Drogenentzugsklinik: So findet man die richtige Einrichtung

Wer sich ohne einen Joint nicht entspannen oder die Party am Wochenende ohne Kokain oder andere illegale Drogen nicht genießen kann, hat die Grenzen zur Drogenabhängigkeit längst überschritten. Wenn es ohne Drogen nicht mehr geht, ist ein professionell ausgerichteter Entzug in der Regel die einzige Möglichkeit, um über das eigene Leben wieder selbst bestimmen zu können. Doch wo lässt sich ein qualifizierter Drogenentzug durchführen? Private und öffentliche Drogenkliniken stellen verschiedene Angebote zur Verfügung. Um die individuell beste Klinikform zu wählen, ist es wichtig die Unterschiede zu kennen.

Weshalb ist ein qualifizierter Entzug in einer Drogenklinik ratsam?

Die eigene Drogensucht in den Griff zu bekommen, den Körper zu entgiften und langfristig auf den Konsum zu verzichten – all das sind schwierige Aufgaben, die sich nur selten allein bewältigen lassen. Viele Menschen, die von Drogen abhängig sind und wieder die Kontrolle über ihr Leben erlangen möchten, versuchen zunächst zuhause zu entgiften, anstatt sich in eine Fachklinik zu begeben. Dieser sogenannte kalte Entzug ist jedoch körperlich wie geistig-emotional äußerst belastend. Zudem ist er nur in den wenigsten Fällen von Erfolg gekrönt. Wer daheim ohne ärztliche Betreuung entzieht, wird ohne medikamentöse Unterstützung mit den verschiedensten Entzugserscheinungen konfrontiert. Je nachdem, von welcher Substanz der Süchtige abhängig ist, sind neben anderen Symptomen Schmerzen, Wahnvorstellungen und Depressionen möglich. Teilweise können die Entzugssymptome lebensbedrohliche Formen annehmen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen. Deshalb überstehen nur die wenigsten drogensüchtigen Menschen einen kalten Entzug unbeschadet und bleiben langfristig abstinent. In der Regel wird der Versuch bereits nach kurzer Zeit abgebrochen, die Patienten greifen erneut zum Suchtmittel, um sich Erleichterung zu verschaffen.
Doch selbst wenn die physische Entgiftung erfolgreich abgeschlossen wurde, ist der Weg zu einem drogenfreien Dasein noch lange nicht abgeschlossen. Wer von Kokain, Cannabis, Heroin oder anderen Drogen abhängig ist, sieht sich anschließend mit einer weitaus schwierigeren Aufgabe konfrontiert. Schließlich muss auch das psychische Verlangen nach dem Suchtmittel überwunden werden. Dieses Entzugsstadium kann mehrere Wochen und ohne professionelle Unterstützung sogar deutlich länger dauern und birgt eine hohe Rückfallgefahr. Daher schaffen es nur die wenigsten Menschen ihre Drogensucht komplett in Eigenregie durchzustehen. Je länger die Sucht bereits besteht, umso schwieriger wird es, ohne eine qualifizierte Suchttherapie Erfolg zu haben.

Wie erfolgt der Drogenentzug?

In speziellen Therapieeinrichtungen für Drogenabhängige erfolgt der physische Entzug kontrolliert und unter ärztlicher Aufsicht. Dabei werden die Vitalfunktionen der Patienten auf der Station rund um die Uhr medizinisch überwacht. Durch die Gabe von Medikamenten können Symptome wie Schmerzen oder Depressionen gelindert werden.
Darüber hinaus ist es wichtig, die Suchtkranken durch die psychische Entwöhnung zu begleiten. Dazu gehören individuell abgestimmte Behandlungskonzepte und Maßnahmen im Rahmen einer Psychotherapie und gegebenenfalls eine weiterführende Medikation. Auch die Aufarbeitung individueller Faktoren, wie zum Beispiel psychische Erkrankungen, die überhaupt erst zur Suchtentwicklung geführt haben, steht im Mittelpunkt eines ganzheitlichen Ansatzes. Die wichtigsten Argumente, die für eine professionelle Behandlung einer Suchterkrankung sprechen, sind demnach:

  • Kontrollierte Bedingungen beim körperlichen Entzug
  • Medizinische Pflege inklusive Medikation
  • Therapeutische Betreuung während der Entwöhnungsbehandlung

Welche Therapieeinrichtungen für Drogenabhängige gibt es?

Zur Bekämpfung der Abhängigkeitserkrankung stehen öffentliche Institutionen und private Suchtkliniken zur Verfügung. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Therapieeinrichtungen sind teilweise enorm. Das betrifft nicht nur die Kosten bzw. die Kostenübernahme, sondern auch den Aufnahmeprozess sowie die Therapie- und Betreuungsangebote.

Bevor Drogensüchtige sich in einem Therapiezentrum anmelden, sollten sie entsprechend genau recherchieren und ihre Entscheidung für oder gegen eine Klinik mit Bedacht treffen.

Öffentliche Kliniken

Eine Drogenabhängigkeit wird genauso wie eine Alkoholsucht oder Medikamentensucht als Krankheit anerkannt, so dass jeder gesetzlich oder privat Krankenversicherte das Recht auf die Behandlung einer chronischen Suchterkrankung besitzt. Während des Aufenthalts in der Klinik sind die Suchtpatienten in der Regel auf einer spezifischen Station untergebracht. Die meisten Kliniken, die eine stationäre Entzugsbehandlung anbieten, sind entweder Spezialkliniken mit psychiatrischer, neurologischer oder internistischer Ausrichtung oder weisen zumindest eine entsprechende Fachabteilung vor.

So wird in einer öffentlichen Klinik meist die körperliche Entgiftung (physische Detoxikation) vollzogen. Die Entwöhnung des Patienten, die häufig auch als Rehabilitation bezeichnet wird, schließt sich in einem öffentlichen Krankenhaus nicht automatisch direkt an die Entgiftung an. Stattdessen vergehen zwischen dem körperlichen Entzug und der anschließenden therapiegestützten Entwöhnung häufig mehrere Wochen oder im schlimmsten Fall sogar Monate. Diese oftmals lückenhafte Versorgung erhöht das Rückfallrisiko des Patienten um ein Vielfaches. Um das “Craving”, d. h. das innere Verlangen nach der Droge, zu betäuben, greifen viele Abhängige erneut zur Droge. Für eine erfolgreiche und dauerhafte Entziehung ist es deshalb wichtig, dass beide Therapiephasen nahtlos ineinander übergehen.

Abhängige Menschen, die sich für den Entzug in einer öffentlichen Klinik entscheiden, müssen zuvor einen Antrag stellen und meist mit langen Wartezeiten rechnen. Unterstützung bei der Beantragung erhalten sie vom Hausarzt oder entsprechenden ambulanten Suchtberatungsstellen. Kostenträger der Maßnahme ist entweder die Rentenversicherung oder die Krankenkasse. Dabei übernimmt die Krankenversicherung in der Regel sämtliche Therapiekosten, die im Rahmen der physischen Entgiftung anfallen. Sollte der Patient sich in Arbeit befinden bzw. verschiedene spezifische Anforderungen erfüllen, tritt die Rentenversicherung als Träger der Kosten für die anschließende Entwöhnung ein. Für den Fall, dass die Rentenversicherung für die Rehabilitation nicht zuständig ist, springt die Krankenkasse normalerweise auch hier zur Kostenübernahme ein. In diesem Fall ist häufig ein Gutachten des Medizinischen Dienstes, kurz MDK, notwendig.

Private Drogenentzugskliniken

Die Behandlung in einer privaten Drogen-Entzugsklinik richtet sich in erster Linie an Selbstzahler und Privatpatienten. Die Anmeldung verläuft deutlich unkomplizierter als bei einer öffentlichen Institution. Schließlich sind hier für eine Aufnahme auf die Station nur wenige Formalitäten notwendig. Abhängig von der aktuellen stationären Belegung sind auch Sofortaufnahmen möglich. Viele private Kliniken bieten einen diskreten Abholservice an.

Um sich selbst einzuweisen, genügt es in der Regel die Suchtklinik per Telefon zu kontaktieren. Sollten Privatpatienten eine Kostenrückerstattung durch ihre Krankenversicherung wünschen, wird eine Überweisung durch den behandelnden Arzt empfohlen. In vielen Fällen werden von der Kasse jedoch lediglich die Kosten für die Entgiftung übernommen. Der entsprechende Kostenübernahmeantrag wird von der Klinik gestellt.

Der größte und wichtigste Unterschied zu einer öffentlichen Drogenklinik besteht darin, dass private Klinikangebote Entgiftung und Entwöhnung direkt aneinanderkoppeln. Beide Behandlungsaspekte der Suchtmedizin gehen hier Hand in Hand und dementsprechend nahtlos ineinander über und beinhalten eine Psychotherapie und andere therapeutische Angebote zur Überwindung psychischer Suchtursachen. Dabei wird der Behandlungsplan individuell auf den Abhängigkeitskranken abgestimmt. Neben dem auf diese Weise verringerten Rückfallrisiko und dem zeitlichen Vorteil gibt es weitere Pluspunkte, die für eine private Suchtklinik sprechen:

  • Ärzte und Therapeuten sind bereits vertraut
  • Medikation ist bekannt
  • Betreuung durch ein multiprofessionelles Team
  • Kontinuierliche Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag

Besonders der Aspekt der Vertrautheit von Umgebung und behandelndem Team ist für Drogensüchtige enorm wichtig. Schließlich brauchen sie zur erfolgreichen Auseinandersetzung mit der Sucht einen geschützten Rahmen und kompetente Behandler, denen sie sich anvertrauen können. Ein Kriterium, das bei der Entgiftung und Entwöhnung in einem öffentlichen Krankenhaus meist nicht erfüllt wird. Schlimmstenfalls müssen die Betroffenen ihre individuelle Geschichte wieder und wieder erzählen und werden dadurch in ihrer Motivation deutlich ausgebremst.

Welche private Drogenentzugsklinik ist die richtige?

Im Vergleich zu einer “öffentlichen” Entzugstherapie sind Drogenabhängige bei der Wahl einer privaten Klinik völlig frei. Verschiedene Faktoren können hierbei eine Rolle spielen:

  • Behandlungskonzept und Therapien
  • Ausstattung der Klinik
  • Zertifizierungen und Qualifikationen
  • Kosten und Unterbringung
  • Lage

Damit ein suchtkranker Mensch sich mit einem guten Gefühl in einer passenden Einrichtung anmelden kann, bieten viele Kliniken Besichtigungsmöglichkeiten sowie individuelle Erstgespräche an. Bei diesen Terminen erfahren Patienten nicht nur, was während der Entgiftung auf sie zukommt, sondern erhalten überdies Details über die anschließende Drogenentwöhnung und weitere Informationen zum stationären Ablauf. Ebenso werden die Kosten und sonstige Formalitäten geklärt. Auch mögliche Ängste seitens des Patienten können angesprochen und Alias-Namen zur Wahrung der Anonymität vergeben werden. Auf diese Weise wird ein ganzheitlicher Therapierahmen geschaffen, in dem sich die Suchtkranken wohlfühlen. Je nach individueller Situation kann es zudem hilfreich sein, Familienangehörige wie Eltern oder Partner zum Besichtigungstermin in der Entzugsklinik mitzubringen.

Süchtig was nun?

Die ersten Schritte in ein besseres Leben.

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