Kokain-Entzug: So gelingt der Weg aus der Sucht

Kokain gilt als Ego- und Leistungsdroge, wirkt stimulierend, macht eloquent und verleiht gewissermaßen Allmachtsgefühle. Der Stress des Alltags und die Herausforderungen des Berufs rücken in den Hintergrund; schließlich scheint mit der Droge alles machbar zu sein und der Erfolg zum Greifen nah. So ist es durchaus nachvollziehbar, dass viele Konsumenten das Hochgefühl und die Energie unmittelbar nach dem Konsum nicht mehr missen möchten. Und genau diese Konstellation macht den Kokain-Entzug und das Absetzen der Substanz so extrem schwierig.

Wie fühlt sich ein Kokain-Entzug an?

Die Folgen einer Kokain-Sucht bewirken, dass der nicht konsumierende Patient meist mit schweren Depressionen, Energielosigkeit und einem Gefühl der absoluten Leere kämpfen muss. Und das kann auch während einer Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung passieren. Schließlich ergibt sich durch den Konsumstopp eine Lücke, die erst nach und nach durch andere, gesündere Aktivitäten aufgefüllt werden muss. Die Betroffenen vermissen die Euphorie des Rausches und das damit verbundene Selbstwertgefühl. Im Gegensatz zu anderen Drogen ist bei Kokain der Suchtdruck (Craving) ganz besonders stark ausgeprägt, so dass die Kokainabhängigen den Stoff nur sehr schwer loslassen können. Dies gilt ebenfalls während des Kokain-Entzugs. Zusätzlich bestehen massive Selbstzweifel, ob der Entzug und das Leben ohne die Droge überhaupt zu schaffen sind. Grundsätzlich sind die Kokain-Entzug Symptome also eher psychischer als körperlicher Natur. Typischerweise beginnt das schlimmste Craving vor allem bei psychisch abhängig machenden Drogen wie Kokain und Cannabis oft erst in Woche 2 bis 3 der stationären Entwöhnungsphase. Eine gewisse Karenz halten viele Betroffene erst einmal aus, aber nicht durchgängig. Ein Behandlungsabbruch in dieser Phase führt bei fast allen Patienten zum Rückfall.

Weshalb ist ein kalter Kokain-Entzug zu Hause nicht zu empfehlen?

  1. Neben den bereits beschriebenen Symptomen bringt Kokain durch das Blockieren der Dopamin-Transporter das dopaminerge System massiv aus der Balance. Der synaptische Spalt wird regelrecht mit Dopamin geflutet, was mit der gleichzeitig erhöhten Serotonin- und Noradrenalin-Konzentration zu extremen Glücksgefühlen führt. Deshalb werden bei dem Betroffenen im zentralen Nervensystem nur noch unzureichend Dopamin, Serotonin und Noradrenalin gebildet. Schließlich hat sich das Gehirn daran gewöhnt, dass es durch die Wirkung der Droge selbst nahezu keine Endorphine mehr bilden musste. Das ist auch der Grund dafür, dass es bei einem Konsum-Stopp zur Entwicklung von gravierend depressiver Symptomatik kommen kann. Bis der Normalzustand wiederhergestellt ist, fehlen dem Körper also wichtige Botenstoffe, was die tiefe Depression während des Entzugs erklärt.
  2. Auf der anderen Seite hat der Abhängige durch die starke Aktivierung des Cannabinoid-Rezeptors 1 ohne eine professionelle ärztliche, therapeutische und medikamentöse Unterstützung kaum die Kraft, einen Kokain-Entzug bis zum Ende durchzuführen. Der Rezeptor wird während und nach dem Konsum von Kokain besonders angeregt, um die drogeninduzierte Hyperaktivität des Gehirns abzumildern, ist aber deutlich länger aktiv als Kokain. So klingt die stimulierende Wirkung der Droge bereits ab, während CB1 den Körper nach wie vor ausbremst und dadurch einen Energiemangel hervorruft.
  3. Erfolgt die Entgiftung als kalter Entzug, sind die Betroffenen ohne lindernde Medikamente den Entzugssymptomen völlig ausgesetzt, was zu vielen Rückfällen führt und die Motivation für jeden weiteren Kokainentzug nimmt.
  4. Um die psychische Kokainabhängigkeit zu beenden, ist es wichtig, die Ursachen und Auslöser des Konsums zu erarbeiten, zu behandeln und durch alternative Lösungsstrategien zu ersetzen. Dies geschieht in der Regel während einer Entwöhnungstherapie, die sich an die Entgiftung anschließt. Wird der Kokain-Entzug in Eigenregie durchgeführt, entfällt die Behandlung der psychischen Abhängigkeit, so dass ein Rezidiv vorprogrammiert ist.

Welche Medikamente helfen beim Kokain-Entzug?

Um das weiße Pulver endgültig hinter sich zu lassen, sollte der Kokain-Entzug ausschließlich mit ärztlicher und therapeutischer Hilfe durchgeführt und die Entzugssymptome mit geeigneten Medikamenten gedämpft werden. So können trizyklische Antidepressiva oder Benzodiazepine depressive Verstimmungen abmildern und je nach Wirkstoff auch den Antrieb steigern. Gegen paranoide Wahnvorstellungen und Psychosen können Antipsychotika gegeben werden.

Was passiert beim Kokainentzug?

Generell verläuft der Entzug von Kokain in drei Phasen, die unterschiedlich stark von Depressionen oder sogar Suizidgedanken geprägt sind.

Crash Phase

Die Crash Phase ist die erste Entzugsphase nach der Beendigung des Kokainkonsums. Sie ist hauptsächlich durch Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Selbstzweifel und Ängste gekennzeichnet.

Entzugsphase

Die eigentliche Entzugsphase folgt auf die Crash Phase und kann bis zu mehreren Wochen andauern. Depressionen, Erschöpfung und ein immenses Verlangen nach Kokain (Craving) treten auf. Gedanklich dreht sich beim Betroffenen alles um die Droge und wie sie am besten beschafft werden kann. Dadurch ist die Entzugsphase die Phase mit der höchsten Rückfallgefahr.

Löschungs-, bzw. Extinktionsphase

In der Löschungsphase ist die psychische Abhängigkeit bereits abgeschwächt und der Suchtdruck tritt nur noch schubweise auf. Ehemalige Rauscherlebnisse werden in Alpträumen erneut erlebt. Um Rückfälle zu vermeiden, ist weiterhin eine umfassende psychische Betreuung notwendig.

Wie verläuft ein Kokainentzug?

Der Ablauf und die Durchführung eines Kokainsucht-Entzugs unterscheiden sich in ihrem Aufbau nicht maßgeblich von anderen Entzugstherapien. Gemeinsam mit den Ärzten und Therapeuten durchlaufen die Patienten ein Behandlungsprogramm, welches in drei aufeinander aufbauende Schritte unterteilt ist: Entgiftung, Entwöhnung und ambulante Nachsorge.

Entgiftung

Bei der Entgiftung geht es darum, den Körper des Patienten vom Suchtmittel und dessen Abbauprodukten zu befreien. Während des Entzugs werden die Vitalfunktionen engmaschig überwacht, damit auftretende Komplikationen frühzeitig behandelt werden können.

Entwöhnung

Bei der Entwöhnung wird sich psychologisch mit den Suchtauslösern auseinandergesetzt und gemeinsam mit dem Betroffenen alternative Lösungsstrategien entwickelt, um zu verhindern, dass beim Auftreten von Problemen erneut zur Droge gegriffen wird. Ebenso werden mögliche Begleiterkrankungen und ein bestehender Mischkonsum behandelt. Häufig wird Kokain gemeinsam mit Alkohol konsumiert, so dass der Kokainentzug mit einem Alkoholentzug kombiniert werden muss.

Nachsorge

Um für eine nachhaltige Abstinenz zu sorgen, sollte eine anschließende Nachsorge mit ambulanten therapeutischen Gesprächen und dem Besuch einer Selbsthilfegruppe durchgeführt werden.

Wie lange dauert ein Kokain-Entzug?

Obwohl Kokain mit 2 bis 5 Stunden eine relativ kurze Halbwertszeit besitzt, kann es durch den dysfunktionalen Dopamin-Stoffwechsel bis zu 10 Wochen dauern, bis das natürliche Gleichgewicht der Botenstoffe wiederhergestellt ist. Somit dauert ein Kokainentzug in der Regel deutlich länger als ein Alkoholentzug. Ausschlaggebend für die Länge des Entzugs sind die Dauer und Höhe der Einnahme, eventuelle Begleiterkrankungen und der allgemeine körperliche Zustand des betroffenen Menschen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Entzugsbehandlung umso länger dauert, je größere Mengen der Droge konsumiert wurden. Eine relativ genaue Einschätzung ist allerdings erst nach einer ärztlichen Untersuchung und einem Anamnese-Gespräch möglich.

Welche Entzugskliniken stehen zur Behandlung der Abhängigkeit zur Verfügung?

Obwohl ein Kokain-Entzug immer aus den drei bereits genannten Bausteinen Entgiftung, Entwöhnung und Nachsorge besteht, gibt es je nach Klinik gravierende Behandlungsunterschiede.

Kokain-Entzug in öffentlichen Krankenhäusern, Psychiatrien und Rehakliniken

Die Kokainsucht gilt als anerkannte Erkrankung, so dass die betroffenen Menschen einen Anspruch auf eine adäquate Behandlung haben, die von den öffentlichen Kostenträgern übernommen wird. Die Entgiftung (mit oder ohne Motivationsbehandlung) gehört zum Leistungskatalog der Krankenkassen und erfolgt in einem Krankenhaus oder einer Psychiatrie.

Die Entwöhnung hingegen ist Sache der Rentenversicherung und wird in einer auf Sucht spezialisierten Rehaklinik durchgeführt, daher auch der Begriff Suchtrehabilitation. Besonders nachteilig an dieser Zweiteilung ist es, dass zwischen Entgiftung und Entwöhnung in der Regel mehrere Wochen liegen, da die Reha erst beantragt werden muss. In dieser Zeit besteht das starke psychische Verlangen nach wie vor und das Risiko für Rückfälle ist groß.

Suchtrehabilitation: Wie gehe ich am besten vor?

Kokain-Entzug in Privatkliniken

Ineinander übergehende Entgiftungen und Entwöhnungen sind meist nur in privaten Sucht-, bzw. Entzugskliniken möglich, so dass der Entzug in diesen Fachkliniken meist erfolgreicher verläuft. Dies gilt besonders für die Behandlung einer Kokainsucht, bei der das Hauptaugenmerk der Therapie auf der Überwindung der psychischen Abhängigkeit liegt. Aufgrund der starken Depressionen ist es für die Abhängigen sehr unangenehm und zuweilen nahezu unerträglich, nach der Entgiftung im Krankenhaus “im Leeren zu hängen” und auf sich allein gestellt zu sein. Darüber hinaus verläuft die Psychotherapie in einer privaten Suchtklinik aufgrund von Einzelgesprächen deutlich intensiver und zielführender als in öffentlichen Einrichtungen. Unser Kokain-Entzug Tipp ist daher die Wahl einer Privatklinik, bei der die Angehörigenarbeit aktiv gelebt wird. Schließlich ist jeder Entzug einmal zu Ende und eine nachhaltige Abstinenz hängt maßgeblich von einem stabilen Umfeld und unterstützenden Angehörigen ab.

Private Entzugsklinik: Wie wähle ich die richtige Privatklinik aus?

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