Alkoholentwöhnung-Klinik: Wichtige Fakten & Entscheidungshilfen zur Klinikwahl

Eine Alkoholabhängigkeit ist nicht nur eine körperliche Erkrankung, sondern beinhaltet auch eine psychische Störung, die mit strukturellen Veränderungen im Gehirn einhergeht. Wenn Sie Ihre Suchterkrankung erfolgreich behandeln lassen möchten, genügt es dementsprechend nicht, nur den Körper daran zu gewöhnen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Stattdessen müssen Sie neben der körperlichen Entgiftung auch eine psychische Entwöhnungsbehandlung durchführen. Hier lernen Sie das Verlangen nach Alkohol zu überwinden und wieder zu sich selbst zu finden. Doch wie genau sieht eine Alkoholentwöhnung aus und in welchen Einrichtungen kann man sie durchführen?

Öffentliche Entwöhnungstherapie vs. private Entwöhnungsbehandlung

Die Alkoholentwöhnung kann in öffentlichen Einrichtungen oder in privaten Entzugskliniken durchgeführt werden. Darüber hinaus ist es möglich, zwischen einer stationären, teilstationären oder ambulanten Therapie zu wählen. Am erfolgreichsten ist die stationäre Alkoholentwöhnung, weil diese eine intensive Betreuung ermöglicht und ausreichend Abstand zu Ihren Alltagssorgen und -problemen garantiert, so dass Sie sich vollumfänglich auf die Behandlung Ihrer Abhängigkeit konzentrieren können.

Ablauf und Maßnahmen der stationären Therapie in einer öffentlichen Alkoholentwöhnung-Klinik

Wenn Sie sich in einer öffentlichen Klinik in einer sogenannten Suchtrehabilitation vom Alkohol entwöhnen möchten, können Sie sich auf eine intensive Betreuung durch ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Pflegekräften, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern verlassen. Während des stationären Aufenthaltes werden Sie psychotherapeutisch behandelt; die psychologische Betreuung erfolgt dabei hauptsächlich in der Gruppe. Eine Einzelbetreuung im Rahmen einer Therapie findet dagegen nicht, oder nur in einem geringen Umfang statt (in der Regel 30 min in der Woche). Vorrangig geht es darum herauszufinden, welche Ursachen zu Ihrer Suchterkrankung geführt haben und welche unangepassten (und oftmals unbewussten) Denk- und Verhaltensweisen dabei helfen, die Alkoholabhängigkeit aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus helfen Ihnen Sozialarbeiter nach der Rehabilitation bei der Wiedereingliederung und stehen ggf. auch bei juristischen Problemen beratend zur Seite.

Zusatz-Info: Wie lange dauert eine stationäre Alkoholentwöhnung?
Die Dauer der stationären Alkoholentwöhnung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Private Fachkliniken bieten eine Kombination aus Entzug und Entwöhnung meist innerhalb von 28 Tagen an. Im öffentlichen Therapierahmen müssen Alkoholiker mehr Zeit einplanen. Die medizinische Rehabilitation, die oftmals erst Wochen nach dem körperlichen Entzug beginnt, nimmt meist mehrere Monate in Anspruch (3 bis 6 Monate).

Vor- und Nachteile der Alkoholentwöhnung in einer öffentlichen Fachklinik

Vorteile

  • Kostenübernahme durch Rentenversicherung
  • Regelmäßige Qualitätsaudits durch externe Überwachungsstellen

Nachteile

  • Separate Beantragung der Entwöhnungsbehandlung nötig
  • Lange Wartezeiten möglich
  • Therapie- und Behandlungspläne bieten nur wenig Individualisierungsspielraum
  • Wahlmöglichkeiten zu Therapieort und -form sind begrenzt

Ablauf und Maßnahmen der stationären Entwöhnungsbehandlung in einer privaten Rehaklinik

Die Behandlung in einer privaten Alkoholentwöhnung-Klinik verläuft in direkter Verbindung mit dem körperlichen Entzug. Für Sie als Patient bedeutet dies den Wegfall der Wartezeit zwischen Entgiftung und Entwöhnung und damit ein geringeres Rückfallrisiko. Im Gegensatz zur Behandlung in öffentlichen Einrichtungen ist die Betreuung in einer Privatklinik für Alkoholentzug meist deutlich intensiver. So werden mehrere psychotherapeutische Einzel- und Gruppensitzungen pro Woche angeboten. Angewendet werden in der Regel verschiedene individuelle Therapieansätze (verhaltens- oder tiefenpsychologisch), die dabei helfen, alte Muster im Umgang mit Alkohol aufzubrechen und durch neue konstruktive Lösungsstrategien zu ersetzen. Zusätzlich erfolgt eine intensive Behandlung von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) wie Depressionen, Angststörungen oder Psychosen.

Zusatz-Info: Komorbiditäten
Eine Behandlung von Komorbiditäten in Form psychischer Erkrankungen ist zusätzlich zur Alkoholentwöhnung enorm wichtig. Bleiben psychische Krankheiten wie Depressionen unbehandelt, können diese nach der Entwöhnungstherapie zu Rückfällen führen. Allerdings kommt die Behandlung von Begleiterkrankungen der Alkoholsucht in vielen öffentlichen Entwöhnungsprogrammen zu kurz, weil die Behandlungspläne größtenteils vorgegeben und nicht so individuell auf die Patienten zugeschnitten werden wie in einer Privatklinik.

Zusätzliche Leistungen und Angebote in einer privaten Alkoholentwöhnung-Klinik

Patienten, welche die Behandlung ihrer Alkoholsucht selbst zahlen oder mit Unterstützung einer privaten Krankenversicherung in einer Privatklinik beenden wollen, können mit einem breiter aufgestellten Therapieprogramm als bei öffentlichen Häusern rechnen. Dies gilt auch bei der Entwöhnung von anderen Suchtmitteln. So gibt es zusätzlich zur regulären Therapie begleitende, individuell wählbare Leistungen. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Sport-, Musik- oder kunsttherapeutische Maßnahmen
  • Akupunktur
  • Sprachkurse
  • Rückfallprävention
  • Entspannungstechniken und Achtsamkeitstrainings
  • Viele andere mehr

Diese Begleitangebote können dabei helfen, sich außerhalb der therapeutischen Sitzungen nicht unentwegt gedanklich mit dem Thema Alkohol auseinanderzusetzen. Sie lenken sich auf diese Weise nicht nur vom psychischen Verlangen nach Alkoholkonsum ab, sondern sammeln außerdem zahlreiche neue, positive Erfahrungen, die für Ihr Leben als trockener bzw. abstinenter Alkoholiker prägend sein können. Dies kann sich positiv auf Ihr Selbstwertgefühl auswirken, sodass es Ihnen gelingt, das Leben auch ohne Alkohol in all seinen Facetten wieder zu schätzen. Vergleichbare Angebote werden oft auch in öffentlichen Häusern vorgestellt, jedoch sind die Auswahlmöglichkeiten in privaten Fachkliniken meist deutlich größer.

Zusatz-Info: Alkohol und Abstinenz
Aufgrund des durch die Abhängigkeit angelegten Suchtgedächtnisses werden Alkoholkranke auch nach einer erfolgreichen Entwöhnungstherapie immer wieder das Verlangen nach Alkohol verspüren. Dementsprechend gilt es für die Betroffenen eine lebenslange Alkoholabstinenz einzuhalten. Die Alkoholsucht als Krankheit ist demzufolge niemals vollständig heilbar, lässt sich aber durch Motivation und die neu erlernten Techniken bewältigen und tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Deshalb ist es auch besonders wichtig, neue Hobbys zu entdecken und sinnvolle Lebensziele zu setzen.

Intensive Vorbereitung auf die Nachsorge in der privaten Alkoholklinik

Wenn sich die Zeit in der Entwöhnungsklinik dem Ende zuneigt, kehren Sie nach Hause zurück. Dort warten auf Sie erfahrungsgemäß zahlreiche Konflikte sowie mögliche Rückfallpotenziale. Damit Sie auf diese optimal vorbereitet sind, wird in verschiedenen privaten Entwöhnungskliniken ein umfangreiches Nachsorgekonzept für Sie entwickelt. Besonders bewährt hat sich die Kombination aus regelmäßiger ambulanter Psychotherapie und der Teilnahme an Selbsthilfegruppen. Zudem bleiben private Kliniken häufig auch nach dem Aufenthalt als Ansprechpartner präsent und bieten Rückfallpräventionsseminare oder vergleichbare Angebote an.

Private Alkoholentwöhnung: So profitieren die Angehörigen

Das Leben mit einem Alkoholiker ist für die Familie alles andere als leicht. Die Alkoholsucht fordert nicht nur von dem Betroffenen selbst, sondern auch von den Menschen im sozialen Umfeld des Alkoholkranken ihren Tribut. Um Spannungen abzubauen und Konflikte zu lösen, integrieren daher viele Kliniken Angehörigenseminare in ihr allgemeines Angebot. In privaten Kliniken werden Kinder, Partner oder Eltern auf Wunsch auch in einzelne psychotherapeutische Sitzungen eingebunden. Das erleichtert den Suchtkranken und ihren Familien das Zusammenleben nach dem Entzug und auch den Umgang mit der Alkoholsucht.

Tipp für Angehörige
Um die Belastungen durch die Abhängigkeit für Angehörige zu reduzieren, existieren verschiedene Selbsthilfegruppen, die den Betroffenen Anlaufstellen bieten. Ein bekanntes Netzwerk ist Al-Anon, eine Gruppierung, die sich insbesondere auf die Mitbetroffenen beim Alkoholismus spezialisiert hat.

Vor- und Nachteile der Alkoholentwöhnung in einer privaten Fachklinik

Vorteile

  • Entwöhnung ist direkt an die Entgiftung gekoppelt
  • Intensive Betreuung dank hohem Personalschlüssel
  • Ganzheitliches Behandlungs- und Therapiekonzept
  • Mehrere Gruppen- und Einzeltherapiesitzungen pro Woche
  • Meist keine Wartezeiten und schnelle Behandlungsergebnisse
  • Je nach Klinik Mitbehandlung der Begleiterkrankungen
  • Umfangreiche Angehörigenarbeit
  • Breit aufgestelltes Nachsorgekonzept

Nachteile

  • In der Regel keine Finanzierung durch die Deutsche Rentenversicherung oder private Krankenkassen
  • Nur wenige Anbieter mit externer Qualitätssicherung
  • Unterschiedliche Behandlungskonzepte erschweren die Klinikwahl

Die richtige Alkoholentwöhnung-Klinik

Viele gesetzlich Versicherte haben nur begrenzt die Möglichkeit, sich im Kampf gegen ihre Alkoholabhängigkeit für oder gegen ein konkretes Entwöhnungsprogramm zu entscheiden. Stattdessen trifft der Kostenträger die Entscheidung darüber, welche Therapie bewilligt wird. Dennoch bedeutet dies nicht, dass die Alkoholabhängigkeit in öffentlichen Krankenhäusern und Rehakliniken nicht ausreichend behandelt wird. Auch hier können Betroffene ihre Suchterkrankung erfolgreich überwinden.

Der Weg in ein Leben ohne Alkoholkonsum kann jedoch unter Umständen etwas beschwerlicher sein. Um ihre Erfolgschancen zu erhöhen, sollten die Betroffenen auf jeden Fall versuchen, ihre Sucht-Reha im Rahmen des Nahtlosverfahrens direkt an die Entgiftung anzuschließen.

Freie Wahl haben Patienten, die ihre Suchterkrankung in einer privaten Klinik aus eigener Tasche bezahlen oder über ihre private Krankenkasse abrechnen. Aufgrund des zum Teil sehr unterschiedlichen Entwöhnungsprogramms privater Einrichtungen, ist es allerdings sinnvoll, sich vor Antritt des Alkoholentzugs ausführlich über geeignete Kliniken zu informieren. Neben einem Besichtigungstermin helfen hierbei Kundenbewertungen, Zertifizierungen und eine genaue Betrachtung des Behandlungskonzepts.

  • Privatkliniken
  • gesetzliche Kliniken

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