Begleiterkrankungen der Sucht

Sie sind alkoholabhängig und leiden gleichzeitig an einer Depression? Ihre Suchterkrankung hat eine somatoforme Störung oder ein Burnout nach sich gezogen? Bei uns erfahren Sie, wie Sie mit einer Doppeldiagnose am besten umgehen und worauf Sie bei der Wahl einer geeigneten Entzugseinrichtung achten müssen. Wir informieren Sie über die wichtigsten Komorbiditäten der Sucht und wie Sie Rückfällen vorbeugen können. Nehmen Sie Ihr Leben wieder selbst in die Hand – Auch bei einer Sucht mit komorbiden Symptomen gibt es geeignete Therapieansätze!

Komorbidität und Sucht – Eine Sucht kommt selten allein

Burnout, Depression, Angst- und Persönlichkeitsstörungen und Psychosen: Eine Sucht kommt selten allein, sondern ist in vielen Fällen mit psychischen Begleiterkrankungen verbunden. Rund 33 Prozent aller an einer substanzgebundenen Abhängigkeit erkrankten Personen leiden zugleich an einer affektiven Störung (Depression). Ein Teufelskreis, der oft nur schwer zu durchbrechen ist. Schließlich verstärken sich die Symptome beider Erkrankungen gegenseitig. So greift der Abhängige zum Suchtmittel, um sich besser zu fühlen und die Symptome erträglicher zu gestalten und hält genau dadurch seine Störung aufrecht oder verschlimmert sie sogar. Schließlich verstärkt Alkohol langfristig depressive Zustände und ist somit das größte „Depressivum“, das wir kennen.

Eine effektive Suchttherapie fokussiert sich daher nicht nur auf eine Beendigung der Abhängigkeit, sondern behandelt zeitgleich ebenso die vorhandenen Komorbiditäten (Begleiterkrankungen). Neben der körperlichen Entgiftung gilt es, einerseits die psychischen Ursachen der Sucht zu bearbeiten und andererseits die psychische Störung durch eine individuelle Psychotherapie und komplementäre Therapieangebote zu behandeln. Dieser Ansatz gilt auch für die ambulante Nachsorge. In unseren Beiträgen erfahren Sie mehr zum Thema…

FAQs zur Sucht und komorbiden Störungen

Was sind Komorbiditäten?

Komorbiditäten oder auch Begleiterkrankungen sind sekundäre Krankheiten, die begleitend zu einer Grunderkrankung / primären Krankheit auftreten. Diese können sowohl körperlicher als auch psychischer Art sein. Patienten mit einer Suchterkrankung leiden in vielen Fällen unter körperlichen Erkrankungen und psychischen Krankheiten. Dennoch zählen zu den klassischen Begleiterkrankungen des psychotropen Substanzkonsums in der Regel eher psychiatrische Beschwerden und Störungsbilder. In einem solchen Fall spricht man von einer Doppeldiagnose.

Welche Komorbiditäten kommen in Verbindung mit einer Sucht am häufigsten vor?

Studien zufolge leiden rund 33 Prozent aller Abhängigen an mindestens einer komorbiden psychiatrischen Begleiterkrankung. Das Risiko einer psychischen Störung ist also deutlich erhöht, wenn die Patienten bereits nach einer bestimmten Substanz süchtig sind. Umgekehrt ist es ebenfalls wahrscheinlicher, eine Abhängigkeit zu entwickeln, wenn bereits eine affektive Störung oder eine andere psychische Beeinträchtigung besteht. Zu den häufigsten Begleiterkrankungen zählen:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Burnout
  • Psychosen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Somatoforme Störungen

Wie hängen depressive Störungen und Sucht zusammen?

Depressionen zählen zur Gruppe der sogenannten affektiven Störungen und kommen am häufigsten als Komorbidität einer Abhängigkeit vor. So gehören für viele Menschen ein Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit, stundenlanges Grübeln und Antriebslosigkeit zum Alltag; in den seltensten Fällen wird allerdings deswegen ein Arzt aufgesucht. Die Betroffenen empfinden ihre Krankheit häufig als Makel und meinen, sich nur zusammenreißen zu müssen. Dies ist allerdings ein Trugschluss, denn es ist unmöglich einer schweren Major Depression ohne geeignete Antidepressiva, ärztliche Begleitung und eine Psychotherapie zu entkommen. Stattdessen wird oft zu Alkohol oder anderen Suchtstoffen (beliebt ist auch Cannabis als Selbstmedikation) gegriffen. Schließlich hilft Alkohol nach Meinung der breiten Bevölkerung gegen die Traurigkeit und ist für Erwachsene ganz legal zu erhalten. Durch den häufigen Konsum entwickelt sich oft eine Alkoholsucht, die langfristig die bereits vorhandene Depression verstärkt und eine Veränderung noch schwieriger macht. Interessant an dieser Stelle ist es zu erwähnen, dass fast alle Alkoholiker in einem depressiven Zustand zur Entgiftung kommen, der sich in vielen Fällen allerdings nach der Entgiftungsbehandlung wieder gibt. An diesen Fällen kann man die depressiv machende Wirkung des Alkohols gut beobachten. Diejenigen, die auch nach einer Entgiftung noch eine depressive Symptomatik vorweisen, leiden wirklich an einer Depression und müssen diesbezüglich auch behandelt werden.

Also ist es unter dem Strich möglich, eine Depression aufgrund einer Alkohol-, Medikamenten- oder Drogensucht zu entwickeln. Aber warum ist das so? Alkohol z. B. hält den Serotoninspiegel künstlich hoch und sorgt so für eine Verringerung der körpereigenen Produktion von „Glückshormonen“. Nach Konsumende entfällt die euphorisierende Wirkung des Alkohols rasant ab, so dass der gedrosselte Serotoninhaushalt erst wieder angekurbelt werden muss. Je häufiger der Alkoholgebrauch stattfindet, desto schwieriger kommt das Serotonin wieder ins Gleichgewicht und desto häufiger kommt es zu depressiven Phasen, die wieder durch Alkohol bekämpft werden. Ein Teufelskreis, dem allein nur schwer zu entkommen ist.

Inwiefern bedingen sich Suchtmittel und Angst?

Die zweithäufigste Komorbidität einer Sucht ist die Entwicklung diverser Ängste. So tritt bei rund 6 bis 10 % aller von einer Begleiterkrankung Betroffenen in Kombination mit einer Depression noch eine weitere komorbide Störung auf, die Angststörung. Auch hier wird der Konsum von Alkohol oder Drogen dazu genutzt, um sich besser zu fühlen und Ängste zu beseitigen. Dies liegt in erster Linie an der konsumbedingten Ausschüttung von Dopamin und einer verstärkten Aktivität des Botenstoffs GABA, der die Reizweiterleitung der Nervenzellen hemmt, so dass sich Angst und Panik auflösen. Dennoch ersetzt diese “Selbstmedikation” keine adäquate ärztliche und medikamentöse Behandlung, sondern sorgt durch die Ausbildung zusätzlicher Glutamat-Rezeptoren für einen sogenannten Rebound-Effekt. Schließlich hat der Körper die durch Alkohol blockierten Rezeptoren durch neue ersetzt, so dass bei einem sinkenden Alkoholspiegel plötzlich unzählige Rezeptoren frei sind, an denen das freigesetzte Glutamat andocken und dadurch Erregungszustände hervorrufen kann. Umgekehrt kann es durch das Alkohol oder Drogen hervorgerufene Ungleichgewicht der Neurotransmitter ebenso bei gesunden Menschen zu der Ausbildung von Ängsten und Panikattacken kommen, die erneut durch Alkohol gelindert werden.

In welchem Zeitabstand ist mit der Entwicklung einer Komorbidität der Sucht zu rechnen?

Grundsätzlich lassen sich Doppeldiagnose-Patienten in zwei unterschiedliche Gruppen unterteilen. Bei der ersten Gruppe tritt die psychische Störung rund 5 bis 10 Jahre vor dem Substanzkonsum auf und äußert sich meist als Depression, Persönlichkeits- oder Angststörung. Bei der zweiten Gruppe entwickelt sich zuerst eine Abhängigkeitserkrankung, die eine komorbide Begleiterkrankung nach sich zieht. Für die Therapie spielt der zeitliche Ablauf allerdings keine Rolle, denn die Sucht muss in allen Fällen gemeinsam mit ihrer Begleiterkrankung behandelt werden und ist auch die Erkrankung, die zuerst therapiert werden muss. Meist sind die anderen Erkrankungen nur dann behandelbar, wenn die Sucht therapiert wurde.

Weshalb ist es wichtig, eine Sucht gemeinsam mit ihrer Begleiterkrankung zu behandeln?

Viele Patienten glauben, dass durch eine erfolgreiche Behandlung ihres Suchtproblems gleichzeitig auch die psychiatrische Störung verschwindet, oder dass sich umgekehrt die Abhängigkeit durch eine Therapie ihrer Depression oder Angststörung zurückzieht. Dies kann in beiden Fällen nicht funktionieren. Ist die psychische Störung die Grunderkrankung und hat die Sucht ausgelöst, muss sie – genauso wie ohne begleitenden Substanzkonsum – adäquat durch eine Psychotherapie und ggf. Medikamente behandelt werden. Im zweiten Fall hat sich die Sucht durch das entwickelte Suchtgedächtnis bereits als eigenständige Erkrankung etabliert und muss daher ebenfalls therapiert werden.

Wie erfolgt die Behandlung einer Doppeldiagnose?

Besonders bei Suchtpatienten mit einer Komorbidität ist eine individuelle und gewissermaßen maßgefertigte Therapie ganz wichtig. Es geht darum, sowohl die Ursachen der jeweiligen Begleiterkrankung zu erarbeiten und zu behandeln und gleichzeitig die Sucht nicht aus dem Auge zu verlieren. Dies geschieht am sinnvollsten mit einer intensiven psychotherapeutischen Behandlung, kombiniert mit (falls erforderlich) medikamentöser Unterstützung (z.B. Antidepressivum) und dem Einbeziehen komplementärer Therapieangebote wie Entspannungstherapien, Kunsttherapie, Musiktherapie u.a.. Die Ärzte und Therapeuten sind in der Regel sowohl auf die Suchtbehandlung als auch auf die jeweilige Begleiterkrankung spezialisiert.

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