Alkoholentzug – Medikamente helfen auf dem Weg aus der Sucht

Vielen Menschen sind die Gefahren des Alkoholkonsums nicht bewusst. Und das, obwohl die Fakten eindeutig sind. Schließlich riskieren Personen, die zu viel und zu oft Alkohol konsumieren, massive gesundheitliche Folgen. Diese zeigen sich sowohl in körperlichen als auch in psychischen Beeinträchtigungen. Wird der regelmäßige Alkoholkonsum zur Sucht, kann meist nur noch ein Entzug den Weg aus der Abhängigkeit ebnen.

Dennoch fürchten sich viele Alkoholkranke vor den Entzugserscheinungen oder schämen sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch die weit verbreitete Meinung, den Betroffenen fehle es an Disziplin, um vom Alkohol loszukommen, ist kontraproduktiv. Sie erzeugt häufig nur Druck, den Weg aus der Alkoholsucht allein schaffen zu müssen. Ein solcher Versuch ist jedoch oft erfolglos, da bei abhängigen Patienten mit dem plötzlichen Verzicht auf Alkohol ein massives Alkoholentzugssyndrom auftreten kann. Sicherer und besser ist in jedem Fall ein qualifizierter oder auch warmer Alkoholentzug in einer Suchtklinik, der alkoholkranke Patienten während der Entgiftung und Entwöhnung vom Alkohol engmaschig überwacht und die Entzugssymptome durch hochwirksame Medikamente für den Alkoholentzug lindert.

Was ist das Alkoholentzugssyndrom überhaupt?

Beim sogenannten “kalten Entzug”, also der abrupten Beendigung des Konsums ohne unterstützende medikamentöse Behandlung, kommt es zu verschiedenen körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen, die zusammengefasst als Alkoholentzugssyndrom bezeichnet werden. Diese verlaufen je nach Einzelfall völlig individuell und reichen von “Bagatell-Beschwerden” bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen wie Krampfanfällen oder akutem Herzversagen. Die Bandbreite der Entzugserscheinungen ist groß und umfasst unter anderem die nachfolgenden Symptome.

Körperliche Symptome:

  • Gesichtsrötung
  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie)
  • Muskelzittern (Tremor)
  • körperliche Schwäche
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • starkes Schwitzen (Hyperhidrose)
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Schlafstörungen
  • Sehstörungen
  • epileptische Krampfanfälle
  • Alkoholentzugsdelir (Delirium tremens)

Psychische Symptome:

  • innere Unruhe
  • Reizbarkeit
  • starkes Verlangen nach Alkohol (“Craving”)
  • Angstzustände und Panikattacken
  • verringerte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Desorientiertheit (bezogen auf Zeit, Raum und Personen)
  • Paranoia und Psychosen
  • Halluzinationen (“weiße Mäuse”)
  • depressive Verstimmungen
  • Suizidgedanken

Für manche Patienten sind diese Symptome so unerträglich, dass sie den Entzug vorzeitig abbrechen – häufig mit dramatischen Folgen. Zum einen verursacht der erneute Alkoholkonsum weiterhin erhebliche Gesundheitsprobleme und darüber hinaus wirkt sich ein abgebrochener Entzug auch psychisch aus. Die Betroffenen erleben und fühlen sich selbst oft als willensschwach, disziplinlos und versagend, was im ungünstigsten Fall zum verstärkten Trinken führt. Um diesen Teufelskreis von vornherein zu verhindern, sollten Sie auf einen warmen Entzug mit Medikamenten gegen die Entzugserscheinungen setzen.

Wie werden die Alkoholentzug-Medikamente eingestellt?

Ein qualifizierter Alkoholentzug hat den Vorteil, dass mögliche Nebenwirkungen des Entzugs und das Verlangen nach Alkohol reduziert werden. So ist es für den Betroffenen deutlich wahrscheinlicher, dauerhaft den Weg aus der Alkoholabhängigkeit zu finden.

Medikamente werden beim Alkoholentzug bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Jeoch können sie erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen und in Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln treten. Es ist deshalb von größter Bedeutung, dass die Dosierung der Medikamente gegen die Entzugserscheinungen sorgfältig und für jeden Patienten individuell festgelegt wird. Auch ist bei der medikamentösen Unterstützung des Alkoholentzugs eine engmaschige Kontrolle der Vitalfunktionen des Patienten unabdingbar. Insbesondere die Atem- und Kreislauffunktionen müssen ständig überwacht werden, um mögliche Nebenwirkungen sofort zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen.

Bei der Wahl und Dosierung des entsprechenden Medikaments orientiert sich der behandelnde Arzt nicht nur an seinen umfassenden Erfahrungswerten, sondern bezieht alle medizinisch relevanten Patientenmerkmale in die medikamentöse Therapie ein. Wichtige Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • bestehende (chronische) Grunderkrankungen
  • Folgeerkrankungen des Alkoholmissbrauchs
  • Einnahme sonstiger Arzneimittel

Wichtig: Die Medikamente unterstützen den akuten Alkoholentzug, indem sie die Entzugssymptome lindern. Sie ersetzen jedoch keinesfalls die begleitende oder anschließende Entwöhnung und Nachsorge.

Welche Alkoholentzug-Medikamente können bei der Entgiftung eingesetzt werden?

Zur Linderung von Entzugserscheinungen werden Medikamente mit verschiedenen Wirkstoffen eingesetzt. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit, dem Wirkmechanismus und ihren Nebenwirkungen. Doch allen gemeinsam ist, dass sie ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden dürfen.

Clomethiazol

Beim Alkoholentzug werden häufig Medikamente mit dem Wirkstoff Clomethiazol eingesetzt. Dieser Wirkstoff hat eine beruhigende, krampflösende und sedierende Wirkung. Er hilft bei starken Schlafstörungen und verringert die beim Alkoholentzug häufig auftretenden Phasen innerer Unruhe, Erregungszustände, Psychosen und Delirien. Da Clomethiazol allerdings selbst ein hohes Abhängigkeitsrisiko besitzt und unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen kann, darf der Wirkstoff nur vorübergehend und unter kontrollierten Bedingungen während eines stationären Aufenthaltes in einer Suchtklinik zur Anwendung kommen. Grundsätzlich wird das Mittel nach Bedarf verabreicht und die Dosierung spätestens nach 10 bis 14 Tagen sukzessive verringert. Die Höhe der Dosierung ist individuell verschieden und von der Stärke der Entzugserscheinungen abhängig, was sich über die AES (Alkoholentzugssyndrom-Skala) objektivieren lässt.

Jedoch ist Clomethiazol nicht für alle Patienten geeignet. Wenn Sie zum Beispiel an einer der folgenden Erkrankungen leiden, dürfen Sie Arzneimittel mit Clomethiazol nicht einnehmen:

  • kardiopulmonale Erkrankungen (Herz-Lungen-Krankheit)
  • Ateminsuffizienz
  • obstruktive Atemwegserkrankungen
  • schwere Nierenschäden
  • schwere Leberschäden

Benzodiazepine

Als Alternative zu Clomethiazol stehen Ihnen für den Alkoholentzug Medikamente mit anderen Wirkstoffen zur Verfügung, zum Beispiel Benzodiazepine wie Diazepam oder Oxazepam. Auch diese besitzen eine beruhigende, krampfhemmende und angstlösende Wirkung und werden weltweit im Alkoholentzug eingesetzt. Allerdings birgt Diazepam wie alle Benzodiazepine ein hohes Suchtpotenzial, so dass die Zufuhr zustandsgerecht und zügig verringert werden muss. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine – je nach Ausprägung der Symptome – nicht länger als 5 bis 14 Tage eingenommen werden. Von einer Verlängerung der Einnahme ist aufgrund möglicher Nebenwirkungen abzuraten.

Clonidin

Die Therapie mit dem Wirkstoff Clonidin stellt eine weitere Alternative dar. Dieses Mittel reguliert die vegetativen Entzugserscheinungen wie Schwitzen, Zittern und Herzrasen, die durch den Wegfall der Alkoholwirkung entstehen. Dabei hat es jedoch quasi keine sedierende Wirkung und bietet keine krampfverhütende Wirkung.

Betablocker

Zur Normalisierung des Herzschlags können zusätzlich sogenannte Betablocker eingesetzt werden. Diese Mittel haben allerdings keine sedierende und auch keine krampfhemmende Wirkung und sind deshalb eher zur Linderung spezifischer Entzugssymptome wie Herzrhythmusstörungen geeignet.

Weitere Mittel zur Unterstützung des Alkoholentzugs

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, zusätzliche Vitamine (vor allem B-Vitamine) und Mineralstoffe (Elektrolyte) einzunehmen. Sie verbessern das allgemeine Wohlbefinden und bringen den oft aus der Balance geratenen Mineralstoffhaushalt des Körpers wieder ins Gleichgewicht. Weiterhin können mögliche Entzugserscheinungen durch sanfte Therapien wie NES oder Akupunktur gelindert werden.

Fazit: Alkoholentzug-Medikamente erhöhen den Therapieerfolg

Medikamente lindern wirkungsvoll die Entzugserscheinungen und unterstützen Sie bei Ihrer Alkoholtherapie. Wird der Alkoholentzug durch Medikamente unterstützt, sind Therapieabbrüche seltener und die Erfolgsaussichten des Entzugs höher. Und ein erfolgreicher Entzug ist eine notwendige Voraussetzung für eine langfristige Abstinenz und ein gesundes Leben ohne Alkohol.

 

Süchtig was nun?

Die ersten Schritte in ein besseres Leben.

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