Depression und Sucht

Wichtiges in 30 sec.

  • Jede der beiden Erkrankungen kann die andere bedingen und verstärken.
  • 30 % der Menschen mit einer Abhängigkeit von Alkohol oder Tabletten entwickeln eine Depression oder Angststörung. Besonders junge Männer unternehmen häufiger Suizidversuche.1
  • Für eine erfolgreiche Behandlung ist ein integrativer Ansatz entscheidend, der beide Störungen gleichzeitig therapiert.
  • In der Regel empfiehlt sich eine stationäre Therapie mit Psychotherapie und Pharmakotherapie.
  • Wegen der erhöhten Rückfallgefahr ist die Nachsorge nach der stationären Behandlung in einer Fachklinik für Doppeldiagnosen besonders wichtig.

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine ernstzunehmende, behandlungsbedürftige psychische Erkrankung, die durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessensverlust und Antriebsmangel gekennzeichnet ist. Zusätzlich treten Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, Appetitveränderungen oder Hoffnungslosigkeit auf. Die Erkrankung führt zu erheblichem Leidensdruck und kann das Alltags- und Berufsleben stark beeinträchtigen. Besonders bei schweren Verläufen besteht ein erhöhtes Suizidrisiko.2

Entzug bei Amphetamin-Abhängigkeit: Depressive Frau
Entzug bei Amphetamin-Abhängigkeit: Depressive Frau

Was versteht man unter Sucht?

Unter Sucht versteht man eine Abhängigkeit, die sich entweder auf den Konsum bestimmter Stoffe wie Alkohol, Medikamente oder Drogen bezieht oder auf bestimmte Verhaltensweisen wie Spielen, Kaufen oder exzessive Mediennutzung. Kennzeichnend ist, dass Betroffene das Verlangen nach dem Suchtmittel oder dem Verhalten kaum noch kontrollieren können. Andere Lebensbereiche geraten dabei oft in den Hintergrund. Trotz negativer gesundheitlicher, sozialer oder finanzieller Folgen fällt es den Betroffenen schwer, ihr Verhalten zu ändern. Bei stoffgebundenen Süchten können zusätzlich körperliche Entzugserscheinungen und eine Gewöhnung an die Substanz auftreten.

Warum treten Depressionen und Suchterkrankungen häufig gemeinsam auf?

Dafür gibt es viele Ursachen: Ein erheblicher Prozentsatz der an einer Depression erkrankten Menschen nutzt stimmungsverändernde Substanzen wie Alkohol, Medikamente oder Drogen, um Symptome der depressiven Störung zu lindern (Selbstmedikation). Umgekehrt erhöhen psychoaktive Substanzen durch ihre Wirkung auf den Gehirnstoffwechsel das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Das kann zu einer gegenseitigen Verstärkung und Aufrechterhaltung der Symptomatik führen. Die Ursachen beider Erkrankungen erklärt man sich multifaktoriell, also durch das Zusammenspiel körperlicher, seelischer und sozialer Prozesse.

  • Genetische Faktoren
    • Depressionen und Suchterkrankungen treten innerhalb von Familien gehäuft auf. Daher geht man davon aus, dass es eine genetische Veranlagung (Disposition) für Depressionen wie auch für Abhängigkeitserkrankungen gibt. Gleichzeitig spielen Lern- und Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle. Das bedeutet: Eine genetische Veranlagung kann zwar das Risiko erhöhen, psychisch zu erkranken, sie führt aber nicht zwangsläufig dazu, dass jemand tatsächlich erkrankt.
  • Frühe Traumatisierungen
    • Frühe traumatische Erfahrungen können bleibende Spuren im Körper und im Gehirn hinterlassen. Sie verändern die Stresshormone, das Immunsystem und die Gehirnfunktion – Bereiche, die auch bei Depressionen und Suchterkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Solche Anpassungen entstehen oft als Reaktion auf eine belastende Umwelt und können langfristig dazu führen, dass Betroffene empfindlicher auf Stress reagieren und Substanzen zur Selbstberuhigung und Gefühlsregulation einnehmen.
    • Forscher vermuten, dass auch sogenannte epigenetische Veränderungen, also Veränderungen an der Genregulation, diese erhöhte Verletzlichkeit mitverursachen. Sie könnten erklären, warum frühe Traumata das Risiko für Depressionen und Sucht deutlich erhöhen. Erste Hinweise zeigen, dass frühe Zuwendung oder gezielte Therapien solche biologischen Spuren teilweise rückbilden können. Das eröffnet neue Möglichkeiten, seelische Erkrankungen früh zu erkennen und wirksam zu behandeln.4
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Stress
    • Anhaltender Stress im Erwachsenenalter, etwa durch Überforderung, Konflikte oder soziale Belastungen, kann das Risiko für Depressionen und Suchterkrankungen erhöhen, insbesondere wenn wirksame Bewältigungsstrategien fehlen. Die dauerhafte Belastung führt zu einer Überaktivierung des Stresshormonsystems (HPA-Achse) und beeinträchtigt langfristig die Stimmungsregulation und das Belohnungssystem im Gehirn.
    • Wer versucht, die innere Anspannung durch kurzfristig entlastende, aber langfristig schädliche Strategien wie Alkohol-, Medikamenten-, Drogenkonsum oder exzessives Verhalten zu kompensieren, riskiert eine Abhängigkeitserkrankung: Es entsteht ein Kreislauf, in dem Stress und Suchtverhalten einander verstärken und das Risiko für depressive Symptome weiter steigt.

Welche Symptome deuten auf Depression und Suchtverhalten hin?

Eindeutige Anzeichen für das gleichzeitige Auftreten von Depression und Sucht sind schwer zu bestimmen, insbesondere, weil einige Symptome sowohl bei einer Suchterkrankung als auch bei einer depressiven Störung auftreten. Hinzu kommt, dass sich Betroffene oft sozial zurückziehen, was es Angehörigen oder Freunden erschwert, frühe Warnsignale wie einen ausgeprägten Alkoholkonsum, die häufige Einnahme von Medikamenten oder eine dauerhaft gedrückte Stimmung zu erkennen. Mögliche Warnzeichen sind:

  • anhaltend gedrückte Stimmung, Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitveränderungen
  • körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Magen-Darm-Probleme
  • Vernachlässigung von Pflichten oder früheren Interessen
  • sozialer Rückzug
  • finanzielle Probleme durch Substanzkonsum
  • nachlassende Körperpflege und Hygiene
Alkoholentzug: Depressive Frau alleine
Alkoholentzug: Depressive Frau alleine

Wie wird die Doppeldiagnose „Sucht und Depression“ gestellt?

Für die Diagnosestellung ist eine ausführliche Anamnese mit Gespräch und standardisierten Fragebögen, eine körperliche Untersuchung sowie ggf. Laboruntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen und der Einschätzung von Folgen eines möglichen Substanzkonsums notwendig. Die Diagnose kann nur gestellt werden, wenn eine bestimmte Anzahl der im Diagnosemanual ICD-10 genannten Symptome über eine definierte Zeitspanne vorliegen.

  • Symptome einer Depression
    • Die Symptome müssen mindestens zwei Wochen anhalten. Eine leichte depressive Episode liegt bereits vor, wenn mindestens zwei Hauptsymptome und mindestens zwei Begleitsymptome bestehen.
    • Hauptsymptome
      • anhaltend gedrückte oder traurige Stimmung
      • deutlich vermindertes Interesse oder Freude an Aktivitäten
      • Antriebsmangel oder schnelle Erschöpfbarkeit
    • Begleitsymptome (Beispiele)
      • Schlafstörungen
      • Appetitveränderungen
      • Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühle, fehlendes Selbstvertrauen
      • Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsprobleme
      • Grübeln, Hoffnungslosigkeit oder Zukunftsangst
      • Gedanken an Tod oder Suizid
  • Symptome einer Abhängigkeitserkrankung
    • Mindestens drei der folgenden Merkmale müssen über einen Zeitraum von einem Monat oder wiederholt innerhalb eines Jahres auftreten, um eine Abhängigkeitserkrankung zu diagnostizieren:
      • starkes Verlangen nach dem Suchtmittel
      • Kontrollverlust über Menge oder Häufigkeit
      • Entzugserscheinungen beim Absetzen
      • Toleranzentwicklung (steigender Konsumbedarf)
      • Vernachlässigung anderer Lebensbereiche zugunsten des Konsums
      • fortgesetzter Konsum trotz negativer Folgen

Auf welche Suchtmittel greifen Menschen mit Depressionen zurück?

In westlichen Industrienationen wird besonders häufig Alkohol konsumiert. Interessant ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern, den eine US-amerikanische Studie festgestellt hat: Frauen trinken eher, um die Symptome einer Depression zu lindern, während Männer Alkohol trinken, um Gefühle zu betäuben und erst in der Folge eine depressive Symptomatik entwickeln.5

Viele Betroffene greifen auch zu Cannabis, um Anspannung oder Schlafprobleme zu reduzieren. Studien zeigen jedoch, dass dieser Effekt meist nur kurzfristig anhält. Langfristig kann Cannabis die Stimmung instabil machen und depressive Phasen verstärken.6

Darüber hinaus werden auch beruhigende oder schlaffördernde Medikamente (z. B. Benzodiazepine), Stimulanzien (z. B. Amphetamine, Kokain) und Opioide von Betroffenen mit Depressionen missbräuchlich verwendet, meist mit dem Ziel, kurzfristig Energie, Entspannung oder Erleichterung zu empfinden. Diese Substanzen sind mit einem hohen Abhängigkeitsrisiko verbunden.

Wie sieht die Behandlung von Depression und Sucht aus?

Bei dieser Doppeldiagnose empfehlen die aktuellen S3-Leitlinien einen integrativen Therapieansatz, der beide Erkrankungen gleichzeitig behandelt.7 Wird nur eine der beiden Störungen berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass die unbehandelte Depression Rückfälle in den Substanzkonsum begünstigt oder fortgesetzter Konsum depressive Symptome verstärkt.

  • Therapieformen
    • Bei Patientinnen und Patienten, die unter einer Suchterkrankung und depressiven Störungen leiden, ist eine stationäre Behandlung in einer spezialisierten Klinik sinnvoll. Gerade in der ersten Phase des Entzugs (Entgiftung) können sich Antriebsmangel, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken verstärken. Zudem besteht anfänglich ein erhöhtes Risiko für Behandlungsabbrüche oder Rückfälle, wenn depressive Symptome unbeachtet bleiben.
    • Die stationäre Behandlung in einer Klinik gewährleistet eine engmaschige ärztliche Überwachung, eine differenzierte Diagnostik sowie den frühzeitigen Beginn psychotherapeutischer und gegebenenfalls medikamentöser Maßnahmen, um beide Störungsbilder im Zusammenhang zu behandeln.
  • Psychotherapie
    • Die psychotherapeutische Behandlung ist zentral bei Sucht und Depressionen. Da sich beide gegenseitig beeinflussen, ist ein integrierter, multimodaler Therapieansatz notwendig, der sucht- und psychotherapeutische Verfahren miteinander verbindet.
    • Als besonders wirksam gilt die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Sie hilft Betroffenen, belastende Denkmuster zu erkennen, Rückfallauslöser zu verstehen und neue Strategien im Umgang mit Stress, Stimmungsschwankungen und Konsumdruck zu entwickeln. Auch die motivierende Gesprächsführung spielt eine wichtige Rolle: Sie stärkt die Eigenmotivation, fördert realistische Veränderungsziele und unterstützt den Aufbau von Krankheitseinsicht – ein entscheidender Schritt, gerade bei Suchterkrankungen.
    • In einigen Fällen kann zusätzlich eine dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) hilfreich sein, insbesondere wenn starke emotionale Dysregulation, Impulsivität oder selbstschädigendes Verhalten vorliegen. Laut Leitlinien besteht noch Forschungsbedarf zur Wirksamkeit weiterer psychotherapeutischer Verfahren. Wichtig ist, dass die psychotherapeutische Behandlung strukturiert, störungsspezifisch und zeitlich abgestimmt erfolgt.
  • Medikation
    • Die medikamentöse Therapie kann bei einer Doppeldiagnose aus Sucht und Depression eine wichtige Rolle spielen, allerdings immer im Rahmen eines integrierten Gesamtkonzepts. Bei allen medikamentösen Strategien gilt: Die Behandlung sollte engmaschig überwacht und regelmäßig überprüft werden, um Nebenwirkungen, Wechselwirkungen (insbesondere mit Alkohol oder Drogen) und Veränderungen der Symptomatik frühzeitig zu erkennen.
    • In der akuten Entzugsphase können vorübergehend eingesetzte Medikamente körperliche Beschwerden sowie Schlafstörungen lindern und Komplikationen vermeiden. In Abhängigkeit von der individuellen Befundlage können beispielsweise Benzodiazepine (nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle), Antikonvulsiva oder symptomorientierte Schmerz- und Beruhigungsmittel zum Einsatz kommen. Als medikamentöse Rückfallprophylaxe können bei Alkoholabhängigkeit Acamprosat oder Naltrexon eingesetzt werden.
    • Bei einer mittelgradigen oder schweren Depression kann eine antidepressive Pharmakotherapie sinnvoll sein. Die Leitlinien empfiehlt in solchen Fällen den Einsatz von SSRI oder SNRI, da sie im Vergleich zu älteren Antidepressiva (z. B. trizyklischen Substanzen) ein günstigeres Nebenwirkungsprofil und ein geringeres Abhängigkeitspotenzial aufweisen.8
  • Dauer
    • Die Dauer der Behandlung hängt von der Schwere und dem Verlauf beider Erkrankungen ab. Bei stoffgebundenen Abhängigkeiten ist meistens eine stationäre körperliche Entgiftung erforderlich. Parallel dazu oder im Anschluss, je nach Einrichtung und Therapiekonzept, erfolgt die psychotherapeutische Behandlung, die in der Regel mehrere Wochen dauert.
    • Privatkliniken kombinieren häufig Entgiftung und Psychotherapie, wodurch sich die Behandlungszeit verkürzen kann, sofern eine engmaschige therapeutische Begleitung gewährleistet ist. Eine strukturierte Nachsorge und ambulante Weiterbehandlung sind in jedem Fall wichtig, um Rückfällen vorzubeugen und die psychische Stabilität langfristig zu verbessern.
  • Verlauf
    • Bei einer kombinierten Depression und Suchterkrankung ist eine deutliche Besserung möglich, wenn beide Störungen konsequent behandelt werden. Rückfälle kommen dennoch häufig vor, insbesondere im ersten Jahr nach der Entgiftung oder nach dem Abklingen akuter depressiver Phasen. Sie gelten nicht als Scheitern, sondern als Teil des Genesungsprozesses. Entscheidend ist eine langfristige, individuell angepasste Nachsorge mit ambulanter Psychotherapie, sozialer Unterstützung und ggf. Selbsthilfegruppen. So lässt sich das Rückfallrisiko senken und der psychische Zustand stabilisieren.
therapie
therapie

Gibt es ein erhöhtes Risiko für Rückfälle bei Depression + Sucht?

Bei der Doppeldiagnose „Depression und Sucht“ ist das Rückfallrisiko deutlich erhöht, da sich beide Störungen gegenseitig verstärken und aufrechterhalten. Depressive Phasen können das Verlangen nach Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen fördern, andererseits destabilisiert Suchtmittelmissbrauch langfristig die Stimmung und verstärkt damit depressive Symptome.

Mit einer ambulanten Langzeitbehandlung aus regelmäßiger Psychotherapie und suchttherapeutischer Nachsorge kann man das Rückfallrisiko senken. In der Therapie entwickeln Betroffene individuelle Bewältigungsstrategien. Sie lernen, Anzeichen, eines drohenden Rückfalls frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern oder sich professionelle Hilfe zu suchen. Gegebenenfalls sind auch kurzzeitige stationäre Intervalltherapien sinnvoll. Rückfälle sind Teil des Genesungsprozesses, die die Chance bieten, aus Erfahrungen zu lernen und den Umgang mit Belastungen weiter zu verbessern.

Wie können Freunde oder Familie unterstützen?

Menschen, die gleichzeitig an einer Depression und einer Abhängigkeitserkrankung leiden, benötigen Hilfe, um den Teufelskreis aus Sucht und Niedergeschlagenheit zu durchbrechen. Allerdings entsteht Krankheitseinsicht und Therapiemotivation oft erst, wenn Betroffene verstehen, wie eng beide Krankheiten miteinander verknüpft sind und dass Veränderung möglich ist.

Angehörige können wertvolle Unterstützung leisten, indem sie Betroffene zu Arzt- oder Therapieterminen begleiten, sich über die Erkrankungen informieren und bei Bedarf selbst Angehörigengruppen besuchen. Wichtig ist vor allem eine offene, wertschätzende und nicht verurteilende Kommunikation, die Verständnis zeigt, aber gleichzeitig klare Grenzen setzt und zur professionellen Hilfe ermutigt.

Wer hilft bei depressiven Störungen und Suchtproblemen?

Wer mit Depressionen und / oder einem nicht mehr kontrollierbaren Konsum von Substanzen kämpft, kann sich an seinen Hausarzt, einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine Suchtberatungsstelle, eine Suchtambulanz oder direkt an eine spezialisierte Suchtklinik wenden, die Depression und Sucht parallel behandelt. Selbsthilfegruppen sind für viele Betroffene erst empfehlenswert, wenn sie bereits eine stationäre Therapie hinter sich haben und damit ausreichend stabil sind.

FAQs zu „Depression und Sucht“

  • Was bedeutet der Begriff „Doppeldiagnose“?
    • Der Begriff bedeutet, dass mindestens zwei Krankheiten gleichzeitig vorliegen (Komorbidität). Neben Depression und Sucht gibt es weitere, häufig vorkommende Paralleldiagnosen und Begleiterkrankungen von Sucht, z. B. Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen und ADHS.
  • Ist die Doppelerkrankung Depression und Sucht heilbar?
    • Mit einer adäquaten Behandlung können viele Patienten beide Erkrankungen gut in den Griff bekommen. Eine Therapie ist allerdings langwierig und erstreckt sich meist über viele Wochen und Monate. Einige Betroffene erleben (wiederkehrende) Rückfälle. Umso wichtiger ist es, dass die Therapie von Anfang an auf beide psychischen Störungen abgestimmt wird.
  • Warum verschlechtern sich Depressionen durch Substanzkonsum?
    • Rauscherzeugende Substanzen, die bei Depressionen oft zur Selbstmedikation genutzt werden, verändern den Hirnstoffwechsel, indem sie die Ausschüttung, Weiterleitung oder Wiederaufnahme von Neurotransmittern beeinflussen. Kurzzeitig kann es zu einer Symptomlinderung und Stimmungsaufhellung kommen. Nach dem Abklingen der Wirkung kehrt die depressive Stimmung zurück. Bei fortgesetztem Substanzmissbrauch kommt es in der Regel zu einer Toleranzentwicklung, bei der immer mehr konsumiert werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Das führt über kurz oder lang in eine Abhängigkeit und einen Teufelskreis, der in der Regel nur mit professioneller Hilfe durchbrochen werden kann.
Suchen & Finden

Suchtklinik suchen

Umkreis

Quellenliste

1 Stiefelhagen, P.: „Depression und Abhängigkeit erhöhen die Suizidgefahr“. MMW – Fortschritte der Medizin 162, 14 (2020). https://doi.org/10.1007/s15006-020-0082-y, https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-020-0082-y (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

2 Fu XL, Qian Y, Jin XH, Yu HR, Wu H, Du L, Chen HL, Shi YQ.: „Suicide rates among people with serious mental illness: a systematic review and meta-analysis”. Psychol Med. 2023 Jan;53(2):351-361. doi: 10.1017/S0033291721001549. Epub 2021 May 6. PMID: 33952359, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33952359/ (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

3 Zentralinstitut für seelische Gesundheit: „Weltweite Studie identifiziert Gene für Depressionen bei allen Ethnien“, 25.01.2025 https://www.zi-mannheim.de/institut/news-detail/weltweite-studie-identifiziert-gene-fuer-depressionen-bei-allen-ethnien.html (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

4 Brückl, T.M., Binder, E.B.: „Folgen früher Traumatisierung aus neurobiologischer Sicht“, Forens Psychiatr Psychol Kriminol 11, 118–132 (2017). https://doi.org/10.1007/s11757-017-0412-9, https://link.springer.com/article/10.1007/s11757-017-0412-9 (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

5 Deutsches Ärzteblatt: „Randnotiz: Gegen die Traurigkeit“, 46/2009, https://www.aerzteblatt.de/archiv/randnotiz-gegen-die-traurigkeit-9743ef00-be35-4fc2-b504-86aa9b8e5ea5, (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

6 SearchGorfinkel LR, Stohl M, Hasin D.: „Association of Depression With Past-Month Cannabis Use Among US Adults Aged 20 to 59 Years, 2005 to 2016“. JAMA Netw Open. 2020;3(8):e2013802. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.13802, https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2769386, (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

7 Federführende Fachgesellschaften: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-SUCHT) Titel der Leitlinie: “Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen” Auflage/Version Datum: Dezember 2020, S. 158 https://register.awmf.org/assets/guidelines/076-001l_S3-Screening-Diagnose-Behandlung-alkoholbezogene-Stoerungen_2025-01-verlaengert.pdf, (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)

8 Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, Version 3.2. 2022, DOI: 10.6101/AZQ/000505. www.leitlinien.de/depression. Internet: www.leitlinien.de, register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-005, https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-005l_S3_Unipolare-Depression_2023-07.pdf, (Datum des Zugriffs: 23.10.2025)