Entzugserscheinungen Koks: Dauer, Ausprägung und Behandlung

Das hohe Suchtpotenzial der Droge Kokain ist hinreichend bekannt. Schließlich können bereits wenige Lines des weißen Pulvers ausreichen, um einen Konsumenten süchtig zu machen. Die Bewältigung der Kokain-Sucht hingegen ist weitaus schwieriger und aufgrund der stark ausgeprägten Koks-Entzugserscheinungen in der Regel nur mit professioneller Unterstützung zu erreichen.

Welche Entzugserscheinungen Kokain hervorrufen kann, wie lange sie dauern und wie sie behandelt werden, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Koks-Entzugserscheinungen: Wovon hängt die Ausprägung ab?

Die Symptome nach Beendigung des Kokainkonsums werden von jedem Binge Taker unterschiedlich wahrgenommen.

  • Je mehr Binge-Phasen (Mehrfachkonsum) pro Woche erfolgen und je länger sich der Konsum hinzieht, desto ausgeprägter verläuft meist das Entzugssyndrom.
  • Auch das Lebensalter, der allgemeine Gesundheitszustand sowie eventuelle Begleiterkrankungen oder Mehrfachabhängigkeiten spielen eine Rolle bei der Bewältigung der Entzugssymptome.

Entzugserscheinungen Koks: Wie verläuft der Entzug?

Die Entzugserscheinungen von Koks sind in erster Linie psychischer Natur und mit einer ausgeprägten Dysphorie, totaler Erschöpfung und einem hohen Suizidrisiko verbunden. Sie verlaufen nach dem Drei-Phasen-Modell von Gawin und Kleber in drei unterschiedlichen, aufeinander folgenden Phasen.

Crash

Kokainabhängige konsumieren in der Regel nicht täglich, sondern in sogenannten Binges. Auf Tage intensiven Konsums folgen Tage erschöpfter Abstinenz, in denen so lange nicht gekokst oder geraucht wird, bis ein bestimmter Auslöser einen erneuten Konsum von Kokain hervorruft. Unterbleibt dieser, fehlt die stimulierende Wirkung der Substanz und die Erschöpfung steigert sich bis hin zum völligen Kollaps (Crash). In Abhängigkeit von der gewohnten Abfolge der Binges kommt es durchschnittlich 9 Stunden bis 4 Tage nach dem letzten Konsum der Droge zum Zusammenbruch.

Neben der Erschöpfung treten meist folgende Symptome auf:

  • Schlaflosigkeit
  • Innere Unruhe
  • Zweifel, abstinent werden zu können
  • Suizidale Tendenzen

Um der Erschöpfung entgegenzuwirken, empfehlen sich die Schaffung von Rückzugsorten, ein reizarmes Umfeld und ggf. die Gabe antriebssteigernder Medikamente ohne Suchrisiko.

Withdrawal

Die Crash-Phase geht nahtlos in die eigentliche Entzugsphase (Withdrawal) über, die je nach Suchthistorie mehrere Wochen umfassen kann. Das Verlangen nach Kokain erreicht jetzt seinen Höhepunkt und lässt sich im Gegensatz zur Chrash-Phase kaum noch unterdrücken. Selbst Patienten, die dachten, bereits das Schlimmste überstanden zu haben, kreisen nun gedanklich permanent um die Droge und deren euphorisierende Wirkung. In dieser Phase ist das Risiko für einen Rückfall in das alte Suchtverhalten am höchsten. Dies gilt sowohl für das Schnupfen von Koks als auch das Rauchen von Crack.

Weiterhin ist mit folgenden Kokain-Entzugserscheinungen zu rechnen:

  • Extreme Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Paranoide Wahnvorstellungen
  • Depressionen
  • Suizidrisiko

Extinction

Während der Extinction-Phase tritt das Verlangen nach dem Suchtmittel nur noch schubweise auf und der Kokain-Entzug wird nun von den meisten Konsumenten als leichter empfunden. Man spricht daher auch von einer Löschungsphase. Dieser Begriff ist allerdings etwas irreführend, denn durch das Suchtgedächtnis und bestimmte assoziative Reize wird es immer mal wieder zum Suchtdruck kommen. Eine vollständige Heilung der Kokainsucht ist leider nicht möglich, so dass sich die Betroffenen im Grunde dauerhaft in der Extinction-Phase befinden. Dennoch rückt das Verlangen mit der Zeit etwas in den Hintergrund.

In den Anfängen der Löschungsphase kann es außerdem zu folgenden Symptomen kommen:

  • Alpträume über vergangene Kokainräusche
  • Depressive Verstimmungen
  • Suizidgefahr

Entzugserscheinungen Kokain: Worin basiert die besondere Wirkung von Kokain-Hydrochlorid & Crack?

Im Vergleich zu anderen Substanzen fällt auf, dass in allen drei Entzugsphasen Depressionen und suizidale Tendenzen vorherrschend sind. Die psychische Abhängigkeit ist also sehr ausgeprägt. Verantwortlich sind die besonderen Wirkmechanismen und die stimulierende Wirkung der Droge, die durch den immensen Dopamin-Anstieg im Gehirn ein extremes Hochgefühl erzeugt. Die Betroffenen fühlen sich bombastisch, redegewandt und dem Rest der Welt überlegen. Laut Wikipedia wird der intravenöse Kokainkonsum gar als „ultimative Emotion“ beschrieben. Kein Wunder also, dass die Patienten während eines Kokainentzugs massive Verlustgefühle empfinden und sich nach der Wirkung der Droge sehnen.

Zu dem starken Verlangen kommt die durch die Beendigung des Kokain-Konsums entstehende Erschöpfung, welche die Patienten zusätzlich ausbremst und ihnen jegliche Entzugsmotivation rauben kann. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Körper versucht, die drogeninduzierte Überstimulation durch die Hochregulierung des beruhigenden Cannabinoid-Rezeptors 1 (CB1) auszugleichen, der ebenfalls beim Cannabis-Konsum seine „chillende“ Wirkung entfaltet. Problematisch daran ist, dass der Rezeptor auch dann noch hochreguliert bleibt, wenn die Stimulanz durch die Droge nachlässt. Der Organismus wird also mehr als das Übliche heruntergefahren und funktioniert gewissermaßen mit „angezogener Handbremse“.

Entzugserscheinungen Koks: Wie lassen sich die Entzugssymptome mildern?

Um die Kokain-Entzugserscheinungen und die Risiken so niedrig wie möglich zu halten, sollten die Betroffenen von einem kalten Kokain-Entzug absehen und die Entgiftung und Entwöhnung stationär oder zumindest teilstationär mit medikamentöser Unterstützung durchführen. Ein ärztlich begleiteter ambulanter Entzug ist wegen der speziellen Wirkmechanismen von Kokain nicht zu empfehlen.

Als Medikamente kommen überwiegend Antidepressiva und niederpotente Neuroleptika zum Einsatz; Angst und innere Unruhe können durch Benzodiazepine gelindert werden. Aufgrund der hohen Suchtgefahr muss die Benzo-Gabe allerdings so kurz wie möglich gehalten werden. Treten als Folge des Entzugs Halluzinationen oder Psychosen auf, werden in der Regel hochpotente Neuroleptika / Antipsychotika verabreicht.

Zusätzlich können die psychischen Entzugssymptome durch Begleittherapien wie neuro-elektrische Stimulation (NES), Biofeedback und Akupunktur abgemildert werden. Diese werden allerdings vorwiegend von Privatkliniken angeboten, die nicht an die Vorgaben öffentlicher Kostenträger gebunden sind.

Kokain-Entzugserscheinungen: Welche Rolle spielt die Psychotherapie?

Eine Psychotherapie ist unabdingbar, um eine Kokainsucht zu überwinden. Zum einen helfen regelmäßige therapeutische Gespräch den Betroffenen, besser mit den psychischen Entzugserscheinungen klarzukommen. Zum anderen setzen sich die Patienten umfassend mit den Ursachen ihrer Abhängigkeit auseinander und erlernen alternative Strategien zum Kokainkonsum. Dies ist auch deshalb wichtig, um nach dem Kokain-Entzug den bereits erwähnten Konsumreizen widerstehen zu können.

Im Alltag sollte die Behandlung durch eine konsequente ambulante Nachsorge fortgesetzt werden. Dies gilt im Übrigen für die Abhängigkeit von allen psychoaktiven Substanzen; lediglich die Dauer der Therapie ist bei einer Abhängigkeit von Kokain länger als beispielsweise beim Alkohol.

Entzugserscheinungen Koks: Wie beeinflussen psychische Erkrankungen die Behandlung?

Rund zwei Drittel aller Kokainkonsumenten leiden an psychiatrischen Begleiterkrankungen wie Angst oder Depressionen. Umgekehrt können genau diese Erkrankungen durch die Kokainabhängigkeit entstehen. Um ein Wechselspiel von Sucht und Komorbidität zu verhindern, müssen während des Kokain-Entzugs beide Krankheitsbilder behandelt werden. Patienten, die bereits vor dem Konsum an einer psychischen Störung leiden, müssen damit rechnen, dass sich die Erkrankung durch die psychische Abhängigkeit verschlimmert und auch die Entzugssymptome verstärkt wahrgenommen werden.