Alkoholmissbrauch: Die unterschätzten Folgen des Alkoholabusus

Alkohol hat als Genussmittel eine lange Tradition, die bis ins Alte Ägypten zurückreicht. Bereits damals schätzten die Menschen neben dem Geschmack seine berauschende Wirkung. Auch heute ist der regelmäßige Konsum für viele Menschen ein normaler Bestandteil des Alltags. Das Feierabendbier am Abend, ein Sekt zu Silvester, die Bowle auf dem Sommerfest, der Wein zum Geburtstag und diverse Cocktails in der Bar – diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Dennoch gilt nicht jedes Gläschen als riskanter Alkoholkonsum oder Alkoholismus. Ausschlaggebend ist die Menge und die Häufigkeit des Alkoholgenusses. Wer ab und zu ein Gläschen Alkohol trinkt, muss in der Regel keine gesundheitlichen Folgen befürchten. Mit zunehmender Trinkmenge und -häufigkeit steigt jedoch das Risiko für gesundheitliche Schäden.

Ab welchen Mengen ist Alkohol schädlich?

Welche Menge Alkohol für den Einzelnen unbedenklich ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Schließlich kann jeder Mensch aufgrund seiner individuellen körperlichen Verfassung eine unterschiedliche Menge an Alkohol vertragen. Das liegt unter anderem am Alter des Konsumenten, am Gewicht und an einer abweichenden Abbau-Geschwindigkeit. Aus medizinischer Sicht gilt für Frauen ein Glas (0,3 Liter) Bier und für Männer zwei Gläser Bier (0,6 Liter) pro Tag als unbedenklich. Allerdings sollten beide Geschlechter an mindestens zwei Tagen in der Woche komplett auf Alkohol verzichten.

Alkoholmissbrauch vs. Alkoholabhängigkeit: Was ist der Unterschied?

Auch wenn die beiden Begriffe Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit / Alkoholsucht häufig synonym verwendet werden, gibt es einige Unterschiede zwischen beiden Krankheitsbildern.

So findet sich in der üblichen Alkoholmissbrauch-Definition der Hinweis, dass es sich hierbei um ein normabweichendes Verhalten handelt. Das heißt, dass eine Person mehr Alkohol konsumiert, als es gesellschaftlich üblich ist. Experten sprechen von Alkoholmissbrauch (alternativ: Alkoholabusus oder schädlicher Gebrauch), wenn eine Person so viel oder so häufig Alkohol konsumiert, dass dieser Konsum negative Auswirkungen hervorruft. Hierzu zählen u. a.:

  • gesundheitliche Schäden: Alkoholbedingte Erkrankungen
  • psychische Veränderungen: Gereiztheit, depressive Verstimmungen
  • gesellschaftliche Konsequenzen: Verkehrsunfälle oder ähnliche folgenschwere Ereignisse
  • berufliche Folgen: Verlust des Arbeitsplatzes, schwerwiegende Fehler
  • private Folgen: Trennung vom Partner

Im Gegensatz dazu ist die Alkoholabhängigkeit durch einen zusätzlichen Kontrollverlust und dem starken Verlangen nach der Substanz gekennzeichnet. Die betroffene Person ist nicht mehr in der Lage, ihren Alkoholkonsum dauerhaft zu kontrollieren. In vielen Fällen entsteht eine Alkoholsucht aus einem erhöhten Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Übergänge sind jedoch fließend und verlaufen von den Betroffenen und ihren Angehörigen oftmals unbemerkt.

Alkoholmissbrauch: Was ist die Definition nach ICD-10?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Alkoholmissbrauch in ihrem international anerkannten Diagnose-Klassifikationssystem ICD-10 wie folgt definiert. Ein Alkoholabusus liegt immer dann vor, wenn:

  • der Alkoholkonsum bereits zu körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen geführt hat.
  • der Alkoholmissbrauch seit mindestens einem Monat besteht oder es in den letzten 12 Monaten mehrmals zu einem schädlichen Gebrauch von Alkohol gekommen ist.
  • keine Alkoholabhängigkeit vorliegt.

Alkoholabhängigkeit und Alkoholabusus sind nach ICD-10 also verschiedene Diagnosen, die sich gegenseitig ausschließen. Beiden gemeinsam ist jedoch, dass sie gesundheitliche, persönliche und gesellschaftliche Folgen haben können.

Welche Folgen hat ein chronischer Alkoholmissbrauch?

Auf lange Zeit kann ein starker Alkoholabusus massive körperliche Schäden verursachen, die teilweise nicht mehr umkehrbar sind und mit einer Verkürzung der Lebenszeit einhergehen. Insbesondere die Leber, die für den Alkoholabbau im Körper zuständig ist, nimmt bei übermäßigem Alkoholkonsum Schaden. Sie verfettet, weil sie die konsumierte Menge Alkohol nicht mehr abbauen kann. Hört der Betroffene früh genug mit dem Trinken auf, kann sich die Fettleber wieder vollständig zurückbilden. Anders sieht es dagegen aus, wenn der Alkoholkonsum fortgeführt wird und sich eine Leberzirrhose entwickelt. Hierbei schrumpft die Leber und kann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Dies wirkt sich auch auf den Stoffwechsel, die Blutgerinnung und sogar den Hormonhaushalt aus.

Neben der Leber tragen auch andere Organe Schäden durch übermäßigen Alkoholkonsum davon, unter anderem das Gehirn. Ein einzelner Alkoholrausch zerstört Millionen von Gehirnzellen, was langfristig zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen führt. Ebenso erhöht sich das Risiko für Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magenbeschwerden und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Studien weisen zudem darauf hin, dass ein übermäßiger Alkoholkonsum das Krebsrisiko erhöht. Insbesondere steigt die Gefahr für Tumore im Mund und in der Speiseröhre, für Leber- und Darmkrebs und Brustkrebs bei Frauen. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann zu schweren Schädigungen des neugeborenen Kindes führen.

Auch psychische Störungen können zu den Symptomen eines Alkoholmissbrauches zählen. So beobachten Angehörige immer wieder Persönlichkeitsveränderungen an den Betroffenen. Diese äußern sich unter anderem in einer inneren und äußeren Unruhe und Unzuverlässigkeit, einer erhöhten Reizbarkeit sowie Wut- und Eifersuchtsanfällen, Ängsten und depressiven Verstimmungen. Nicht selten sind die Veränderungen so gravierend, dass sie negative soziale Folgen bis hin zum völligen sozialen Abstieg nach sich ziehen. So sind Ehescheidungen und Familienstreitigkeiten vielfach eng mit einem chronischem Alkoholkonsum verbunden.

Welche Risiken sind mit einem Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen verbunden?

Bei Kindern und Jugendlichen gilt regelmäßiger Alkoholkonsum als besonders gefährlich, da die körperliche, psychische und geistige Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und durch Alkohol massiv beeinträchtigt werden kann. Insbesondere im Kindesalter können schon kleinste Mengen Alkohol gravierende Folgen und schwere Schäden wie Vergiftungen verursachen. Deshalb ist es Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren laut Jugendschutzgesetz grundsätzlich verboten, Alkohol zu konsumieren. Ab einem Alter von 16 Jahren ist der Konsum von Bier und Wein gesetzlich erlaubt. Für den Konsum hochprozentiger alkoholischer Getränke sieht der Gesetzgeber ein Mindestalter von 18 Jahren vor.

Vielfach werden die gesetzlichen Vorgaben in der Pubertät jedoch nicht eingehalten. So möchten manche Jugendliche unbedingt den Geschmack oder die Wirkung von Alkohol ausprobieren. Anderen dagegen ist die gefährliche Wirkung von Alkohol nicht bewusst oder auch egal, so dass ihnen das Maß für ihren Konsum verlorengeht. Die Folge sind Alkoholexzesse wie Komasaufen oder Binge-Drinking, die bei einigen Jugendlichen in einer akuten Alkoholvergiftung enden. Neben diesen sofortigen Gesundheitsgefahren erhöht der Alkoholkonsum in jungen Jahren auch das Risiko für einen späteren Alkoholmissbrauch als Erwachsener oder eine Alkoholabhängigkeit. Deshalb ist es von größter Bedeutung, dem Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich entgegenzuwirken. Teenager-Eltern sollten besonders aufmerksam sein und auf mögliche Warnsignale achten.

Woran können Eltern einen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen erkennen?

Neben dem offensichtlichen Alkoholkonsum gibt es noch weitere Anzeichen, die für einen schädlichen Alkoholgebrauch bei Jugendlichen sprechen können. Hierzu gehören:

  • Filmrisse nach dem Konsum von Alkohol
  • Verhaltensveränderungen (wie gesteigerte Aggressivität)
  • Vergesslichkeit
  • neuer Freundeskreis
  • Vernachlässigung der bisherigen Hobbys
  • Schulschwänzen
  • finanzielle Probleme

Wenn Sie diese Hinweise bei Ihren Kindern entdecken und den Verdacht auf einen missbräuchlichen Umgang mit Alkohol hegen, scheuen Sie sich bitte nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ansprechpartner hierfür sind die örtlichen Suchtberatungsstellen oder qualifizierte Suchtkliniken.

Wann ist eine Alkoholtherapie angeraten?

Wenn der Alkoholkonsum über die als unbedenklich geltenden Mengen und Häufigkeiten hinausgeht, kann eine Alkoholtherapie helfen, den Missbrauch zu beenden und gefährliche Folgen zu vermeiden. Dies ist unbedingt anzuraten, wenn Sie bereits folgende Anzeichen bei sich feststellen:

  • Sie trinken immer häufiger Alkohol.
  • Sie trinken immer größere Alkoholmengen.
  • Sie können sich nach übermäßigem Alkoholkonsum an nichts mehr erinnern (Blackout).
  • Sie verspüren eine innere Unruhe, wenn Sie nichts getrunken haben.
  • Sie haben kein Interesse mehr an Ihren Hobbys.
  • Sie geraten mit Ihren Angehörigen, Freunden oder Kollegen über das Thema Alkohol in Streit.
  • Sie erleben grundlos eine starke Wut oder Eifersucht.
  • Sie leiden an Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen.

Was ist der typische Ablauf einer Alkoholtherapie?

Voraussetzung für die Behandlung des Alkoholmissbrauchs ist die Einsicht des Betroffenen. Oft ist das der schwierigste Schritt der Behandlung, denn vielen Menschen ist ihr problematisches Konsumverhalten überhaupt nicht bewusst. Hinzu kommt, dass sie sich schämen oder Angst vor einer Therapie haben. Diese Angst muss ihnen genommen werden und durch die Motivation zum Alkoholverzicht ersetzt werden. Sie müssen erfahren, welche Lebensqualität und gesundheitlichen Vorteile mit einem therapeutisch unterstützten Alkoholverzicht verbunden sind. Grundsätzlich ist eine Behandlung zu diesem Zeitpunkt einfacher, als wenn sich bereits eine Alkoholabhängigkeit mit Kontrollverlust entwickelt hat.

Wer sich für eine Alkoholtherapie entscheidet, muss zunächst einen qualifizierten Alkoholentzug durchführen, bei dem der Schwerpunkt im Vergleich zur Alkoholabhängigkeit weniger auf der körperlichen Entgiftung als auf der psychologischen Bearbeitung de Konsummuster liegt. Hierzu ist ein stationärer Aufenthalt in einer spezialisierten Suchtklinik zu empfehlen, der in der Regel vier Wochen dauert. Während dieser Zeit werden die Patienten nicht nur medizinisch betreut, sondern auch therapeutisch begleitet. Schließlich ist es für eine langfristige Abstinenz wichtig, die Ursachen des Alkoholmissbrauchs herauszufinden, alternative Lösungen zu erarbeiten und einzuüben, wie Rückfälle vermieden  werden können.

 

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Die ersten Schritte in ein besseres Leben.

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