Mischkonsum: Gefährlicher Drogencocktail

Eine Flasche Bier und dazu ein Joint zur Entspannung; ein paar Gläser Sekt und dazu etwas Kokain, um für die anstehende Party in Stimmung zu kommen – Mischkonsum ist nicht nur ein weit verbreitetes, sondern auch ein besonders gefährliches Phänomen. Wer mehrere Drogen miteinander kombiniert, sorgt automatisch für Wechselwirkungen oder eine Verstärkung der Wirkung. Welche Auswirkungen das hat, lässt sich nur selten vorhersagen. Fest steht allerdings, dass Drogen/Alkohol- und Medikamentencocktails für die eigene Gesundheit ein hohes Risiko mit sich bringen.

Was versteht man unter Mischkonsum?

Wer Ecstasy und Kokain, Heroin und Alkohol, Alkohol und Tabak oder Cannabis und Medikamente in beliebiger Reihenfolge miteinander konsumiert, pflegt einen sogenannten Mischkonsum. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von multiplem Substanzgebrauch gesprochen. Charakteristisch für diese Form des Konsums ist, dass wenigstens zwei, oftmals aber auch noch mehr psychotrope (das zentrale Nervensystem beeinflussende) Substanzen kombiniert werden. So gilt bereits der Konsum einer Flasche Bier gemeinsam mit einem Joint in geselliger Runde als eine Form des Mischkonsums, die gravierende Auswirkungen auf den Körper haben kann. Trotzdem gibt ein Großteil aller Cannabis-Konsumenten an, zur Einnahme von Haschisch und Marihuana regelmäßig Alkohol zu trinken. Doch nicht nur bei einer Kombination aus Alkohol und illegalen Drogen, sondern ebenso beim gleichzeitigen Konsum von Alkohol und Medikamenten sind die möglichen Wechselwirkungen enorm.

Warum ist der Mischkonsum so weit verbreitet?

Drogen und Alkohol gehören für viele Menschen zusammen. Das liegt daran, dass Alkoholkonsum hierzulande nicht nur weit verbreitet, sondern bisweilen sogar ritualisiert ist. Beim gemütlichen Beisammensein mit Freunden, bei Geschäftsessen oder auf Partys werden Bier, Wein und Schnaps auch gern mal in größeren Mengen getrunken. Die enthemmende Wirkung, die Alkohol mit sich bringt, sorgt dafür, dass die Hemmschwelle gegenüber dem Konsum anderer Substanzen sinkt. Das Risiko scheint plötzlich kleiner, die Lust etwas Neues auszuprobieren steigt. Insbesondere Cannabis, doch auch andere Drogen wie die typischen Partydrogen Ecstasy oder MDMA, werden zusammen mit Alkohol konsumiert. Diese Form der Kombination psychoaktiver Substanzen geschieht meist spontan und ungeplant. Weiterhin gibt es den gezielten Mischkonsum, um spezifische Wirkungen zu erzielen. Vor allem, wenn Medikamente mit Alkohol oder anderen Drogen konsumiert werden, wird von den Konsumenten ein verstärkter oder länger anhaltender Wirkungseffekt angestrebt.

Welchen Mischkonsum bei Drogen gibt es?

Wenn verschiedene psychoaktive Substanzen in Form illegaler Drogen miteinander kombiniert werden, geht es meist um eine Intensivierung oder eine Effektbeschleunigung der Wirkstoffe. So werden zum Beispiel Ecstasy oder MDMA und LSD als sogenannter “Candyflip” zusammen eingenommen, um die euphorische Wirkung des MDMAs bzw. der Ecstasy-Pillen zu verstärken. Die Kombination aus Heroin und Kokain, die auch als “Speedball” bezeichnet wird, ist ebenfalls ein Beispiel für diese Kategorie. Charakteristisch für diese riskante Kombination ist, dass zwei Drogen mit gegenteiliger Wirkung kombiniert werden, was für den Körper eine enorme Herausforderung bedeutet und ein großes gesundheitliches Risiko birgt.

Ein möglicher Grund für den Konsum einer Drogenmixtur besteht darin, die Folgen des Drogenmissbrauchs abzumildern. So wird beispielsweise oftmals Cannabis geraucht, um entspannter vom Drogentrip runterzukommen. Je mehr Drogen miteinander eingenommen werden, desto mehr Risiken birgt der Konsum. Schließlich sind die meisten Drogen nicht „rein“, sondern zeichnen sich durch eine Mischung unterschiedlicher Substanzen aus. So sind Kokain und Heroin genauso wie Ecstasy häufig mit zahlreichen Stoffen gestreckt bzw. vermischt, die ebenfalls gefährliche Wechselwirkungen in den Drogencocktail einbringen können.

Welchen Mischkonsum bei Medikamenten gibt es?

Medikamente bringen in der Regel nicht nur zahlreiche Nebenwirkungen für Patienten mit sich, sondern auch sogenannte Kontraindikationen und Gegenanzeigen. Diese geben an, wann bestimmte Medikamente nicht eingenommen werden dürfen. Trotzdem entscheiden sich viele Menschen immer wieder dazu, Medikamente miteinander zu kombinieren, die eigentlich nicht zusammen eingenommen werden sollten. Vielfach ist der Mischgebrauch bereits von vornherein suchtinduziert, sprich als Folge einer Abhängigkeit, zu verstehen. Ist dies nicht der Fall, erhoffen sich die Konsumenten von dem multiplen Medikamentengebrauch meist eine gesteigerte Wirkung und positive Effekte auf ihr Leiden. Dabei vertragen sich viele Medikamente im Körper nicht miteinander und können sogar zum Tode führen. Ein Beispiel hierfür ist die Kombination aus Benzodiazepinen und Opiaten. Benzodiazepine werden meist zur Behandlung von Angststörungen verschrieben, Opiate wiederum sind starke Schmerzmittel. Beide Medikamente besitzen ein hohes Abhängigkeitspotenzial und sollten schon allein deshalb nicht gemeinsam konsumiert werden. Durch den gleichzeitigen Gebrauch erhöht sich allerdings nicht nur das Risiko einer Mehrfachabhängigkeit, sondern auch die sedierende Wirkung beider Medikamente. In der Folge kann es zu einer Atemdepression kommen, die unbehandelt binnen kurzer Zeit zum Tode führen kann.

Wie werden Drogen und Medikamente mit Alkohol kombiniert?

Die häufigste Form des multiplen Substanzgebrauchs tritt im Zusammenhang mit Alkohol auf. Beispielsweise gehören Bier und Cannabis für die meisten Konsumenten von Haschisch und Marihuana genauso zusammen wie ein gutes Glas Wein und eine Schlaftablette für Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Sowohl die Kombination mit Drogen als auch die kombinierte Einnahme mit verordneten Arzneimitteln ist mit vielen Risiken verbunden. So können Schäden an der Leber oder anderen Organen sowie der Psyche auftreten. Insbesondere in Zusammenhang mit Opiaten oder Benzodiazepinen kann die Atemfunktion durch den gleichzeitigen Konsum von Alkohol gestört werden. Atemstillstand und Tod sind mögliche Folgen. Alkoholmissbrauch bei der gleichzeitigen Einnahme von Tabletten ist häufig Ausdruck einer schweren psychischen Erkrankung. Anders als bei der Kombination aus Drogen und alkoholhaltigen Getränken werden meist keine Rauschzustände gewünscht.

Auch die Mixtur aus Drogen und Alkohol birgt eine große Gefahr. Wer Drogen wie Cannabis, Speed, Crystal Meth oder Kokain mit Alkohol kombiniert, wird mit einer unterdrückten Rauschwirkung des Alkohols konfrontiert. Die Betroffenen merken nicht, wie viel Promille sie bereits im Blut haben und trinken einfach immer weiter. Das kann zu einer Alkoholvergiftung, aber auch zu daraus resultierenden Unfällen vor allem im Straßenverkehr führen. Darüber hinaus können die möglichen psychischen Nebenwirkungen eines Drogenkonsums durch die gleichzeitige Einnahme von Alkohol verlängert oder verstärkt werden. Der sogenannte “Hangover” ist hiervon ebenso betroffen, wie das mögliche Auftreten von Halluzinationen oder langanhaltenden Psychosen.

Wie schnell führt der Mischkonsum zu einer Mehrfachabhängigkeit?

Alkohol, Drogen, Medikamente – all diese drei Substanzen bergen bereits für sich genommen ein hohes Risiko für eine Abhängigkeit. Werden diese Substanzen selbst in kleinen Mengen miteinander kombiniert und konsumiert, kann dies in einer sogenannten Mehrfachabhängigkeit münden. Sofern wenigstens drei verschiedene psychotrope Substanzen im Spiel sind, sprechen Mediziner auch von einer Polytoxikomanie. Häufig verbreitet ist die Mehrfachabhängigkeit bei Jugendlichen. Doch auch junge Erwachsene und ältere Menschen, die verschiedene Medikamente zusammen konsumieren und dazu Alkohol trinken, unterliegen dem Risiko einer Mehrfachabhängigkeit. Der Prozess verläuft meist schleichend und die Abhängigkeit wird lange Zeit nicht erkannt. Das gilt insbesondere für psychotrope Substanzen, die gesellschaftlich allgemein akzeptiert sind, wie Alkohol oder Medikamente.

Wie wird eine Mehrfachabhängigkeit durch Mischkonsum behandelt?

Eine Mehrfachabhängigkeit kann wie eine singuläre Sucht nur durch einen qualifizierten Entzug in einer Suchtklinik behandelt werden. Dabei wird der Körper unter ärztlicher Überwachung und engmaschiger Kontrolle der Vitalfunktionen gleichzeitig von beiden Substanzen entgiftet. Parallel zum körperlichen Entzug erfolgt eine umfassende Entwöhnungsbehandlung, in der die psychischen Ursachen und Begleiterkrankungen des Mischkonsums aufgearbeitet werden. In der Therapie werden destruktive Verhaltensmuster durch konstruktive Lösungsstrategien ersetzt und die Rückkehr in den Alltag durch die Erstellung eines umfangreichen Nachsorgekonzepts vorbereitet. Aufgrund der starken Belastung für den Körper und die Psyche durch Mischkonsum, sollte die Therapie so schnell wie möglich durchgeführt werden. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei ambulanten Beratungsstellen, Suchtmedizinern und Entzugskliniken.

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