Alkoholvergiftung: Mehr als nur ein Glas zu viel

Ein Glas Bier oder Wein hebt die Stimmung und sorgt dafür, dass Ängste und Sorgen schneller vergessen werden. Ein Gefühl, dass viele Menschen besonders in Stress- und Belastungssituationen nicht missen möchten. Häufig verschwimmen dabei allerdings die Grenzen zwischen einem moderaten und riskanten Alkoholkonsum, der im schlimmsten Fall zu einer Alkoholvergiftung führen kann. Nicht selten genügt schon der Genuss geringer Mengen Alkohol, um den Blutalkoholspiegel in die Höhe zu treiben und für den Körper und die Psyche negative Folgen nach sich zu ziehen.

Was ist eine Alkoholvergiftung?

Ethanol (Alkohol) kann in verschiedenen Bereichen des Körpers eine toxische Wirkung entfalten. So gilt die Substanz als giftig für die Leber (obligat hepatotoxisch) und hemmt die Bildung der roten Blutzellen (Erythropoese-hemmend). Darüber hinaus werden Alkohol neurotoxische und embryotoxische Eigenschaften zugeschrieben. Das bedeutet, dass Ethanol als Nervengift eingestuft werden muss und für ungeborene Kinder die Gefahr einer körperlichen oder geistigen Fehlentwicklung birgt.
Die Alkoholintoxikation, die häufig auch als Ethanolvergiftung bezeichnet wird, beschreibt also einen Vergiftungszustand, bei dem vor allem das Gehirn betroffen und in seiner Funktion eingeschränkt wird. Mediziner unterscheiden dabei zwischen einer akuten Alkoholvergiftung nach einmalig zu hohem Alkoholkonsum und einer chronischen Alkoholvergiftung, die in der Regel im Zusammenhang mit einer Alkoholkrankheit auftritt. Sie bezeichnet einen dauerhaften Zustand, bei dem der Mensch immer wieder – teilweise toxische – Dosen Alkohol zu sich nimmt, seinen Körper und seine Psyche schädigt und bleibende Schäden billigend in Kauf nimmt.

Ab wann tritt eine Alkoholvergiftung auf?

Wie viele Gläser Wein oder Bier zu einer akuten Alkoholintoxikation führen, lässt sich pauschal nicht sagen. Wie groß die Gefahr ist, die beim Trinken vom Alkohol ausgeht, ist schließlich von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Mageninhalt
  • Flüssigkeitshaushalt
  • Größe und Gewicht
  • Trinkgewohnheiten
  • Trinkgeschwindigkeit
  • Menge

So steigt die Alkoholkonzentration im Blut bei Männern und Frauen unterschiedlich schnell an. Das liegt unter anderem an der Verteilung von Gewicht und Körpergröße, aber auch am Flüssigkeitshaushalt, der bei Frauen und Männern differiert. Da der männliche Körper zu einem höheren Prozentsatz aus Wasser besteht, nimmt ein Mann pro Glas Bier oder Wein weniger Promille auf als eine Frau. Infolgedessen müssen Frauen schneller mit einer Alkoholvergiftung rechnen als Männer. Auch der Mageninhalt hat einen entscheidenden Einfluss auf den Promillewert. Da Alkohol über die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt in den Blutkreislauf gelangt, kann ein voller Magen dafür sorgen, dass sich die Anzahl der Promille langsamer erhöht als bei einem leeren Magen. Ebenso gilt es zu berücksichtigen, wie intensiv jemand an den Konsum von Alkohol gewöhnt ist. Wer nur selten oder nur eine geringe Menge an alkoholischen Getränken zu sich nimmt, entwickelt schneller eine Alkoholvergiftung als jemand, der viel und regelmäßig trinkt. Während bei Jugendlichen schon nach wenigen Gramm reinen Alkohols die ersten Anzeichen einer Vergiftung auftreten können, kann ein Alkoholiker vielfach den ganzen Tag trinken, ohne Anzeichen einer Alkoholintoxikation aufzuweisen.

Wie sehen bei einer Alkoholvergiftung die Symptome aus?

Wer zu viel trinkt, bemerkt dies häufig erst, wenn es zu spät ist. Schließlich besitzt Alkohol eine enthemmende Wirkung, die dafür sorgt, dass die rationale Entscheidungsfähigkeit sinkt, während die Risikobereitschaft steigt. Deshalb schätzen Betrunkene ihren eigenen Zustand meist nicht realistisch ein. Dies ist einer der Gründe dafür, dass viele Menschen sich auch nach einem ausgiebigem Alkoholkonsum noch ans Steuer setzen und erklärt überdies, warum immer wieder Personen durch übermäßigen Alkoholkonsum in akute Lebensgefahr geraten und im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dabei kann ein übermäßiger Konsum von Alkohol verschiedene Ausprägungen mit unterschiedlichen Symptomen nach sich ziehen. Mediziner unterteilen die Alkoholintoxikation nach ihrer Schwere in vier Stadien.

Exzitation

Im ersten Stadium, der sogenannten Exzitation (leichte Alkoholvergiftung), hat der Betrunkene zwischen 0,2 und 2,0 Promille im Blut. Bereits nach dem ersten Getränk stellen sich Enthemmungserscheinungen ein und die Person wird redselig. Kurze Zeit später verlängert sich die Reaktionszeit; Sprach- und Gleichgewichtsstörungen kommen hinzu. Bei Erwachsenen und Jugendlichen, die empfindlich auf Alkohol reagieren, kann es bereits jetzt zu Übelkeit, Erbrechen oder Stürzen kommen.

Hypnose

Die Hypnose ist das zweite Stadium der Alkoholvergiftung und ist für einen Promillewert von 2,0 bis 2,5 definiert. Mit dieser Blutalkoholkonzentration werden Betrunkene teilweise aggressiv und weisen Koordinations- und Sehstörungen auf. Ebenfalls erkennbar sind erste Anzeichen von Gedächtnisverlust und ein Nachlassen der Muskelkraft. In vielen Fällen kommt es zu Übelkeit und Erbrechen.

Narkose

Wer den Alkoholkonsum noch immer nicht einstellt und weiter trinkt, gelangt ins dritte Stadium einer Alkoholvergiftung. Hier spricht man auch von einer Narkose, die mit Bewusstlosigkeit, erweiterten Pupillen und einem Schockzustand verbunden ist. Der Promillewert liegt zwischen 2,5 und 4,0. Spätestens ab jetzt ist Fremdhilfe gefragt, da der Betrunkene nicht mehr in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern und medizinische Hilfe zu suchen.

Asphyxie

Werden die Symptome des dritten Stadiums nicht angemessen behandelt, geht der Betroffene in die vierte Stufe einer Alkoholintoxikation über, die als Asphyxie bezeichnet wird und in vielen Fällen zum Tode führen kann. Sie liegt ab einem Promillewert von 4,0 vor und ist durch die folgenden Symptome gekennzeichnet:

  • Koma
  • Reaktionslose Pupillen
  • Kreislaufversagen
  • Atemstillstand
  • Hypothermie

Alkoholvergiftung: Was tun?

Wenn größere Mengen Alkohol konsumiert wurden und eine akute Ethanolvergiftung mit Bewusstseinsstörung, unregelmäßiger Atmung, Erbrechen oder anderen auffälligen Symptomen vorliegt, liegt ein akuter Notfall vor, der schnelles Handeln erfordert. Eine schwere Alkoholvergiftung kann tödlich verlaufen, wenn sie nicht entsprechend medizinisch versorgt wird. Doch auch wenn sie nicht zum Tod führt, kann sie schwere körperliche und psychische Auswirkungen mit sich bringen.
Im ersten Schritt sollte der Notarzt verständigt werden, da Personen mit einer starken Alkoholvergiftung stationär behandelt werden müssen. Im Rahmen der Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte der Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden. Auf diese Weise wird verhindert, dass der Betrunkene an seinem Erbrochenen ersticken kann. Sollte der Betroffene ansprechbar und bei Bewusstsein sein, ist es sinnvoll, absichtlich ein Erbrechen herbeizuführen. Auf diese Weise können die noch im Magen befindlichen Mengen an Alkohol aus dem Körper befördert werden, bevor sie ins Blut übergehen. Viel Wasser zu trinken und Schlaf können bei leichteren Intoxikationen helfen.

Wie wird eine Alkoholvergiftung behandelt?

Ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, weil der Betrunkene nicht mehr ansprechbar, bewusstlos oder komatös ist, erfolgt eine individuell abgestimmte Therapie, die sich am Schweregrad der Intoxikation misst. Eine künstliche Beatmung sowie die Zuführung von Flüssigkeit über einen Venenzugang gehören zu den häufigen Behandlungsmaßnahmen. Durch die permanente Beobachtung des Patienten wird sichergestellt, dass sich dessen Zustand nicht verschlechtert und dass er sich im Rausch nicht selbst verletzt. Sobald sich der Zustand gebessert hat, erfolgen Gespräche mit den behandelnden Ärzten. Sollte der Verdacht auf eine Alkoholabhängigkeit vorliegen, empfiehlt es sich, die mögliche Suchtkrankheit umgehend in einer speziellen Entzugsklinik behandeln zu lassen. Der genaue Behandlungsverlauf hängt in erster Linie davon ab, ob der Suchtkranke in einer öffentlichen Einrichtung oder in einer privaten Suchtklinik entzieht. Während die Entgiftung über die gesetzlichen Krankenkassen und die Suchtrehabilitation über die Rentenversicherung in zwei separaten und zeitlich getrennten Behandlungsschritten erfolgt, verläuft die Alkoholtherapie in einer privaten Entzugsklinik nach einem gänzlich anderen Behandlungskonzept. Hier werden die Patienten in einem regelhaft vierwöchigen stationären Aufenthalt sowohl körperlich entgiftet als auch durch eine intensive Therapie psychisch entwöhnt, so dass das Risiko eines Rückfalls deutlich geringer ist.

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