Alkoholiker erkennen: Verhaltensmuster von Alkoholikern

Wenn der Partner sich zum Feierabend ein Bierchen gönnt oder bei der Firmenfeier etwas zu tief ins Glas schaut, wird dies in den meisten Fällen als ganz normales Trinkverhalten eingestuft. Doch was passiert, wenn der Partner, die Mutter oder das eigene Kind täglich mehrere Gläser Alkohol trinken und die Aussetzer aufgrund des Alkoholmissbrauchs immer häufiger ihren Eintritt in das Leben des Betroffenen finden? Woran lassen sich Alkoholiker erkennen und wie schafft man es sie richtig anzusprechen? Sensibilität und Fingerspitzengefühl sind genauso gefragt wie Geduld und Beharrlichkeit. Eine Alkoholsucht impliziert immer die Unterstützung aus dem Familien- oder Freundeskreis. Umso wichtiger ist es, dass die Anzeichen richtig gedeutet und gezielt angesprochen werden

Alkoholiker erkennen: Die Schwierigkeiten

Weshalb ist es wichtig einen Alkoholiker frühzeitig zu erkennen?

Je früher ein Alkoholproblem erkannt wird und die Betroffenen bemerken, dass sie zu viel oder zu regelmäßig trinken, umso größer sind die Chancen eine Alkoholsucht erfolgreich behandeln zu können. Schließlich wird es umso schwieriger Muster zu durchbrechen und die körperliche und psychische Abhängigkeit zu überwinden, je länger das Leben mit einem erhöhten Alkoholkonsum andauert. Wer unter einer Alkoholabhängigkeit leidet, gesteht sich diese häufig selbst nur ungern ein. Zahlreiche Personen, die zu viel trinken, vertuschen ihre Sucht, indem sie Gründe finden, um den Genuss von Alkohol zu legitimieren. So rechtfertigen sie den gefährlichen Alkoholkonsum vor sich selbst und anderen. Oft brauchen Betroffene daher den Anstoß von außen, um sich und ihr eigenes Trinkverhalten zu reflektieren.

Warum lässt sich eine Alkoholsucht oft nur schwer identifizieren?

Alkohol ist in unserer westlichen Kultur ein wichtiger Bestandteil vieler Rituale, ist sozial anerkannt und für Erwachsene praktisch an jeder Ecke zu bekommen. Die Grenzen zwischen einem riskanten Alkoholkonsum, bei dem regelmäßig große Mengen Alkohol getrunken werden, und dem “ganz normalen” Genuss verlaufen fließend. Darüber hinaus sind viele Anzeichen, die auf eine Alkoholkrankheit hindeuten, nicht eindeutig. Häufig werden die Alkoholismus-Symptome auch von den Betroffenen oder im Falle einer Co-Abhängigkeit von ihren Angehörigen versteckt. So neigen insbesondere alkoholabhängige Frauen dazu heimlich zu trinken. Andere Menschen haben so nur bedingt die Möglichkeit, einen Alkoholiker frühzeitig zu erkennen.

Anzeichen einer Alkoholsucht

Wie kann man Alkoholiker erkennen?

Wenn nahestehende Verwandte, Ehe- sowie Lebenspartner oder auch Freunde und Kollegen auf einen Alkoholkonsum aufmerksam werden, der aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint, ist es wichtig, dass mögliche Anzeichen gesammelt und richtig gedeutet werden. Wer einmal über die Stränge schlägt, leidet nicht gleich unter einer Alkoholabhängigkeit und hat noch nicht zwangsläufig die Kontrolle über das eigene Trinkverhalten verloren. Es gibt einige körperliche Symptome sowie verschiedene Hinweise im Verhalten, die dafürsprechen, dass jemand regelmäßig zu viel trinkt und unter Umständen bereits alkoholabhängig ist. Mögliche Alkoholismus-Symptome zu kennen hilft dabei, das Verhalten betroffener Personen richtig einzuordnen und entsprechend schneller ansprechen zu können.

Welche Verhaltensmuster von Alkoholikern sind typisch?

Die Folgen einer Alkoholsucht schlagen sich in verschiedenen psychischen und physischen Symptomen und im Verhalten alkoholkranker Menschen nieder. Wer also bei einem geliebten Menschen oder einem guten Freund bemerkt, dass sich gravierende Veränderungen im Verhalten oder im Wesen einstellen, sollte dies als erstes Alarmsignal werten. So fallen Alkoholsüchtige im Umgang mit anderen Menschen häufig dadurch auf, dass sie leicht reizbar sind, schnell “aus der Haut fahren” oder übermäßig emotional reagieren. Das gilt sowohl für den Fall, dass sie auf ein mögliches Alkoholproblem angesprochen werden, als auch für ganz gewöhnliche und alltägliche Situationen im Leben. Ein weiterer Hinweis auf einen chronischen Alkoholmissbrauch kann eine wachsende Unzuverlässigkeit sein. Wer zu viel Alkohol trinkt, vernachlässigt ab einem gewissen Stadium der Krankheit häufig soziale oder berufliche Verpflichtungen. Unpünktlichkeit oder das Nichteinhalten von Verabredungen können im Zusammenspiel mit anderen relevanten Faktoren ebenfalls Indikatoren dafür sein, dass jemand alkoholkrank ist. Nicht selten folgen irgendwann der soziale Rückzug oder die Hinwendung zu Personen, die den starken Konsum von Alkohol eher tolerieren, obwohl der Süchtige ohne den Alkoholismus mit diesen Personen vermutlich nicht in Kontakt getreten wäre.

Je mehr, je häufiger oder je länger jemand Alkohol trinkt, desto wahrscheinlicher wird das Auftreten der folgenden Anzeichen:

  • depressive Verstimmungen
  • Schlaflosigkeit
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Aggressionen
  • gesteigerte Emotionalität (Rührseligkeit)
  • gehäufte Unzuverlässigkeit
  • sozialer Rückzug

Wer einen Alkoholiker am Verhalten erkennen möchte, sollte unbedingt bedenken, dass keines der obigen Alkoholismus-Symptome für sich genommen eindeutig ist. Eine leichte Reizbarkeit oder ein gesteigertes Aggressionspotential können auch andere Ursachen haben wie etwa Stress auf der Arbeit oder im Privatleben. Zudem gibt es viele Männer und Frauen, bei denen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit noch nie zu den persönlichen Stärken gehörten. Diese Menschen anhand der obig aufgeführten Kriterien als Alkoholkranke zu identifizieren, ist sehr schwierig. Offensichtlicher ist es, einen Alkoholiker zu erkennen, wenn sich zusätzlich zu den aufgeführten Anzeichen im Haushalt zahlreiche Alkoholflaschen finden, die Ausgaben für Alkohol steigen oder der Betroffene in geselliger Runde vermehrt zu trinken beginnt.

Woran erkennt man Alkoholiker noch?

Neben den psychischen Folgen einer Alkoholkrankheit macht sich eine Abhängigkeit auch körperlich bemerkbar. Wer über einen langen Zeitraum hinweg größere Mengen an alkoholischen Getränken zu sich nimmt, der verursacht dadurch schließlich auch Veränderungen am eigenen Körper. So steht der schädliche Gebrauch von Alkohol nicht nur im Verdacht Krebs zu fördern und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu begünstigen, sondern führt über kurz oder lang auch zu ernsthaften Leberschäden. Diese körperlichen Auswirkungen eines exzessiven Alkoholkonsums sind für den Nicht-Mediziner von außen nicht zu beobachten. Es gibt jedoch auch physische Veränderungen am Körper von Alkoholkranken, die als deutliche Symptome eingestuft werden können:

  • Zittern von Augenlidern oder Händen/Fingern
  • Appetitlosigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden unterschiedlicher Art
  • Hang zum Schwitzen
  • Veränderungen der Stimme
  • Mundgeruch (“Fahne”)
  • rote Augen oder Bindehautentzündungen
  • Gefäßerweiterungen im Gesicht (Rosazea) und den Handinnenflächen
  • Schuppenflechte
  • Geschwollene Augenlider

Genauso wie bei den psychischen Hinweisen, die man im Zusammenhang mit einer Alkoholkrankheit feststellen kann, sind auch die körperlichen Alkoholismus-Symptome nicht immer eindeutig. Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit können ebenso gut auf eine andere Krankheit hindeuten und beispielsweise Ausdruck einer relativ “harmlosen” Nahrungsmittelunverträglichkeit sein. Wer durch zitternde Hände auffällt, hat vielleicht kein Alkoholproblem, sondern leidet eventuell nur unter einem Vitamin-B12-Mangel oder Parkinson. Für die erweiterten Gefäße im Gesicht, in deren Zusammenhang häufig von der sogenannten “Säufernase” gesprochen wird, können auch lange Aufenthalte an der kalten Luft verantwortlich sein. Wenn die obig genannten körperlichen Veränderungen jedoch plötzlich und gehäuft gemeinsam auftreten, kann es sein, dass der Betroffene eine Alkoholabhängigkeit entwickelt hat. Wenn zusätzlich die Symptome für eine psychische Abhängigkeit mit den typischen Verhaltensmustern von Alkoholikern gegeben sind, sollte eine Intervention nicht mehr länger hinausgeschoben werden.

Alkoholismus erkennen und ansprechen

Wie spreche ich einen Alkoholiker auf seine Krankheit an?

Wer die typischen Verhaltensmuster von Alkoholikern beim Partner, bei Mutter oder Vater, dem bestem Freund oder dem eigenen Kind wahrnimmt, der sollte sich auf der einen Seite wirklich sicher sein, bevor er das Thema anspricht, auf der anderen Seite jedoch nicht zu lange zögern. Chronisch krankhafter Alkoholkonsum kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen und je länger der starke Alkoholmissbrauch andauert, umso größer ist das Risiko dramatischer Folgeerkrankungen. Für Angehörige ist es demnach ein schmaler Grat, auf dem sie wandern müssen. Einerseits möchten sie den eigenen Mann oder die eigene Frau vor den Folgen der Alkoholsucht bewahren, gleichzeitig wollen sie den Betroffenen nicht vor den Kopf stoßen. Nicht selten entwickelt sich hieraus eine sogenannte Co-Abhängigkeit, bei der Familienangehörige und Freunde als Co-Abhängige Teil der Erkrankung werden und den Alkoholismus durch das eigene Verhalten und Handeln unwissentlich unterstützen.

Wer das Thema Alkohol ansprechen möchte, sollte sich hierfür einen ruhigen Moment mit dem Betroffenen aussuchen. Gespräche zwischen Tür und Angel oder Bemerkungen, die nebenbei fallengelassen werden, führen eher zu Trotzreaktionen oder dazu, dass der Alkoholiker sich zurückzieht. Es sollte zudem nicht versucht werden, den Betroffenen mit Vorwürfen oder Schuldzuweisungen zu konfrontieren. Dasselbe gilt für das Abringen von Versprechungen. Geschehen diese unter Zwang, kann und will der Alkoholabhängige sich hieran in der Regel nicht oder nur unzureichend binden. Ruhig im Gespräch zu bleiben, Hilfe anzubieten und Unterstützung zu zeigen, ist deutlich zielführender. Wenn Angehörige merken, dass die Konversation mit dem Kranken eskaliert oder das an Alkoholismus erkrankte Gegenüber aggressiv bzw. trotzig wird, sollte das Gespräch unterbrochen werden. Sinnvoller ist es dann, sich selbst psychologische Unterstützung zu suchen und evtl. erstmal allein das Gespräch mit einer Suchtberatungsstelle oder einer Suchtklinik zu suchen.

Weshalb müssen Alkoholiker ihr Verhalten eigenhändig ändern?

Wenn aus dem unregelmäßigen Glas Bier oder dem gelegentlichen Glas Wein täglich zwei bis drei Liter Bier oder ein bis zwei Flaschen Wein werden, sind nicht nur Freunde und Familie gefragt, sondern in erster Linie der Alkoholkranke selbst. Um eine erfolgreiche Therapie in Angriff zu nehmen, ist die Krankheitseinsicht des Betroffenen eine der wichtigsten Voraussetzungen. Als Vater, Mutter, Mann, Frau oder Kind kann man den Alkoholkranken auf dem Weg zu dieser Einsicht begleiten, durch Gesprächsangebote Unterstützung signalisieren und sich bereit erklären, bei einer Therapie aktiv mitzuwirken. Letztendlich muss der an den verschiedenen Alkoholsucht-Symptomen leidende Mensch sein Handeln aber selbst überdenken und als krankhaft einstufen. Erst dann können eine stationäre Behandlung in einer Suchtklinik mit einer qualifizierten Alkoholentgiftung und Alkoholentwöhnung erfolgen. Einzig auf diese Weise können von einer Sucht betroffene Personen langfristig zurück in ein normales Leben finden und die geistige sowie körperliche Abhängigkeit überwinden.

Wie geht es nach der Erkenntnis weiter?

Die körperlichen Anzeichen und psychischen Symptome sind eindeutig und der Betroffene möchte sich aus eigener Motivation seiner Alkoholholabhängigkeit stellen. Wichtig ist es nun, sich professionelle Hilfe zu suchen und auf keinen Fall einen kalten Entzug zu Hause durchzuführen. Die besten Erfolgsaussichten bietet ein warmer Entzug mit anschließender Aufarbeitung der Suchtentwicklung. Hier werden die Entzugssymptome medikamentös gelindert und die Vitalfunktionen des Betroffenen engmaschig überwacht. Durch die Entwicklung neuer Lösungen, eine umfängliche Rückfallprävention und ein tragfähiges Nachsorgekonzept wird der Patient stabilisiert und bestmöglich auf ein Leben ohne Alkohol vorbereitet. Mögliche Ansprechpartner für die Initiierung eines warmen Entzugs sind der behandelnde Arzt, eine ambulante Suchtberatungsstelle oder eine Suchtklinik. Dabei ist der Entzug am schnellsten in einer privaten Entzugsklinik zu realisieren, in der die Entgiftung und Entwöhnung gemeinsam bzw. unmittelbar aufeinanderfolgend stattfinden. Bei öffentlichen Einrichtungen besteht meist eine beträchtliche Wartezeit. Zudem werden die Alkoholentgiftung und Alkoholentwöhnung in zwei separaten Schritten durchgeführt und bergen ein großes Risiko, in der Behandlungspause wieder rückfällig zu werden.

 

Süchtig was nun?

Die ersten Schritte in ein besseres Leben.

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