Alkohol und Promille: Die Kurzzeitfolgen des Alkoholkonsums

Die Promillegrenzen in Deutschland sind eindeutig. Wer mit mehr als 0,5 Promille am Steuer eines motorisierten Fahrzeugs erwischt wird, muss mit Bußgeldern und gegebenenfalls weiteren Sanktionen rechnen. In manchen Fällen genügt es schon die Promillegrenze von 0,3 zu überschreiten, um mit einer Strafe belangt zu werden. Fahranfänger wiederum müssen gar 0,0 Promille vorweisen können, wenn sie selbst Auto fahren möchten. Soweit die Theorie. Doch was bedeutet eigentlich “Promille” genau und gibt es eine Möglichkeit, um die Alkoholkonzentration im Blut zu berechnen?

Alkohol und Promille: Wie hängen sie zusammen?

Der Begriff “Promille” hat in seiner grundlegenden Bedeutung eigentlich nichts mit Alkohol oder alkoholhaltigen Getränken zu tun. Es handelt sich um eine Maßeinheit, mit der Verhältnisse ausgedrückt werden können. Genauer gesagt, bedeutet Promille “ein Tausendstel”. Wenn von einer Promille die Rede ist, dann ist damit ein Wert von 0,001 gemeint. Ausgedrückt wird die Maßeinheit durch das Promillezeichen ‰. Promillewerte sind zwar vor allem im Zusammenhang mit Alkohol im Straßenverkehr bekannt, kommen aber auch im Bankenwesen oder bei der Kennzeichnung von Steigungen im Eisenbahnverkehr vor. Im umgangssprachlichen Gebrauch wird der Promillewert jedoch benutzt, um eine Angabe zur Blutalkoholkonzentration zu machen, deren Höhe eine maßgebliche Rolle im Straßenverkehr spielt. Je höher der Alkoholgehalt im Blut bzw. je größer der Promillewert, desto unmöglicher wird es, Konzentration und Zurechnungsfähigkeit zu gewährleisten.

Promille im Blut: Was bewirkt ein Glas Alkohol im Körper?

Allein von der Menge an konsumierten alkoholischen Getränken auszugehen, um den eigenen Promillewert zu berechnen, ist schwierig. Wie hoch die Alkoholkonzentration im Blut ist, hängt nämlich von mehreren Faktoren ab:

  • Wie viel Alkohol wird getrunken?
  • Wie schnell wird getrunken?
  • Wie sieht der Mageninhalt aus?
  • Was wird getrunken?
  • Wer trinkt (Geschlecht, Größe, Gewicht)?

Frauen weisen nach einer Flasche Bier eine höhere Alkoholkonzentration im Blut auf als Männer. Das liegt an unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen, die zwischen den beiden Geschlechtern existieren. So haben Männer mehr Wasser im Körper, wodurch sich der Alkohol stärker verdünnt als bei Frauen. Wer zusätzlich zum Alkohol eine große Menge Wasser zu sich nimmt, kann die Alkoholkonzentration im Blut also zumindest in geringen Teilen senken.
Weiterhin wichtig ist, wie viel Volumenprozent die konsumierten Getränke enthalten. In diesem Zusammenhang wird häufig auch vom reinen Alkohol gesprochen. Wer zum Beispiel eine Flasche Bier (0,33 Liter, 4,8 Vol. %) trinkt, führt seinem Körper knapp 13 Gramm reinen Alkohol zu, bei einem Glas Wein (0,1 Liter, 11 Vol. %) sind es mit 9 Gramm etwas weniger. Ein Glas Schnaps (2 cl, 38 Vol. %) wiederum beträgt ungefähr 6 Gramm Reinalkohol. Je höher der konsumierte Reinalkoholgehalt, umso höher ist auch der Promillewert. Hinzu kommen verschiedene weitere Faktoren So sorgt ein voller Magen dafür, dass der Alkohol langsamer ins Blut übergeht. Und wer langsam trinkt, kann ebenfalls eine niedrigere Blutalkoholkonzentration erzielen, da die Leber früher mit dem Alkoholabbau beginnen kann. Außerdem läuft der Alkoholabbau nicht bei allen Menschen gleich schnell ab, sondern wird durch verschiedene Faktoren determiniert. Zuverlässige allgemeine Aussagen darüber, wer nach wie vielen Gläsern die offizielle Promillegrenze zum Führen eines Fahrzeugs überschreitet, sind daher nicht ohne weiteres möglich.

Promille berechnen: Wie funktioniert die Widmark-Formel?

Weil die Überschreitung von Regeln und Promillegrenzen im Straßenverkehr teilweise empfindliche Strafen nach sich zieht, versuchen viele Menschen mithilfe eines Promillerechners ihren Alkoholgehalt im Blut zu ermitteln, bevor sie sich ans Steuer setzen. Wirklich sicher ist diese Methode allerdings nicht. Daher sollte man seinen Wagen nach dem Alkoholkonsum am besten stehen lassen, um sich selbst und andere nicht zu gefährden. Auch ein starker Kaffee oder ein Spaziergang an der frischen Luft können bei einer relativen Fahruntüchtigkeit nicht helfen und gehören gewissermaßen zu den „Mythen“ rund um Alkohol und Promille.

Um zu errechnen, ob die Promillegrenze bereits erreicht ist, wird häufig die sogenannte Widmark-Formel verwendet. Für diese Berechnung werden sowohl die Menge an reinem Alkohol in Gramm sowie das Gewicht der betreffenden Person benötigt. Außerdem wichtig ist ein Wert für den Faktor, mit dem sich der Alkohol im Körper verteilt. Dieser Faktor beträgt bei Männern 0,7 und bei Frauen 0,6 und hängt mit der Konzentration an Wasser im Körper zusammen (Männer ca. 70 % = 0.7 und Frauen ca. 60 % = 0.6).

Eine Beispielrechnung hilft dabei, die Formel zu verstehen und die eigene Blutalkoholkonzentration demnächst selbst berechnen bzw. mit einem Promillerechner zumindest grob schätzen zu können. Ein 90 Kilogramm schwerer männlicher Erwachsener trinkt eine Flasche Bier. Sein Promillewert berechnet sich folgendermaßen: Getrunkener Alkohol (13 g reiner Alkohol bei einem Bier) dividiert durch das Produkt aus Körpergewicht und Verteilungsfaktor:

13 : (90 x 0,7) = 0,2 Promille.

Bei einer Frau, die ein Gewicht von 60 Kilogramm auf die Waage bringt, sieht die Verteilung schon deutlich anders aus:

13 : (60 x 0,6) = 0,36 Promille.

Frauen sind demnach schon nach einem Bier weitaus näher an der erlaubten Promillegrenze als Männer. Sie erreichen den Zustand der Fahruntüchtigkeit dementsprechend schneller. Die mit dieser Berechnung erzielten Ergebnisse sind jedoch nur ungefähre Werte und Angaben. Deshalb werden bei Alkoholkontrollen im Straßenverkehr mithilfe spezieller Messtechniken genaue Werte berechnet.

Alkohol Promille Wirkung: Mit welchen Symptomen ist der jeweilige Promillewert verbunden?

Bevor man sich nach einem Bier oder einem Wein als Fahrer ins eigene Auto setzt, sollte man sich bewusst machen, welche Wirkung Alkohol und Promille erzeugen. Auch heute noch sind die hiesigen Unfallstatistiken voll von Zwischenfällen im Straßenverkehr, die durch Trunkenheit am Steuer verursacht wurden. Die Gründe dafür, dass sich noch immer viel zu viele Menschen betrunken ans Steuer setzen, sind unter anderem auf Selbstüberschätzung, Ignoranz und selten auch auf Unwissenheit zurückzuführen. Umso wichtiger ist es, dass sowohl Fahranfänger als auch erwachsene Verkehrsteilnehmer verinnerlichen, welch große Gefahr schon eine geringe Alkoholmenge mit sich bringen kann.

Bei einem Promillewert zwischen 0,1 und 0,3 scheint die Fahrtüchtigkeit noch weitestgehend in Ordnung. Man fühlt sich enthemmt, ausgelassen und das Belohnungszentrum im Gehirn sorgt dafür, dass die Betroffenen gute Laune empfinden. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt lässt die Fähigkeit, Entfernungen richtig einschätzen zu können, nach. Auch die Sehleistung reduziert sich, während gleichzeitig die Risikobereitschaft steigt.

Ab einer Promillegrenze von 0,5 ist die Sehleistung bereits um 15 % reduziert. Auch die anderen Sinne lassen nach, sodass Geschwindigkeiten nicht mehr richtig eingeschätzt werden können. Parallel dazu steigt häufig das Aggressionspotenzial an. Wer anschließend noch etwas mehr trinkt und eine Promillegrenze von 0,8 überschreitet, leidet in der Regel unter dem sogenannten Tunnelblick, bei dem das Sehfeld um ca. 25 % eingeschränkt ist. Sämtliche Reaktionszeiten verlängern sich und Gleichgewichtsstörungen machen sich bemerkbar.

Oberhalb der Promillegrenze von 1,0 kommt es zum Rauschzustand, der bei vielen Menschen mit Erbrechen und anderen alkoholtypischen Ausfallerscheinungen einhergeht. Zu den Einschränkungen bei der Reaktionszeit sowie dem Seh- und Hörsinn gesellen sich nun deutliche Störungen im Gleichgewichtssinn und beim Sprechen. Die absolute Fahruntüchtigkeit ist zu diesem Zeitpunkt normalerweise bereits gegeben. Wer das Risiko eingeht und noch mehr trinkt, bringt den eigenen Körper in einen gefährlichen Zustand. Die Atmung wird schwächer, ein Gedächtnisverlust stellt sich ein, eine lebensbedrohliche Alkoholvergiftung mit Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und im schlimmsten Fall sogar dem Tod, können die Folge sein.

Promillegrenze Deutschland: Wie viele Promille sind im deutschen Straßenverkehr erlaubt?

Wer als Autofahrer eine Strafe für eine Ordnungswidrigkeit umgehen möchte, sollte die Promillegrenze in Deutschland genau kennen. Ab 0,5 Promille darf man im deutschen Straßenverkehr kein Auto, Motorrad oder anderweitig motorisiertes Fahrzeug mehr führen, da man ansonsten eine Ordnungswidrigkeit begeht und mit Strafen rechnen muss. In vielen Bundesländern wird ab einem Wert von 1,1 Promille eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) fällig und es droht der Entzug des Führerscheins. Fahranfänger dürfen bis zum Ablauf der Probezeit überhaupt nicht trinken und anschließend mit dem Auto fahren. Schon geringe Spuren der letzten Partynacht können für einen Führerscheinentzug und eine MPU sorgen. Bevor man sich nach Alkoholkonsum ans Steuer setzt, sollte man entsprechend warten, bis der Abbau des Alkohols und der Promille abgeschlossen wurde, was bis zu mehreren Stunden dauern kann. Auch im Ausland kann das Nichteinhalten von Promillegrenzen als Straftat gelten und den Entzug des Führerscheins sowie die Anordnung einer MPU nach sich ziehen.

Alkohol Promille Abbau: Wie schnell erfolgt der Abbau von Promille im Blut?

Den größten Anteil am Alkoholabbau hat die Leber. Sie verstoffwechselt die toxische Substanz und sorgt dafür, dass Betrunkene wieder nüchtern werden. Das dauert in der Regel mehrere Stunden; bei Frauen für gewöhnlich länger als bei Männern. Auch mehrere Stunden nach dem letzten Bier oder dem letzten Schnaps kann die erlaubte Promillegrenze für den Straßenverkehr demnach noch weit überschritten sein. Je ausschweifender der vorherige Alkoholkonsum war, umso länger muss gewartet werden, bevor man sich wieder ans Steuer setzt. Selbst am nächsten Morgen kann sich noch sogenannter Restalkohol im Blutkreislauf befinden. Den Alkoholabbau in der Leber zu beschleunigen, ist nicht möglich. Auch ein sogenanntes Katerfrühstück, Kaffee sowie koffeinhaltige Getränke oder eine kalte Dusche können die Leber nicht dazu bringen, den Alkoholabbau anzukurbeln.

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