Alkoholsucht

Alkoholentwöhnung

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Alkoholentwöhnung dient der Überwindung der psychischen Abhängigkeit.
  • Im Fokus steht unter anderem die verhaltens- und tiefenpsychologische Therapie.
  • Suchtursachen und -mechanismen werden identifiziert und aufgearbeitet.
  • Ziele sind unter anderem: Abstinenzstabilisierung, Rückfallprävention, Suchtverlangen überwinden
  • Idealerweise beginnt die Entwöhnung schon während des stationären Aufenthalts und wird anschließend ambulant fortgeführt.

Was ist eine Alkoholentwöhnung?

Die Alkoholentwöhnung ist Bestandteil eines qualifizierten Alkoholentzugs und setzt nach der körperlichen Entgiftung ein. In der Entwöhnung werden die individuellen Suchtursachen sowie suchtfördernde Verhaltensweisen therapeutisch aufgearbeitet. Ziele sind die Entwicklung alternativer Strategien und Lösungsansätze sowie die psychische Lösung vom Suchtmittel. Zusätzlich wird ein Rückfallpräventionskonzept erarbeitet.

Was ist der Unterschied zwischen Alkoholentwöhnung und Alkoholentzug?

Alkoholentzug und Alkoholentwöhnung sind keine konkurrierenden Entzugsmöglichkeiten. Stattdessen ist die Alkoholentwöhnung in den Alkoholentzug integriert. Dieser besteht nämlich idealerweise aus drei Phasen:

  • Entgiftung
  • Entwöhnung
  • Nachsorge

Qualifizierte Entzugsbehandlung umfasst körperliche, psychische und soziale Aspekte

Wer sich vom Alkohol entwöhnen und mit dem Trinken aufhören will, sollte eine qualifizierte Entzugsbehandlung in Anspruch nehmen. Diese umfasst neben der rein körperlichen Entgiftung (Intoxikationsbehandlung und Behandlung von Entzugssymptomen) auch die Auseinandersetzung mit psychischen, sozialen oder physischen Faktoren, welche die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung einer Sucht begünstigen1. Die Aufarbeitung der Suchtursachen erfordert dementsprechend ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen und vielen weiteren Therapeuten.

Privatkliniken bieten vielfach ein breiteres Therapieangebot und eine höherfrequente Therapie als Krankenhäuser. Es ist daher empfehlenswert, sich im Vorfeld über die konkreten Klinikleistungen zu informieren, um den bestmöglichen Behandlungserfolg und eine langfristige Abstinenz zu erreichen.

Qualifizierte Entzugsbehandlung erhöht Abstinenzerfolg

In der S3-Leitlinie zu Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen wird darauf hingewiesen, dass die qualifizierte Entzugsbehandlung (inklusive psychischer Entwöhnung) zu Vorteilen in Bezug auf Abstinenzrate, Abstinenzzeit und weiteren relevanten Merkmalen führen kann – insbesondere im Vergleich zu einer alleinigen körperlichen Entgiftung2.

Alkoholentwöhnung: Person lehnt Getränk ab
Alkoholentwöhnung: Person lehnt Getränk ab

Kann man sich alleine vom Alkohol entwöhnen?

Den chronischen Alkoholkonsum beenden und sich aus der Alkoholabhängigkeit lösen – viele Betroffene versuchen dies zunächst in Eigenregie. Sie entscheiden sich für einen kalten Entzug (ohne ärztliche Begleitung), der nicht nur gefährlich, sondern auf lange Sicht für die meisten Suchtkranken auch höchst ineffektiv ist. Das liegt daran, dass die Komponente der Entwöhnung fehlt.

Erkennen von Suchtursachen

Die Aufarbeitung von Suchtursachen, die für eine psychische Entwöhnung essenziell ist, funktioniert in der Regel nicht in Eigenregie. Selbst wenn die auslösenden Faktoren bekannt sind, mangelt es den Erkrankten doch an alternativen Handlungsstrategien.

Kognitive Verhaltenstherapie unterstützt Entwöhnung

Im Rahmen einer professionellen psychotherapeutischen Behandlung können Handlungsalternativen entwickelt und im sicheren Rahmen geübt werden. In Kliniken hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als essenzieller Ansatz zur Behandlung alkoholkranker Menschen etabliert3.

Wann ist eine Alkoholentwöhnung notwendig?

Eine psychische Abhängigkeit von Alkohol ist unter anderem durch ein extremes Verlangen nach dem Suchtmittel gekennzeichnet. Dieses bezeichnet man auch als Craving. Sowohl im derzeit geltenden Diagnosemanual ICD-10 als auch in der Neufassung ICD-11, die noch nicht im klinischen Bereich eingesetzt  wird, ist das Suchtverlangen ein wichtigstes Kriterien für die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit4,5. Der Suchtdruck entsteht im Zuge der durch den Alkoholkonsum hervorgerufenen Umstrukturierungen im Gehirn und ist bislang noch irreversibel, kann sich also nicht zurückbilden.

Ein stark ausgeprägtes Suchtgedächtnis ist für Alkoholiker eine große Herausforderung, denn selbst nach Jahren der Abstinenz kann es sich plötzlich bemerkbar machen und ein derart intensives Verlangen auslösen, dass ein Rückfall provoziert wird6. In der Entwöhnung lernen Betroffene einer Alkoholabhängigkeit, wie sie mit diesem Suchtverlangen umgehen.

Mann mit Glas hinterfragt Alkoholkonsum
Mann mit Glas hinterfragt Alkoholkonsum

Wie lange dauert eine Alkoholentwöhnung?

Suchtkranke mit einer Abhängigkeit von Alkohol können zwischen stationären und ambulanten Varianten der Entwöhnung wählen. Die Studienlage zeigt, dass beide Therapie-Optionen zu signifikanten Ergebnissen führen können7.

Dauer der Therapie wird von vielen Faktoren beeinflusst

  • Wird die Therapie ambulant oder stationär durchgeführt?
  • Wie lange besteht die Alkoholabhängigkeit bereits?
  • Existieren (psychische) Begleiterkrankungen?
  • Wie steht es um die individuelle Disposition des Patienten?
  • In welchem sozialen Umfeld bewegt sich der Betroffene?

Spezielle Kliniken bieten Alkoholentzug ab 4 Wochen

Eine pauschale Angabe in Wochen oder Monaten ist weder möglich noch empfehlenswert. Genauso individuell wie die Pfade, die hin zum krankhaften Trinken geführt haben, sind auch die Wege, die aus der Suchterkrankung hinausführen. Gute Privatkliniken haben etablierte Konzepte für die qualifizierte stationäre Behandlung, bei denen der gesamte Behandlungsprozess (inklusive psychischem und körperlichem Entzug und der Alkoholentwöhnung) binnen 28 Tagen durchgeführt wird.

Wie läuft eine Alkoholentwöhnung ab?

Die Therapie wird normalerweise stets individuell auf den suchtkranken Menschen zugeschnitten, ganz gleich, ob Patienten an einer stationären Alkoholentwöhnung in einer Klinik oder an einem ambulanten Behandlungskonzept teilnehmen. Schließlich sind die Ursachen, die zum chronischen Trinken führen, sehr individuell und müssen auch entsprechend aufgearbeitet werden.

Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Gesprächstherapie

Wird die Entwöhnungsbehandlung im Rahmen eines qualifizierten Alkoholentzugs in einer Klinik durchgeführt, setzt sich die Behandlung meist aus Einzel- und Gruppentherapien zusammen. Tiefen- und verhaltenspsychologische Grundlagen helfen dem Betroffenen dabei, die eigene Suchterkrankung zu verstehen, typische Muster zu erkennen und suchtfördernde Verhaltensweisen zu identifizieren.

Kreativtherapeutische Therapien

Neben den gesprächstherapeutischen Anteilen sind normalerweise auch begleitende Therapieangebote wichtiger Teil der Behandlung: Damit die Patienten lernen, auch ohne Alkohol wieder Freude am Leben zu haben, den Suchtdruck kontrollieren lernen und neues Selbstbewusstsein aufbauen können, werden meistens weitere Therapien angeboten, z. B. Kunst-, Sport- und Musiktherapie.

Wer bietet Hilfe bei einer Alkoholentwöhnung?

Der erste und wichtigste Ansprechpartner für Menschen, die mit dem Trinken aufhören möchten, ist normalerweise der eigene Hausarzt. Dieser kennt nicht nur die persönliche Krankengeschichte, sondern kann auch zahlreiche Hilfestellungen mit Blick auf den Entzug in einer Klinik bieten.

Wer mit seinem Alkoholproblem bei einer neutralen Anlaufstelle vorstellig werden möchte, entscheidet sich häufig für eine (anonyme) Suchtberatung. Entsprechende Angebote sind mittlerweile nicht nur in größeren, sondern auch in mittleren und vielen kleinen Städten vorhanden.

Die schnellste und direkteste Hilfe im Kampf gegen den Alkohol bekommen Betroffene meist in privaten Suchtkliniken: Hier erhalten sie alle Informationen über den Entzug mit medikamentöser Unterstützung sowie die anschließende Entwöhnungsbehandlung. Viele Kliniken können zudem bei freien Kapazitäten zeitnah und unbürokratisch einen Aufnahmetermin für die stationäre Behandlung anbieten.

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Quellenliste

1 Handlungsempfehlungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV), der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) für die Verbesserung des Zugangs nach qualifiziertem Entzug in die medizinische Rehabilitation Abhängigkeitskranker vom 1. August 2017, https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Nahtlosverfahren_qualifizierter_Entzug_Suchtrehabilitation.pdf (Datum des Zugriffs 04.01.2023)

2 Federführende Fachgesellschaften:
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)
Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-SUCHT)
Titel der Leitlinie: “Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen” Auflage/Version Datum: Dezember 2020, S. 85 f. Verfügbar unter: Link zur Seite Der Leitlinie bei der AWMF: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/076-001.html
Zugriff am (Datum): 26.07.2022

BPtK Bundespsychotherapeutenkammer „Leitlinien-Info: Alkoholstörungen“, S. 13, https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2019/04/bptk_Leitlinien-Info_Alkoholstörungen-1.pdf (Datum des Zugriffs: 26.07.2022)

4 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, ICD-10-GM Version 2021, „Kapitel V Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99); Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen“, https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2021/block-f10-f19.htm (Datum des Zugriffs: 26.07.2022)

5 Heinz, Andreas et al. „ICD-11: Änderungen der diagnostischen Kriterien der Substanzabhängigkeit“, In: Der Nervenarzt, Ausgabe 1/2022, Print ISSN: 0028-2804 , Elektronische ISSN: 1433-0407, https://doi.org/10.1007/s00115-021-01071-7https://www.springermedizin.de/sucht/suchterkrankungen-in-der-hausarztpraxis/icd-11-aenderungen-der-diagnostischen-kriterien-der-substanzabha/18864874 (Datum des Zugriffs: 26.07.2022)

6 Biermann, Daniela „Das süchtige Gehirn“, In: PZ Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 19/2008, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-192008/das-suechtige-gehirn/ (Datum des Zugriffs: 26.07.2022)

7 Bloomfield, Kim et al. „Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen“, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert Koch Institut, Statistisches Bundesamt, Heft 40, 2008, S. 23, https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/alkoholkonsum.pdf?__blob=publicationFile  (Datum des Zugriffs: 26.07.2022)