Alkohol und Drogen: Alles andere als harmlos

Endlich Wochenende; das pulsierende Nachtleben ruft. Nicht selten gehören zu einem gelungenen Abend auch der Konsum von “Stimmungsmachern” wie Ecstasy, Crystal Meth oder anderen illegalen Drogen; häufig in Kombination mit Alkohol. Vielfach wird allerdings die damit einhergehende Gefahr unterschätzt. Schließlich bergen psychoaktive Substanzen an sich bereits ein großes gesundheitliches Risiko und werden durch den Mischkonsum mit Alkohol umso gefährlicher. So können durch den gleichzeitigen Konsum von Drogen und Alkohol Horrortrips, schlimme Hangover-Effekte und bleibende Schäden bis hin zu akuter Lebensgefahr auftreten. Laut Bundeskriminalamt sind von den 1.272 Drogentoten aus dem Jahr 2017 mindestens 584 an sogenannten polyvalenten Vergiftungen gestorben, die durch einen multiplen Substanzgebrauch hervorgerufen wurden.

Weshalb sind Drogen und Alkohol zusammen so gefährlich?

Alkohol und Drogen gehören zu den sogenannten psychoaktiven Substanzen. Sie beeinflussen das zentrale Nervensystem des menschlichen Körpers und rufen dort je nach Droge unterschiedliche Veränderungen hervor. So sorgt Cannabis meist für Entspannung, Kokain wirkt euphorisierend und LSD ruft Halluzinationen hervor. Alkohol hat in geringen Mengen eine enthemmende Wirkung und sorgt bei vielen Menschen für gute Laune. Je größer die konsumierte Alkoholmenge ist, umso stärker rücken jedoch die sedierenden Eigenschaften in den Vordergrund. Die Betroffenen werden müde, teilnahmslos und klinken sich irgendwann ganz aus dem Geschehen aus.

Die große Gefahr des Mischkonsums besteht darin, dass sich die verschiedenen Drogen gegenseitig beeinflussen und sich in ihrer Wirkung verstärken. So verläuft der gemeinsame Rausch von Alkohol und Kokain völlig anders als beim alleinigen Substanz-Konsum; die Auswirkungen auf Körper und Geist sind häufig nicht vorhersagbar. Auch die Gefahr einer Abhängigkeit steigt um ein Vielfaches, wenn zwei Suchtmittel gleichzeitig konsumiert werden. Untersuchungen zeigen, dass Personen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, parallel dazu oftmals einen riskanten Alkoholkonsum entwickeln.

Wer Alkohol und Drogen gemeinsam konsumiert, geht also ein hohes Risiko ein. Trotzdem gehören das Bier und der Joint vor allem für junge Leute häufig zusammen. Meist erfolgt der Alkoholkonsum vor der Einnahme der illegalen Suchtmittel und senkt durch seine enthemmende Wirkung mögliche Bedenken bzgl. des Drogenkonsums, so dass Ecstasy-Pillen oder Kokain dem Betroffenen plötzlich gar nicht mehr so gefährlich erscheinen. Nachfolgend wird gezeigt, wie Drogen bei gemeinsamer Einnahme mit Alkohol wirken können und welche Gefahren dadurch aus medizinisch-psychologischer Sicht zu erwarten sind.

Cannabis und Alkohol

Cannabis und Alkohol ist der am häufigsten vorkommende Mischkonsum. So werden insbesondere Bier und Wein, aber auch stärkere alkoholische Getränke, gemeinsam mit Marihuana und Haschisch konsumiert und verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Wer beim Trinken kifft, sorgt dafür, dass sich das THC aus dem Cannabis schneller im Blutkreislauf verteilen kann. Gleichzeitig wird das Herz-Kreislauf-System enorm belastet. Die Folgen können nicht nur Schwindel und Übelkeit, sondern auch Erbrechen oder sogar ein Kreislaufkollaps sein. Je mehr die betreffende Person trinkt, umso größer ist die Gefahr für ernsthaft gesundheitsschädliche Folgen.

Ecstasy und Alkohol

Ecstasy ist hierzulande eine der beliebtesten Partydrogen, die vor allem Jugendliche und junge Erwachsene gern konsumieren. Da Ecstasy-Pillen aus diversen unterschiedlichen Substanzen zusammengesetzt werden und in vielen Fällen verunreinigt sind, ist die Mischung mit anderen psychotropen Substanzen gewissermaßen hochexplosiv. Hinzu kommt, dass Alkohol und Ecstasy das zentrale Nervensystem unterschiedlich beeinflussen. Während Ecstasy und MDMA aktivierend wirken, hat Ethanol einen sedierenden Effekt. Für Psyche und Körper kann diese gegensätzliche Wirkung sehr belastend sein. Hinzu kommt, dass die Alkoholwirkung unterdrückt wird und die Gefahr einer Alkoholvergiftung enorm ansteigt. Wärmestau, Dehydrierung, Überhitzung und ein akutes Nierenversagen können weitere gravierende Folgen sein.

Kokain und Alkohol

Kokain und Alkohol gehören ebenfalls zu den beliebten “Partymischungen”. Die Folgen nach dem Konsum sind ähnlich wie beim Zusammenspiel von Ecstasy und alkoholhaltigen Getränken. Der Unterschied ist, dass durch den Mischkonsum von Alkohol und Kokain in der Leber der stark toxische Metabolit Cocaethylen gebildet wird, der noch schädlicher als Kokain wirkt und über eine deutlich längere Halbwertszeit verfügt. Es kann zu einer Alkoholvergiftung, einer Dehydrierung oder einem Kreislaufkollaps kommen. Ebenso steigt die Gewaltbereitschaft.

Alkohol und GHB / GBL

GHB und GBL sind auch als Liquid E bekannt und werden vor allem von Jugendlichen verwendet. Gemeinsam mit Alkohol können die Drogen zu einem regelrechten Knock-out mit tödlichen Folgen führen. Schließlich wirken beide Substanzen stark dämpfend und können die Herzfrequenz und den Blutdruck in kürzester Zeit absenken, so dass es nicht nur zu Übelkeit und Erbrechen kommen kann, sondern häufig auch zu Ohnmacht oder Atemstillstand.

Heroin und Alkohol

Auch für Personen, die alkoholische Getränke mit Heroin mischen, kann der Rausch tödlich enden. Nach dem Konsum senken sich Blutdruck und Herzfrequenz praktisch ohne Vorwarnung ab, die Konsumenten verlieren erst das Bewusstsein und können daraufhin sogar ins Koma fallen. Auch die sogenannte Atemdepression, die zu einem Atemstillstand führen kann, ist weit verbreitet. Ähnlich wie bei Alkohol und GHB ist eine intensivmedizinische Behandlung unbedingt notwendig, um das Leben des Betroffenen zu retten.

Wie beendet man den Mischkonsum von Alkohol und Drogen?

Vielfach erfolgt der multiple Substanzgebrauch aus Unwissenheit über die Risiken des gleichzeitigen Konsums. Hier spielt die gesundheitliche Aufklärung eine große Rolle. Besteht noch keine Abhängigkeit, reichen ein bewusstes Konsumverhalten und das schrittweise Loslassen alter Muster unter Umständen bereits aus, um langfristig von Drogen und Alkohol loszukommen. Wichtig dabei ist, die Ursachen des Konsums zu analysieren und zu erkennen, dass das Leben auch ohne Suchtmittel schön sein kann.

Hat sich dagegen bereits eine Mehrfachabhängigkeit entwickelt, ist der Entzug beider Suchtstoffe in der Regel nicht zu vermeiden. So steht in einer qualifizierten Suchtklinik neben dem körperlichen Entzug auch die psychische Entwöhnung im Fokus. Dabei kann das Entzugssyndrom mithilfe geeigneter Medikamente gelindert werden. Weitaus schwieriger dagegen ist die Beendigung der psychischen Abhängigkeit. Schließlich setzt sich der Suchtkranke hier mit den Suchtursachen auseinander und muss lernen, seinen Alltag auch ohne Suchtstoffe zu bewältigen. Um den Patienten auch nach der Alkohol- und Drogentherapie zu stabilisieren, erfolgen zum Ende des Entzugs eine umfangreiche Rückfallprävention und die Erstellung eines strukturieren Nachsorgeplans. Dieses ganzheitliche Behandlungskonzept erhöht die Chancen auf einen substanzfreien Alltag immens und hat bereits vielen Suchtkranken geholfen.

Bei der Wahl einer passenden Entzugseinrichtung sollten Sie darauf achten, eine Klinik zu wählen, die Erfahrung in der Behandlung von Mehrfachabhängigkeiten besitzt. Schließlich ist es äußerst wichtig, beide Suchterkrankungen gleichzeitig zu behandeln, um Rebound-Effekte und Rückfälle zu vermeiden. Auch sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass die Erfolgschancen für ein abstinentes Leben deutlich höher sind, wenn Entgiftung und Entwöhnung unmittelbar aufeinander aufbauen und ohne eine zeitliche Verzögerung direkt hintereinander stattfinden. Bei öffentlichen Institutionen ist dies meist nicht durchführbar, da dort die Entgiftung und Entwöhnung zwei voneinander unabhängige Behandlungsschritte sind. Wenn möglich, ist daher der Entzug in einer privaten Entzugsklinik vorzuziehen.

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten:

Alkoholvergiftung: Mehr als nur ein Glas zu viel

Alkoholvergiftung: Mehr als nur ein Glas zu viel Ein Glas Bier oder Wein hebt die Stimmung und sorgt dafür, dass Ängste und Sorgen schneller vergessen werden....

Alkoholsucht-Ursachen: Einen alleinigen Grund gibt es nicht

Stress an der Arbeit, ein liebloser Partner oder Minderwertigkeitsgefühle – die Gründe für eine Alkoholabhängigkeit sind individuell und die Suchtbiografien der Betroffenen meist völlig unterschiedlich....

Medikamente und Alkohol: Ein Duett mit hohem Risiko

Medikamente und Alkohol: Ein Duett mit hohem Risiko Zahlreiche Medikamente sind mit starken Nebenwirkungen verbunden oder erzeugen riskante Wechselwirkungen mit anderen Substanzen. Besonders gefährlich ist häufig...
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos: Datenschutz | Impressum