Suchtberatung: Informationen und Tipps zu Suchtberatungsstellen

Suchterkrankungen können sowohl körperliche als auch psychische Beeinträchtigungen auslösen, sowie die Angehörigen belasten. Sich von einer Abhängigkeit zu befreien, ist daher ein langer, oft mühsamer Weg, auf dem die Betroffenen vieles über sich und das Leben neu lernen müssen. Der erste Schritt ist dabei oftmals auch der schwerste. Doch zum Glück ist hierbei niemand auf sich allein gestellt.

So existieren in ganz Deutschland Suchtberatungsstellen mit ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeitern, die Hilfesuchende emotional und fachlich auffangen und ihnen weiterhelfen. Statistiken zufolge kann rund zwei Dritteln aller suchtkranken Menschen, die das Beratungsangebot von Diakonie, Caritasverband oder bundesweiter Sucht & Drogen Hotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in Anspruch nehmen, effektiv weitergeholfen werden.

Was ist eine Suchtberatung?

Im Kern stellt sich eine Sucht- oder Drogenberatung als erste Anlaufstelle für Suchtkranke und deren Angehörige dar und fungiert gewissermaßen als Schnittstelle zwischen den Bereichen Klinische Psychologie, Soziale Arbeit und Medizin. Auf dieser Grundlage klären ausgebildete und erfahrene Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen gemeinsam mit dem Suchtkranken ausführlich die Details seiner Erkrankung, versorgen ihn mit allen wichtigen Informationen rund um mögliche Behandlungen und helfen auf Wunsch bei bürokratischen Angelegenheiten (zum Beispiel Antrag auf Therapieplatz).

Darüber hinaus leisten viele Beratungsstellen auch in puncto Prävention Hilfe und bieten diverse Kurse, Gesprächs- und Selbsthilfegruppen an. Viele Stellen haben sich überdies auf spezielle Arten von Suchterkrankungen sowie Patientengruppen spezialisiert. So gibt es beispielsweise in manchen Einrichtungen eine separate Suchtberatung für Jugendliche sowie Beratungsstellen mit dem Schwerpunkt auf Drogen, Glücksspiel, Essstörungen oder Internetsucht.

Seit wann gibt es in Deutschland die ambulante Suchtberatung?

Die ersten Drogenberatungsstellen wurden in den 1960er Jahren gegründet – als Gegenmaßnahme zum ansteigenden Drogenmissbrauch in der Bevölkerung. Die Definition gesetzlicher Grundlagen ist allerdings nicht ganz einfach, weil die Angebote von verschiedenen Trägern bereitgestellt werden. Entsprechend werden nicht überall dieselben Standards eingehalten. Grundsätzlich orientieren sich die meisten öffentlichen Einrichtungen an den Vorgaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).

Wo finden Betroffene eine Suchtberatungsstelle?

Die meisten Beratungsstellen werden öffentlich finanziert, weshalb es in fast jeder Stadt entsprechende Angebote gibt. Die genauen Adressen können Suchtkranke zum Beispiel bei der Stadtverwaltung erfragen oder beim zuständigen Gesundheitsamt. Daneben gibt es vielerorts auch sogenannte Wohlfahrtsverbände wie die AWO oder das Diakonische Werk, die eigene Beratungsstellen betreiben und den Suchtgefährdeten mit weiteren Informationen weiterhelfen.

Wer bezahlt eine Suchtberatung?

Viele Menschen würden in Bezug auf ihr Drogenproblem gern eine qualifizierte Beratung in Anspruch nehmen, befürchten jedoch eine finanzielle Belastung. Dabei ist die Teilnahme an einer Beratung in einer öffentlichen Beratungsstelle komplett kostenlos. Allerdings gilt das nur für die Beratungsleistung. Für einige individuell wählbare und freiwillig absolvierte Kursangebote, die nicht Teil des Beratungsangebots sind, können durchaus Gebühren verlangt werden.

Zusatz-Info: Kosten für private Suchtberatung

Im Gegensatz zu der Beratung bei einem Wohlfahrtsverband oder einer staatlichen Suchtberatung kostet das Angebot privater Suchtberater Geld. Kostenfrei ist meist nur das informierende Erstgespräch, danach wird pro Stunde abgerechnet. Die Preise können hierbei je nach Art der Beratungsleistung schwanken und beginnen häufig bei 50,00 Euro/Stunde. Als Gegenleistung kann man in der Regel eine differenziertere und stärker auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Beratung als bei einer öffentlichen Suchtberatungsstelle erwarten. Sollten die Betroffenen zu einem Entzug in einer Privatklinik Sucht tendieren, stehen viele Einrichtungen für Fragen zur Verfügung und bieten auch Hilfe bei den Formalitäten an.

Für wen ist eine ambulante Suchtberatung geeignet?

Von einem Informationsgespräch in einer Suchtberatungsstelle kann grundsätzlich jeder profitieren, der selbst an einer Suchterkrankung leidet oder durch die Suchterkrankung eines Angehörigen betroffen ist. Dies inkludiert einerseits Menschen, die an stoffgebundenen Süchten leiden und von Alkohol, Nikotin, Drogen oder Medikamenten abhängig sind. Andererseits ist der Besuch einer Suchtberatung auch für Personen, die an nicht stoffgebunden Süchten wie Spiel- oder Internetsucht leiden, sinnvoll. In einer Suchtberatungsstelle sind Suchtkranke gut aufgehoben, wenn sie bereits den Entschluss gefasst haben, etwas gegen die Alkohol- oder Drogensucht unternehmen zu wollen. Doch auch wenn noch keine Therapiemotivation vorhanden ist, können in einer ambulanten Beratung die Weichen in Richtung Entzug gestellt werden.

Ist eine Suchtberatung anonym?

Ob eine Suchtberatung telefonisch durchgeführt oder das persönliche Gespräch bei einem Termin vor Ort gesucht wird – die Beratungsleistung kann auf Wunsch anonym erfolgen. Darüber hinaus unterliegen die Berater der gesetzlichen Schweigepflicht, so dass keine vertraulichen Gesprächsinhalte an die Krankenkassen, Rentenversicherungen oder sonstige Behörden weitergegeben werden. Das kann für Süchtige insbesondere im Zusammenhang mit dem Konsum illegaler Drogen eine große Erleichterung bedeuten.

Kann eine Suchtberatung telefonisch durchgeführt werden?

Viele Menschen mit einem Suchtproblem schämen sich ihrer Erkrankung und haben Angst davor, suchtbezogene Themen mit anderen Menschen, geschweige denn Fremden zu besprechen. Eine Beratung am Telefon kann hier die Lösung sein. Dasselbe gilt für suchtkranke Menschen, die aufgrund starker körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen nicht in der Lage sind, ihr Zuhause zu verlassen. Die Telefonberatung ist ebenso anonym wie die Beratung bei einem persönlichen Zusammentreffen in der Beratungsstelle. Wichtig ist zu bedenken, dass die Verbindung via Telefon gegebenenfalls Kosten verursachen kann, insbesondere wenn die Telefonnummer von einem Mobiltelefon aus angerufen wird und das Telefongespräch länger dauert.

Tipp: Terminvereinbarung am Telefon

In den meisten Beratungsstellen können Menschen mit einem Suchtproblem in einer Art offenen Sprechstunde unmittelbar vorstellig werden. Alternativ können sie – nicht zuletzt, um Wartezeiten zu vermeiden – vorab einen Termin vereinbaren. Das funktioniert für gewöhnlich online oder über die Telefonnummer der Beratungsstelle. In den meisten Fällen erhalten die Betroffenen zeitnah einen Termin.

Kann eine Suchtberatung online im Internet durchgeführt werden?

Für Suchtkranke, denen die Betreuung am Telefon unangenehm ist oder die sich nur zu einem bestimmten Aspekt der Abhängigkeit beraten lassen möchten, kann eine Online-Beratung die richtige Lösung sein. Es gibt bereits einige Anlaufstellen, bei denen eine E-Mail-Beratung in Anspruch genommen werden kann. Noch anonymer ist die Online-Beratung der Caritas, die auch ohne Angabe einer E-Mail-Adresse funktioniert. Hierbei können die Betroffenen binnen zwei Tagen mit einer Antwort auf ihre Fragen rechnen.

Wie funktioniert eine Suchtberatung?

Den Ablauf einer Suchtberatung zu kennen, kann vielen Menschen mit einer Suchtproblematik dabei helfen, sich für die Teilnahme an einem solchen Angebot zu entscheiden. Immerhin ist es häufig die Angst vor dem Ungewissen und Unbekannten, die Alkoholiker oder Drogensüchtige davor zurückschrecken lässt, sich professionelle Hilfe zu suchen. Umso angenehmer ist es, dass der Ablauf in einer Suchtberatung relativ einfach und klar strukturiert ist.

  1. Informations- und Kennenlernphase

Im ersten Gespräch mit dem Berater geht es zunächst darum, einander besser kennenzulernen und die Grundbasis der Zusammenarbeit festzulegen. Sie selbst oder Ihr Angehöriger geben vor, was Sie sich von dem Angebot erhoffen und welche Ziele erreicht werden sollen. Der Berater wiederum informiert über die Möglichkeiten, die eine Beratung bieten kann. Im Laufe des Gesprächs wird klar definiert, wie die Ziele in Bezug auf den Konsum von Alkohol, Drogen und Medikamenten erreicht werden können. Häufig tauchen dabei die folgenden Fragen auf:

  • Soll eine ambulante oder stationäre Therapie in Angriff genommen werden?
  • Ist Hilfe bei der Antragstellung und Vermittlung notwendig?
  • Sollen die Angehörigen in die Behandlung integriert werden?
  • Ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe erwünscht?
  1. Vermittlung und Antragstellung

Wenn Sie sich dazu entscheiden, im Rahmen einer professionellen Therapie stationär oder ambulant zu entziehen und eine Entwöhnungstherapie (Suchtrehabilitation) zu beanspruchen, hilft Ihnen Ihr Berater dabei, die passende Klinik bzw. das passende Angebot für eine ambulante Behandlung zu finden. Ebenso wird das erforderliche Gutachten bzw. der Sozialbericht erstellt.

  1. Hilfe bei der ambulanten Nachsorge

Sie haben mit dem Konsum von Drogen, Alkohol oder anderen Suchtmitteln aufgehört und brauchen nun Unterstützung, um nicht wieder rückfällig zu werden? Auch wenn Sie sich gegen eine qualifizierte Therapie in einem Krankenhaus oder einem ambulanten Therapiezentrum entscheiden, können Sie bei einer Suchtberatungsstelle Hilfe finden, beispielsweise durch die Vermittlung von Selbsthilfegruppen, Gesprächskreisen und sonstigen weiterführenden Angeboten.

Was passiert, wenn man sich mit dem Berater nicht versteht?

Ob im direkten Kontakt oder bei einer telefonischen Beratung – damit die Betreuung erfolgreich verläuft, ist es wichtig, dass sich die Alkohol- und Drogenabhängigen mit ihrem Berater gut verstehen. Schließlich wird es nur mit einer soliden Vertrauensbasis möglich, sämtliche Probleme rund um das Thema Abhängigkeit sowie alle Fragen zur ambulanten oder stationären Therapie offen zu stellen. Sollten sich die Suchtkranken mit dem zugeteilten Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle nicht wohlfühlen, ist es daher normalerweise möglich, künftig mit einem anderen Betreuer zu sprechen.

Hilfe zur Selbsthilfe: Die kostenlose Beratung ist erst der Anfang

Wer die Hilfe einer Drogenberatung in Anspruch nehmen möchte, sollte sich einer Sache allerdings unbedingt im Klaren sein: Die Mitarbeiter der Einrichtungen leisten in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. Das bedeutet, dass die Motivation für eine Therapie oder einen Entzug letztendlich immer aus dem Suchtkranken selbst herauskommen muss und nur dieser allein die dafür notwendigen Schritte in die Wege leiten kann. Die Betreuer in Suchtberatungsstellen werden die Hilfesuchenden bei dieser Aufgabe zwar gern unterstützen, können ihnen das Handeln aber nicht abnehmen. Weitere Informationen zum Thema Sucht und abstinentem Leben erhalten Sie unter Hilfe bei Sucht: Erste Schritte auf dem Weg aus der Abhängigkeit.

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