Heroinentzug: Die wichtigsten FAQs für den Weg in ein suchtfreies Leben

Heroin gilt als die Droge mit dem höchsten Abhängigkeitsrisiko und kann bereits nach dem ersten Mal körperlich und psychisch abhängig machen. Durch die schnelle Toleranzentwicklung müssen Suchtkranke die Dosis regelmäßig erhöhen, um noch dasselbe High wie am Anfang zu verspüren. Dies geht so weit, dass Langzeit-Abhängige Dosierungen benötigen, die für gesunde Menschen absolut tödlich wären. Mehr noch als bei anderen Substanzen ist die Sucht nach Heroin ein tägliches Spiel mit dem Tod, das bereits zu zahlreichen Drogentoten geführt hat. Umso wichtiger ist es, die Abhängigkeit durch einen qualifizierten Heroinentzug behandeln zu lassen. Wie dieser abläuft und was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Was ist ein Heroinentzug?

Im Gegensatz zu einer Substitution zielt ein Heroinentzug auf die Erreichung einer langfristigen Abstinenz ab. Der Entzug verläuft stufenweise und umfasst eine Entgiftung, Entwöhnung sowie eine Adaptionsphase und wird von einer ambulanten Nachsorge abgeschlossen. Aufgrund der starken Entzugserscheinungen sollte die Therapie stationär erfolgen.

Weshalb ist ein Heroinentzug erforderlich?

Kaum eine andere Substanz besitzt eine so zerstörerische Wirkung wie Heroin. Man sieht den Betroffenen ihr Elend und ihren schlechten gesundheitlichen Zustand buchstäblich an. Leberschädigungen, Lungenerkrankungen, Zahnausfall und Infektionen durch verunreinigte und gemeinsam genutzte Spritzbestecke sind bei regelmäßigem Konsum keine Seltenheit und führen zu einem schnellen körperlichen Verfall. Auch die sozialen Folgen wie Beschaffungskriminalität, Prostitution und Obdachlosigkeit sind meist gravierender als bei anderen Drogen. Um irreversible Schäden und einen kompletten sozialen Abstieg zu verhindern, sollte der Heroinentzug daher schnellstmöglich durchgeführt werden. Egal, wie ausweglos die Situation scheinen mag – es gibt Hilfe; Sie müssen sie nur annehmen.

Weshalb ist die Abstinenzmotivation wichtig, um clean zu werden?

Bei den meisten Süchtigen besteht eine Art Hassliebe zur Droge. Einerseits wissen sie um die Risiken und Gefahren, die mit der Einnahme der illegalen Droge einhergehen, andererseits vermittelt ihnen die Droge – wenn auch nur für einen kurzen Moment – Zuflucht und Euphorie. Damit ein Entzug überhaupt gelingen kann, müssen die Betroffenen selbst so weit sein und sich endgültig von der Droge lösen wollen. Eine solche Abstinenzmotivation entsteht in der Regel nicht von heute auf morgen, sondern erst nach einer längeren Zeit. Häufig ist es bereits zu Folgeschäden gekommen, die den Betroffenen als Weckruf dienen und die Abwärtsspirale durch die Droge verdeutlichen.

Wie ist die Behandlung einer Heroinsucht aufgebaut?

Um die Heroinabhängigkeit in den Griff zu bekommen, ist eine Entzugstherapie ein harter, aber sinnvoller Weg. Er besteht aus einer Entgiftung, einer Entwöhnung sowie ggf. einer Adaptionsbehandlung und sollte durch eine ambulante Nachsorge fortgesetzt werden.

Entgiftung

Während der Entgiftungsbehandlung wird der Körper komplett von Heroin und dessen Metaboliten befreit. Um die körperlichen Entzugserscheinungen zu lindern, können Methadon, Subutex oder Polamidon gegeben werden. Bei der Dosierung und dem Einnahmezeitraum ist allerdings äußerste Sorgfalt geboten, da alle drei Substanzen ebenfalls abhängig machen können. Zur Reduzierung des Noradrenalin-Ausstoßes und der damit verbundenen Erhöhung von Puls, Blutdruck, Angst und innerer Unruhe werden häufig Clonidin und weitere Symptom-reduzierende Medikamente verabreicht. Der medikamentöse Entzug verläuft deutlich sanfter als ein kalter Heroinentzug (Cold Turkey), bei dem keine Medikamente eingenommen werden.

Entwöhnung

Während der Entwöhnung setzen sich die Patienten mit den Ursachen ihrer Heroinsucht auseinander und erarbeiten gemeinsam mit den Therapeuten Alternativstrategien zum Heroinkonsum, die je nach Betroffenem völlig unterschiedlich verlaufen können. Während die einen Stress und Belastungen am besten durch körperliche Aktivitäten und Sport bewältigen können, entspannen andere eher durch Meditation, gute Musik oder ein spannendes Buch. Grundsätzlich sollte für jeden Patienten die bestmögliche Bewältigungsstrategie erarbeitet werden.

Adaptionsbehandlung

Im Falle einer Heroinabhängigkeit, die häufig mit einer Arbeits- oder Wohnungslosigkeit und einer Einschränkung der sozialen Teilhabe einhergeht, sollte nach der Entwöhnung eine Adaptionsbehandlung durchgeführt werden. Im Fokus stehen u. a. die Entwicklung einer tragfähigen beruflichen Perspektive, die Suche nach einem Praktikums- oder Arbeitsplatz, die Wohnungssuche, ein strukturierter Tagesablauf und die Haushaltsführung. Am Ende der Behandlung sollte die Arbeits- und Wohnungssuche idealerweise einen positiven Abschluss gefunden haben.

Ambulante Nachsorge

Durch das Suchtgedächtnis kann eine Heroinsucht wie alle anderen stoffgebundenen Abhängigkeiten niemals vollständig geheilt werden. Auch nach dem Entzug kann das Verlangen nach der Droge immer mal wieder aufflackern. Helfen kann lediglich eine lebenslange Abstinenz. Um diese in alltäglichen Stresssituationen und bei Belastungen zu stabilisieren, ist eine ambulante Nachsorge unabdingbar. Diese besteht in der Regel aus einer Psychotherapie, die bei zunehmender Stabilisierung in immer größeren Abständen stattfinden kann, dem Besuch einer Selbsthilfegruppe und eventuell weiterführenden Maßnahmen des Jobcenters.

Wie lange dauert ein qualifizierter Heroinentzug?

Ein Heroinentzug ist – wie bereits erwähnt – sehr viel mehr als die reine Entgiftung und durch die verheerende Wirkung der Droge meist auch deutlich umfangreicher als der Entzug anderer Substanzen. Die Behandlung ist erst dann abgeschlossen, wenn der Betroffene alle Phasen des Entzugs erfolgreich beendet hat und in der Lage ist, begleitet von der ambulanten Nachsorge ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Grob verallgemeinert, kann von folgenden Zeiträumen ausgegangen werden:

  • Entgiftung / Beendigung der körperlichen Abhängigkeit: Rund 2 Wochen
  • Entwöhnung / Behandlung der psychischen Abhängigkeit: Je nach Suchthistorie 6 Wochen bis 9 Monate
  • Adaptionsbehandlung: 16 Wochen

Welche Symptome treten bei einem Heroinentzug auf?

Eine Entgiftung von Heroin ist mit starken körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen verbunden, die es den Betroffenen äußerst schwer machen, den Entzug bis zum Ende durchzuhalten. Die ersten Symptome können bereits 4 bis 6 Stunden nach dem letzten Konsum beginnen, erreichen ihren Höhepunkt um den vierten Tag herum und klingen ab dem neunten Tag langsam wieder ab. Insgesamt kann die Entgiftung ca. 14 Tage andauern. Folgende Symptome können beim körperlichen Entzug auftreten:

Physische Symptome

  • Muskelschmerzen und -krämpfe in Beinen, Rücken und Gelenken
  • Unwillkürliche Trittbewegungen aufgrund von Muskelschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Grippeähnliche Symptome (tränende Augen, laufende Nase)
  • Gänsehaut und Schüttelfrost
  • Starkes Schwitzen

Psychische Entzugserscheinungen

  • Innere Unruhe und Schlafstörungen
  • Depressionen und Dysphorie
  • Angst
  • Starkes Verlangen nach der Droge (Craving)

Weshalb wird der Heroinentzug als so schlimm empfunden?

Neben dem stark ausgeprägten Entzugssyndrom ist der Entzug von Heroin für die meisten Süchtigen eine Phase des Erwachens und der intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst. Ohne die Droge lässt sich Negatives nicht mehr verdrängen, sondern wird bewusst erlebt. Dieses Resümee der Vergangenheit und die Erinnerung an physische und psychische Verletzungen tut weh und weckt die Sehnsucht nach Vergessen und Geborgenheit. Ein Wunsch, der sich durch eine erneute Spritze scheinbar ganz leicht erfüllen lässt, aber dennoch die denkbar falsche Entscheidung ist. Unabhängig davon, wie belastend die Suchttherapie wahrgenommen wird, der Weg in ein suchtfreies Leben lohnt sich immer.

Warum hat man beim Heroinentzug Schmerzen?

Heroin wirkt wie andere Opioide und Opiate stark analgetisch (schmerzlindernd) und wurde unter dem Namen Diamorphin / Diacetylmorphin bis in die frühen 1930er Jahre als Schmerzmittel verordnet. Danach wurde es aufgrund seiner Nebenwirkungen und seines großen Suchtpotenzials verboten. Obwohl es mittlerweile also nur noch als Droge konsumiert wird, greift es stark in den Neurotransmitter-Stoffwechsel des zentralen Nervensystems ein, dockt an den Schmerzrezeptoren an und unterdrückt die Weiterleitung von Schmerzsignalen. Wird die Substanz abrupt abgesetzt, reagiert das Gehirn bereits auf die schwächsten Signale mit starken Schmerzen und findet erst langsam wieder zu einer normalen Selbstregulation zurück.

Weshalb ist von einem kalten Heroinentzug abzuraten?

Obwohl ein kalter Entzug von Heroin in der Regel nicht lebensgefährlich ist, ist er für die Betroffenen aufgrund der nicht gelinderten Entzugserscheinungen eine Tortur und in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt. Zu stark sind die Schmerzen, Ängste, das Substanzverlangen und andere seelische Nöte. Darüber hinaus fehlt die Auseinandersetzung mit den Ursachen der Abhängigkeit und die Reintegration in ein normales Leben ohne Droge.

Wie funktioniert eine Substitutionsbehandlung?

Das Ziel einer Substitutionsbehandlung ist in der Regel keine vollständige Abstinenz, sondern eine Risikominimierung und die Verhinderung einer Beschaffungskriminalität. Verabreicht werden Mittel wie Methadon oder Buprenorphin, die über geringere Nebenwirkungen verfügen und durch den langsameren Eintritt der Wirkung nicht den typischen Heroinkick erzielen. Der Konsument erhält auf Rezept bestimmte Mengen des Substituts und soll so in die Lage versetzt werden, wieder aktiv am Leben teilzunehmen. Die Einnahme in Form einer nicht zur intravenösen Injektion geeigneten Trinklösung erfolgt kontrolliert in einer Arztpraxis oder Apotheke. Bei Bedarf ist die Substitution auch über mehrere Jahre hinweg möglich.

Dennoch sollte die Substitutionstherapie nur als 2. Wahl in Betracht gezogen werden, wenn ein Heroinentzug bereits mehrmals gescheitert oder aus anderen Gründen nicht möglich ist. Schließlich gilt Methadon ebenfalls als Droge und besitzt ein deutlich höheres Suchtpotenzial als Morphin oder Heroin. Der Suchtkranke wechselt also nur von einer Drogensucht in die nächste und sieht sich am Ende mit einem noch qualvolleren Entzug konfrontiert. Schließlich ist der Methadon-Entzug rund dreimal so lang wie der Entzug anderer Opiate und Opioide.

Was ist eine heroingestützte Behandlung?

Bei Patienten, bei denen eine Substitution mit einem anderen Wirkstoff nicht erfolgreich war, kann in deutschen Großstädten Diamorphin als verschreibungspflichtiges Heroin verordnet werden. Auch hier ist das Ziel keine Abstinenz, sondern die Resozialisierung der Betroffenen. Die Abgabe auf Rezept verringert die Beschaffungskriminalität und verhindert Nebenwirkungen durch Verunreinigungen.

Wo erhalte ich Hilfe auf dem Weg aus der Sucht?

Nahezu jede größere Stadt besitzt Suchtberatungsstellen, bei denen Heroinabhängige einen Termin ausmachen und sich über die Möglichkeiten medizinischer Hilfe informieren können. Alternativ kann der Hausarzt weiterhelfen. Auf keinen Fall sollten die Betroffenen versuchen, allein mit ihrer Sucht fertigzuwerden, denn ein Heroinentzug gelingt in der Regel nur mit professioneller Unterstützung. Ein Verzeichnis aller Suchtberatungsstellen finden Sie auf der Seite der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V.

Wer bezahlt einen Heroinentzug?

Da die Heroinsucht als Krankheit anerkannt wird, haben Süchtige einen Anspruch auf eine qualifizierte Therapie. Kostenträger sind entweder die Krankenkasse und die Rentenversicherung (bei Erwerbstätigen) oder ausschließlich die Krankenkasse. Bezahlt werden alle Bausteine der Therapie, d. h. die Entgiftung, Entwöhnung, Adaptionsbehandlung und die ambulante Nachsorge, müssen jedoch gesondert beantragt und zum Teil in unterschiedlichen Kliniken bzw. Einrichtungen durchgeführt werden. Unterstützung bei der Antragstellung erhalten Sie in jeder Suchtberatungsstelle.

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