Kokainsucht-Folgeschäden: Die Risiken des Kokainkonsums

Im Laufe der letzten Jahre hat sich Kokain immer mehr von der Lifestyle-Droge zur Alltagsdroge entwickelt. Teilweise verstärkt wurde diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie, die auch Menschen zum Kokainkonsum verführte, die vorher noch nie mit Drogen zu tun hatten. Die Beschaffung ist über Dealer oder das Internet sehr einfach möglich. Der Preis für den kurzfristigen Kick ist allerdings hoch, denn die Konsumenten zahlen neben den finanziellen Folgen bei regelmäßigem Gebrauch mit zahlreichen gesundheitlichen Spätfolgen.

Weshalb kann bereits ein einmaliger Kokain-Konsum eine Abhängigkeit hervorrufen?

Menschen, die das weiße Pulver konsumieren, denken zunächst nicht an Sucht und körperliche Folgeschäden, sondern an den vermeintlich positiven Effekt des Konsums. Die Betroffenen fühlen sich “bombastisch” und könnten buchstäblich Bäume ausreißen; Belastungen wie Corona, familiäre Konflikte oder Stress am Arbeitsplatz sind plötzlich nicht mehr wichtig. Der Grund für diesen Höhenflug liegt im pulsartigen Anstieg des Botenstoffes Dopamin, der bedeutend höher ist als bei natürlichen Belohnungseffekten. Die Kehrseite der Medaille ist ein starkes emotionales Tief, sobald die Konzentration des Neurotransmitters wieder abnimmt. Dieses wird oft nur durch erneuten Konsum ausgehalten, so dass viele Verbraucher über kurz oder lang immer mehr konsumieren und eine Kokainabhängigkeit entwickeln können. Je länger diese andauert, desto größer ist das Risiko körperlicher Folgeschäden, psychischer Veränderungen und negativer sozialer Folgen.

Welche körperlichen Kokainsucht-Folgeschäden können auftreten?

Im Gegensatz zu vielen anderen illegalen Drogen ist die körperliche Abhängigkeit beim Kokain meist nicht so hoch. Dennoch schädigt der Konsum den Körper auf vielfältige Art und Weise. Zu den Kokainsucht-Folgeschäden zählen u. a.:

Schäden am Herz-Kreislauf-System und den Gefäßen

Neben dem rasanten Anstieg des Dopamins wird nach dem Rauchen oder Schnupfen von Kokain verstärkt Noradrenalin ausgeschüttet, ein Botenstoff, der den Körper in den Kampf- bzw. Fluchtmodus versetzt. Daher wirkt Kokain stark antriebssteigernd und wird den Stimulanzien zugerechnet. Der Konsum führt zu einer Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz sowie einem erhöhten Sauerstoffbedarf der Zellen. Gleichzeitig wirkt die Droge gefäßverengend, so dass weniger Blut transportiert werden kann und Herz und Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Durch die Gefäßverengung versteifen bei regelmäßigem Gebrauch die Blutbahnen bis hin zu einer Zerstörung der inneren Schutzschicht. Die Barriere zwischen Blut und Gewebe wird durchlässig und es können sich Blutplättchen anlagern. Ein derart gesteigertes Thrombose-Risiko kann zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen. So belegen US-amerikanische Studien, dass rund ein Viertel aller Herzinfarkte zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr auf einen erhöhten Kokainkonsum zurückzuführen sind. Ebenso besitzen Kokain-Konsumenten ein vierfach höheres Risiko für einen plötzlichen Herztod, leiden häufiger an Herz-Rhythmus-Störungen und erkranken öfter an Arteriosklerose.

Darüber hinaus wirkt sich die Droge negativ auf die Herzmuskelzellen aus, indem sie den Energiehaushalt in den Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) aus dem Gleichgewicht bringt. Unterbleibt auf diese Weise die Versorgung mit dem energiereichen Molekül Adenosintriphosphat (ATP), kommt es zum Zelltod.

Wird Kokain injiziert, können Erreger in die Blutbahn gelangen und eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) hervorrufen, die unbehandelt nicht selten tödlich verläuft.

Kokainsucht-Folgeschäden an den Atmungsorganen

Die plötzlich auftretende und gefäßverengende Wirkung der Droge schädigt nicht nur das Herz, sondern kann beim Rauchen von Crack oder Freebase ebenfalls zu Folgeschäden an der Lunge in Form einer Kokain-induzierten Pneumopathie / Cracklunge führen. Diese kann sich durch zunehmende Atemnot, eine erhöhte Atemfrequenz und Reizhusten sowie einen Asthmaanfall äußern. In einigen Fällen entstehen bei dauerhaften Konsum Lungenödeme oder eine pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck).

Beim Sniefen werden die Nasenschleimhaut und die Nasennebenhöhlen geschädigt, so dass es zu chronischem Nasenbluten, einer Minderung des Geruchs- und Geschmackssinns bis hin zur Perforation der Nasenscheidewand kommen kann.

Sonstige Kokainsucht-Folgen

Der chronische Gebrauch der Substanz führt zu einer Schwächung des Immunsystems, zu einem starken Gewichtsverlust und zu einer verminderten Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus kann es zu Problemen bei der Wahrnehmung, Gedächtniseinbußen, motorischen Defiziten und Verwirrtheit kommen. Auch sexuelle Funktionsstörungen sind möglich.

Wird Kokain gespritzt, können lokale Infektionen verursacht werden; bei gemeinsam genutzten Spritzbestecken besteht ein erhöhtes Risiko für Hepatitis und HIV.

Bei zu hohen Dosen können sowohl bei gelegentlichem als auch chronischem Konsum Krampfanfälle hervorgerufen werden, die eine notfallmedizinische Versorgung erfordern.

Psychische Schäden der Kokainabhängigkeit

Kokain birgt ein sehr hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial, das es den Betroffenen äußerst schwermacht, mit dem Konsum aufzuhören. Schlimmstenfalls sind diese psychischen Folgeschäden irreversibel. Zu den hauptsächlichen Kokainfolgen gehören:

Depressive Verstimmungen und Dysphorie als Folge der Abhängigkeit

Menschen mit einer Kokainsucht erleben ein Wechselbad aus euphorischen Gefühlen und tiefer Niedergeschlagenheit. Während unmittelbar nach dem Konsum das Leben einfach nur schön ist, überwiegen bei nachlassender Wirkung eine tiefe Traurigkeit und Antriebslosigkeit. Der Grund dafür liegt in der stark stimulierenden Wirkung von Kokain, die den Organismus gewissermaßen zwingt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Diese geschehen durch den Ausstoß des dämpfenden Cannabinoid-Rezeptors 1 (CB1). Während Kokain eine relativ kurze Halbwertszeit besitzt und in seiner Wirkung schnell nachlässt, wird der Rezeptor weiterhin ausgeschüttet, so dass der dämpfende Effekt durch CB1 bald überwiegt. Wird nicht erneut zur Droge gegriffen, stellen die Betroffenen selbst „einfache“ Alltagstätigkeiten vor große psychische Herausforderungen. Ein Zustand, der auf Dauer zu einer inneren Zerrissenheit und gereizter Stimmung führt.

Schlafstörungen und innere Unruhe als Folgeschäden des Kokainkonsums

Durch die starke Stimulation kommt es häufig zu Schlafstörungen und innerer Unruhe, so dass Suchtkranke trotz tiefer Erschöpfung nicht abschalten und loslassen können. Viele Betroffene konsumieren sogenannte Downer wie Benzodiazepine (z. B. Lorazepam), um überhaupt zur Ruhe kommen zu können. Der Körper wird so innerhalb kurzer Zeit zwei völlig gegensätzlichen Substanzen bzw. Wirkungen ausgesetzt, was den gesamten Organismus auf Dauer stark belastet.

Kokainpsychose aufgrund einer Schädigung des Gehirns

Die Auslöser, die zu einer mit Halluzinationen und paranoiden Wahnvorstellungen einhergehenden Kokainpsychose führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Während einige Betroffene erst nach einem langjährigen Konsum von Kokain eine Psychose ausbilden, kann es umgekehrt auch nach einmaligem Gebrauch zu einer Psychose kommen. Das Krankheitsrisiko hängt mit der individuellen Disposition zusammen und lässt sich meist auf multifaktorielle Ursachen zurückführen. Typisch für eine Kokainpsychose ist der Dermatozoenwahn, bei dem die Patienten das Gefühl haben, dass sich Insekten oder Würmer unter der Haut bewegen. Für die Betroffenen entsteht ein großer Leidensdruck, der bis hin zur Selbstverletzung reichen kann, nur um dem „Krabbeln“ und „Kribbeln“ zu entkommen. Schlimmstenfalls können taktile, optische und akustische Halluzinationen chronisch werden und eine dauerhafte Medikation erfordern.

Persönlichkeitsveränderungen als Folge von Kokain

Der Konsum von Kokain erhöht Studien zufolge die Aktivität bestimmter Nervenzellen und fördert durch die hohe Dopamin-Konzentration die Lernfähigkeit des Gehirns. Dauerkokser fühlen sich dadurch besonders witzig, intelligent, kreativ und redegewandt und können ihr Umfeld mit ihrem Redezwang geradezu „totreden“, eine Eigenschaft, die normalerweise nur wenig geschätzt wird. Darüber hinaus fokussiert sich das Denken zunehmend auf die Droge, die Gefühle anderer Menschen werden gleichgültig. Je nach Persönlichkeit wirken viele Kokainabhängige aufgrund der massiven psychischen Veränderung auf ihr Umfeld arrogant und werden als unsozial wahrgenommen.

Soziale Kokainsucht-Folgeschäden

Durch das negativ veränderte Verhalten und die steigende Selbstisolation kann es zu Kontaktstörungen bis hin zum Verlust sämtlicher sozialer Bindungen kommen. Häufig treten durch den Konsum von Kokain auch finanzielle und strafrechtliche Probleme auf.

Fazit: Qualifizierter Entzug als Rettungsanker in der Suchtspirale

Die Folgen und Nebenwirkungen von Kokain sind fatal, so dass Suchtkranke alles daransetzen sollten, um möglichst schnell von der Substanz loszukommen. Obwohl eine Entzugsbehandlung von den meisten Betroffenen als hart empfunden wird, braucht niemand Angst vor einem stationären Kokainentzug zu haben. Schließlich werden die Entzugserscheinungen – sofern vorhanden – durch Medikamente und begleitende Therapien wie neuro-elektrische Stimulation (NES) und Biofeedback gelindert. Darüber hinaus stehen rund um die Uhr Ärzte und andere kompetente Ansprechpartner zur Verfügung, um den Suchtkranken bei psychischen Problemen, Motivationskrisen und sonstigen Kümmernissen aufzufangen. Das Durchhalten lohnt sich, denn am Ende der Behandlung winken ein suchtfreies Leben und ein gesünderer Körper. Weitere Informationen zur Suchttherapie erhalten Sie in jeder Suchtberatungsstelle und jeder Suchtklinik.

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