Drogensucht erkennen: Die Anzeichen einer Drogenabhängigkeit deuten

Im Jahr 2017 starben deutschlandweit 1.272 Menschen an den Folgen eines illegalen Drogenkonsums. Wie viele davon abhängig gewesen sind und wie viele nach einem einmaligen Konsum starben, bleibt ungeklärt. Mehrheitlich darf jedoch davon ausgegangen werden, dass ein längerer Einnahmeprozess die Todesursache abbildet. Fakt ist, dass viele Drogen bereits nach kürzester Zeit eine Abhängigkeit auslösen können und dass eine Drogensucht stets das eigene Leben in größte Gefahr bringt. In vielen Fällen schaffen es die Betroffenen jedoch nicht, allein aus der Sucht auszubrechen – zu gefangen sind sie im Rausch der psychoaktiven Substanzen. Häufig sind es nahe Verwandte oder gute Freunde, die den entscheidenden Einfluss ausüben und zu einem Entzug bewegen können. Um eine Drogensucht erkennen zu können, müssen die typischen Symptome jedoch richtig gedeutet werden.

Was sind körperliche Anzeichen für eine Drogenabhängigkeit?

Drogen wirken zwar direkt auf das Gehirn des Menschen ein, haben langfristig aber auch Effekte auf andere Bereiche des Körpers. Einige körperliche Veränderungen sind:

  • Geweitete oder verkleinerte Pupillen
  • Laufende Nase oder häufiges Nasenbluten
  • Verbrennungen an den Lippen oder Fingern
  • Abgebissene oder entzündete Fingernägel
  • Hautprobleme wie Pickel, Pusteln, trockene und juckende Haut. Vor allem Crystal hinterlässt deutliche Spuren im Gesicht und auf den Armen der Süchtigen.
  • Veränderungen im Dentalbereich wie stark geschädigte oder verfärbte Zähne, Mundgeruch sowie ein zurückgehendes oder blutendes Zahnfleisch

Ebenfalls ein wichtiges sichtbares Signal, das auf eine Drogenabhängigkeit hindeuten kann, ist die Vernachlässigung der eigenen Körperhygiene. Schmutzige, ungepflegte Kleidung, an der vielleicht Blut, Urin oder Erbrochenes klebt, sollte die Angehörigen alarmieren. Ebenfalls sollten fettige Haare, ungewaschene Hände und ein unangenehmer Körpergeruch nicht ignoriert werden. Drogenabhängige bringen meist nicht mehr die Energie und die Motivation auf, um sich angemessen um ihre körperliche Hygiene kümmern zu können. Da ihre Gedanken stetig um den nächsten Schuss oder die nächste Line kreisen, vernachlässigen sie andere Lebensbereiche dramatisch. Das überträgt sich ebenso auf die Wohnung. So können ein sehr unordentliches oder sogar vermülltes Zuhause, in dem sich Essensreste und schmutzige Kleidungsstücke stapeln, als Indizien gewertet werden. Auch wenn die Wohnung auffallend leer ist und nur noch wenige Möbelstücke darin zu finden sind, könnte eine Drogensucht ursächlich sein. Schließlich verkaufen viele Süchtige ihr Hab und Gut (inklusive Bekleidung und Mobiliar), um ihr unbezwingbares Verlangen nach den rauscherzeugenden Substanzen finanzieren zu können.

Welche sozialen Symptome lassen eine Drogensucht erkennen?

Wenn ein guter Freund sich ohne erkennbaren Grund immer seltener meldet, wenn das eigene Kind sich nur noch in seinem Zimmer verkriecht oder wenn der Partner immer häufiger nervös und gereizt reagiert, kann unter Umständen eine Drogensucht vorliegen. Drogensüchtige fokussieren sich im Laufe ihrer Erkrankung immer stärker auf die jeweilige Droge und rücken andere Dinge – beispielsweise Beruf, Schule oder Hobbys – zunehmend in den Hintergrund. Deshalb ziehen abhängige Personen sich meist aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld zurück oder wechseln ihren kompletten Freundeskreis. Hierdurch gehen sie einerseits Aktivitäten und Kontakten aus dem Weg, an denen sie ohnehin kein Interesse mehr haben, andererseits vermeiden sie unangenehme Fragen nach Gründen für ihr verändertes Verhaltensmuster.

Deutlich werden Drogensucht-Symptome im Verhalten vor allem dann, wenn Entzugserscheinungen auftreten. Bei einer psychischen und physischen Abhängigkeit reagiert der Körper stark auf das Ausbleiben der täglichen Dosis. Das passiert sowohl bei Alkohol und Cannabis als auch bei Drogen wie Heroin oder Crystal Meth. Zittern, starkes Schwitzen, Übelkeit, nervöse oder fahrige Bewegungen, eine verringerte Konzentrationsfähigkeit oder gar Halluzinationen können die Folge sein. Der körperliche Entzug der psychotropen Substanzen kann sich außerdem in einem verstärkten Schlafbedürfnis ausdrücken. Wenn Sohn oder Tochter beispielsweise die komplette Woche mit einer depressiven Verstimmung im Bett verbringen und nur noch schlafen möchten, bevor sie schließlich am Wochenende wie von Geisterhand wieder wach und aktiv werden, kann dies auf den Konsum aufputschender Substanzen wie Ecstasy, Amphetaminen oder andere Stimulanzien hindeuten.

Nehmen die Betroffenen Drogen über einen längeren Zeitraum hinweg in hohen Dosen ein, kommt es häufig zu Veränderungen im Wesen und in der Persönlichkeit. Aggressives Verhalten, Depressionen, Angst und Panik oder aber völlige Teilnahmslosigkeit und ein Verlust der Empathie können auftreten. Suchtkranke reagieren vor allem in sozialen Situationen häufig unangemessen, wirken emotionslos oder gehen übertrieben große Risiken ein. Bei einer regelmäßigen Einnahme vieler illegaler Drogen ignorieren Abhängige zudem häufig ihr Bedürfnis nach Schlaf sowie nach einer geregelten Nahrungsaufnahme.

Welche gesundheitlichen Symptome eines Drogenkonsums gibt es?

Drogen zu nehmen, bringt für die Süchtigen meist zahlreiche körperliche Beschwerden mit sich. In Abhängigkeit von der konkreten konsumierten Substanz können diverse Symptome auf eine Drogensucht hindeuten:

  • Regelmäßige Magen-Darm-Beschwerden
  • Schlafstörungen
  • Unter- oder Mangelernährung
  • Häufige Infektionen
  • Psychische Erkrankungen

Der Magen-Darm-Trakt des Menschen reagiert empfindlich auf verschiedene psychotrope Substanzen. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung können eine Folge sein. Hinzu kommen meist weitere verwandte Beschwerden, die mit einer Mangel- oder Unterernährung zu tun haben. Während ein regelmäßiger Cannabis-Konsum häufig sogenannte “Fress-Flashs” mit Heißhungerattacken auslöst, führt der Konsum von Amphetaminen, Speed, Kokain, Crystal oder Heroin wiederum meist dazu, dass die Nahrungsaufnahme drastisch reduziert oder sogar komplett eingestellt wird. Eine Unterversorgung mit Nährstoffen macht sich nicht nur an Haut, Haaren und Figur bemerkbar, sondern kann auch weitere Folgekrankheiten auslösen.

Bei bestimmten Drogen gehören Schlafstörungen zu den Folgen des Konsums, bei anderen wiederum zu den Entzugserscheinungen. Vor allem stimulierende Drogen wie Speed oder Ecstasy tragen mit ihrer aufputschenden Wirkung dazu bei, dass die Konsumenten nicht mehr oder nur noch sehr unregelmäßig schlafen können. Häufig werden in diesen Fällen Cannabis oder Tranquilizer wie Benzodiazepine konsumiert oder Alkohol getrunken, um wieder herunterzukommen und die Müdigkeit zu erzwingen. Bei anderen Drogen gehören Schlafstörungen hingegen zu den körperlichen Entzugssymptomen, die erst dann auftreten, wenn der Körper auf seine gewohnte Dosis der Substanz verzichten muss.

Die mangelnde oder unausgewogene Ernährung, die Unterversorgung mit Schlaf und die toxische Wirkung der Drogen führen zu einer Schwächung des Immunsystems. Drogensüchtige erleiden häufig Infektionen und sind anfällig für verschiedene Krankheiten. Hinzu kommen die Gefahren, die zum Beispiel durch verunreinigte Spritzen und Nadeln oder aber durch gestreckte Substanzen auftreten können. Maßgeblich eklatant sind die psychischen Symptome, die drogeninduziert entstehen: Halluzinationen, Depressionen, Angstattacken ebenso wie Psychosen lassen einen Drogenkonsum wahrscheinlich werden.

Drogensucht erkennen und eingreifen: Wie reagiert man richtig?

Wer beim eigenen Kind, beim Partner oder dem besten Freund psychische oder körperliche Anzeichen einer Drogenabhängigkeit bemerkt, sollte in jedem Fall schnell handeln. da eine Sucht nicht nur zu physischem und psychischem Verfall führen, sondern schlimmstenfalls sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Eine Therapie ist meist der einzige Ausweg, um der Sucht entkommen zu können. Wichtig ist, dass eine Behandlung nicht nur auf den rein körperlichen Entzug abzielt, sondern auch die therapeutische Aufarbeitung der Suchtursachen in den Mittelpunkt rückt.

Um eine drogensüchtige Person zu einer Entzugstherapie zu bewegen, braucht es regelhaft viel Einfühlungsvermögen, Verständnis sowie eine entsprechende gesundheitliche Aufklärung. Wer befürchtet, dass eine nahestehende Person mit Drogen oder Alkohol ein Problem hat, sollte sich deshalb umgehend an eine entsprechende Beratungsstelle, eine Entzugsklinik oder einen Arzt wenden. Medizinisches Personal und qualifizierte Suchtberater können weitere Informationen zur Verfügung stellen und bei der anstehenden Organisation des Drogenentzugs unterstützen. Damit eine Therapie oder eine Behandlung erfolgreich verlaufen kann, müssen allerdings beim Betroffenen eine Krankheitseinsicht und der Wunsch nach Veränderung gegeben sein. Eine unter äußerem Zwang oder Druck durchgeführte Therapie führt niemals zu dauerhafter Abstinenz.

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