Kokainsucht – Die Gier nach dem weißen Pulver

Als Party- und Luxusdroge wird Kokain einerseits von Promis und hochrangigen Managern unter Leistungsdruck konsumiert. Andererseits gönnen sich aber auch immer mehr Personen außerhalb der High Society gerne eine “Line”, um sich gut zu fühlen und vom Stress des Alltags abzuschalten. So belegen Wasserproben des Mains bei Frankfurt durch den Nachweis des Kokain-Abbauproduktes Benzoylecgonin einen im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich gesteigerten Kokainkonsum. In Berlin haben sich die Kokain-Spuren im Abwasser innerhalb von 3 Jahren verdoppelt. In vielen Großstädten ist es mittlerweile sogar möglich, die Substanz per Taxi zu ordern. Der Kokain-Konsum scheint also für viele Menschen bereits zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein. Allerdings zahlen die Betroffenen für den kurzfristigen Rausch einen hohen Preis. Ist das erste euphorische Stadium des Kokainrausches vergangen, folgt schließlich unweigerlich der emotionale Absturz. Die extrem antriebslosen und depressiven Konsumenten greifen meist erneut zur Droge, um aus dem Stimmungstief wieder herauszukommen. So entsteht eine Abwärtsspirale, die in zahlreichen Fällen geradewegs in eine Kokainsucht führt.

Was ist eigentlich Kokain?

Das aus den Blättern des in Südamerika beheimateten Coca-Strauches gewonnene kristalline Pulver gilt bei Suchtexperten aufgrund der sehr schnell eintretenden psychischen Abhängigkeit als äußerst gefährliche Droge. Der Verkauf und Konsum sind daher illegal. Die auch als Schnee, Weißes Gold oder Nose Candy bezeichnete Substanz wirkt stark stimulierend und euphorisierend und vermittelt Konsumenten nach der Einnahme das kurzzeitige Gefühl, leistungsfähiger und eloquenter zu sein. Dabei hängt die Dauer der Wirkung von der Konsumart ab.

Am häufigsten wird das Pulver als Koks nasal eingenommen, also durch die Nase geschnupft. Die Wirkung erfolgt nach 2 bis 3 Minuten und kann bis zu 45 Minuten anhalten. Es kann jedoch ebenso oral über das Rauchen von Crack oder intravenös (meist bei einer bestehenden Kokainsucht) eingenommen werden. Die schnellste Wirkung erzeugt der Stoff, wenn er geraucht wird. Hier ist bereits nach 8 bis 10 Sekunden mit einem euphorischen Effekt zu rechnen, der allerdings nur 5 bis 10 Minuten andauert. Durch eine direkte, intravenöse Einnahme des Suchtstoffes verfällt der Konsument nach 30 bis 45 Sekunden in den Rauschzustand, welcher bis zu 20 Minuten anhalten kann.

Wann kommt es zu einer Kokainsucht?

Wie bei allen Suchtmitteln gibt es auch beim Kokain keinen bestimmten Suchtcharakter, der besonders gefährdet ist, eine Kokainsucht zu entwickeln. Jedoch spielt das soziale Umfeld besonders bei Jugendlichen eine sehr große Rolle. Schließlich möchte niemand bei seinen konsumierenden Freuden der Außenseiter sein oder gar als spießig gelten. Dass die Freunde bei weitem kein gutes Vorbild sind und ein hohes gesundheitliches Risiko eingehen, wird von den Betroffenen dabei meist nicht beachtet.

Ebenso sind Menschen mit Selbstwertproblemen oder starkem Stress eher gefährdet als ausgeglichene und in sich ruhende Personen, die gut mit Belastungen umgehen können. Familiäre und genetische Einflüsse nehmen ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung einer möglichen Kokain-Abhängigkeit. Insgesamt ist das Entstehen einer Kokainabhängigkeit ein multifaktorielles Geschehen und meist auf mehrere Ursachen zurückzuführen.

Wie schnell wird man von Kokain abhängig?

Durch die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke und die Freisetzung des Glückshormons Dopamin im synaptischen Spalt besitzt Kokain ein sehr hohes Suchtpotenzial. Neben Heroin gilt die Droge Kokain als die Substanz mit dem höchsten Abhängigkeitsrisiko. So sorgen schon wenige Gramm Kokain für ein starkes Wohlgefühl, eine erhöhte Leistungsfähigkeit, eine vermehrte Wachsamkeit und die Unterdrückung von Hunger und Müdigkeit. Die Betroffenen fühlen sich unbesiegbar und dem Rest der Welt überlegen, so dass sie dieses Gefühl schnellstmöglich wieder erleben möchten. Bei längerem und vor allem häufigen engmaschigen Konsum folgen auf die nachlassende Wirkung der Droge meist schwere Depressionen, welche die Betroffenen nur durch eine neue “Line” aushalten können. Die Abstände zwischen den einzelnen Konsumphasen werden immer geringer und die Dosierung wird meist gesteigert. Es kann bereits nach wenigen Einnahmen zu einer Toleranzentwicklung und einer Kokainsucht kommen.

Wie verläuft ein Rauschzustand?

Ein Kokainrausch ist durch mehrere Phasen gekennzeichnet, die nacheinander durchlaufen werden. Der Rauschzustand beginnt mit der euphorischen Phase, in der es zu einem erhöhten Selbstwertgefühl, einem gesteigerten Antrieb und einer stärkeren Sinneswahrnehmung kommt. Ein erhöhtes sexuelles Verlangen ist ebenfalls typisch für die euphorische Phase. Auf diese Phase folgt das Rauschstadium, in dem die Konsumenten leider auch akustische Halluzinationen, Wahnvorstellungen wie den Dermatozoenwahn und paranoide Stimmung erleben können. Die letzte und schwierigste Phase ist das Endstadium, in der sich das Blatt durch die gegenteilige Wirkung der Droge um 180 Grad wendet. Schließlich kommt es zu depressiven Stimmungen, mangelnder Energie, Schuldgefühlen, Niedergeschlagenheit und schlimmstenfalls zu Suizidgedanken. Besonders fatal an dieser Wirkung ist es, dass psychisch gesunde Menschen durch die Wirkung der Droge dermaßen beeinträchtigt werden, dass sie ihr Leben nach kürzester Zeit ohne den Kokain-Konsum nicht mehr ertragen können. Unter dauerhaftem Kokainkonsum funktionieren nämlich auch unsere eigenen endogenen natürlichen Glückshormone nicht mehr.

Wie wird eine Kokain-Abhängigkeit diagnostiziert?

Grundsätzlich unterscheidet das ICD-10 Diagnose-Manual der WHO zwischen einer Kokain-Vergiftung, einem Kokainmissbrauch, einer Kokainsucht und weiteren Krankheitsbildern (F14.0 bis F14.9). Der Konsum der illegalen Droge kann durch bestimmte Laboruntersuchungen (Blut, Urin und Haare) belegt werden, spricht aber nicht zwangsläufig für eine Kokain-Abhängigkeit. Letztendlich müssen hier neben dem reinen Konsum noch weitere Diagnosekriterien erfüllt werden, von denen 3 innerhalb des letzten Jahres gleichzeitig aufgetreten sein müssen:

  • Domination des Alltags durch die Droge
  • Psychische und physische Entzugssymptome bei Beendigung oder Pausierung der Einnahme
  • Kontinuierliche Einnahme trotz bereits auftretender Nebenwirkungen
  • Konsum von immer höheren Dosierungen durch Toleranzentwicklung
  • Kontrollverlust über den Zeitpunkt, Zeitraum der Einnahme und die Menge des Suchtmittels
  • Starkes Verlangen nach der Substanz, auch Craving genannt

Die Verifizierung der einzelnen Kriterien erfolgt normalerweise über Patienten-Interviews, die aber nur dann erfolgreich zur Diagnostik beitragen können, wenn sie wahrheitsgemäß beantwortet werden. Darüber hinaus können Langzeitfolgen wie eine dauerhaft geschädigte Nasenscheidewand (im schlimmsten Fall entstehen richtige Löcher), chronisches Nasenbluten oder eine Crack-Lunge mögliche Anzeichen auf eine Kokainsucht sein.

Was sind die generellen Folgen einer Kokain-Abhängigkeit?

Langfristiger Kokainkonsum führt meist nicht nur in eine psychische Abhängigkeit, sondern kann auch für eine chronische Störung des Nervensystems und Schäden des Gehirns sorgen. Ebenfalls leiden Abhängige in der Regel unter erhöhtem Blutdruck, der zu einem fünffach höheren Schlaganfall-Risiko führt. Zu den psychischen Langzeitfolgen gehören sexuelle Funktionsstörungen, dauerhafte paranoide Wahnvorstellungen (Kokain-Psychose), Depressionen, Schlafstörungen und innere Unruhe.

Aufgrund einer Kokainsucht kann sich ebenfalls die Persönlichkeit langfristig ins Negative verändern. So werden Betroffene nach einiger Zeit meist antisozialer und narzisstischer bis hin zu einem sogenannten Laberflash. Soziale Kontakte und Beziehungen werden für den Konsumenten immer unwichtiger, alles dreht sich nur noch um den ultimativen Kick. In einigen Fällen kommt es als langfristige Konsequenz zu einer kompletten sozialen Isolation.

Welche weiteren Einnahmerisiken sind mit dem Konsum von Kokain verbunden?

Neben dem akuten Risiko einer Kokainvergiftung unterscheiden sich die Risiken je nach Konsumart. So kann es beispielsweise beim Rauchen von Crack zu einer sogenannten Cracklunge in Kombination mit Blutspucken und Sauerstoffmangel im Blut kommen. Durch regelmäßiges Schnupfen bzw. Schniefen entstehen Verletzungen der Nasenschleimhaut, die sich durch häufiges Nasenbluten und eventuell auch eine Beeinträchtigung bis hin zum Verlust des Geruchssinns bemerkbar machen. Beim Spritzen / Injizieren von Kokain ist das Risiko einer lokalen Infektion gegeben.

Welche Formen des Mischkonsums kommen bei einer Kokain-Sucht häufig vor?

Beim Mischkonsum mit anderen psychotropen Substanzen verstärken sich die Risiken. So kann es bei dem gleichzeitigen Konsum von Alkohol und Kokain schnell zu einer Alkoholvergiftung kommen, da die Wirkung von Alkohol im Kokain bedingten Rauschzustand kaum bemerkt wird. Ebenso ist eine dehydrierende Wirkung möglich, die schlimmstenfalls zu einem Kreislaufkollaps führen kann. Bei der Einnahme von Kokain und Nikotin ist ebenfalls Vorsicht geboten, da sich hier die Blutgefäße massiv verengen, so dass es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen kann. Oftmals berichten die Konsumenten auch, dass sie den einen Suchtstoff nutzen, um die Wirkung des anderen wieder aufzuheben. Z.B. betrinkt sich der Betroffene und nimmt dann Kokain ein, um die Sedierung durch den Alkohol zu bekämpfen und weiterfeiern zu können. Andrerseits nimmt derjenige dann nachts Alkohol ein, wenn er von Kokain noch sehr aufgeputscht ist, um überhaupt schlafen zu können.

Vielfach wird der Gebrauch von Kokain auch mit der Einnahme von Benzodiazepinen gekoppelt, um die durch die Drogensucht entstandenen Ängste zu lindern. Aufgrund der völlig entgegengesetzten Wirkung wird der Körper dadurch allerdings einem starken Stresszustand ausgesetzt.

Wie erfolgt die Therapie einer Kokainabhängigkeit?

Eine Kokainsucht allein zu beenden, ist nahezu unmöglich. Aufgrund der extremen psychischen Abhängigkeit, der allumfassenden Energielosigkeit und einem bestehenden Suizidrisiko ist die Beendigung der Sucht in der Regel nur in Form eines stationären Kokain-Entzugs möglich. Dazu gehören eine körperliche Entgiftung, eine psychische Entwöhnung und eine ambulante Nachsorge. Mögliche Entzugssymptome oder Folgen des Kokainkonsums können durch Antidepressiva, Antipsychotika, Analgetika und andere Medikamente gelindert werden. Von einem kalten Entzug zuhause wird aufgrund der starken Entzugssymptome und der hohen Rückfallgefahr dringend abgeraten. Entzugsmöglichkeiten bieten sowohl öffentliche Einrichtungen als auch Privatkliniken, wobei der Entzug über die öffentlichen Kostenträger in zwei separaten Behandlungen besteht, die zeitlich versetzt und in unterschiedlichen Einrichtungen stattfinden und daher mit einem großen Rückfallrisiko verbunden sind.

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