabhängig) Veränderungen im präfrontalen Kortex des Gehirns auslösen – diese Region ist unter anderem für Impulskontrolle und Problemlösen zuständig3. Hinzu kommt ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen, allen voran Psychosen4. Ein Cannabis-Entzug hilft, schädliche Folgen zu mindern. Hierbei können ggf. Medikamente unterstützen.

Können Medikamente Cannabis-Entzug-Symptome lindern?

Die Wirksamkeit verschiedener Wirkstoffe bzw. Medikamente für den Cannabis-Entzug wurde bislang zumeist nur in kleinen Studien belegt oder konnte noch gar nicht nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden. Da bei der Cannabisabhängigkeit oft die psychische Komponente (die Sucht) im Vordergrund steht und nicht so sehr die Entzugssymptome, gelingt die Entwöhnung oft ohne Entzugsmedikation. Grundsätzlich könnten mögliche THC-Entzug-Medikamente an einem oder mehreren der folgenden Punkte ansetzen:

  • Reduzierung möglicher Nebenwirkungen des Entzugs (Entzugssymptome)
  • Reduzierung des Verlangens nach der Droge
  • Reduzierung des Rückfallrisikos

Welche Entzugsmedikamente gibt es?

Spezielle Medikamente für den Cannabis-Entzug gibt es bislang noch nicht. Allerdings können Arzneimittel eingesetzt werden, die auch bei anderen Suchterkrankungen bzw. Entzugstherapien zur Anwendung kommen. Diese werden individuell vom behandelnden Arzt ausgewählt und verordnet. Abzuraten ist von frei verkäuflichen Produkten aus dem Internet, die damit werben, den Entzug von THC zu erleichtern, Entzugserscheinungen oder einen Rückfall zu verhindern. Hierbei handelt es sich zumeist um Nahrungsergänzungsmittel ohne wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen.

Welche Wirkstoffe können den Entzug erleichtern?

Übersichtsarbeiten zeigen, dass viele bisher eingesetzte Cannabis-Entzug-Medikamente nur eine begrenzte Wirkung haben bzw. dass das Verhältnis zwischen Wirkung und Nebenwirkung nicht überzeugt5. Da die Studienlage insgesamt noch recht klein ist, sind diese Forschungsergebnisse mit Bedacht zu bewerten. Dasselbe gilt für die nachfolgend beschriebenen neuen Ansätze zur Herstellung von Cannabis-Entzug-Medikamenten.

  • Fettsäureamid-Hydrolase-Hemmer (FAAH)
    • Fettsäureamid-Hydrolase ist ein Enzym, das normalerweise für die Spaltung endogener Cannabinoide verantwortlich ist. Wird seine Funktion gehemmt, könnte dies Cannabis-Entzugssymptome reduzieren. Eine Studie aus den USA zeigte für die Gabe eines Fettsäureamidhydrolase-Hemmers vielversprechende Ergebnisse6.
  • Cannabidiol (CBD)
    • Cannabidiol (CBD) ist ein nicht rauscherzeugender Inhaltsstoff von Cannabis. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass CBD bei der Reduktion von Cannabiskonsum unterstützen kann7. Allerdings ist die Studienlage auch hier noch recht dünn. Darüber hinaus ist die Wirksamkeit bislang nur bei Dosierungen von 400 mg und mehr bestätigt worden. Damit scheiden typische Nahrungsergänzungsmittel mit CBD als wirksame Cannabis-Entzug-Medikamente aus.
  • Weitere Wirkstoffe
    • Weitere potenziell aussichtsreiche Kandidaten für die medikamentöse Behandlung einer Abhängigkeit von Cannabis könnten Cannabinoid-Rezetor-1(CB1)-Agonisten oder Gabapentin sein. Diese werden teilweise schon eingesetzt.
Hilfe bei Cannabis-Entzugserscheinungen: Frau in Therapie
Hilfe bei Cannabis-Entzugserscheinungen: Frau in Therapie

Gibt es Risiken bei der Verwendung der Medikamente?

Jede medikamentöse Behandlung und jeder Wirkstoff hat potenzielle Nebenwirkungen. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass Patienten nach dem Absetzen der Arzneimittel rückfällig werden und den Cannabis-Konsum wieder aufnehmen. Deshalb sollte jede Therapie immer durch psychotherapeutische Verfahren begleitet werden. Gute Evidenzen bestehen für Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, systemische multidimensionale Familientherapie und Kurzinterventionen8.

Wo findet man Hilfe beim Cannabis- bzw. THC-Entzug?

Patienten, die den Konsum von Drogen wie Marihuana und Haschisch, die aus der Cannabis-Pflanze gewonnen werden, beenden möchten, sollten sich von einem erfahrenen Suchtmediziner beraten lassen. Beim Entzug in Eigenregie besteht immer das Risiko für unangenehme Entzugserscheinungen, den Abbruch des Haschich- bzw. Marihuana-Entzugs und Rückfälle.

Hausarzt und Suchtberatungsstellen

Eine erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein. Betroffene bekommen außerdem bei Suchtberatungsstellen oder in Selbsthilfegruppen Unterstützung.

Klinik bei Mischkonsum, Begleiterkrankungen, schweren Entzugserscheinungen

Sollten bei einem Entzug schwere Entzugserscheinungen auftreten oder besteht gleichzeitig zur Cannabis-Sucht eine Abhängigkeit von Alkohol und/oder anderen Drogen, sollten Patienten immer einen Arzt aufsuchen bzw. einen stationären Entzug in einer Klinik durchführen. Denn gerade bei Mischkonsum mit Alkohol und anderen illegalen Drogen kann es, ohne entsprechende medikamentöse Behandlung und medizinische Überwachung, zu lebensgefährlichen Entzugserscheinungen kommen.

ADHS und Sucht Klinik: Frau in Gesprächstherapie
ADHS und Sucht Klinik: Frau in Gesprächstherapie

Welche Maßnahmen helfen, einen Rückfall zu vermeiden?

Wer sich langfristig aus der Cannabis-Abhängigkeit lösen möchte, sollte sich für eine professionelle Behandlung entscheiden. Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist für einen erfolgreichen Drogenentzug nämlich nicht nur die körperliche Entgiftung entscheidend – auch die psychische Entwöhnung spielt eine Rolle. Deshalb sollte jeder Entzugsversuch an eine entsprechende Therapie gekoppelt sein. Hier lernen Patienten nicht nur die Ursachen und Muster hinter ihrer Abhängigkeitserkrankung zu verstehen, sondern erlernen auch Handlungsmuster und -strukturen, die einen Rückfall verhindern können.

Wie finde ich die richtige Klinik für einen THC-Entzug?

Eine Therapie bei Cannabis-Abhängigkeit kann in einer Klinik erfolgen oder ambulant durchgeführt werden. Wer jedoch aufgrund des eigenen familiären und/oder sozialen Umfelds befürchtet, zuhause schneller rückfällig zu werden oder starke Entzugserscheinungen erwartet, sollte nach einer Klinik Ausschau halten, die einen qualifizierten Entzug anbietet. Im Idealfall werden Entzug und Entwöhnung miteinander gekoppelt. Privatkliniken bieten Therapien, die den körperlichen Entzug und die psychische Entwöhnung koppeln. Mit hochfrequenten Therapien kann der Grundstein für eine langfristige Abstinenz gelegt werden.

Quellenliste

1 Bundesministerium für Gesundheit „Statistiken zum Cannabiskonsum“, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/c/cannabis, (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)

2 Gilman JM, Schuster RM, Potter KW, et al. Effect of Medical Marijuana Card Ownership on Pain, Insomnia, and Affective Disorder Symptoms in Adults: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open.2022;5(3):e222106. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.2106, https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2790261 (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)

3 Albaugh, M. D, Ottino-Gonzalez J, Sidwell A, Lepage C, Juliano A, Owens MM, et. al. “Association of Cannabis Use During Adolescence With Neurodevelopment”, JAMA Psychiatry. 2021 Jun 16;78(9):1–11. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2021.1258. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34132750/ (Datum des Zugriffs: 04.12.23)

4 Hamberger, Beatrice „Ergebnisse der CaPRis-Studie. Cannabis: Potenzial und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse“, Zusammenfassung und Kurzbericht, Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, S. 4 ff., https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Broschuere/BMG_CaPris_A5_Info_web.pdf  (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)

5 Nielsen S, Gowing L, Sabioni P, Le Foll B. Pharmacotherapies for cannabis dependence. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 1. Art. No.: CD008940. DOI: 10.1002/14651858.CD008940.pub3. Accessed 15 November 2023, https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD008940.pub3/full/de (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)

6 D’Souza, Deepak et al. „Efficacy and safety of a fatty acid amide hydrolase inhibitor (PF-04457845) in the treatment of cannabis withdrawal and dependence in men: a double-blind, placebo-controlled, parallel group, phase 2a single-site randomised controlled trial“, The Lancet Psychiatry, Volume 6, Issue 1, S. 35-45, Januar 2019, https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(18)30427-9/fulltext (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)

7 Freeman, Tom et al. “Cannabidiol for the treatment of cannabis use disorder: a phase 2a, double-blind, placebo-controlled, randomised, adaptive Bayesian trial”, In: The Lancet Psychiatry, Volume 7, Issue 10, S. 865-874, Oktober 2020 https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(20)30290-X/fulltext (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)

8 Walther, Lisa et al. “Evidenzbasierte Behandlungsoptionen der Cannabisabhängigkeit“, In: Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 653-9; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0653, https://www.aerzteblatt.de/archiv/182541/Evidenzbasierte-Behandlungsoptionen-der-Cannabisabhaengigkeit (Datum des Zugriffs: 15.11.2023)